Rallycross-WM – Ekström triumphiert in Barcelona

Mattias Ekström Auftaktsieger – Überraschung durch Timo Scheider

Der Auftakt der Rallycross-WM in Barcelona hatte es, wie erwartet, in sich. Zunächst sorgte aber vor allem in den Qualifikationsdurchgängen das Wetter für ein Durcheinander im Zeitentableau – zeitweise brachte der Regen einige Piloten um eine gute Zeit.

Schon hier fiel einer besonders positiv auf – Timo Scheider und sein Ford Fiesta vom MJP Racing Team Austria lagen nach den Qualifikationsdurchgängen zur Überraschung aller in Front. Scheider und Rallycross, das passt genau wie Ekström und Rallycross – die WM empfiehlt sich anscheinend für ehemalige und aktive DTM-Piloten. Auf jeden Fall haben beide hier augenscheinlich mehr Spaß als in einer Rennserie, bei der das Marketing meist vor dem Rennsport kommt.

Das Abschneiden von Timo Scheider war nicht nur ein Resultat des Wetters, auch sonst spiegelten seien Zeiten und seine Rennläufe eine Form wieder, die an die Weltspitze gehört. Die hat der amtierende Champion, Mattias Ekström, auch in diesem Jahr wieder.

Toomas Heikkinen (Audi S1 EKS RX quattro #57)
©Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH via Audi

Deutlich schneller unterwegs als seine Teamkollegen Heikkinen und Nittis marschierte der Schwede unaufhaltsam ins Finale. Barcelona ist seine Lieblingsstrecke im Kalender, das merkte man Eki an. Bedingt durch den miserablen Start von Johan Kristoffersson sah er sich im Finale mit wenig Gegenwehr vor der ersten Kurve konfrontiert, dahinter reihte sich Scheider ein. Der konnte aber an seinen starken Auftritt aus der Qualifikation anschließen und ließ den Abstand nicht sonderlich groß werden, die Chance auf eine Attacke hatte er aber nicht wirklich.

Dennoch, Ekström und Scheider konnten mit den Rängen 1 und 2 mehr als zufrieden sein. „Der gestrige Tag war wahrscheinlich der herausforderndste meiner RX-Laufbahn. Aber heute konnten wir es herumdrehen, ein sauberes Qualifying-Rennen 3 und 4, um die Pole für das Halbfinale inne haben zu können, war der Schlüssel. Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt von Timo (Scheider). Als Fahrer eines Privat-Teams nach Qualifying 4 das Tableau anzuführen ist beeindruckend. Ich denke, wir werden das ausgeglichenste Jahr in der WorldRX bisher erleben und ich bin wirklich gespannt darauf, so viele Autos mit so geringem Unterschied untereinander zu sehen – es wird eine fantastische Saison“, so Mattias Ekström nach dem Sieg.

Ekström Rallycross
©Tom Banks via FIAWorldRallycross.com

Rang 3 im Finale ging an Andreas Bakkerud, der ein wahres Auf und Ab am Wochenende erlebte. In einem Qualifikationsdurchgang geriert er mit Petter Solberg aneinander, blieb dabei allerdings auf der Strecke und wurde noch von Teamkollege Ken Block getroffen. So war für den Norweger eine Aufholjagd angesagt, um sich überhaupt noch für die Halbfinalläufe zu qualifizieren. Die ersten zwei waren für ihn am Ende aber nicht mehr zu erreichen, immerhin konnte er sich noch die VW Polos vom Leib halten.

Kristoffersson und Solberg –Guter Speed bei Volkswagen, wenig Rennglück

Johan Kristoffersson entpuppte sich auf jeden Falls als Kandidat für den Sieg, vergeigte jedoch den Start im Finale und musste in den ersten Kurven dem Feld hinterherhecheln, konnte diese entscheidenden Meter am Ende dann nicht mehr gutmachen und musste sich hinter Petter Solberg und Timmy Hansen mit dem letzten Platz im Finale behaupten.

Solberg war angriffslustig wie eh und je, doch sein Kollege mit VW Polo-Erfahrung war an diesem Wochenende eigentlich den Tick schneller. Das wird teamintern in diesem Jahr noch ein interessanter Zweikampf.

