EuroNASCAR – Brands Hatch – Samstags auf der Brabham Straight

NASCAR Brands Hatch
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Lange mussten die Akteure der NASCAR Whelen Euro Series darauf warten, wieder ins Renngeschehen eingreifen zu können. Am heutigen Samstag war es dann in Brands Hatch aber endlich Zeit für den Beginn der zweiten Saisonveranstaltung nach dem Auftakt in Valencia im April. Bereits im Training waren es die üblichen Verdächtigen, die sich in guter Form zeigten. So war auch die Pole Position von Meister Anthony Kumpen in seinem #24er Chevrolet von PK Carsport nicht wirklich eine Überraschung.

NASCAR Euro-Qualifying – PK Carsport mit Doppel-Pole

ELITE 1 – Anthony Kumpen mit schnellster Runde

Der amtierende Champion konnte schon im freien Training die Bestzeit erzielen und setzte in der Superpole mit einer Zeit von 48.825 Sekunden die Bestmarke. Kumpen hatte sich in der vorangegangenen Qualifikation noch etwas zurückgehalten, doch hier geht es nur darum, unter die letzten 12 für das Shooutout um den besten Startplatz zu kommen.

Innerhalb von zwei Zehntelsekunden reihten sich die Verfolger und Dauerrivalen um die Gesamtspitze ein. Frederic Gabillon konnte sich den Platz neben Kumpen knapp vor dem Meisterschaftsführenden Borja Garcia sichern, der in Brands Hatch und künftig mit dem italienischen Team von Racers Motorsport an den Start geht. Der Teamwechsel hat den Spanier aber nicht langsamer gemacht, dicht hinter ihm erreichte Alon Day den vierten Startplatz.

Mishumotors Junqueira
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Bruno Junqueira/Mishumotors

Auf Rang 5 reihte sich Marc Goosens für das Team von Braxx Racing ein, gefolgt von Stienes Longin im #11er PK Carsport-Chevy. Zu einer Unterbrechung der Qualifikation kam es, als der Bolide von Gianmarco Ercoli Öl verlor – der Italiener schaffte am Ende trotzdem eine Zeit, die für Startplatz 7 gut genug war. Das Top 12-Shooutout ist an sich für die besten 12 – wie der Name schon sagt – gedacht, am Morgen jedoch schickte die Scuderia Giudice ihren für die Superpole nicht qualifizierten Boliden einfach mal auf die Piste – der kurze Gastauftritt wurde mit der schwarzen Flagge beendet – Pech allerdings für Freddy Nordstrom, dem genau dieser Bolide im Weg rumstand. So musste sich der Lokalmatador in Diensten von CAAL Racing mit Startplatz 9 begnügen – vom Speed her war hier sicher mehr drin.

Für das deutsche Team von Mishumotors belegten der Brite Alex Capadia und Bruno Junqueira die Plätze 14 und 17, während Ex-NASCAR-Champion und Gaststarter Bobby Labonte nicht über Rang 22 hinauskam. Das Debüt des deutschen Teams von racing-total lief im freien Training ordentlich, dann hatte allerdings die junge Spanierin Carmen Boix in der ELITE2 einen Unfall, so dass die Truppe eine arbeitsintensive Nacht in England hatte. Daher war man froh, dass Marko Stipp überhaupt zum Qualifying an den Start gehen konnte. Der hat zudem nach seinem Unfall vergangene Woche auf dem Raceway Venray in der niederländischen LMV8-Serie mit einem lädierten Knie zu kämpfen, daher war insgesamt einfach nicht mehr drin als Rang 23.

EuroNASCAR Brands Hatch Qualifying
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Dumarey und Kumpen

ELITE 2 – Guillaume Dumarey mit Debüt-Pole

In der ELITE2-Meisterschaft übernahm der Belgier Guillaume Dumarey den #24er-Boliden und konnte seine erste Pole Position in der Serie feiern. Mit einer Zeit von 49.113 Sekunden auf dem kurzen IndyCircuit war er nicht zu schlagen. Die Franzosen Thomas Ferrando und Ulysse Delsaux reihten sich auf den Verfolgerplätzen ein. Hinter dem Polen Maciej Dreszer lieferte auch Justin Kunz in der Startnummer #11 von PK Carsport mit Rang 5 ein sehr gutes Qualifying ab.

