Rallycross in Hockenheim – Ekström-Triple

Ekström Rallycross
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Dritter Sieg in Folge – Ekström bleibt in Rallycross-WM 2017 ungeschlagen

Bei der Qualität des Starterfeldes der diesjährigen Rallycross-Weltmeisterschaft hätte man vor Saisonbeginn auf vieles gesetzt, aber wohl kaum auf einen Mattias Ekström, der die ersten drei Events des Jahres für sich entscheidet. Doch auch beim Doppelstart des Rallycross-Champions und DTM-Piloten bei Audi im badischen Motodrom am letzten Wochenende war im Finale kein Kraut gegen den schnellen Schweden gewachsen.

Im Finaldurchgang hatte Eki von Beginn an das Zepter in der Hand. Der entscheidende Lauf auf dem Hockenheimring fand dabei bei äußerst schwierigen Bedingungen statt, die sechs Finalisten kämpften auf Ihren Cooper-Reifen um Traktion und Haftung. Am besten bekam es wieder einmal Ekström hin, der fehlerfrei blieb und seinem Verfolger Johan Kristoffersson keine Chance für ein Überholmanöver gab.

“Hier in Hockenheim zu gewinnen, vor den vielen DTM- und Rallycross-Fans, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, so der Triple-Saisonsieger 2017 nach dem Finaldurchgang. Dabei sah es auch wie zuletzt in Portugal zu Beginn der Qualifikationsdurchgänge nicht wirklich nach einem erneuten Erfolg aus.

Mattias Ekström
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“Wir hatten am Freitag und am Samstag einige Probleme, das Tempo der Konkurrenz mitzugehen“, konstatierte Ekström. „Durch meinen Doppeleinsatz in der Rallycross-WM und in der DTM konnte ich leider nicht viel Zeit mit dem Team verbringen und mithelfen, diese in den Griff zu bekommen. Aber die Jungs haben sich seit Donnerstag die Nächte um die Ohren geschlagen und wieder einen großartigen Job gemacht.“

Das Wochenende des Schweden begann in der Qualifikation mit Plätzen am Ende der Top 10, doch er kämpfte sich am Folgetag wieder nach vorne, bis er schließlich sein Semifinale gewinnen konnte. Auf 16 Punkte konnte er seinen Vorsprung in der WM nun ausbauen, die Konkurrenz muss sich langsam was einfallen lassen.

Johan Kristoffersson VW Polo RX
©FIAWorldRallycross.com

Johan Kristoffersson – Erster Jäger

Erneut war es Johan Kristoffersson, dem man es aktuell am ehesten zutrauen kann, den Siegeslauf des amtierenden Weltmeisters zu stoppen. Als Dritter nach den Qualifikationsdurchgängen konnte Ekströms Landsmann ebenfalls sein Halbfinale gewinnen. 7 Zehntel fehlten am Ende zum ersten Triumph des Jahres. Doch der VW Polo-Fahrer war dennoch zufrieden mit seiner Leistung. “Mattias hatte einen sehr guten Start im Finale und ich habe versucht, ihm zu folgen und die ganze Zeit Druck auszuüben, aber er hat während der ganzen 6 Runden nicht einen einzigen Fehler gemacht – er ist sehr gut gefahren”.

Gegen seinen Teamkollegen tut sich dagegen Ex-Weltmeister Petter Solberg so richtig schwer. Mehr als Rang 4 im Finale war für den Norweger nicht drin, der mit seinem Polo hier deutlich zu kämpfen hatte. Dabei legte Solberg ein grandioses Comeback hin, nachdem die Halbfinal-Teilnahme schon in weite Ferne gerückt war.

Petter Solberg
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In der Qualifikation wurde er von Andreas Bakkerud im Ford Focus praktisch über den Haufen gefahren, zumindest eine Seite des Polos war danach mehr als ramponiert. Doch mit dem Gewinn des letzten Qualifikationslaufes gelang ihm dann doch noch der Finaleinzug, aber gegen seinen Teampartner hat er derzeit einfach das Nachsehen.

Peugeot – Loeb und Hansen mit Auftrieb

Bereits in Portugal gab es für die Peugeot 208 WRX große Schritte zu verzeichnen. Danach machte man sich auf nach Höljes, um noch Details am Rallycross-Boliden zu verbessern und so zeigte man sich auch in Hockenheim erneut stark. Sébastien Loeb entschied 2 von 4 Qualifikationsdurchgängen für sich und erreichte ebenso wie Teamkollege Timmy Hansen das Finale.

Hier war es aber der 24-jährige Schwede, der das bessere Ende mit dem letzten Podiumsplatz für sich hatte. Loeb kam bei den schwierigen Streckenverhältnissen nicht über Platz 5 vor Toomas Heikkinen hinaus. Auch Kevin Hansen machte eine deutlich bessere Figur, für ihn war erst im turbulenten Halbfinale Schluss.

