Euro NASCAR – 14 Teams im Check

NWES SafetyCar
©NASCAR Whelen Euro Series

Die V8-Boliden ruhen derzeit – die NASCAR Whelen Euro Series befindet sich aktuell in der Sommerpause, bevor es am 12. und 13. September auf dem Autodromo dell’Umbria in die entscheidende Phase der Meisterschaft geht.

Ganz im amerikanischen Stil geht es dann in die Playoffs – bei diesem Lauf und dem Finale in Zolder gibt es doppelte Punkte. Somit ist in der Theorie noch so gar nichts entschieden, praktisch haben sich aber natürlich schon Favoriten herauskristallisiert. Zeit nochmal auf die Teams im Einzelnen einzugehen.

#2 Ander Vilarino
©NASCAR Whelen Euro Series – Ander Vilarino #2 TFT

TFT

Ander Vilarino ist mit seiner Nr. #2 wieder obenauf. Nach Valencia konnte er sowohl in Brands Hatch, als auch in Tours einen Laufsieg herausfahren. Dazu sammelte er stets vordere Platzierungen, das Ergebnis ist die Meisterschaftsführung mit 29 Punkten Vorsprung. 4 Rennläufe trennen den Spanier noch von seinem dritten Titel – er ist Favorit Nr. 1, das steht für mich außer Frage.

In der ELITE2 Wertung bewegt Léonard Vernet die #2 und liegt hier auf Rang 2 der Legendenwertung. Auf dem Raceway Venray erlebte er allerdings einen Auftakt zum Vergessen. Ein Unfall im freien Training hatte auch Konsequenzen für Vilarino, der sonst wohl noch ein wenig weiter vorne liegen würde.

Romain Iannetta in der Startnummer #7 kam immer besser in Schuss und konnte nach gefühlter Ewigkeit (Spa 2012) in Brands Hatch wieder einen Rennsieg herausfahren. Der 4. Rang in der Meisterschaft ist gut, sollte er am Ende unter den Top3 landen, wäre dies aber eine Überraschung. In der ELITE2 ist die #7 nicht permanent am Start gewesen.

NWES #11 PK Carsport
©NASCAR Whelen Euro Series – Stienes Longin #11 PK Carsport

PK Carsport

Schwieriges Jahr bislang für die Belgier, die im Vorjahr so fulminat eingestiegen sind. Anthony Kumpen (#24) hatte als Titelverteidiger viel Pech. Unschuldig das ein oder andere Mal auf die Hörner genommen, dazu technisch bedingter Ausfall in Tours. Das, was ihm im Vorjahr die Meisterschaft brachte – konstante vordere Platzierungen – das fehlt dieses Jahr. Mit Rang 6 in der Tabelle ist er aber immer noch in Reichweite, wobei zur Titelverteidigung viel Glück von Nöten ist.

In der ELITE2 hat Maxime Dumarey nach dem Vorjahr unterdessen wieder das Steuer des Boliden mit der #24 übernommen, nachdem zu Jahresbeginn noch Martin van Hove am Steuer saß. In Tours musste er einen Lauf komplett aussetzen aufgrund technischer Schwierigkeiten – hier geht es jetzt nur noch um Achtungserfolge.

Bert Longin am Steuer der #11 tut sich dieses Jahr auch schwerer – erst ein Top5-Ergebnis steht hier zu Buche. Nur in der ELITE2 ist die #11 in den Händen seines Sohnes, Stienes Longin, weit vorne. 1 Sieg und der 6. Gesamtrang trotz Ausfall im letzten Rennen in Tours – für den jungen Belgier ist noch was drin.

NWES CAAL Racing
©NASCAR Whelen Euro Series – Blau, Gelb und grün – CAAL Racing

CAAL Racing

Das italienische Team hat vor allem PK Carsport in dieser Saison ein wenig den Rang abgelaufen. Eddie Cheever III (#51) ist härtester Verfolger von Ander Vilarino in der Meisterschaft. Dieses Jahr musste er sich in den letzten Rennen aber überraschenderweise hinter seinem Teamkollegen und Landsmann Nicolò Rocca (aktuell 6. in der Meisterschaft) anstellen – vor allem in Sachen Speed ist die Nr. #56 etwas besser unterwegs. Beide tendieren aber zu Leichtsinnsfehlern – die Chance auf den Titel ist für beide intakt, ich bezweifle allerdings, dass das 2015 schon was wird.

