FIA-GT 1998 – von unbekannten Australiern und Brasilianern

Mercedes CLK Dijon 1998

die CLKs 1998 in Dijon

Ende 1996 war die alte DTM tot. Opel und Alfa zogen sich aus Kostengründen zurück und Mercedes machte sich in neue Gefilde auf. Das AMG-Mercedes Team nahm daraufhin mit dem CLKK GTR 1997 erstmalig an der FIA GT-Weltmeisterchaft teil und stellte gleich mit Bernd Schneider den Champion.

In der Saison 1998 traf man im Team von AMG nun an der Seite von einem routinierten Piloten auf einen Junioren. Bernd Schneider zur Seite wurde ein junger Australier zur Seite gestellt, ein gewisser Mark Webber, der 1996 in England noch Formel Ford fuhr und 1997 in der britischen Formel 3 unterwegs war. An der Seite von Klaus Ludwig gab es südamerikanische Unterstützung, hier drehte Ricardo Zonta am Lenkrad.

Motopark Oschersleben

Saisonstart April 1998 in Oschersleben

Die Rennsaison 1998 sollte meine erstes etwas intensiveres Motorsportjahr vor Ort werden, das lag vor allem an Zonta. Der Brasilianer war mir schon 1996 in der Formel 3000 aufgefallen, als er erste Achtungserfolge für das Team von Draco Racing feierte. 1997 folgte der Formel 3000-Titel in Diensten von SuperNova vor einem gewissen Juan-Pablo Montoya.

Trotzdem, Webber und Zonta waren hier zu Lande wenig bekannt. Den Saisonstart 1998 fand auf der noch fast neuen Rennstrecke in Oschersleben statt. Hier trat man bei AMG noch mit den bewährten CLK GTR aus dem Vorjahr an, bevor man im Sommer auf den neuen CLK LM wechselte. Die Konkurrenz, an erster Stelle sollte man hier Porsche mit dem wunderschönen Porsche 911 GT1 erwähnen, hatte allerdings nie den Hauch einer Chance gegen die Silbernen. Die 98er Version des 911 GT1 durfte sich immerhin aufgrund der Zuverlässigkeit mit einem Sieg bei den 24h von LeMans schadlos halten. Der genialste Bolide des Jahrgangs 1998 war aber ohne Zweifel der Panoz GTR-GT1. Der ungewöhnliche Frontmotor-Wagen war immer und überall mehr als gut zu hören – ein Sounderlebniss erste Güte!

Zonta/Ludwig

Titelträger 1998: Ricardo Zonta und Klaus Ludwig

Die beiden Duos im Stern wechselten sich mit Siegen ab, Bernd Schneider war immer noch der Mann, den es zu schlagen galt, doch Zonta beeindruckte, wie schon in seinen Formeljahren zuvor. Was in Oscherlsbeben began, endete in Laguna Seca dann mit dem Titel für Zonta und Ludwig, wobei sich der Routinier hier bei seinem brasilianischen Kollegen bedanken darf, der sicher in Sachen Speed den Grundstein für den Titel legte.

Mich persönlich hat es damals nach Oschersleben, Hockenheim, Dijon und an den heutigen Red Bull-Ring (damals A1-Ring) in die schöne Steiermark verschlagen. Lange bevor ich selber Anhänger der #14 im NASCAR-Sport wurde und lange bevor das Thema Internet, geschweige denn Blog, wirklich massentauglich wurde, musste ich damals noch auf das Medium Print ausweichen. Da ich in diesem Jahr einen Fanclub für den jungen Brasilianer ins Leben gerufen hatte, musste auch hier etwas geschrieben werden. Damals stand ich noch am Kopierer, um die zweisprachige Variante meines Fan-Magazins zu vervielfältigen….lange ist es her.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Weg von Ricardo Zonta danach ist bekannt. Er ging erst zu BAR in die Formel 1, in das Villeneuve-Team schlechthin. Keine gute Voraussetzungen, dazu ein früher Unfall 1999, der ihn zu einer Pause zwang. Danach wurde er hauptächlich durch das Mika Häkkinen-Überholmanöver gegen Michael Schumacher in Spa „berühmt“, als er gleichzeitg überrundet wurde. Seine Formel 1-Karriere, später dann noch bei Jordan und Toyota war viel zu kurz, auch hier kann man wieder sagen „zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Es folgte noch der Gewinn der World Series by Nissan, dem Vorläufer der World Series by Renault, nach der Zeit in der F1 sicher ein Abstieg. Danach ging es für ihn zurück in die Heimat, mit dem ein oder anderen Auftritt im GT-Sport in Europa. Heute ist er weiter in der brasilianischen Tourenwagenmeisterschaft unterwegs.

Dijon 1998

Dijon 1998 – wie aus einer anderen Zeit…

Letztes Jahr habe ich ihn mal kurz in Zandvoort getroffen. Erinnern konnte sich Ricardo zwar an damals, aber irgendwie war er schon immer , wie soll ich sagen, ein wenig „dröge“. Mark Webber war komplett das Gegenteil. Der Australier hatte für Fans immer ein weitaus offeneres Ohr, zeigte auch mal ungefragt den Mercedes-Truck von innen. Auf unseren Brasilianer musste man damals irgendwie immer warten, was Herr Webber, der einem damals beispielsweise ständig am Hockenheimring über den Weg lief, mit einem „Sorry, it´s only me again“ kommentierte. Wenn man dann in den letzten Jahren den verschiedensten Medien folgte, als es bei RedBull um die Teamkombination aus Sebastian Vettel und Mark Webber ging, habe ich oft verwundert gestaunt. Man muss ja nicht alles glauben…

CLK LM #2

der Meisterwagen 1998 – die #2 – Mercedes CLK LM

1998 bleibt ein Motorsport-Jahr mit vielen Erinnerungen. Damals hieß es noch, Hauptsache irgendwie hin. In Dijon, Frankreich, stieß ich auf eine Rennstrecke, deren Infrastruktur noch wie aus den 70er Jahren wirkte. Geschlafen wurde auf dem Parkplatz im Corsa. Der kleine Opel brachte mich ebenfalls sicher in die Steiermark, auch wenn er auf dem VIP-Parkplatz (man gönnt sich ja sonst nichts) ein wenig deplaziert zwischen den ganzen Supersportwagen wirkte.

Falls noch jemand Fotos aus der 98er Saison der FIA-GT hat, immer her damit, würde mich sehr freuen (gerne auch zur Veröffentlichung in der Diashow hier). In diesem Sinne, Keep Racing!