NASCAR in Chicago – unterwegs im Land of Lincoln

View from Grandstand Chicagoland

©racing14.de – Blick auf das weite Rund des Chicagoland Speedway

Still ist es plötzlich in diesem Riesenkomplex des Chicagoland Speedway (gut, für Amerika ist das hier schon Standard). 75.000 Zuschauer passen auf die Tribünen des 1,5 Meilen Tri-Ovals, das im September den Auftakt zu den Playoffs der NASCAR bot, dem „Chase for the Sprint Cup“. Es ist an diesem sonnigen Renntag nicht ganz voll auf den Tribünen – selbst im NASCAR-Land sind viele Rennen derzeit nicht mehr ganz ausverkauft.

Die Stille herrscht kurz vor dem Gebet. Gebet? Richtig, gehört alles mit zur Pre-Race-Zeremonie dazu. Und auf einmal stehst du inmitten dieser zigtausend Zuschauer und kannst einen Moment lang die berühmte Stecknadel fallen hören. Gänsehaut für den weitgereisten Motorsportfan – wer hier steht und wem das nicht nahe geht, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieser eine kurze Moment der absoluten Ruhe ist besonders, keine Frage.

NASCAR - American Flag

©racing14.de

Kurze Zeit später legt er los. Er ist in diesem Fall ein Opernsänger, der stimmgewaltig die amerikanische Nationalhymne anstimmt. Die Menge jubelt zum Ende hin, mit den letzten Tönen tauchen einige historische Flugzeuge am Himmel auf. Und du weißt, ja ich bin dabei, mittendrin in einem dieser V8-Tempel, in denen es im wahrsten Sinne des Wortes rund geht, von Februar bis November fast jedes Wochenende. Das hier ist anders, als das, was wir in Europa kennen, das ist NASCAR!

Chequered Flag Brad Keselowski

©racing14.de – das ist der Moment… Brad Keselowski gewinnt

Die Strecke des Chicagoland Speedway liegt ein wenig südlich von der Metropole Chicago (die man übrigens auch mal besuchen sollte, wenn man schon mal da ist – mehr über die Großstadt am Lake Michigan und die Reise dorthin kann man übrigens bei teilzeitreisender erfahren). Genauer gesagt gehört der Speedway zur Stadt Joliet. Hier gibts auch einige interessante Infos rund um die Route66, die man von hier aus nehmen kann – auf das Thema werde ich nochmal separat eingehen. Nur noch ein kleiner Hinweis. Fährt man die Route von Joliet aus kommend, landend man auch auf dem Route66 Raceway ganz in der Nähe des Tri-Ovals, wo die NASCAR unterwegs ist. Beim Route66 Raceway handelt es sich um eine moderne Anlage, allerdings um eine Strecke für Dragster-Rennen.

#2 and #3 - Keselowski-Dillon

©racing14.de – NASCAR Action in Joliet

Übernachten? Klar, Chicago bietet genug Möglichkeiten, sicher nicht alle ganz billig. Für das Rennwochenende wählte ich aber die Stadt Shorewood aus. Die Lage kann ich euch nur ans Herz legen. Gute 20 Minuten und schon ist man am Chicagoland Speedway angekommen. Und man muss auch nicht unbedingt über die (am Renntag vollere) Interstate, Landstraße geht auch und zu meinem Erstaunen bin ich hier problemlos ohne Stau voran gekommen. Lediglich vom Speedway weg am Renntag sollte man ein wenig mehr Zeit einplanen.

Shorewood selber ist eine Stadt, wo die Welt noch in Ordnung scheint. So wie man es sich aus amerikanischen Filmen vorstellt; hier kommt noch der Junge auf dem Rad vorbei und wirft die Zeitung in die Einfahrt. Erstaunlich sicher ist es so knapp außerhalb von Chicago – so ließ die Vermieterin der über airbnb gebuchten Unterkunft einfach die Haustür unabgeschlossen, das wäre „hier in Shorewood kein Problem“.

Beyond the Fence - #14 Tony Stewart

©racing14.de – Tony Stewart „Beyond the Fence“

Zurück zur NASCAR, zurück ins Oval. Der erste Tag des Rennwochenendes hatte leider Regen im Gepäck, will heißen, nach ein paar Runden Training war es das schon an Action auf der Strecke. Der Freitag eines NASCAR-Wochenendes wirkt gerade vormittags noch wie ausgestorben, diesmal wurde es leider auch nicht durch die V8-Motoren laut. Jet-Dryer und AirTitans, diese Vehikel befanden sich sehr lange auf dem Asphalt, Geräuschkulisse wie am Flughafen. Was es gebracht hat? Nichts, der Regen kam gegen Abend stärker wieder zurück. So blieb die größte motorsportliche Erfahrung des Tages die Fahrt im Golfcart im strömenden Regen – nicht grad prickelnd, aber ich will nicht meckern, besser als Laufen.

NASCAR Chase 2014-USA

©racing14.de – The „Chase“ is on

Dafür gab es am Samstag natürlich umso mehr Rennaction zu bewundern. Die NASCAR Nationwide Series fuhr wie geplant ihr Rennen, Kevin Harvick gewann ganz im Sinne seines Sponsors, der auch das „Freaky Fast 300“ getaufte Rennen sponsorte. Jimmy John´s Gourmet Sandwiches, die gab es auch für alle Medienvertreter und ich muss sagen, keine Ahnung, wo das Gourmet herkommt, es blieb das einzige an diesem Tage, was mich nicht überzeugen konnte.