Dritter Mann im Bunde ist Alon Day in der #54, der sich nach und nach in der Serie besser zurecht findet und aktuell auf Gesamtrang 8 liegt. Hier liegt noch die ein oder andere Podiumsplatzierung in der Luft.

In Sachen ELITE2 ist der Spanier Tineo Arroyo die Sperrspitze des Teams. Erst ab Venray übernahm er die Nr. #51, da sein ursprüngliches Team Active R. Competition wohl aus finanziellen Gründen die Segel streichen musste. Ein Sieg fehlt ihm zwar noch dieses Jahr, doch mit aktuell Gesamtrang 4 und einem Rückstand von 33 Punkten ist noch einiges möglich. Die Französin Carole Perrin macht in der Nr. #54 eine gute Figur und kämpft aktuell um den Sieg in der LadyCup-Wertung.

Der Bolide mit der #56 wurde nur in Tours für den Belgier Guillaume Deflandre in der ELITE2 eingesetzt, da bei seinem etatmäßgien Team DF1 Racing der Einsatzwagen nach einem Unfall nicht rechtzeitig wieder fahrbereit war.

NWES #5 Renauer
©NASCAR Whelen Euro Series – Florian Renauer #5 Renauer Motorsport

Renauer Motorsport

Viele Kilometer sammelt dieses Jahr Florian Renauer in der #5, da er sowohl in der ELITE1, als auch in der ELITE2 am Start ist. Der Euro NASCAR-Rookie macht seine Sache mehr als ordentlich. In der ELITE2 zweimal Pole-Position und der erste Sieg in Brands Hatch. Rang 5 im Gesamtklassement der ELITE2 bzw. Rang 8 in der ELITE1 ist aktuell noch lange nicht das Ende der Fahnenstange – wobei wir den Titel im ersten Jahr nicht erwarten dürfen.

Erfahrung sammeln ist unterdessen das oberste Ziel von Martin Doubek, der auch in beiden Wertungen im zweiten Renauer-Boliden (#15) unterwegs ist. Topresultate sind dieses Jahr bei ihm noch nicht zu erwarten.

DF1 Racing
©NASCAR Whelen Euro Series – DF1 Racing

DF1 Racing

Ein schwieriges Jahr bislang für ein weiteres österreichisches Team. Bei DF1 Racing kehrte in Tours Mathias Lauda für die zwei Rennläufe zurück. Der Aston Martin Werkspilot konnte hier gute Ergebnisse einfahren – Balsam auf die Wunden des Teams. In Brands Hatch war ein Bolide in einen heftigen Unfall verwickelt, so dass dieser nicht rechtzeitig für Tours wieder fertig wurde.

Die Debütanten Christian Malcharek und Guillaume Deflandre müssen in erster Linie Erfahrung sammeln. Der junger Belgier Deflandre ließ hier und da sein Talent aufblitzen, war zuletzt in Tours aber viel zu übermutig unterwegs – das geschah allerdings im Boliden von CAAL Racing.

Auch für den erfahrenen Christophe Bouchut fehlen noch zählbare Resultate. Nach einem heftigen Unfall in Valencia gab es eine Nullnummer ebenso wie in Tours, da hier nur ein Wagen parat stand. Bouchut überließ das Cockpit hier Mathias Lauda.

Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu – so kann man die Saison bei DF1 bisher am besten zusammenfassen. Christophe Bouchut sollte aber bei einem problemlosen Wochenende zumindest noch die ein oder andere Top5-Platzierung erreichen können.

NWES 78 Brass Racing
©NASCAR Whelen Euro Series – Jerry de Weerdt #78 Brass Racing

Brass Racing

Jerry de Weerdt ist der Alleinunterhalter am Steuer der #78 und tritt in beiden Divisionen an. Da er Venray auslassen musste, ist er im Gesamtklassement natürlich etwas abgefallen. Rang 3 in der Gentleman Trophy (ELITE2) und 6. in der Challenger Wertung (ELITE1) stehen aktuell zu Buche. Bislang aber ein solides erstes Jahr.

NWES 98 de Doncker
©NASCAR Whelen Euro Series – Eric de Doncker #98 Motorsport98

Motorsport98

Eric De Doncker ist ebenfalls in beiden Kategorien mit der Nr. #98 unterwegs. Die Legend Trophy in der ELITE2 führt er aktuell an, 5 Top10 Ergebnisse haben auch zu einem starken 8. Gesamtrang geführt. Erfahrung macht sich halt doch bezahlt. In der Challenger-Trophy (ELITE1) liegt er aktuell auf einem sehr guten 2. Gesamtrang.