Der junge Deutsche hing im Endspurt etwas hinter dem Ford Mustang von Renauer Motorsport fest – Martin Doubeks beste Runde war gleichbedeutend mit Startplatz 8. Für Kunz wäre vielleicht noch etwas mehr drin gewesen, seine Fortschritte sind aber unverkennbar.

Der Brasilianer Rabello in der Startnummer #56 von CAAL Racing sorgte für eine Unterbrechung des Trainings, als er seinen Chevrolet in der Ziel-Eingangskurve verlor. Danach nutzte Dumarey als Erster aus der Box startend den Vorteil einer freien Strecke und war nicht mehr von Startplatz 1 zu verdrängen. Bei Mishumotors gab es für Mirco Schultis Startplatz 16 zu verzeichnen, der Brite Bromiley lief im Schwesterwagen mit der Startnummer #33 zwei Ränge dahinter ein und lag damit einen Platz vor Carmen Boix in der Startnummer #46 von racing-total.

ELITE 1 – Rennen 1 – Anthony Kumpen dominant

Vom Start weg war es im 1. Rennen zur ELITE1-Meisterschaft Anthony Kumpen, der dem Geschehen seinen Stempel aufdrücken konnte. Der Belgier feierte einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg und ließ sich auch von einer späten Safety Car-Phase nicht verunsichern. Beim fliegenden Start schob sich hinter der Startnummer #24 des Belgiers Borja Garcia an Frederic Gabillon vorbei auf Rang 2. Der Spanier zeigte sich erneut bestens aufgelegt und konnte nach einigen Runden Kumpen unter Druck setzten.

Sein Ford Mustang vom Team Racers Motorsport konnte in den engen Passagen des IndyCircuits immer wieder Boden gut machen, doch vor Start-Ziel kam der PK Carsport-Bolide des amtierenden Meisters einfach besser aus der Ecke, so dass der Spanier nicht wirklich eine Chance für ein Überholmanöver bekam. Mit zunehmender Renndauer setzte sich der Belgier von seinem Verfolger leicht ab, der seinerseits immer stärker unter Druck von Gabillon im Boliden mit der Nr. #3 geriet. Hinter dem Trio aus Kumpen, Garcia und Gabillon entstand frühe eine Lücke, dahinter folgte dann Alon Day mit Marc Goosens im Schlepptau.

Euro NASCAR Anthony Kumpen
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Anthony Kumpen

Als der Brasilianer Marconi Abreu seinen Toyota Camry gegen Rennende in das englische Kiesbett setzte, musste das Safety Car das Rennen neutralisieren. Bevor es zu einer Rennfreigabe kam, blieb dann plötzlich Gabillon bei der Anfahrt zur Druids-Kurve stehen – das bittere Aus für den Franzosen mit Meisterschaftsambitionen, seine Kupplung hatte sich verabschiedet. An der Spitze jedoch bestimmte Anthony Kumpen das Geschehen und ließ sich seinen ersten Saisonerfolg nicht nehmen.

“Das Rennen lief wirklich gut. Ich bin sehr zufrieden. Wir sind mit weniger Reifenluftdruck gestartet, da es heute heißer war als in den Trainings. Wir wollten am Anfang den Wagen schonen, um am Ende stark zu sein. In den ersten 10 Runden musste ich hart kämpfen, um das Feld hinter mir zu halten, aber danach passte der Reifendruck besser und wir konnten davonziehen”, so Anthony Kumpen nach seinem insgesamt 8. Rennerfolg in der Euro NASCAR.

