24h Le Mans – Abseits der Strecke – Teil I

Circuit de la Sarthe
©teilzeitreisender.de – Le Mans

24 Stunden von Le Mans – Teil I – Gastbeitrag von teilzeitreisender.de

Le Mans. Ein Pilgerort? Alljährlich im Juni fahren Heerscharen an Motorsportverrückten Menschen aus aller Welt an diesen sonst so ruhigen Ort in der französischen Region Pays de la Loire.

Doch was macht den Mythos Le Mans so besonders?

Ich bin nicht das erste Mal an einer Rennstrecke und doch ist die französische Stadt etwas ganz besonderes. In Sachen Fannähe kommt Le Mans der Formel 1 gleich. Alles wird gefühlt hermetisch abgeriegelt, in die Stadtaufstellung kommt nur hinein, wer Superpromi ist.

Macht das den Fans vor Ort etwas aus? NEIN! Die 24 Stunden von Le Mans sind ein Volksfest – ein Wiedersehen mit alten Bekannten, ein Ort, an dem man ähnlich wie ein Festival einfach mal die Sau raus lassen kann. Und doch ist es anders. Es ist der Mythos – der allgegenwärtig über der Rennstrecke schwebt.

24hLeMans - unterwegs in der Straßenbahn
©teilzeitreisender.de

Fahrerpräsentation oder die Frage – Pass ich noch in die Straßenbahn?

Wir erreichen Le Mans am Freitag Nachmittag. Durch einen Vorort (ich habe keine Ahnung mehr wie der hieß) schlängelten wir uns im Stau Richtung Rennstrecke. vor uns ein Ferrari, zwei Reihen hinter uns ein Maserati. Dazwischen ein englischer Wohnwagen und wir in unserem Toyota Yaris. Es regnet und eigentlich sind wir totmüde von der anstrengenden Fahrt hier her.

Eine Stunde später – Zeltbesichtigung. Irgendwo hinter dem Kreisverkehr, gefühlt 2 Kilometer von der Rennstrecke entfernt und doch mittendrin. Mein Zelt ist klein und doch ist es um mich herum unglaublich entspannt. Familien sitzen an ihrem Grill, ein junges Paar schaut aus dem Wohnwagen – heute wird kein Auto um die Rennstrecke fahren. Heute Nacht schlafe ich noch im Hotel in Tours, aber morgen werde ich eintauchen in den Mythos Le Mans.

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©teilzeitreisender.de – on the road in Le Mans

In zwei Stunden ist Fahrerpräsentation. Direkt in Le Mans. Ich lass mir sagen, dass es Zeit ist, sich auf den Weg zu machen. 2 Kilometer laufe ich bis zur Straßenbahnhaltestelle, vorbei an Straßenbarrikaden mit feiernden Fans, entlang an Wohnwagen, die es ganz normal finden, in einem Wendekreis zu campieren und vorbei an der „Spaßmeile“ von Le Mans, zu der ich euch später noch erzähle.

Und dann stehe ich an der Straßenbahn-Endhaltestelle, mit mir gefühlt 100 Fans, die wohl alle die gleiche Idee hatten. Auf ins Zentrum! Mit ganz viel quetschen und drücken und kuscheln landeten wir dann doch alle in der Bahn und nach gefühlten 2 Stunden (war nur ca. 40 Minuten) direkt im Zentrum von Le Mans.

24h Le Mans Erlebnis (8)
©teilzeitreisender.de – Fahrerpräsentation in Le Mans

Nett sieht es hier aus und doch hab ich nur ein Ziel. Vordrängeln. Ja ich weiss, sollte man nicht, aber hey ich bin 1,60 m groß – ich wollte neben all den großen Engländern, Franzosen und Deutschen wenigstens einmal die Chance haben, mitzubekommen, was passiert. Und so erlebte ich aus zweiter Reihe, wie Mark Webber hinter seinem Präsentationsfahrzeug herlief, wie Alexander Wurz sein allbekanntes Lächeln zur Schau trug, wie das Michelinmännchen stolperte und wie alle Fahrer und Teams in Französisch vorgestellt wurden. Wir waren schon am Ende der GT-Fahrer-Präsentation angelangt, als es für mich Zeit war zu gehen. Gerade jetzt sind die Bahnen nicht so voll und irgendwie ging die Rückreise zur Rennstrecke doch eine ganze Ecke schneller.

24h Le Mans Erlebnis (9)
©teilzeitreisender.de – Aufmarsch zum Langstreckenklassiker

Eine nicht ganz gewöhnliche Landstraße

Ich war müde. Richtig müde. Und doch wollte ich die Strecke von Le Mans nach Tour mit dem schicken Lexus Hybrid erleben. Schließlich war dies das Auto, was ich auf der „Road to Le Mans“ noch gar nicht gefahren hatte. Mit Sitzverstellen auf Knopfdruck und alle möglichen Komfort-Schnick-Schnack hatte das Auto wirklich Stil. Immer noch damit beschäftigt, mich ans Fahren zu gewöhnen, dauerte es auch eine Weile, bis ich mich über die seltsamen Schilder am Straßenrand wunderte. Tempo 200? Tempo 300? Ein Blick auf das Navi zeigte mir – wir sind richtig.

LeMans - Rennstrecke
©teilzeitreisender.de

Zugegeben, es dauerte vielleicht 20 Sekunden, bis ich realisierte, dass wir uns auf der Landstraße bewegten, die am kommenden Tag Teil der Rennstrecke war. Und einer meiner Träume wurde wahr. Ich – mit einem fetten (wenn auch nicht so superschnellen) Auto auf einer der bekanntesten Rennstrecken der Welt. Und das Glücksgefühl hielt noch an, als wir durch wunderschöne Baumalleen, vorbei an niedlichen französischen Dörfern nach Tours fuhren.

Circuit de la Sarthe - Mythos Le Mans
©teilzeitreisender.de

PS: Vielen Dank an Janett von teilzeitreisender.de für die Eindrücke des ersten Besuchs des Langstreckenklassikers an der Sarthe. Begonnen hatte die Reise mit einem Blick hinter die Kulissen von Toyota in Köln. Zum II. Teil der Reise geht es Hier.

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