EuroRX Estering – Überraschungssieger

EuroRX Estering Rallycross 2019
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Rallyross EM – Auftritt der EuroRX Supercars und der Super1600er-Rallycross-Klasse auf dem Estering – Favoriten geschlagen – Thomas Bryntesson gewinnt den EuroRX Supercar-Lauf in Buxtehude vor Robin Larsson – Podium für Münnich Motorsport – Debütsieger bei den Super 1600

EuroRX Germany EsteringRX 2019
©Jan Kåre Rafoss via FIAWorldRallycross.com

Estering – Schauplatz des 4. Lauf zur Rallycross EM EuroRX 2019

Die sportliche Ausgangslage in der Rallycross EM war vor dem vergangenen Wochenende auf dem Estering mehr als klar. Gegen den Schweden Robin Larsson bei den Supercars und gegen den Russen Aydar Nuriev bei den Super1600-Boliden hätte wohl niemand gewettet, zu klar war die Dominanz dieser beiden Piloten in ihren Serien.

Doch der Estering war und ist immer für eine Überraschung gut, das sollte sich auch dieses Mal wieder zeigen. Bei durchwachsenen und oft sehr nassen Strecken- und äußeren Bedingungen verlief der Start ins Rallycross-Wochenende zunächst ohne große Überraschungen, doch am Sonntag drehte sich das Bild und passend zum Deutschland-Auftritt kam – Gott sei Dank – auch mal wieder richtig Spannung ins Feld.

Rallycross Buxtehude ERX 2019
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Dabei ließen sich zahlreiche Zuschauern trotz des nicht gerade einladenden Wetters nicht davon abhalten, der deutschen Traditionsstrecke in Sachen Rallycross einen Besuch abzustatten, vor allem am Sonntag durften sich die Teilnehmer der EuroRX über viele Fans freuen, nachdem das Besucheraufkommen am Samstag noch etwas schwächer war.

Am Sonntag war für das komplette Feld Regenbereifung angesagt, dabei stellte der Estering die Piloten doch wiederholt vor einige Schwierigkeiten. Die erste Kurve nach dem Start ließ bei diesen Bedingungen eine Fahrt auf der äußeren Linie kaum zu, am Ende der langen Geraden vor der zweiten Kurve übertrieb es so mancher, hier ging es sehr rutschig zu, so dass man hier sehr behutsam mit dem Gasfuß umgehen musste.

EuroRX Supercars Estering – Thomas Bryntesson triumphiert

Bei den Supercars war es zunächst aber Robin Larsson, der mit seinem Audi S1 Supercar vom Team JC Raceteknik das Geschehen bestimmte. Wie schon in der bisherigen Saison – Larsson gewann alle drei EM-Läufe bis zum Estering – schien kein Kraut gegen den Schweden und sein Ex-Ekström-Supercar gewachsen zu sein.

Larsson konnte in den ersten beiden Qualifikationsdurchgängen die Führung direkt nach dem Start übernehmen und war für die Konkurrenz nicht mehr zu halten. Dabei leistete er sich im zweiten Qualidurchgang einen seiner seltenen Fehler – als er nach der Gegengeraden nach dem kurzen Anstieg seinen Audi S1 vehement in die Reifenstapel bugsierte, seine Fahrt aber unverdrossen fortsetzte und dennoch den Durchgang mit der schnellsten Gesamtzeit gewinnen konnte.

Estering EuroRX Thomas Bryntesson
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Die versammelte Konkurrenz schien zu diesem Moment nicht den Hauch einer Chance zu haben und eine gewisse Langeweile in Sachen Sieganwärter machte sich breit. Doch klammheimlich mauserte sich dann der Norweger Bryntesson zum ernsthaften Konkurrenten an diesem Wochenende.

Nach dem siebten Rang im ersten Qualidurchgang und Rang 6 in der zweiten Qualifikation sah es zunächst nicht danach aus, als würde der Norweger mit seinem VW Polo Supercar auf dem Estering eine Rolle spielen können. Doch am Sonntag bei noch nasseren Bedingungen drehte er dann auf. Dem 2. Rang in der dritten Qualifikation folgte der Sieg im letzten Durchgang, hier konnte er erstmals Robin Larsson schlagen, der seine Starts am Sonntag nicht mehr so richtig hinbekam.

Dennoch ging Larsson als Top-Qualifier in sein Semifinale, welches er auch souverän für sich entscheiden konnte. Bryntesson gewann seinerseits das andere Halbfinale, auch wenn er sich nach dem Start noch in Geduld üben musste, um an den Konkurrenten vorbeizugehen.

Die Pole Position für Robin Larsson im Finale war dann erneut ein Nachteil für den Schweden. Auf dem eigentlich besten Startplatz war es mit am schwierigsten und rutschigsten, von daher war es nicht überraschend, dass es ihm nicht vergönnt war, die Führung zu behalten.

