Rockford Speedway – zurück zu den Wurzeln

Inside Office RFD Speedway

©racing14.de

Jody Deery sitzt gerade hinter ihrem Schreibtisch und erledigt die Buchhaltung. Jody ist die Chefin des Rockford Speedway, einer der alten Rennstrecken überhaupt im Mittleren Westen Amerikas. Sie begrüßt uns überschwenglich, sichtlich über den Besuch aus Good Old Germany erfeut. Das Büro ist voll, ja der Weg dorthin auch schon. Überall Motorsport, Modelle, Bilder, Aufkleber, Bücher und und….ja ich muss zugeben, so sollte mein Büro am besten auch aussehen…

Schnell wird klar, die Chefin der Rennstrecke knapp außerhalb von Rockford lebt den Motosport durch und durch. Der Rockford Speedway blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. Die erste Saison auf dieser Viertmeile wurde bereits 1948 abgehalten, die Strecke ist in Familienbesitz. Das Jody Deery bereits 90 Jahre alt ist, kann ich fast nicht glauben. Da soll noch einer sagen, der Rennsport hält nicht jung.

Rockford Speedway

©racing14.de -der Rockford Speedway

Der Speedway liegt hinter der Stadt Rockford, auf alten Werbeplakaten gab es als Routenbeschreibung lediglich ein „liegt 7 Meilen nördlich von Rockford“ zu sehen. Damals gab es außer dieser Strecke hier nicht viel. Heute wäre ich fast daran vorbeigefahren, Rockford ist in den letzten 30 Jahren enorm gewachsen, war früher um die Strecke herum nichts zu sehen, ist vom Target-Supermarkt bis zu den gängigen FastFood-Ketten alles vertreten. Und man ist fleißig mit Straßenbau beschäftigt, da musste auch neulich mal das Schild des Speedways weichen, daher ist er auf dem Weg erstmal gar nicht aufgefallen.

Das kleine Team der Rennstrecke zeigt uns die Anlage. Dass die Strecke schon ein gewisses Alter hat, sieht man ihr an. Auch für die Betreiber ist es finanziell nicht einfach in diesen Tagen. Wenn selbst in der großen NASCAR die Zuschauerzahlen zurückgehen… Hinter der Strecke und den Tribünen werden wir in die kleinen „Lounges“ geführt, die man mieten kann. Im Flur erinnern zahlreiche Bilder und Plakate an alte Zeiten. Auch Konzerte wurden hier schon abgehalten, Judas Priest und die Scorpions waren schon da. Da war es dann damals mal richtig voll, auch auf dem Asphalt.

LateModel #39 RFD Speedway

©racing14.de – Alex Papini – Late Model

Vor Ort kann man das ein oder andere in Sachen Merchandise erwerben, hey, wir sind schließlich in Amerika. Doch das hier ist nicht die große NASCAR, ein paar Caps, Shirts oder Sticker nimmt man hier gerne mit, mehr gibts dann aber auch nicht. Daneben kann man einen Blick auf die Historie werfen, alte Rennprogramme hängen an der Wand, damals fuhr man zuerst Midget-Rennen. Diese Fahrzeuge waren damals die einzigen, mit denen man Rennen betreiben konnte. Das Thema Stockcar war in den Anfangsjahren des Rockford Speedway noch Zukunftsmusik.

Dann ist es soweit, wir dürfen einen Blick auf „Mid-America’s Finest Racetrack“ werfen. Und das aus allen Positionen, vom Flaggenstand bis zur Lounge. Still liegt sie da, die Viertelmeile, aber nicht lang. Das Grollen eines V8 kündigt größeres an. Alex Papini sitzt hinter dem Steuer seiner Nummer #39 und bringt das NASCAR Late Model auf die Bahn für ein paar Runden. „Nur um die Bremsen etwas anzufahren“ – trotzdem beeindruckend nah dran sind wir, leider reichen die ca. 10 Runden hier nicht für einen schnellen Objektivwechsel an der Kamera. Doch man hat einen ersten Eindruck, was hier los ist, wenn es voll ist im Rund und ein Feld voller Late Models um den Sieg kämpft.

