American Fan Fest – Premiere im Motodrom

American FanFest NASCAR Hockenheim 2017

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EuroNASCAR in Hockenheim mit reichlich US-Flair

Im badischen Motodrom des Hockenheimrings stand am vergangenen Wochenende alles im Zeichen von Amerika mit dem Hauptaugenmerk auf den Rennen des europäischen NASCAR-Ablegers, der NASCAR Whelen Euro Series. Die Hockenheim-Ring GmbH ging gemeinsam mit dem Badischen Motorsport Club e. V sicher ein kleines Wagnis ein, denn die EuroNASCAR-Rennserie fristet in Motorsport-Deutschland noch ein Schattendasein.

Umso erfreulicher konnte man am Ende auf die Zuschauerzahlen blicken. Ungefähr 3.000 Tickets gingen im Vorverkauf an die Fans, am gesamten Wochenende waren knapp über 10.000 Fans vor Ort. Das ist für eine noch recht unbekannte Rennserie und die Premierenveranstaltung ein mehr als ordentlicher Wert. Noch viel wichtiger war aber, dass die Veranstaltung selbst und die Rennen der V8-Boliden zu überzeugen wussten.

Motorsport tut sich derzeit generell schwer, neben den großen 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring und auch im belgischen Spa gibt es nur wenige Events, die aus der Masse hervorstechen. Die DTM hat ihre besten Jahre längst gesehen und mit dem angekündigten Mercedes-Ausstieg Ende 2018 steht die Tourenwagenklasse vor dem Aus. In der WEC hat Porsche die Reißlinie gezogen und beendet das LMP1-Projekt, damit ist nach Audi der nächste Hersteller weg aus der Sportprototypen-Szene.

Die Abhängigkeit von Herstellern ist ein Thema für sich, welches die Euro NASCAR aber nicht mit sich herumtragen muss. Die Einheitsboliden im Chevrolet, Toyota Camry oder Ford Mustang-Look bieten genau das, was viele Motorsportfans heute vermissen. Tür an Tür-Zweikämpfe mit reichlich (erlaubten) Lackaustausch – davon bekamen die Zuschauer am letzten Wochenende reichlich geboten.

EuroNASCAR Hockenheim

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Gelungenes Debüt der NASCAR Euro-Serie auf dem Hockenheimring

Reichlich Tape ist in der EuroNASCAR oft von Nöten, um die Boliden wieder zusammenzuflicken, wenn es schnell gehen muss. Das war auch in Hockenheim nicht anders. Vor der Mercedes-Tribüne lag am ersten Renntag reichlich EuroNASCAR-Material nach dem ersten Rennen, selbst die Streckenposten waren ziemlich verwundert über die Rennaction der europäischen NASCAR-Szene. Vor allem aber hatten auch die vielen Helfer vor Ort einen Heidenspaß an der Veranstaltung. Sowas hatte man schon lang nicht mehr gesehen, hier sieht die DTM im direkten Vergleich schon ziemlich mau aus.

Insbesondere die Nachwuchsklasse der ELITE2-Meisterschaft bot zum Teil wilde Duelle, sehr zur Freude vieler Euro NASCAR-Neulinge. Und der amtierende Meister der Serie, Anthony Kumpen, sorgte im abschließenden Rennen mit einem klasse Überholmanöver zum Laufsieg für den passenden Abschluss des Wochenendes.

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Doch auch abseits der Strecke wurde es für die Besucher nicht langweilig. Im Gegensatz zu vielen anderen Rennserien sind die Boxen bei den EuroNASCAR-Teams und die Fahrer sehr zugänglich, eine Fan-Nähe, die man in vielen anderen Serien schon lange nicht mehr findet. Und wer dann noch Zeit hatte, der konnte es sich in der American Fan Fest-Zone entweder kulinarisch gut gehen lassen – natürlich ganz amerikanisch, oder US-Cars, klassische NASCARS und Dragster aus nächster Nähe betrachten.

Neben Dragster-Demonstrationen sorgten NASCAR-Renntaxifahrten für noch mehr V8-Donnern im Motodrom, auch die Red Bull Driftbrothers wussten zu begeistern. Nicht minder langweilig waren die Rennen der Rahmenrennserien. Mit der FHR Hockenheim Legends und der P9 Challenge/Sports Car Challenge gab es auf dem Asphalt zusätzlich noch reichlich Sportprototypen- und GT-Action zu sehen.

Euro NASCAR und der Hockenheimring – Veranstaltung mit Zukunft

Auf den ersten Blick sahen die Tribünen im Motodrom zwar nicht sehr voll aus, doch die Haupttribüne und die Südtribüne waren zeitweise gut besetzt, dazu hielten sich viele im Fahrerlager auf. Die Zeiten der alten DTM, oder auch als Michael Schumacher noch für ein vollbesetztes Motodrom sorgte, sind eh längst Geschichte und in der heutigen Zeit kaum noch denkbar. Dass das erste American Fan Fest 10.000 Zuschauer anziehen konnte, ist eine mehr als ordentliche Leistung.

In Brands Hatch funktioniert genau solch ein Event schon seit einigen Jahren hervorragend, hier ist es bei der EuroNASCAR immer voll. In England hat man uns aber generell etwas voraus in Sachen Motorsportbegeisterung, von daher kann man das 1. American Fan Fest auf badischem Boden nur als Erfolg werten.

Eine kleine Randnotiz: Entstanden ist das in Brands Hatch American Fan Festival genannte Event, als den Zuschauern vor Ort die europäische NASCAR-Rennserie im Rahmen der DTM weitaus besser gefiel als die Tourenwagenklasse der sogenannten Premium-Hersteller. Vielleicht war das letzte Juli-Wochenende in Hockenheim ein Auftakt zu einer Veranstaltung, die sich durchsetzen und wachsen wird – es wäre zu hoffen.

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Im nächsten Jahr wird das American Fan Fest jedenfalls in die zweite Runde gehen, so viel steht schon fest. Die Verantwortlichen waren dementsprechend sehr zufrieden mit der EuroNASCAR-Premiere. „Wir freuen uns riesig über den Erfolg der diesjährigen Premiere. Fans, Teams und Veranstalter sind begeistert. Das sind gute Voraussetzungen dieses einzigartige Motorsportevent auch im nächsten Jahr in Hockenheim durchführen zu können“, so Jörg Bensemann, seines Zeichens Präsident des Badischen Motorsport Club e. V.

„Hinter uns liegt ein begeisterndes Rennwochenende mit spannendem, sehr fannahen Sport, vielen Emotionen und großartigem Entertainment. Die NASCAR Whelen Euro Series ist eine wertvolle Ergänzung zu unserem bisherigen Motorsportangebot“, fügt Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, hinzu.

In Hockenheim tut man gut daran, nach Alternativen für die Zukunft Ausschau zu halten. Und die NASCAR Whelen Euro Series bietet genau das, was der Motorsport-Fan sehen will. Oder, um unseren deutschen Nachwuchsfahrer Justin Kunz zu zitieren: „Laut, Benzingeruch, verbrannter Gummi, wie Motorsport sein sollte“. In diesem Sinne, Keep Racing!

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©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard