Die Frikadelle – von der Eifel nach Daytona

Frikadelli Racing Porsche

©Porsche – Die schnellste Frikadelle der Welt

Sieht man das bekannte Design des Porsche-Boliden von Frikadelli Racing abseits der Heimat am Nürburgring, muss man sich doch zunächst ein wenig verwundert die Augen reiben. Das Team aus Barweiler rund um Klaus Abbelen und Sabine Schmitz erfüllte sich mit dem Auftritt beim 24-Stunden Rennen von Daytona einen großen Wunsch und so raste die schnellste Frikadelle der Welt am vergangenen Wochenende auf dem Kurs des Motorsportmekkas für amerikanische Rennsportfans an der amerikanischen Ostküste umher.

Als eines der ersten Kundenteams setzte die Truppe aus der Eifel einen neuen 911 GT3 R auf 991er-Basis ein. Neben Abbelen und Schmitz komplettierten Patrick Huisman, Frank Stippler und Porsche-Junior Sven Müller das Quintett. Klaus Abbelen erfüllte sich mit dem Start beim Klassiker in Florida einen lang ersehnten Wunsch: „Seit 15 Jahren träume ich davon, in Daytona zu fahren – jetzt war es an der Zeit, den Traum zu verwirklichen“. Da die GTD-Wertung in Daytona ab diesem Jahr nur noch GT3-Boliden beinhaltet kam eins zum anderen und der von Abbelen insbesondere seit Le Mans 2015 verfolgte Plan konnte in die Tat umgesetzt werden.

Frikadelli Rolex24

©Porsche – typisches Eifelwetter in Florida letzten Donnerstag

Natürlich war die Mannschaft auch bereits bei den Testfahrten gut zwei Wochen vorher mit am Start. Während Huisman und Stippler reichlich Daytona-Erfahrung mit in die Waagschale werfen konnten, konnten hier auch Abbelen und Müller die Zeit gut nutzen, um sich auf die 5,73 Kilometer lange Strecke einzuschießen – der Kurs für die Rolex24-Stunden von Daytona besteht aus der Strecke im Innenbereich des Superspeedways, sowie aus einigen überhöhten Kurven des Ovals.

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Bilder ©Porsche
Heimweh kam in der Qualifikation am letzten Donnerstag dann auf keinen Fall auf. Bei bestem Eifelwetter – will heißen ordentlich Regen – konnte Sven Müller einen starken 5. Platz in der Klasse herausfahren. Bei diesen widrigen Bedingungen lag man somit gar auf dem 20. Gesamtrang und vor zahlreichen Prototypen. Doch für den Rennstart in Daytona wurde das Feld wieder nach Klassen sortiert – so musste man sich zumindest optisch ein wenig mehr hinten anstellen als eigentlich verdient.

Freitags konnte die Mannschaft dann die neue Frikadelle nochmals im Trockenen über den Asphalt scheuchen, Patrick Huisman zeigte sich überzeugt vom neuen Zuffenhausener: „Schon bei den Daytona-Tests hat sich gezeigt, dass der neue Porsche 911 GT3 R ein großer Schritt nach vorne ist. Das Auto macht richtig Spaß, reagiert sehr gut auf Set-up- und Aerodynamik-Modifikationen. Mit seinem längeren Radstand gegenüber dem Vorgängermodell lässt er sich viel leichter und präziser Fahren. Ich freue mich riesig auf meinen elften Daytona-Start!“

Frikadelli Porsche Daytona

©Porsche

Die 24 Stunden von Daytona anno 2016 boten bis zum Schluss in (fast) allen Klassen faszinierende Zweikämpfe – lediglich in der Klasse der Prototyp Challenge war die Sache früh eine klare Angelegenheit. Während der ESM-Ligier Honda – sonst bekannt aus der WEC – für den ersten Gesamtsieg eines LMP2-Boliden sorgte und sich die beiden Corvette ein erbittertes Duell um den GTLM-Klassensieg lieferten, den Oliver Gavin hauchdünn zu seinen Gunsten gegenüber Antonia Garcia entscheiden konnte, hatte es die Klasse GTD ebenfalls in sich. Und die schnellste Frikadelle der Welt war mittendrin.

