24h Le Mans – Abseits der Strecke – Teil II

Shuttle Le Mans

©teilzeitreisender.de – Auf zur Strecke

Nur noch einmal umdrehen. Es ist 6:00 Uhr morgens und mein Wecker klingelt erbarmungslos. In einer halben Stunde muss ich munter vor dem Shuttle stehen, mitsamt dem Gepäck für eine Nacht im Zelt. Gepackt habe ich die Nacht, nachdem ich vor lauter Aufregung nicht einschlafen konnte.

Kurz vor halb sieben heißt es „Frühstücken“. Ein französisches Croissant und einen wässrigen Kaffee, den ich heute Morgen aber brauche. Während alle anderen im Bus einschlafen, hält mich dieser Schluck Koffein wach.

Unser erster Stopp sind die Zelte für die kommende Nacht. Das schwerste Gepäck lasse ich hier – in der Hoffnung, dass es heute nicht regnet. Wir sind nicht die einzigen, die langsam wach werden. Bei schönem Wetter sitzen die Fans vor ihren Wohnwagen – Picknickstimmung Made in Le Mans.

Toyota Hospitality in Le Mans

©teilzeitreisender.de – gut versorgt bei Toyota

Und auch wir als Toyota-Gäste bekommen so langsam wieder Hunger. Wir werden nicht nur von A nach B mit einem Shuttle transportiert, auch die Verpflegung ist in der Hospitality inklusive. Und so sitzen wir dann schließlich auf dem wind- und sonnengeschützen Balkon mit bestem Blick auf die Strecke und genehmigen uns eine Fruchtsaftschorle und ein paar Frühstückssnacks, während auf der Rennstrecke zahlreiche Klassiker aus der ruhmreichen Sportwagenvergangenheit ihre Runden drehen.

Während es um unsere Hospitality herum immer voller wird, machen wir uns auf zu einem Blick „Hinter die Kulissen“. Ein wenig Enttäuschung macht sich breit, einen Blick auf das Rennfahrzeug dürfen auch wir nicht werfen. Dafür sehen wir immerhin Reifen und Helme. Aber nicht wirklcih was Neues…

LeMans 24hrs 2015

©teilzeitreisender.de

Die anderen wollen zu Fuß um die Rennstrecke. Ob sie es wohl schaffen bis zum Rennstart wieder zurück zu sein? Während auch die letzten Fanmassen die Shoppingmeilen überfluten und auf der Amüsiermeile die ersten Euros für eine Runde auf dem Riesenrad ausgeben werden, genieß ich lieber die Ruhe vor dem Rennen. 24 Stunden gilt es durchzustehen – und ich bin gespannt, wie lange ich mich in der Nacht wachhalten kann.

Immer mal wieder fährt vor der Hospitality ein Auto auf der Rennstrecke vorbei – für mich das beste Zeichen – da passiert was. Mich hält es nicht mehr bei Toyota, ich muss auf die Tribüne, die sich direkt über den Boxen befindet. Mit Kamera, Stativ und Sonnenschutz bin ich wohl eine der ersten, die sich hier auf den Tribünenplätzen breit macht. Doch es lohnt sich – denn schon wieder entdecke ich ein paar Rennfahrer.

Startaufstellung Le Mans 24 Stunden

©teilzeitreisender.de – imposante Startaufstellung

Knapp eine Stunde vor dem Start sammeln sich alle so langsam in der Startaufstellung, anders als bei anderen Rennen werden die Fahrer nicht um die Strecke gekarrt – in Le Mans gibt es eine Aufstellung des gesamten Teams – die mich ein wenig an die Nascar erinnert. Während sich aus dem Gewusel immer mehr auch eine Ordnung formatiert, trudeln auch meine Begleiter ein und gemeinsam fiebern wir dem Start entgegen. Inzwischen ist es auf den Tribünen richtig voll, ich sehe vereinzelt Bengalofeuer und höre erste Fangesänge.

Ein erstes Raunen geht durch die Reihen, als die Motoren der LMP1-Fahrzeuge angeschmissen werden – „Gleich geht´s los!“ Bis zum Start dauert es gefühlt eine halbe Ewigkeit und doch ist der Moment einfach einmalig. Ein Kessel voller Jubel bricht sich den Damm, als die Ampeln auf Grün schalten – Die 24 Stunden von Le Mans anno 2015 starten! Die Stimmung? Einmalig. Dagegen ist die Startprozedur am Nürburgring wie eine Rentnerveranstaltung.

Le Mans Kulissen (20)

©teilzeitreisender.de – Anfangsphase in Le Mans

Noch gut eine Stunde bleibe ich auf der Tribüne – es ist ein recht ruhiges Rennen, zumindest von hier aus. Keine größeren Zwischenfälle, keine Wetterkapriolen – bis auf ein paar Überholmanöver weit weg von Start und Ziel passiert hier recht wenig.

Es stellt sich heraus, das die Shuttlebusse auch Orte anfahren, die wohl die wenigsten Fans von Le Mans sehen. Ein kleines Haus direkt an dem Hochgeschwindigkeitsabschnitt Hunaudières, auch Mulsanne Straight genannt, wird während des Wochenendes als Partylocation angemietet. Ich entdecke eine Steckdose und ziehe erst mal Energie. Es wird langsam dunkel und die Autos sind hier so schnell, das sie mit einer Kamera kaum einzufangen sind. Ich genieße das Schauspiel der Hochgeschwindigkeit, das ich so nah dran noch nirgends erleben durfte. Wir werden unterdessen mit einem alkoholischen Sprudelwasser versorgt und im Hintergrund sind die Streckensprecher zu hören.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fast zwei Stunden bleiben wir hier, unterhalten uns mit irgendwelchen B-Promis aus dem englischen Motorsport und genießen die Zeit. Mein Handy ist inzwischen aufgeladen und so geht es zurück zur Hospitality. Dort erfahren wir vom Toyota-Chefingenieur die angedachte Strategie für die Nacht. Es soll wohl ruhig bleiben.

Riesenrad in Le Mans

©teilzeitreisender.de – Le Mans von oben

Ich habe nun, angetüdelt vom Weißwein, endlich den Mut für das Riesenrad. Ein wenig mulmig wird mir dann schon, als wir das erste Mal eine Runde fahren und doch ist der Blick von hier oben auf die Strecke und die Scheinwerferlichter einfach nur unglaublich cool! Ich bin heute zu schwach für Hau den Lukas und die ganzen anderen Spiele und auch beim Blick auf die Bierstände wird mir eher ein wenig mulmig.

Auch der anschließende Kaffee kann meine müden Glieder nicht erwecken. Um halb zwei Nachts muss ich an diesem Samstag an der Sarthe aufgeben. Zelt! Ich komme!

Mythos Langstrecke - Le Mans

©teilzeitreisender.de – Mythos Langstrecke – Le Mans

PS: Vielen Dank an Janett von teilzeitreisender.de für die Eindrücke aus Le Mans. Teil I des Reiseberichts ist natürlich auch online und auch der Start des Roadtrip an die Sarthe mit einem Blick hinter die Kulissen bei Toyota in Köln und last but not least geht es hier zum letzten Teil der Reise an die Sarthe -> Teil III