Johan Kristoffersson
©Tony Welam/ PSRX Volkswagen

Der verpatzte Start sorgte zudem im Finaldurchgang für ein kleines Gerangel auf den Verfolgerplätzen, was Ekström an der Spitze schon einen entscheidenden Vorsprung lieferte, so dass der amtierende Weltmeister das Geschehen kontrollieren konnte.

Bakkerud und Block sorgen für Action

Das Hoonigan Racing Team sorgte für beste Unterhaltung in Barcelona. Nach dem frühen Unfall in der Qualifikation musste sich Andreas Bakkerud zurückkämpfen, das schaffte der Norweger mit Bravour. Noch hat es nicht für ganz vorne gereicht, der Focus-Pilot hat aber gezeigt, dass man ihn auch 2017 auf der Rechnung haben muss

Hoonigan Racing Rallycross Ford Focus
©FIAWorldRallycross.com

Ken Block schaffte es zum Saisonauftakt bis ins Halbfinale, scheiterte hier jedoch knapp. In der Qualifikation machte er sich Scheider-Teamkollege Kevin Eriksson nicht gerade zum Freund, als er diesem etwas übermotiviert ins Heck krachte. Eriksson kam zwar ins Ziel, seine Zeit reichte dann aber am Ende nicht zum Einzug in das Halbfinale, aber das erreichten auch ganz andere nicht.

Schadensbegrenzung bei Peugeot – Loeb verpasst Halbfinale

Ganz bitterer Saisonstart unterdessen für Sébastien Loeb. Der Rallye-Rekordweltmeister verpasste erstmals den Einzug in ein Halbfinale. Im dritten Qualifying war eine gebrochene Antriebswelle die Ursache für einen Dreher und das vorzeitige Aus des Franzosen.

Timmy Hansen brachte unterdessen seinen Peugeot 208 WRX ins Finale, der Schwede gab alles und kämpfte verbissen um den Anschluss nach vorne, mehr als Platz 5 war aber nicht drin. Die Peugeot 208 WRX sind aktuell noch nicht auf der Höhe der Konkurrenz.

Peugeot 208 WRX Timmy Hansen
©Peugeot Sport

Der dritte Mann – Überraschungen im Halbfinale

Mit Kevin Hansen und Reinis Nitiss landeten beide „Drittwagen“ von EKS und Peugeot Hansen im Halbfinale, hier war dann aber das Ende erreicht. Sowohl der junge Bruder von Timmy Hansen, als auch der Lette können mit ihrem ersten Auftritt in diesem Jahr aber durchaus zufrieden sein.

Weiter Überraschungen gab es durch die Halbfinalteilnahmen von Jean-Baptiste Dubourg und Guy Wilks im Vorjahres-Polo. Pech hatte Toomas Heikkinen, der durch technische Probleme hier ausrollte.

Lange Gesichter gab es auch beim neuem STARD-Team. Janis Baumanis und Timur Timerzyanov konnten früh ihre Koffer packen, ebenso wie Nicals Grönholm und der Ungar „CsuCsu“, der mit seinem Kia Rio aber für einen Farbtupfer im Feld sorgte. Hier steht noch viel Entwicklungsarbeit an, die Starts waren aber schon einmal Weltklasse und dann mussten einige Konkurrenten erstmal am Kia vorbei.

Timo Scheider - Rallycross
©Tom Banks via FIAWorldRallycross.com

Die Lehren vom Saisonauftakt

Mit dem Weltmeister muss man auch 2017 rechnen, Mattias Ekström macht da weiter, wo er aufgehört hat. Interessant wäre das Duell im Finale gegen Johan Kristoffersson gewesen, wäre bei diesem der Start nicht in die Hose gegangen. Kristofferson und Solberg muss man aber auf der Rechnung haben, genau wie Andreas Bakkerud.  Die 4 sind wohl an erster Stelle beim Kampf um den WM-Titel zu nennen.

Schwer wird es für das Peugeot Team Hansen, hier den Anschluss zu halten, in etwa ein Abziehbild vom letzten Jahr. Timo Scheider hätte unterdessen nichts gegen weitere Überraschungen, seine Fiesta-Kollegen im Feld schauten jedenfalls in Barcelona ganz schön in die Röhre.

Finish BarcelonaRX 2017
©Tony Welam Bilproduktion via FIAWorldRallycross.com
BarcelonaRX 2017
©Tom Banks via FIAWorldRallycross.com
Rallycross WM 2017
©FIAWorldRallycross.com
WorldRX Cars
©FIAWorldRallycross.com
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