Camping World Truck Series

©racing14.de – Camping World Truck Series

Abends ging es dann für die PickUp-Trucks ins Oval. Unter Flutlicht ging das Rennen der NASCAR Camping Word Truck Series zu Ende, im Hellen gestartet, rein in die Dunkelheit, Licht aus, Spots an, Kyle Busch gewann. Das war jetzt der Rennbericht in Kurzform. Im Ernst, solche Rennen gibt es bei uns nunmal nicht in dieser Form, muss man aber einmal gesehen haben.

Was bei der Nationwide und der Truck Series im Kleinen abläuft, das gibts am Sonntag im Rahmen des NASCAR Sprint Cup nochmal eine Nummer größer. Die Boliden werden in der Box aufgestellt, es gibt die Pre-Race Show, gefolgt von einer klassisch und bis ins kleinste Detail geplanten Pre-Race Zeremonie. Wenn dann das Kommando „Drivers, Start your engines“ ertönt, übernimmt das Heer der V8-Boliden das Zepter. Im Infield-Bereich des Ovals den Start der Meute zu erleben, ließ mir dann fast die Ohren wegfliegen. Trotzdem guter Aussichtspunkt und auch den Blogger in der Funktion als Fotograf hat es gefreut.

PitSign #14

©racing14.de – an der Box im Angesicht der #14

Stichwort Tickets. Auch für den kleineren Geldbeutel gibt es Tickets, meist recht weit unten und auf der Geraden. Aber mal ehrlich, wer einen NASCAR-Ausflug plant, der sollte sich dann auch hier etwas mehr gönnen. Auch ein Infield-Ticket mit Zugang zum eigenen Fan-Bereich und der Pre-Race Show lohnt sich in Chicagoland. In den vergangenen Jahren bin ich hier meist der Ansicht gewesen, mehr Geld für vernünftige Tickets auszugeben getreu dem Motto „Das mache ich ja nur einmal“. Gut, aus einem Besuch wurden mittlerweile derer fünf.

Während sich das NASCAR Sprint Cup Rennen der entscheidenen Phase näherte, wurde in der Vicory Lane schon alles für den Rennsieger vorbereitet. Denn auch hier gilt es ein strenges Prozedere einzuhalten. Letzlich hat sich Kyle Larson sehr bemüht, im Finish des 400 Meilen Rennens seinen ersten Cup-Sieg zu holen, doch Brad Keselowski in Diensten von Penske war an diesem Tag nicht zu schlagen. So kam der weiße „Miller-Lite“-gesponserte Penske-Ford dahin, wo jeder hinwill, in die Victory Lane.

Celebrations Victory Lane

©racing14.de – Victory Lane

Nachdem die Feierlichkeiten beendet waren (die gesamte Crew musste mit gefühlten 50 unterschiedlichen Kappensponsoren immer für das gleiche Foto parat stehen), leert es sich rasant im Oval. Ehe man sich versieht, sind die Zuschauer von den Tribünen, die Teams am Packen, lediglich in den hintersten Ecken des Mediacenters wird noch fleißig getippt.

Während ich am amerikanischen Buffet im Pressezentrum zuschlage, hat unser Rennsieger, Brad Keselowski, die gleiche Idee. Es gibt Menschen, die meinen, das müsse man auch bildlich festhalten, ich bin der Meinung, dass gehört sich dann doch nicht. Ihr könnt aber sicher sein, Hr. Keselowski isst auch nur ganz normal.

Penske-Ford Keselowski Victory Lane

©racing14.de – Brad Keselowski feiert

Die Victory Lane fand man mittlerweile vereinsamt vor, ein paar leere Miller Lite-Dosen und ähnliches war alles, was man noch vorfand. So schnell wie das NASCAR-V8-Imperium den Chicagoland Speedway an diesem Sonntag beherrschte, so schnell ist es nach der Siegerehrung auch wieder vorbei. Der NASCAR-Tross ist schon wieder unterwegs, nach dem Rennen ist vor dem Rennen, nur eine Woche später erklingt die Hymne woanders, nach dem Gebet, vor dem es dann auch wieder diesen einen besonderen Moment der Stille gibt.

Diesen bekommst du vielleicht auch vor dem heimischen PC oder Fernseher mit, erleben kannst du ihn nur live. Dann, wenn du mittendrin bist, zwischen tausenden Fans, die nur darauf warten, dass die V8-Boliden losgelassen werden, ja dann kannst du auch den Werbespruch der Amerikaner:  „NASCAR-Everything else is just a game“ weitaus besser verstehen. In diesem Sinne, Keep Racing Illinois, „Land of Lincoln“.

Blogger Victory Lane

©racing14.de – auch als Blogger mal in die Victory Lane, hatte was…

Infos und Tipps:

offizielle Website des Chicagoland Speedway (hier können auch die Tickets bestellt werden)

airbnb – Privatunterkünfte – Empfehlung für Joliet/Chicagoland – Shorewood

Alle Bilder des Wochenendes gibt es hier.

noch Fragen? einfach über Kontakt melden.

NASCAR Caution

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Chase Nations Battle

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Driving from Chicagoland

©racing14.de – Goodybe Chicagoland Speedway