EuroNASCAR Victory Lane PK Carsport BrandsHatch 2017
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Borja Garcia konnte mit Rang 2 mehr als zufrieden sein, somit bleibt er auch in der Gesamtwertung vorne. Bis auf Kumpen ließen alle seiner Verfolger Federn – Alon Day konnte mit dem letzten Podestrang mehr als zufrieden sein, bekam er gegen Rennende doch enormen Druck von Marc Goosens, der sich aber dahinter einreihen musste. Überholmanöver blieben Mangelware. Lediglich Thomas Ferrando konnte ein Manöver gegen Freddy Nordstrom am Ende der Top 10 setzen, für Nordstrom sollte es noch schlimmer kommen. Nach dem finalen Restart des Rennens stand seine Nr. #44 in Druids plötzlich quer – ein Tag zum Vergessen für den CAAL-Racing-Piloten.

NASCAR Euro
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – hier lief er noch – Fred Gabillon – #3

Wilfried Boucenna versuchte vor besagter Druids-Kurve ein Hauruck-Manöver gegenüber DF1-Pilot Christophe Bouchut, das ging aber für den den Knauf-Piloten daneben, der in der Folge zurückfiel – Bouchut brachte noch Rang 8 ins Ziel. Vor ihm landete Stienes Longin im zweiten PK Carsport-Wagen, der die meiste Zeit des Rennens alleine ohne eine Kampfgruppe unterwegs war. Hinter Kumpen, Garcia, Day und Gossens lief noch Gianmarco Ercoli vor Thomas Ferrando ein, Ersterer gewann damit die Juniorenwertung.

Die Top 10 vervollständigten der Spanier Tineo Arroyo mit Platz 9 vor dem besten Boliden von Mishumotors. Alex Kapadia brachte die Nummer 70 auf Rang 10 einen Platz vor Bruno Junqueira ins Ziel. Marko Stipp brachte den über Nacht reparierten Wagen von racing-total auf einem soliden 14. Platz auf der Strecke ins Ziel, was eigentlich gleichbedeutend mit dem Sieg in der Challenger Trophy war. Bedingt durch ein Durcheinander hinter dem Safety Car und sein Vorbeiziehen vor dem Restart, um sich wieder hinten im Feld anzuschließen, fing er sich aber nachträglich eine Strafe dafür ein – wie gewonnen, so zeronnen.

Auf der Strecke dahinter lief zunächst Bobby Labonte ein, der diesen 14. Platz am Ende erbte. Aber auch der NASCAR-Cup-Champion von 2000 sorgte bei der Safety Car-Phase für etwas Verwirrung. Labonte wurde kurz zuvor von Leader Kumpen überrundet, ebenso wie Marko Stipp. Der US-Amerikaner zog dabei am Deutschen vorbei und in der Gelbphase plötzlich auch am Saftey Car – als Einziger. Dann ging es wieder zurück, bis schließlich Stipp am Führungsfahrzeug vorbeiging, während Labonte dahinter blieb – nach der Zieldurchfahrt gab es für Stipp die Zurückstufung um 6 Plätze wegen Fehlverhaltens in der Safety Car-Prozedur, der Amerikaner blieb davon verschont.

NASCAR Euro Series - Kumpen Brand Hatch
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Das 1. Rennen zeigte, wie schwer es ist, mit den EuroNASCARs in Brands Hatch zu überholen. Die Startposition ist somit entscheidend – diese wird für den zweiten Lauf anhand der schnellsten Rennrunde ermittelt. Auch hier setzte sich Anthony Kumpen durch und wird das Sonntagsrennen von der Pole vor Alon Day und Frederic Gabillon in Angriff nehmen, dahinter muss sich Borja Garcia dieses Mal mit Platz 6 noch hinter Gianmarco Ercoli und Marc Goosens anstellen.

Wenn das Wetter britisch untypisch bleibt wie heute, wird es schwer, hier Positionen zu gewinnen – bei sonnigen und trockenen Streckenbedingungen. Anthony Kumpen lieferte jedenfalls eine meisterliche Vorstellung ab – die Aufholjagd in der Gesamtwertung ist gestartet.