Peugeot 208 WRX
©Peugeot Sport/Paulo Maria

“Für das Finale habe ich Regenreifen gewählt, aber das war nicht die ideale Entscheidung und ich konnte meine Startposition nicht mehr verbessen. Die zwei Durchgänge, die ich gewonnen habe, haben aber gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind. Das ist sehr positiv und wir wollen uns in Mettet (Belgien) weiter verbessern, zudem ist es eine Strecke, die mir gefällt. Ich bin dort das erste Mal aufs Podest gefahren”, blickt Sébastien Loeb optimistisch auf das nächste Rennwochenende.

Peugeot hat ordentlich Boden gut gemacht, im Finale von Hockenheim standen neben den beiden aktuellen 208 WRX noch zwei EKS-Audis (Ekström und Heikkinen) und die beiden VW Polos von Kristoffersson und Solberg. Ein eindeutiges Bild, aber vor allem ein Name fehlt hier, der sein Wochenende im badischen Motodrom schnell vergessen will.

Hoonigan Racing – Ford Focus-Piloten spielen keine Rolle

Andreas Bakkerud kam nicht einmal ins Halbfinale. Platz 14 nach der Qualifikation war nicht genug, dazu trug auch die Kollision mit Petter Solberg bei, als der Focus-Pilot eine Lücke sah, die es nicht gab und seinen Landsmann rabiat über den Haufen fuhr. Daher kam das Aus danach nicht mehr unerwartet – der WM-Zug scheint jedenfalls nach dem dritten Event bereits abgefahren – jetzt schon 52 Punkte auf die Tabellenspitze sind einfach zu viel.

Bakkerud/Solberg
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Ein wenig besser lief es derweil für Ken Block, der in die Halbfinal-Läufe einzog, dann war aber auch für den US-Amerikaner Schluss. Die Ford Focus sind noch nicht da, wo man sie erwarten durfte. Bakkerud ist derzeit etwas zu aggressiv unterwegs, für Siege wird er wieder gut sein, aber den WM-Thron werden wohl 2017 andere ausfahren.

Turbulentes Halbfinale

Der leichte Regen, der vor dem Start der Halbfinal-Läufe in der Sachs-Kurve niederging, sorgte für reichlich Spektakel am vergangenen Sonntag. Kevin Hasen verabschiedete sich schon während der Aufwärmrunden in die Reifenstapel und räumte nach einer Berührung mit Reinis Nitiss im dritten EKS-Audi beim nachfolgenden Dreher noch Kevin Eriksson im Ford Fiesta ab.

Bei beiden Fiesta vom Team MJP Austria waren in Hockenheim durchaus finaltauglich, doch als Timo Scheider in seinem Halbfinale Ken Block anschob, drehte sich dieser in einen Reifenstapel und blockierte den Deutschen – das Finale war somit gelaufen.

Timo Scheider
©FIAWorldRallycross.com/McMaster/Mcklein

Zuvor hatte Ford Fiesta-Markenkollege Timerzyanov Scheiders Rallycross-Supercar bereits einmal in den Focus bugsiert – darauf hatte sich die Servolenkung bereits verabschiedet. Dennoch wieder eine ordentliche Vorstellung von Scheider im Rahmenprogramm seines alten DTM-Umfeldes oder eher sein altes Umfeld als Rahmenprogramm – das passt irgendwie besser.

Timur Timerzyanov verpasste unterdessen im Fiesta des STARD-Teams als 4. seines Semifinals den Finaleinzug am Ende denkbar knapp. An der Spitze gelang es aber auch beim dritten Event des Jahres keinem Piloten, Mattias Ekström zu stoppen. Die nächste Chance auf Revanche haben die Fahrer bereits am kommenden Wochenende im belgischen Mettet. Bis dahin, Keep Rallying!

Rallycross-WM 2017 – 3. Lauf, Hockenheim – Resultat Finale

  • 1. Mattias Ekström (S) 6.04,066 Min.
  • 2. Johan Kristoffersson (S) +0,708 Sek.
  • 3. Timmy Hansen (S) +2,501 Sek.
  • 4. Petter Solberg (N) +5.296 Sek.
  • 5. Sébastien Loeb (F) +6,352 Sek.
  • 6. Toomas Heikkinen (FIN) +6,823 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 3 von 12 Läufen)

  • 1. Mattias Ekström (S) 85 Pkt.
  • 2. Johan Kristoffersson (S) 69 Pkt.
  • 3. Petter Solberg (N) 62 Pkt.
  • 4. Sébastien Loeb (F) 48 Pkt.
  • 5. Timmy Hansen (S) 47 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 3 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 131 Pkt.
  • 2. EKS 114 Pkt.
  • 3. Team Peugeot Hansen 95 Pkt.
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