NWES #3 RDV
©NASCAR Whelen Euro Series – Frédéric Gabillon #3 RDV

RDV Compétition

RDV hat nach dem Saisonstart zugelegt. Fréderic Gabillon fehlen aktuell 41 Punkte auf Vilarino – damit Gesamtrang 3. Auch wenn er dieses Jahr noch keinen Sieg einfahren konnte, war er zuletzt sehr nah dran. Gabillon muss man noch auf der Rechnung haben – zu Saisonende hin war der Franzose zudem meistens stark.

In der ELITE2 lief es für den Wagen mit der #3 zunehmend besser – in Tours konnte der Franzose Ulysse Delsaux ein erstes Podium erzielen. Gesamtrang 7 aktuell in der Meisterschaft – viel mehr wird aber nicht drin sein.

Die #8 von RDV spielt in der Meisterschaft eine untergeordnete Rolle. Den Boliden bewegen in der ELITE1 Hugo Bec bzw. Didie Bec in der ELITE 2 – hier hat man eher ein Abonnement auf die hinteren Plätze.

NWES #67 GDL - Philipp Lietz
©NASCAR Whelen Euro Series – Philipp Lietz #67 GDL

GDL

Philipp Lietz (#67) feierte auf dem Oval in Venray einen Doppelsieg und ist in der ELITE2 stets vorne dabei. In Tours lief es nicht ganz so optimal , daher fiel der Österreicher auf den dritten Meisterschaftsrang zurück. Allerdings hat er nur 10 Punkte Rückstand auf die Spitze – Titelchancen weiter intakt. Das Finale um den ELITE2-Titel dürfte auf jeden Fall sehr spannend werden. Auch in der ELITE1 mischt er ganz gut mit, 2 Top5 und 8 Top10 Platzierungen zeigen eine deutliche Aufwärtskurve im Vergleich zm Vorjahr.

Die Nr. #44 ist so etwas wie das Sorgenkind. Die Saison läuft bislang für Freddy Nordström in der ELITE1 enttäuschend, nur Gesamtrang 10 mit wenig Aussischt auf Besserung. Nicki Petersen liefert derweil ein solides Debütjahr, ohne große Highlights zu setzen.

Dominic Tiroch liegt mit der Nr. #99 derzeit auf dem dritten Rang in der Challenger-Wertung in der ELITE1, Rang 2 ist auf jeden Fall noch drin. Francesca Linossi führt derweil den LadyCup in der ELITE2 an, muss sich hier aber ordentlich strecken, damit das auch so bleibt.

#9 Gianmarco Ercoli
©NASCAR Whelen Euro Series – Gianmarco Ercoli #9 DoubleT

Double T-MRT by Nocentini

Hauptaugenmerk der Italiener liegt auf der ELITE2-Wertung, die Gianmarco Ercoli (#9) aktuell anführt. Der Kampf um den Titel wird hier besonders eng. Für das neue Team wäre ein Titel im Debütjahr natürlich herausragend. Der junge Italiener Ercoli hat Rennübersicht gezeigt und wird nicht einfach zu schlagen sein.

Roberto Benedetti (#12) ist in der ELITE1 in der Challenger Trophy unterwegs und hier aktuell 5.

NWES 37 Knauf Racing
©NASCAR Whelen Euro Series – Thomas Ferrando #37 Knauf Racing

Knauf Racing Team

Thomas Ferrando (#37) kämpft in der ELITE2 um den Titel. Mit 2 Siegen hat auch der Franzose dieses Jahr gute Chancen, die Meisterschaft zu holen, nachdem dies im Vorjahr nicht gelang. Er ist dieses Jahr gereift und Argumente, die gegen einen Titelerfolg sprechen, gibt es wohl nur deren zwei – namentlich Ercoli und Lietz.

NWES 21 Record News
©NASCAR Whelen Euro Series – William Ayer #21 Record News

Record News R.T.

Die Brasilianer im Feld tun sich schwer. William Ayer liegt in der Challenger Trophy auf Rang 4, ohne jedoch besondere Highlights gesetzt zu haben. In der ELITE2 hat Gabriela Arantes noch einiges zu lernen – dabei sein ist hier alles – das ging leider in Venray mit einem kräftigen Einschlag in die Mauer auch einmal richtig daneben.