ELITE 2 – Rennen 1 – Thomas Ferrando triumphiert

Die Pole-Position musste der Franzose Thomas Ferrando im Knauf-Mustang mit der Startnummer #37 in der ELITE2 noch Guillaume Dumarey überlassen, im Rennen war aber gegen den erfahrenen Nascar Euro-Piloten kein Kraut gewachsen. Er konnte sich schnell absetzen und ward nicht mehr gesehen. Zwar gab es früh auch in der ELITE2 eine Safety Car-Phase, doch Ferrando fuhr an diesem Samstag in einer eigenen Liga über die Brabham Straight und den IndyCircuit in Brands Hatch.

Knauf Racing Thomas Ferrando
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Thomas Ferrando

Allerdings ist Ferrando nun schon einige Jahre in der ELITE2 vertreten, zudem tritt er auch schon länger in der ELITE1 an – hier sollte man einmal über den Sinn der Nachwuchsmeisterschaft nachdenken. Hinter Ferrando konnte der Belgier Dumarey aber den zweiten Platz sicher nach Hause fahren vor Maciej DreszerDF1 Racing konnte sich somit über ein weiteres Podiumsresultat freuen.

Vor allem der Start brachte schon die entscheidenden Momente des 30 Runden-Rennens mit sich – leider auch mit einem traurigen Ausgang aus deutscher Sicht. Zunächst kamen sich die Boliden von Dreszer und Delsaux Ausgangs Paddock Hill Bend zu nah – der junge Franzose drehte sich mit seinem #3er-Ford Mustang und musste dem Feld hinterherfahren.

DF1 Nascar Euro Brands Hatch
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Podium für DF1

Glück in diesem Moment hatte Justin Kunz, der den drehenden Mustang knapp verfehlte. Kunz legte einen guten Start hin und lag bereits auf Rang 3, als er aber in der letzten Kurve der ersten Runde die Kontrolle über den PK Carsport-Chevy mit der Startnummer #11 verlor und sich ins Aus drehte. Der junge Deutsche traf eine noch rutschige Stelle auf dem Asphalt, die vorher mit Bindemittel behandelt worden war. So musste sich der Youngster danach hinten anstellen und die Chance auf ein Top-Resultat war leider dahin.

Als kurze Zeit später die Startnummer #95 des Franzosen Pichard Arnaud im Kies landete, hatte das Safety Car seinen nächsten Einsatz an diesem Tag. Justin Kunz bog in der Gelbphase kurz zu einem Boxenhalt ab, nach dem Restart arbeitete er sich von ganz hinten nochmal bis auf den 14. Rang nach vorne, für mehr reichte am Ende die Zeit nicht.

PK Carsport 11 Brands Hatch
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Justin Kunz #11

Das Mittelfeld war geprägt von engen Zweikämpfen, am Ende liefen hinter den Top 3 der Brasilianer Rabello, Martin Doubek für Renauer Motorsport, Marconi Abreu und Ulysse Delsaux ein, der nach einer fulminanten Aufholjagd noch auf Rang 7 ins Ziel kam. Die Top 10 vervollständigten Paul Guiod, Jerry de Weerdt (Sieger Legend Trophy) und Gil Linster.

Mirco Schultis beendete das Rennen als Gesamt-13. in seinem Mishumotors-Boliden mit der #70 , gleichbedeutend mit Rang 3 in der Legend-Wertung. Guillaume Dumarey gewann mit seinem zweiten Gesamtrang die Rookie-Wertung, während Carmen Boix den racing-total-Chevy als Siegerin in der Lady Cup-Wertung über die Ziellinie fuhr.

Ferrando absolvierte zusätzlich auch die schnellste Rennrunde und teilt sich damit die erste Startreihe für den Sonntag mit Landsmann Delsaux, während Justin Kunz sich von Startplatz 14 aus durchs Feld kämpfen muss. Doch noch ist in Brands Hatch nicht aller Tage Abend – in diesem Sinne, Keep Racing!

EuroNASCAR
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard
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ELITE1-Qualifying

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ELITE1-Rennen 1

ELITE2-Rennen 1

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