Rallycross Estering EuroRX Supercars
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Im Getümmel der ersten Kurve konnte sich Bryntesson durchsetzen, Larsson reihte sich vor seinen Landsmann Hedström dahinter ein. Wer nun erwartete, dass der Seriensieger schnell den Weg vorbei fand, der wurde enttäuscht. Bryntesson hielt dem Druck des Meisterschaftsführenden stand, der nicht wirklich deutlich schneller konnte. Zwar versuchte er noch mit einer abweichenden Strategie in Sachen Joker Lap am Norweger vorbeizuziehen, doch auch das brachte keinen Vorteil.

Bryntesson blieb fehlerfrei, absolvierte die Joker Lap in der letzten Runde und konnte damit die Siegesserie von Larsson in der EuroRX durchbrechen. Dabei ließ sich der Norweger auch nicht von einem schleichenden Plattfuß abhalten, der ihm gegen Rennende das Leben noch etwas schwerer machte.

Thomas Bryntesson hatte 2019 schon oft einen ähnlichen Speed wie Larsson, doch ein fehlerfreies Wochenende gelang ihm und seinem neu gegründeten Team bislang recht selten. Auf dem Estering konnte er sich am zweiten Renntag enorm steigern und damit brachte er auch Spannung in das Geschehen an der Spitze der Supercar-Klasse – für die Zuschauer an der Strecke in Buxtehude genau zum richtigen Zeitpunkt.

Podium Estering EuroRX 2019
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Estering EuroRX – Podium für Münnich

Hinter Bryntesson und Larsson durfte sich René Münnich im Seat Ibiza von Münnich Motorsport über den dritten Rang und einen Podiumsbesuch beim Heimrennen freuen. Von Beginn des Wochenendes an war Münnich mit seinem Seat Ibiza Supercar bestens aufgelegt und mischte im Vorderfeld mit, schon mit dem dritten Rang in der Qualifikation nach vier Durchgängen konnte er ein Ausrufezeichen setzen.

Estering Seat Ibiza Rene Münnich
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Mit dem zweiten Platz im ersten Semifinale hinter Larsson zog er locker ins Finale ein, wo er ebenfalls gut durch die sechs Runden kam. Am Ende fehlten ihm zwar 3,5 Sekunden auf Sieger Bryntesson und gut zwei Sekunden auf Larsson, aber zwischenzeitlich war er sogar der schnellste Mann auf der Piste im Finaldurchgang. Ein verdienter Podestplatz, den auch andere gerne innegehabt hätten…

Estering 2019 EuroRX Rallycross
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Euro RX Supercars – Blick ins Feld

Einer, für den es am Wochenende überhaupt nicht rund lief, war Pontus Tidemand. Nach einem guten Auftakt mit dem zweiten Rang in der ersten Qualifikation ging es in der Folge nur noch bergab für den VW Beetle-Piloten, dem das Pech ein treuer Begleiter war. Unverschuldet in die ein oder andere Kollision nach dem Start verwickelt, dazu ein Abwürgen am Start – Tidemand fiel auf den 10. Rang am Ende der Qualifikation zurück. Immerhin schaffte er es noch ins Finale, mehr als Platz 4 war dann aber nicht drin.

EuroRX Rallycross Estering Pontus Tidemand
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Peter Hedström schaffte es in seinem VW Polo Supercar ebenfalls ins Finale, legte hier dann aber einen Fehlstart hin. Dennoch kam er mit dem fünften Rang noch vor Jean-Baptiste Dubourg ins Ziel, der es als einziger der Peugeot 208 ins Finale schaffte. Für Bruder Andréa war schon im Semifinale Endstation, nachdem beide Franzosen nicht den Speed zeigten, den man eigentlich von Ihnen erwartet hatte.

Mandie August schaffte es im zweiten Seat Ibiza von Münnich Motorsport derweil auch ins Semifinale, hier war dann aber Endstation.

Der Ungar Tamas Karai sorgte mit seinem Audi A1 im dritten Quali-Durchgang für eine faustdicke Überraschung, als er mit einer blitzsauberen Fahrt die Bestzeit vor der versammelten Konkurrenz setzen konnte. Auch im Semifinale hatte er sicher den notwendigen Speed, ging aber im Zweikampf etwas übermütig zu Werke, so dass er sich am Ende hier auch leider schon verabschieden musste.

ERX Estering Rallycross AudiA1 Supercar
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Im Semifinale scheiterte auch der Norweger Sondre Evjen, der bis dahin ein starkes Wochenende ablieferte. Nach einem Duell mit dem späteren Sieger Bryntesson musste er seinen VW Polo auf der Gegengeraden abstellen.

