Großes Entscheidungsspecial: Sommer-, Winter- oder Allwetterreifen

Die Wahl des richtigen Reifens für das Fahrzeug ist nicht etwa eine Glaubensfrage, sondern eine Frage der Sicherheit. Deswegen gilt: 1,6 Millimeter Reifentiefe sind Pflicht. Was nun aber für Sommer-, Winter- oder Allwetterreifen spricht, soll Thema dieses Ratgebers sein.

Allwetterreifen. Sparlösung oder gute Alternative?

Allwetterreifen sind zunächst einmal eine Alternative zur Sommer- und Wintervariante. Das heißt: Die Reifen müssen nicht zweimal im Jahr aus der Garage gehievt und um-montiert werden, denn Allwetterreifen können ganzjährig gefahren werden. In aller Regel tragen Allwetterreifen das M+S-Symbol, was sagen soll: Auf Schnee und Matsch kann man hiermit beruhigt fahren.

Reifen-Profiltiefe
Abbildung 1: 1,6 Millimeter Reifentiefe sind Pflicht. Ob es sich dabei um Winter- oder Sommerreifen handelt, ist unerheblich.

Allerdings warnen Experten davor, dass gerade diese Kennzeichnung nicht rechtlich geschützt ist: „Grundsätzlich könnte ein Hersteller also alle seine Reifen mit dem M+S-Symbol kennzeichnen, selbst wenn diese für Fahrten auf Schnee und Matsch nicht geeignet sind. Gerade bei großen Herstellern können Sie sich aber auf das Symbol verlassen, denn ein falsch ausgezeichneter Allwetterreifen würde einen nicht wiedergutzumachenden Imageschaden bedeuten. Bei günstigen Reifen von kleinen Firmen – vor allem aus Fernost – sollten Sie allerdings besser zweimal hinsehen oder sich vorab in einem Testbericht über den Reifen informieren.“ (vgl. www.tyre-pool.de)

Bewertung von Allwetterreifen im Fahrverhalten

Sommerreifen
Abbildung 2: Sommerreifen bieten beste Fahreigenschaften bei warmen Temperaturen.

Bewertet werden Allwetterreifen meist als „Kompromisslösung“, das heißt:

  • Im Winter bieten Winterreifen eine bessere Bodenhaftung und auch die Bremseigenschaften sind bei den Winter-Profis deutlich ausgereifter.
  • Im Sommer, das heißt bei extrem hohen (Straßen-)Temperaturen sorgen Sommerreifen für mehr Bodenhaftung.

Grundsätzlich gilt diese Bewertung allerdings in erster Linie für extreme Wetterkapriolen. Im Bayerischen Wald setzen die Menschen auf Winterreifen, wer indes in der Großstadt wohnt und dort auch die meiste Zeit fahrend verbringt, der wird sich kaum durch Schneemassen pflügen müssen. Ebenso gilt: Im Norden Deutschlands sind extrem heiße Sommer doch eher selten, schließlich reguliert das Meeresklima dort die Temperaturen ganz natürlich ein.

Winterreifen
Abbildung 3: Wer indes einen Ausflug ins Winterwonderland plant, sollte auf gute Winterreifen setzen.

Summa summarum eignen sich Allwetterreifen also vor allem für:

  • Sparfüchse, die Geld und Zeit für eine Doppelanschaffung, Einlagerungskosten und den Reifenwechsel sparen wollen.
  • Wenigfahrer und Gelegenheitsfahrer, die nur selten ins Auto steigen.
  • Fahrer kleiner Fahrzeuge, die ohnehin nur wenige PS unter der Motorhaube haben und somit nur wenig Ballast auf den Reifen lastet. (Das ist auch der Grund dafür, dass Allwetterreifen meist in R15, R16 und R17 angeboten werden.)

Gibt es eigentliche eine Winterreifenpflicht?

Ja, die gibt es. Diese ist aber begrenzt als „situative“ Winterreifenpflicht, was nicht etwa vorschreibt, in welchem Monat mit Winterreifen gefahren werden muss, sondern nur bei welchen Wetterverhältnissen. Bei Reifglätte, Schnee und Eis muss mit Winter- (oder Allwetter-) Reifen gefahren werden – oder das Fahrzeug bleibt in der Garage. Das wäre nämlich ganz grundsätzlich auch möglich. Wer also nur bei trockener Fahrbahn fährt, der könnte theoretisch auch allein mit Sommerreifen herumkutschieren.

Wer ausgestattet mit Sommer- und Winterreifen auf die passende Wechsel-Zeit wartet, der erhält viele gut gemeinte Ratschläge wie etwa diese:

  • Von O bis O – also von Oktober (an Weihnachten) und bis Ostern – braucht ein Fahrzeug Winterreifen.
  • Bei Temperaturen unter sieben Grad müssen Winterreifen aufgezogen werden.

Gibt es Ärger mit den Ordnungshütern, weil das Fahrzeug auch in den Wintermonaten mit Sommerreifen fährt, muss klar differenziert werden: Am Straßenrand parken darf nämlich ein Auto mit Sommerreifen auch im Winter. Zudem gilt bei Bußgeld und Bußpunkt: Die Haftung übernimmt der Fahrer und nicht etwa der Halter des Fahrzeugs.

Exkurs: Wie aussagekräftig ist das EU-Reifenlabel?

Das EU-Reifenlabel ist vor allem eins: Eine normierte und geschützte Auszeichnung des Reifens – und steht damit auch im Gegensatz zur rechtlich nicht geschützten M+S-Kennzeichnung. Die offizielle Begründung für die Einführung des Labels lautet so: „Ziel ist mehr Sicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit im Straßenverkehr durch die Förderung von kraftstoffsparenden, sicheren und leisen Reifen. Dem Verbraucher ermöglicht die Kennzeichnung, sich bereits vor dem Reifenkauf auf einer breiteren Grundlage zu informieren und diese Kriterien neben denen anderer Reifentests in seine Kaufentscheidung einzubeziehen.“ (Quelle: vgl. www.dasreifenlabel.de)

Das EU-Label ist dreigeteilt.

  • Im linken Bereich wird die Bewertung des Rollwiderstands ausgewiesen.
  • Im rechten Bereich werden die Nasshaftungseigenschaften des Reifens ausgewiesen.
  • Im unteren Bereich werden die Werte genannt, die sich hinter dem Rollgeräusch verbergen.

Für die adäquate Information der Kunden trafen Lieferanten, Händler und Hersteller gleichermaßen die Verantwortung.

Bildnachweise:

Abbildung 1: pixabay.com © nuzree (CC0 Public Domain)

Abbildung 2: pixabay.com © athacker (CC0 Public Domain)

Abbildung 3: pixabay.com © Pexels (CC0 Public Domain)

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