In der Anfangsphase unterlief der Truppe ein kleiner Fehler beim Boxenstopp – eine Bestrafung folgte auf dem Fuße. So ging es für die Startnummer #30 zurück auf Rang 18 in der GTD-Wertung. Dann war den Eifelanern das Glück aber in Sachen Gelbphasen ein wenig mehr hold und man konnte sich sukzessive wieder nach vorne arbeiten – in dieser Phase lieferte Sven Müller eine mehr als ordentliche Vorstellung ab. Der Barweiler-Porsche schnupperte dann sogar kurz Führungsluft, die man aufgrund eines turnusmäßigen Wechsels der Bremsen wieder abgab.

Frikadelli Racing Daytona

©Porsche – Frikadelli-911er bei Nacht, ungewohnt in Daytona statt am Ring

In der Nacht drehte Frank „Stippi“ Stippler mächtig auf und konnte wieder die Führung in der Klasse erobern. Daytona-Debütantin Sabine Schmitz übernahm den Wagen dann etwas zu schnell – will heißen, nach einem Boxenstopp gab es eine Durchfahrtsstraße für den Porsche. Die Nordschleifen-Queen zeigte sich unterdessen von Daytoan Speedway beeindruckt: „Das ist wirklich fantastisch hier. Ich habe versucht, meinen Rhythmus zu halten und das Auto in einem Stück zu lassen. Die überhöhten Kurven sind grandios. Aber hier muss ich viel aggressiver fahren als auf der Nordschleife, das ist schon etwas anderes. Ich hatte drei Stints, damit bin ich sehr zufrieden.“

In der Folge musste man zwar die Spitze ziehen lassen, hielt sich aber wacker beim Debüt und der starken Konkurrenz. Die einzige Blessur unterwegs sollte ein wenig Feindkontakt mit einem BMW sein, frisch getapt lief die Frikadelle aber ordentlich weiter. Während Sven Müller noch das ein oder andere Mal zeigen konnte, warum er Porsche Junior ist, waren Klaus Abbelen und Sabine Schmitz natürlich darauf bedacht, die Frikadelle bei ihrem Amerika-Ausflug auch ins Ziel zu bringen und viel Erfahrung mitzunehmen.


Den letzten Stint durfte dann standesgemäß Klaus Abbelen absolvieren, der den 911 GT3 R sicher ins Ziel brachte. Rang 12 hieß es am Ende für Frikadelli Racing – diesmal in Florida statt in der Eifel. Die Frikadelle hat gezeigt, dass sie keinen Burger fürchten muss – und verdammt gut ins Feld der 24 Stunden von Daytona passt – vielleicht auf ein Wiedersehen 2017?

Hier noch mein persönlicher Tweet des Rennens ;)


Nicht ganz unerwähnt sei natürlich noch an dieser Stelle der Sieger der Klasse GTD. Irgendwie ja auch ein Nürburgring-Export. Der Sieger der 24 Stunden vom Nürburgring 2014 darf sich jetzt auch Gewinner der 24 Stunden von Daytona 2016 nennen. René Rast musste für diesen Erfolg aber mehr als zittern. 30 Minuten vor Schluss lag er in Führung, wurde jedoch vom Lamborghini Huracán von Konrad Motorsport mit Fabio Babini am Steuer gejagt – der am Rast-Audi R8 LMS vom Kundenteam Magnus Racing in der Folge problemlos vorbeigehen konnte.

In den finalen Minuten der 24 Stunden drehte sich alles um das Thema Sprit sparen. Denn bei den ersten beiden war die Sachlage hier mehr als kritisch. Der durstige Lamborghini gab bei weniger als 3 Minuten Fahrzeit auf und rollte nur noch – Rast lag wieder in Führung. Jedoch ereilten ihn dann plötzlich Probleme im Banking des Ovals – der R8 verlor Benzindruck. Das Team instruierte den 29-Jährigen zur Langsamfahrt, von hinten nahte Nicky Catsburg im Porsche 911 – erst mit der Ziellinie vor Augen trat Rast wieder auf Gas – knapp über 3 Sekunden rettete er schlussendlich ins Ziel und konnte mit seinen Teamkollegen Andy Lally, John Potter und Marco Seefried seinen Triumph nach einem fehlerfreien Rennen feiern.

Audi R8 LMS Rene Rast Rolex24 Daytona

©Michael Stahlschmidt via Audi AG – Erfolg für René Rast