NWES 88 Monforte
©NASCAR Whelen Euro Series – Erika Monforte #88 Eurokart

Euro Kart Racing Team

Auch das sympathische italienische Team rund um Erika und Simone Monforte erlebt ein schwieriges Jahr. Die #88 oder auch „Pink Rocket“ wurde in Vernay stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach einem erneuten Unfall in Brands Hatch musste man leider den Tours Speedway streichen – so rutschte man natürlich im Klassement weiter ab. Aktuell Gesamtrang 19 für Simone in der ELITE1 – und Platz 20 für Erika in der ELITE2, die damit auch Letzte in der LadyCup Wertung ist. Zumindest das wird sie sicherlich mit einer frischen #88 in den letzten beiden Veranstaltungen noch korrigieren können.

DASI Racing (ehemals Eficaciter)

Leider nicht über die ganze Saison vertreten, machte das spanische Team zumindest bei den Rennläufen auf dem Tours Speedway mit dem französischen Rallyepiloten Pierre Roche in Sachen Leistungfähigkeit eine ganz gute Figur, viel Zählbares kam dabei aber leider nicht heraus. Die Startnummer #4 ist aktuell eher ein „Feldfüller“.

#7 TFT Iannetta
©NASCAR Whelen Euro Series – Romain Iannetta #7 TFT

Randnotizen

  • nicht mehr mit dabei ist seit Venray das Team rund um ELITE1 Pilot Borja Garcia – Active R. Competition hat sich zurückgezogen
  • amerikanischer Besuch – Jeffrey Earnhardt war der erste aktive NASCAR Pilot (Xfinity Series), der einen Gastauftritt im europäischen NASCAR-Ableger absolvierte – er fuhr in Brands Hatch immerhin in die Top10
  • Teamwertung: Hier zählen die Ergebnisse eines Wagens aus ELITE1 und ELITE2 – aktuell führt hier die #67 von GDL (Lietz) vor der #3 von RDV (Gabillon/Delsaux) und der #2 von TFT (Vilarino/Vernet)
  • Abwechslung auf der anderen Seite des Atlantiks: Anthony Kumpen wird am Freitag in der K&N Pro Series East auf dem New Hampshire Motor Speedway an den Start gehen

Zahlen über Zahlen

An dieser Stelle ein wenig Statistik zur bisherigen Saison:

ELITE1

Siege: Ander Vilarino 3, Nicolò Rocca 2, jeweils 1 für Eddie Cheever, Anthony Kumpen und Romain Iannetta

Pole Positions: alle 4 gingen an Nicolò Rocca

Führungsrunden: Rocca 117, Vilarino 105, Kumpen 77, Iannetta 34, Cheever25

schnellste Rennrunden: Vilarino 3, Iannetta 2, jeweils 1 für Kumpen, Rocca und Gabillon

ELITE2

Siege: je 2 für Philipp Lietz, Thomas Ferrando und Gianmarco Ercoli – je 1 für Florian Renauer und Stienes Longin

Pole Positions: Florian Renauer 2, je 1 für Philiip Lietz und Guillaume Deflandre

Führungsrunden: Lietz 121, Ercoli 96, Longin 82, Ferrando 33, Renauer 30, Deflandre 3

schnellste Rennrunden: Ferrando 3, Lietz 2, je 1 für Longin, Tineo Arroyo und Ercoli

Ein Überblick über den jeweiligen Meisterschaftsgesamtstand gibt es hier.

Zum Abschluss noch eine Erinnerung in Sachen Punktevergabe in der NASCAR Whelen Euro Series – diese erfolgt nach dem NASCAR-Schema, d.h. der Sieger bekommt 43 Punkte, für Rang 2 gibt es 42, für Rang 3 41 usw. – Bonuspunkte gibt es für einen Laufsieg (+3), die meisten Führungsrunden (+1), sowie 1 Bonuspunkt, wenn man die erste Runde als Führender absolviert.

Und wie bereits gesagt wird das Ganze bei den ausstehenden Rennen dann verdoppelt. In diesem Sinne, bis bald wieder in Sachen Whelen Euro Series und Keep Racing.

#24 PK Carsport
©NASCAR Whelen Euro Series
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