Driving Veloster – im Hyundai auf der Nordschleife

Hyundai Veloster Turbo - VLN Einstellfahrten

©Jochen Merkle – racepicture.de

Manche Klassen in der VLN Langstreckenmeisterschaft sind nicht sonderlich bekannt, bieten aber interessante und seriennahe Fahrzeuge jenseits der GT3-Aerodynamik-Monster. Hyundai bringt in der Klasse SP2T sowohl den i30, als auch den Veloster an den Start. Nachdem man in der Vergangenheit schon erfolgreich den Dauerlauf der 24 Stunden am Ring absolvieren konnte, fanden sich zum siebten VLN-Lauf der Saison 2015 beide Wagen in der Eifel wieder.

Eingesetzt werden diese übrigens vom Team Schumann. Ursprünglich wollte ich eigentlich einen direkten Vergleich zwischen einer Fahrt im Hyundai i20 WRC auf Kies und Schotter und einem seriennahen Rennboliden auf der altehrwürdigen Nordschleife angehen. Da ich just an diesem Wochenende aber verhindert war, habe ich die „Veloster Turbo-Aufgabe“ an Janett von teilzeitreisender.de übergeben, die für euch als Nordschleifen-Rookie im folgenden von ihren ersten Kilometern im Schatten der Nürburg berichtet. Viel Spaß und Keep Racing!

Hyundai Veloster T

©racing14.de – der Veloster

– Die Nordschleife im Hyundai Veloster Turbo –

Nürburgring – Die Grüne Hölle. Kein Platz für Weicheier. Und sicherlich eine große Herausforderung. Co Drive-Erfahrungen habe ich schon einmal vor längerer Zeit auf dem Hockenheimring gemacht – doch ein Ausflug auf die Nordschleife ist dann doch noch mal ein ganz anderes Kaliber.

Da tröstete es mich wenig, dass mit dem Hyundai Veloster Turbo ein recht seriennahes Fahrzeug mein Taxi für die 24,358 Kilometer aus der Kurzanbindung der Nürburgring GP-Strecke und der Nordschleife sein würde. Und doch stellte ich mich der Herausforderung. Einmal während der Einstellfahrten eines bevorstehenden VLN-Laufes durch die Eifel – das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Und so kam es, das ich an einem Freitag Anfang September Richtung Nürburg unterwegs war. Die Autobahn war frei und ich probte mich in meiner eigenen Renntauglichkeit – und doch wurde mein Magen mit jedem Kilometer ein klein wenig nervöser. Vielleicht muss ich etwas essen ? Einen kleinen Snack gönnte ich mir noch vorab – ob das mal so gut war?

VLN Hyundai Veloster Ready to Race

©Jochen Merkle – racepicture.de / Ready to Race

Für die ganze Organisation – der lästige Bürokram fällt auch hier an –  musste ich schon früh an der Rennstrecke sein. Und so zogen sich die Stunden – bis ich gegen 15:30 endlich gebeten wurde, einen Rennanzug auszusuchen. Lange ist also nicht mehr Zeit. Das war das Signal. So stand ich schließlich wenige Minuten später mit meiner Balaclava in der Boxengasse und zupfte die letzten Haare in Sicherheit. Mein Gemütszustand schwankte zu diesem Zeitpunkt zwischen „Hilfe, ich will hier weg“ bis „Krasse Kiste-gleich geht es über die Nordschleife“.

Die Neugier siegte und so meistere ich den Einstieg ins Auto mit Bravour. Wie ein Baby im Kindersitz werde ich festgezurrt, der Helm wird kontrolliert und nachdem die Kameras an Helm und im Auto auf „On“ geschaltet sind, kann die Reise über diese außergewöhnliche Rennstrecke losgehen. Pilotiert wird der schnelle Koreaner übrigens von Hyundai-Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick – hier dreht der Chef noch selbst am Lenkrad. Der wird ja wohl in erster Linie seinen Boliden ohne größere Blessuren über den Apshalt bewegen wollen.

