24h Nürburgring – Im Zeichen der Sterne

24 Stunden Nürburgring 2016
©Gruppe C GmbH – Sieg für Black Falcon

24h Nürburgring Nordschleife 2016 – Sieg für Black Falcon

Es war schon ein denkwürdiger Moment, als die letzte Runde des 24 Stunden Rennens auf dem Nürburgring anbrach. Die Zeiten, in denen die verbliebenen Kämpfer des Langstreckenklassikers in der grünen Hölle gemütlich ihr Fahrzeug ins Ziel rollen ließen, sind schon lange Geschichte. Anno 2016 sah das ganz anders aus. Der 24 Stunden-Sprint, der dieses Jahr wetterbedingt einmal mehr für lange Zeit unterbrochen werden musste, entschied sich in der 134. Runde. Maro Engel quetschte seinen Mercedes AMG GT3 am Markenkollegen Christian Hohenadel noch auf der Grand Prix Strecke in einer Hauruck-Überholaktion vorbei, der damit verbundene Kontakt schickte den HTP-Benz jenseits der Ideallinie und das Rennen entschied sich somit auf den allerletzten Kilometern für die Truppe von Black Falcon.

N24h 2016 Maro Engel
©Gruppe C GmbH – Maro Engel

Hohenadel hatte zwar vorher einen ausreichenden Vorsprung, musste aber nochmal an die Box, um den notwendigen Sprit aufzufassen, damit es sein HTP-AMG über die Ziellinie schaffen konnte. Als er wieder auf die Strecke kam, wurde im Rückspiegel die Startnummer #4 mit Maro Engel immer größer, bis schließlich kein Kraut mehr gegen den weißen Black Falcon gewachsen war. Für Hohenadel selbst ging das Manöver übrigens in Ordnung – HTP legte zwar Protest ein, dieser wurde jedoch abgewiesen und auf eine Berufung hat man ebenfalls verzichtet. Maro Engel krönte damit ein für ihn grandioses Rennwochenende – schon im Top30 Qualifying sorgte er für die Pole-Position – hier allerdings am Steuer der Nr. #9, auf der er ebenfalls gemeldet war und neben dem Sieg im zweiten Boliden am Ende auch noch Gesamtrang 4 erringen konnte.

Als Gewinner der 24 Stunden durften sich neben Engel Bernd Schneider, Manuel Metzger und Adam Christodoulou feiern lassen. Letzter fällt einem sofort ein, wenn man ans Vorjahr denkt und einen Piloten vor Augen hat, der verzweifelt versuchte, sein damaliges SLS-Gefährt wieder flott zu bekommen. Ein Jahr später sieht die Welt in der Eifel auch für Christodoulou schon wieder ganz anders aus.

Mercedes AMG GT3-Phalanx
©Gruppe C GmbH – Mercedes AMG GT3-Phalanx

Mercedes-AMG GT3 – unbesiegbare Sterne

Eines war früh klar, der Sieg beim diesjährigen 24 Stunden-Rennen konnte nur über die Mercedes-AMG GT3 gehen. Neben Black Falcon und HTP war es vor allem Haribo Racing, die lange ein Wort um den Gesamtsieg mitreden konnten. Uwe Alzen, Jan Seyffarth, Lance David Arnold und DTM-Pilot Maximilian Götz setzten auf den doppelten Goldbären. Das Team ging mit diesem Viererteam sowohl in der Startnummer #8, als auch in der #88 an den Start. Aus taktischen Gründen zog man dann die #8 nach einer kleineren Kollision zurück und setzte voll auf die besser plazierte #88. Der Goldbär-AMG musste seinerseits zwar eine heikle Situation überstehen, als ihn der vor ihm verendende BMW M6 GT3 von Schubert Motorsport mit Jörg Müller in eine dichte Rauchwolke schickte, lag aber lange Zeit an der Spitze des Gesamtklassements. Die bärigen Aussichten endeten erst am Sonntagvormittag, als es eine saftige Zeitstrafe für ein Code60-Vergehen gab, das die Truppe auf den dritten Platz zurückwarf.

Haribo-AMG GT3
©Gruppe C GmbH – Haribo-Benz

Das war nicht mehr aufzuholen und so sah es lange nach einem Sieg für HTP aus. Black Falcon musste in den Morgenstunden des Sonntags unplanmäßig an die Box aufgrund von Vibrationen – so waren die am Ende Zweitplatzierten Hohenadel, Seefried, van der Zande und Vietoris lange in Führung, allerdings auf einem anderen Boxenstopprhythmus – man sah sich bei den Benz-Teams erst in der letzten Runde mit bekanntem Ausgang wieder.

Für viele war klar, dass in diesem Jahr Audi gar nicht gewinnen konnte – man hatte ja bereits im Vorjahr das Vergnügen. Und viele Hersteller buhlen um GT3-Erfolge und Balance of Performace – BoP – Einstufungen. Das soll jedoch auf keinen Fall die Leistung der Fahrer schmälern, am Ende 5 Boliden mit dem Stern unter den Top 6 sprechen aber eine deutliche Sprache. Bester Audi wurde die Startnummer #2 vom WRT-Team in der Besetzung Stuart Leonard, Robin Frijns, Edwards Sandström und Frederic Vervisch mit Gesamtrang 8 noch hinter dem ersten der Bentley, eingesetzt von Abt Motorsport (Christopher Brück, Christian Menzel, Guy Smith, Fabian Hamprecht). Die #1 brachte den Titelverteidigern von WRT aus dem Vorjahr kein Glück – der Audi R8 LMS musste früh die Segel streichen.