EuroRX Supercar-Meisterschaft – Larsson weiter auf Kurs

Auch wenn die Siegesserie von Robin Larsson in der EuroRX auf dem Estering ein Ende fand, ist er in der Meisterschaft immer noch weit voraus. 117 von 120 möglichen Zählern konnte er bislang hier für sich verbuchen, Bryntesson folgt mit Respektabstand.

Bei noch zwei ausstehenden Events 2019 – in Loheac und in Riga – bleibt Larsson der haushohe Favorit auf den Titel. Thomas Bryntesson hat aber gezeigt, dass man mit ihm auch in der Zukunft ganz vorne rechnen kann.

Rallycross Buxtehude ERX 2019
©Oliver Kilimann/racing14.de

Ergebnis EuroRX Estering 2019 Finale

1. Thomyas Bryntesson4:06,547 Minuten
2. Robin Larsson4:07,836
3. René Münnich4:10,049
4. Pontus Tidemand4:14,602
5. Peter Hedström4:15,969
6. Jean-Baptiste Dubourg4:16,310

Rallycross EuroRX Supercar Stand nach 4 von 6 Läufen

  1. Robin Larsson 117 Punkte
  2. Thomas Bryntesson 95
  3. Jean-Baptiste Dubourg 83
  4. René Münnich 70
  5. Pontus Tidemand 66
Rallycross Buxtehude ERX
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Estering Super 1600 – Debütsieg für Belevskiy

In der Super1600-er Klasse zeigte sich zunächst ein ähnliches Bild wie bei den Supercars. Meisterschaftsfavorit Aydar Nuriev, seines Zeichens bereits zweifacher Saisonsieger, dominierte das Geschehen auf dem Estering.

Drei von vier Qualifikationsdurchgängen konnte der Russe für sich entscheiden und zog als Top-Qualifier in das Semifinale ein. Einzig sein Landsmann Knyazev im Skoda Fabia konnte mit dem Sieg im vierten Qualidurchgang überraschen, ansonsten waren es aber die Audi A1-Boliden von der Mannschaft von Volland Racing, die das Geschehen beherrschten.

Super1600 Estering
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Bei den schwierigen Streckenbedingungen taten sich die „kleinen“ Super1600er mit ihrem Frontantrieb generell schwer, am Ende der langen Gegengeraden rutschte der ein oder andere dabei auch ins Kiesbett. Die Traktion der Audi A1 schien aber am gesamten Wochenende einfach den Tick besser und Nuriev wurde seine Favoritenrolle gerecht, zumindest bis es in die Finaldurchgänge ging.

Schon im ersten Semifinale musste Nuriev seinen Teamkollegen Yuri Belevskiy ziehen lassen, der Meisterschaftsfavorit hatte mit einem schlechten Start zu kämpfen. Der gebürtige Russe Belevskiy, der unter Schweizer Lizenz an den Start geht, drehte hier ordentlich auf und machte im Finale auch so weiter.

Nuriev hatte direkt beim Start im Finale erneut das Nachsehen und so war es der Sieger des anderen Semifinales, der Belevskiy an der Spitze zunächst unter Druck setzten konnte. Der Ungar Gergely Marton sah erst schneller aus, kam aber nicht vorbei. Mit guten Rundenzeiten gegen Rennende konnte sich Belevskiy dann aber ausreichend Luft verschaffen, um seinen Debütsieg in der Super 1600 zu feiern.

Estering S1600 Belevskiy
©Oliver Kilimann/racing14.de

Hinter Marton schob sich noch Höljes-Sieger Marius Bermingrud im Skoda Fabia auf den letzten Podestrang vor Aydar Nuriev, der aber weiter souverän die Super1600-Meisterschaft anführt.

Trotz des schlechten Wetters durfte man sich am Estering darüber freuen, dass beide Meisterschaften ihre mit Abstand spannendsten Läufe der Saison 2019 hier absolviert haben – die Traditionsstrecke bei Buxtehude hat mal wieder gezeigt, warum klassische Rallycross-Pisten immer noch etwas Besonderes sind. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Estering Podium S1600
©Jan Kåre Rafoss via FIAWorldRallycross.com

Ergebnis Finale Super1600 EuroRX Estering 2019

  1. Yuri Belevskiy 4:39,094 Minuten
  2. Gergely Marton 4:40,245
  3. Marius Bermingrud 4:42,755
  4. Aydar Nuriev 4:43,050
  5. Marat Knyazev 4:48,326
  6. Artur Egorov 4:59,714

Stand Meisterschaft EuroRX Super 1600 nach 4 Läufen

  1. Aydar Nuriev 110 Punkte
  2. Gergely Marton 88
  3. Artur Egorov 72
  4. Egor Sanin 71
  5. Marat Knyazev 62

Video Euro Rallycross Supercar Finale Estering 2019

Euro RX Supercar Final | 2019 FIA European Rallycross of Germany

Weitere Impressionen Estering EuroRX Wochenende 2019

Alle Fotos: ©Oliver Kilimann/racing14.de

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