Alex Papini LateModel

©racing14.de – Late Model on track

Auf dem Rockford Speedway werden auch Rennen zur NASCAR Whelen All-American Series ausgetragen, dazu aber noch reichlich andere Serien. Von April bis Oktober ist hier immer was los, fast immer am Samstag, oft auch am Mittwochabend. Das Team des Speedway ist zwar klein, aber alle sind mit Herzblut dabei. Klar, ein Besuch der „großen“ NASCAR ist etwas besonderes, keine Frage, das durfte ich kurz vorher wieder auf dem Chicagoland Speedway erfahren. Doch man darf auch nicht vergessen, dass ein NASCAR Sprint Cup Rennen auch für den Fan ein wahrer Marketing-Marathon sein kann. Vor dem Eingang zu den großen Ovalen präsentieren sich alle möglichen Sponsoren, hier gibts viel zu gewinnen und auszuprobieren.

Wenn man aber zu den Wurzeln des amerikanischen Motorsports will, braucht es einen Ort wie den Rockford Speedway. Hier bist du fernab von modernen Marketingmaßnahmen, Social-Media-Werbung oder ähnlichem. Hier gehts du einfach nur hin, um gutes Racing zu sehen. Und hier bist du mal wirklich nah dran, da kannst du vergessen, was dir unsere hiesigen Rennserien als Fannähe versprechen. Nicht zu vergleichen, in keinster Weise. Viele bekannte Namen haben hier in ihrer Karriere mit Rennsiegen einen entscheidenden Schritt nach vorne getan. Mark Martin, Alan Kulwicki, Rusty Wallace oder Matt Kenseth sind nur einige Beispiele, die dem NASCAR-Fan sicher etwas sagen werden.

Sign Rockford Speedway

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Für mich persönlich war der Besuch des Rockford Speedway auf jeden Fall ein Highlight in diesem Jahr. Wenn man zahlreiche Rennberichte verfasst und oft an den gleichen Strecken unterwegs ist, kommt auch für den Motorsportblogger der Punkt, an dem er sich fragt, warum das Ganze. Da tut es mehr als gut, wenn man sich auf das Wesentliche besinnt. Fernab von Blogkennzahlen und nennen wir es einfach mal „Social-Media-Gehabe“ ist dies die Liebe zum Motorsport, die Passion, wenn du live dabei ist, wenn die Ampeln grün zeigen. Das kleine Team vom Rockford Speedway hat diese Passion durch und durch und so standen wir an diesem Tage noch eine Weile in der Nachmittagssonne und sprachen von Rennen, Boliden und mehr. Danach sitzt Jody Deery wieder in ihrem Büro und kümmert sich um alle Belange der Rennstrecke, zwischendurch wird der Blick beim Aufschauen kurz auf das Schild mit dem Spruch „Life is a Game, Racing is Serious“ gelenkt.

at Rockford Speedway

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An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Jody, David und Eric vom Team des Speedway für Ihre Zeit bedanken. Ich komme wieder, diesmal dann aber an einem Mittwochabend oder noch besser an einem Samstag, kaufe mir ein Bier und werde den Fahrern zuschauen, wie sie mit ihren V8-Maschinen um den Erfolg bis zum Fallen der Zielflagge kämpfen, mittendrin im Oval, im mittleren Westen. Keep Racing at Rockford Speedway!

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Praktische Infos

Der Rockford Speedway liegt 7 Meilen nördlich von Rockford (eine der größten vier Städte im Bundesstaat Illinois), hier ist man in guten 2 Fahrstunden von Chicago aus.

Adresse: 9572 Forest Hills Rd, Loves Park, IL 61111, USA

offizielle Website des Rockford Speedway

Tourismus-Info Rockford

PS: hier noch ein Eindruck in bewegten Bildern vom Rockford Speedway – that´s what i am talking about…