N24h 2016 BMW M6 GT3
©Gruppe C GmbH – BMW M6 GT3

Bester Nicht-Mercedes wurde der Rowe-BMW M6 mit Alexander Sims, Philipp Enge, Maxime Martin und Dirk Werner am Steuer. Die BMWs waren noch am ehesten die Fahrzeuge, die Mercedes hier und da ein wenig ärgern konnten – aufgrund zahlreicher größerer und kleinerer Probleme sahen aber viele das Ziel nicht. Bitter vor allem das späte Aus am Sonntagmorgen von Lucas Luhr, der in der Jubiläums-Startnummer #100 unschuldig Opfer einer Kollision auf der Grand Prix Strecke wurde. Der dicke M6 wurde ausgerechnet von einem kleineren BMW abgeräumt und dabei nachhaltig kaltverformt.

Noch betrübter waren die Gesichter bei Porsche. Nachdem Kevin Estre schon im Top30-Qualifying einen Abflug zu verzeichnen hatte, schied die Startnummer #911 von Manthey Racing in den Händen von Le Mans Sieger Nick Tandy bereits in der ersten Runde aus. Die #912 von Lietz, Bergmeister, Christensen und Makowiecki mauserte sich in der späten Abendstunden des Samstag zwar mit guten Rundenzeiten, mangels Vortrieb war hier aber am Sonntagvormittag das Aus besiegelt. Auch Frikadelli Racing sah das Ziel nicht – Sabine Schmitz geriet bei der Auffahrt zur Hohen Acht auf einen noch feuchten Randstein und verlor den 911 GT3 R. Bester Porsche war somit am Ende das Team von Falken mit Gesamtrang 9.

24 Stunden Nürburgring 2016 - SafetyCar
©Gruppe C GmbH

Wetterchaos rund um Aremberg

Auf der Grand Prix Strecke schien um 15.30h noch die Sonne, als das Feld auf die Reise ging. Keine 50 Minuten später schlug das Eifelwetter im Bereich Aremberg dagegen aber derart heftig um, dass hier kaum ein Fahrzeug auf der Strecke bleiben konnte. Gefühlt rodelte das halbe Feld in die Wiese oder ins Kiesbett – Starkregen und Hagel sorgten dafür, dass die Strecke einfach nicht mehr befahrbar war. Die logische Folge – Rennabbruch. Immerhin konnten viele ihre Boliden repariert beim Neustart wieder auf die Hatz schickten, die Winterlandschaft, die die Nordschleife jetzt plötzlich darstellte, wird einem auf jeden Fall noch lange in Erinnerung bleiben. Gute 3 Stunden und 3 Einführungsrunden musste pausiert werden und selbst dann waren die Bedingungen äußerst kritisch. Das Eifelwetter macht halt manchmal seine eigene Balance of Performance….

Ein Blick in die Klassen

RTL Nitro übernahm bekanntlich ab diesem Jahr die Übertragung der 24 Stunden. Generell gar nicht mal so schlecht – das man aber noch nicht einmal beim Start die anderen Startgruppen als TV-Zuschauer zu Gesicht bekam, stimmt nachdenklich. Denn es gab und gibt immer noch vieles jenseits der GT3-Boliden.

Wie in der VLN schon das ganze Jahr schlug in der CUP5-Klasse erneut die Stunde von Michael Schrey und Alexander Mies, die diesmal mit Verstärkung von Emin Akata und Dries Vanthoor unterwegs waren. Das Quartett von Bonk Motorsport setzte sich in der Wertung gegen Scheid Honert Motorsport und Pixum Adrenalin Motorsport durch.

Sunrise Green Hell
©Gruppe C GmbH

In der Klasse SP2T setzte sich der Hyundai Veloster 1.6 Liter Turbo in der Besetzung Joachim Kisch, Jürgen Nett, Timo Schupp und Alexander Köppen durch, auch in der seriennahen Wertung gab es so einige Dramen im Laufe der 24 Stunden. Für Hyundai war es der dritte Erfolg in Serie, die Marke hätte es sicherlich einmal gefreut, Erwähnung zu finden. Hinter einem Mini auf Rang 2 lief hier einer der wenigen Exoten ein, Toyota Gazoo Racing schickte den Toyota C-HR Racing auf die Piste – das Crossover-Fahrzeug sah man wohl nur, wenn man vor Ort in der Eifel war.

Einer der Publikumslieblinge war nicht lange dabei, der Opel Manta musste bereits früh die Segel streichen. Unterdessen lieferte der Subaru WRX STI von Carlo van Dam, Marcel Lasse, Hideko Yamauchi und Tim Schrick mit dem Gewinn der Klasse SP3T ein grandiose Vorstellung ab. Von diesem Fahrzeug wollen wir doch in Zukunft sicher mehr sehen, ebenso wie vom Hyundai i30, der mit neuem 2.0 Liter Turbomotor erstmalig in dieser Klasse antrat und einen Ausblick gab, was wir von den Koreanern künftig erwarten dürfen.

Hyundai i30 N
©racing14.de – Hyundiai i30 2.0 Turbo “N”

Der Motor lief reibungslos und entspricht weitestgehend der Serienproduktion – das Herzstück machte keine Probleme, diese lagen leider woanders, so dass man sich beim ersten Auftritt des Modells mit Rang 4 begnügen musste. Auch hier macht Wiedersehen Freude.

Wer sich einen Überblick über alle Klassen verschaffen möchte, der wird hier fündig. Die 24 Stunden standen in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sterne, der Ausblick auf 2017 lässt einen da schon rätseln, ob nun BMW oder doch wieder mal Porsche an der Reihe ist… – trotzdem war es ein denkwürdiges Rennen, welches einem noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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