Cockpit Veloster Boxengasse

Blick aus dem Veloster-Cockpit

„Sind die Reifen schon auf Temperatur?“ höre ich gedämpft durch meinen Helm. Ein „Lauwarm“ warnt mich jetzt schon vor, dass wir ein wenig Schlangenlinien fahren werden. Doch erst einmal heisst es noch Warten. Neben uns wollen noch knapp 100 andere Autos auf eine Trainings- oder Taxirunde über den Ring. Gefühlte 5 Minuten später stehen wir dann an der roten Ampel an der Boxenausfahrt. Noch schnell das Handgelenk mit entsprechendem Band den Offiziellen vorzeigen und los gehts.

Ist es normal, dass mir im Magen so flau ist? Während Markus Schrick die Reifen auf Temperatur bringt – und ich mich noch tiefer in den Sitz verziehe – werde ich noch einen Tick nervöser. Ab und an werden wir überholt und ich versuche in die Kamera zu lächeln, die direkt auf mich gerichtet ist.

Die Zufahrt auf die Nordschleife sorgt in meinem Kopf für ein heilloses Durcheinander. Was kam jetzt noch mal zuerst und wo war die Fuchsröhre , das Brünnchen und das Karusell und sowieso. Als mein Taxifahrer dann richtig Gas gibt, sind diese Gedanken aber vergessen. Die Landschaft zieht an mir vorbei und ich entdecke all die Menschen hinter den Zäunen, dazu auch die blauen Fahnen, die uns immer mal wieder gezeigt werden, wenn beispielsweise einer der schnellen GT3-Renner vorbeirauscht.

CoDrive Schrick Hyundai

©Jochen Merkle – racepicture.de / Fasten your Seatbelt

Ich bin im Rennzirkus. Mittendrin! Ein Glücksgefühl bricht sich seinen Damm. Oder war es nur der Magen, der gegen die letzte Anhöhe rebelliert hat? Mit Bravour absolviere ich die Hürden der Nordschleife und stelle überrascht fest, dass ich ja so einiges um mich herum wahrnehme. Die Natur, die Fotografen, die Streckenposten, und natürlich auch die Vibrationen des Autos. Auch ein kleiner Verschalter war dabei, aber ehrlich – ich wäre auf dieser Strecke gar nicht erst so weit gekommen!

Das Karusell enttäuscht mich ein wenig, irgendwie hätte ich es mir beeindruckender vorgestellt – und nach dem Hin- und Her bin ich ganz froh, als es endlich auf die Döttinger Höhe geht. Immer wieder muss ich jetzt Husten – und das flaue Gefühl im Magen wird stärker.

„Gleich sind wir da!“ denke ich mir, als wir Richtung Grand Prix Strecke einbiegen. Doch falsch gedacht! Der Chef von Hyundai Deutschland will mir noch eine Runde über die Kurzanbindung der Nürburgring Grand Prix Strecke gönnen. Lieb gemeint, doch im Advan-Bogen bahnt sich ein Unheil an. Und auch wenn ich es noch bis in die Box geschafft hätte – so ist der Stopp in der Veedol-Schikane zum „Rasen begutachten“ schon irgendwie auch ein Highlight. Haben so viele bestimmt noch nicht gemacht…

1 Runde Onboard im Hyundai Veloster T

 

Als wir wieder in der Box landen, bin ich dann doch irgendwie erleichtert, ich fühle mich wie nach einem Dauerlauf. Jetzt erst mal ruhen und etwas Koffein – nun erklärt sich mir auch, warum hier am Ring alle so süchtig danach sind…

Die Nordschleife ist nichts für Weicheier… und selbst die besten Rennfahrer haben mit der körperlichen Belastung hier zu kämpfen. Umso cooler, dass ich es geschaft habe. Also dann – das nächste Mal selber fahren ??

PS: Hyundai konnte am Samstag übrigens den Klassensieg in der VLN feiern – ein ausführlicher Blick auf das Renngeschehen ist hier online.

Hyundai

©racing14.de – Markus Schrick war neben dem Veloster auch auf dem i30 Turbo unterwegs