Euro NASCAR Valencia – Doppelsieger beim Saisonstart

Euro NASCAR Valencia Podium

NASCAR Whelen Euro in Spanien – Alon Day obenauf

Vor zwei Wochen fanden sich beim europäischen NASCAR-Ableger auf der Strecke des Circuit Ricardo Tormo bei Valencia rund 30 Fahrer in der ELITE1, der Hauptmeisterschaft der Serie, ein, um die ersten Laufsiege des neuen Jahres auszufahren.

Am Ende der beiden Rennläufe bot sich den Zuschauern jedoch ein gewohntes Bild. Der amtierende Meister der Euro NASCAR, Alon Day, konnte beide Wertungsläufe für sich entscheiden und startete sein Projekt Titelverteidigung somit standesgemäß.

Allerdings musste sich der Israeli in Valencia mit erstarkter Konkurrenz aus Benelux herumschlagen. Im ersten Lauf konnte Marc Goosens lange Zeit Druck auf Day ausüben, ohne am Ende aber eine wirkliche Chance gegen die Startnummer #54 des italienischen CAAL-Racing Teams zu haben.

Zu allem Überfluss bekam der Belgier noch eine Zeitstrafe von 25 Sekunden aufgebrummt, die ihn auf den achten Rang zurückfielen ließ, im Ergebnis hieß es lediglich „für ein Vergehen am Start“. Im Sonntagslauf wollte der Pilot des belgischen Braxx Racing Teams den Spieß rumdrehen und schnappte sich Day auch kurz nach der Freigabe des Rennens.

EuroNASCAR Start 2018

Gleiches gelang auch seinem 20-jährigen Landsmann Loris Hezemans, der beim Debüt der niederländischen Mannschaft von Hendriks Motorsport sein Talent eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Leider wollte der Youngster zu viel und erwischte bei der Anfahrt zur zweiten Kurve den Boliden von Goosens. So war der Weg wieder frei für Alon Day, der den Sieg locker vor Anthony Kumpen nach Hause fahren konnte.

Zwar blieb so für das belgische Duo deutlich weniger Zählbares nach dem Auftakt als erhofft übrig, aber nach den ersten Rennen ist noch lange nichts verloren. Hezemans war jedenfalls sicher der Name, der am meisten auffiel, konnte er doch direkt den Speed der in der EuroNASCAR deutlich erfahreneren Piloten mitgehen.

Ansonsten tauchten wieder die üblichen Verdächtigen auf dem Podium auf. Im bereinigten Ergebnis von Lauf 1 ging der zweite Rang an den Franzosen Frederic Gabillon vor Anthony Kumpen, am Sonntag war es umgedreht. Die Top 5 komplettierten in beiden Läufen Stienes Longin auf Rang 4 vor Lokalmatador Borja Garcia, der diesmal keine Chance auf den Heimsieg hatte.

Bobby Labonte fuhr die Ränge 14 und 8 nach Hause, im zweiten Lauf war der ehemalige US-NASCAR-Champion deutlich besser unterwegs, von einer möglichen Meisterschaft für den bekannten Namen sollte man hier aber sicher nicht ausgehen…

NASCAR Euro NWES Whelen Euro 2018

Ansonsten verliefen beide Rennläufe relativ unspektakulär, im Hinterfeld gab es wie gewohnt die ein oder andere Rauferei mit Kaltverformung, an der Spitze waren jedoch die Positionen schnell klar.

Einzig die Anfangsphase des zweiten Rennens bot Spannung, leider machte zu diesem Zeitpunkt der Livestream der Serie sozusagen einen Abflug ins Kiesbett, so dass man das Geschehen gar nicht verfolgen konnte.  Der Saisonstart in der ELITE1 bewies, dass allein ein großes Teilnehmerfeld noch lange nicht für gute Rennaction sorgt.

EuroNASCAR ELITE2 – Die Frage nach dem Nachwuchs

Der 26-jährige Franzose Wilfried Boucenna war unterdessen in der ELITE2-Wertung nicht zu schlagen und feierte hier einen Doppelsieg. Allerdings darf man hier ruhig die Frage stellen, was der in der EuroNASCAR sehr erfahrene Fahrer eigentlich in der ELITE2 zu suchen hat.

Generell nutzt man diese Meisterschaft bzw. Wertung, um junge Fahrer an die Euro NASCAR heranzuführen, hier soll der Weg zum Profi geebnet werden.

Es gibt zwar auch noch einige Trophy-Wertungen für ältere Piloten und den Ladys Cup, aber generell sollten sich hier schon die Youngster an der Spitze des Feldes tummeln. Doch Regularien, die dies zwingend vorschreiben, gibt es nicht. So setzte die Truppe von Knauf Racing in Valencia auf Boucenna in der ELITE2.

Euro NASCAR 2018-NWES ELITE2

Der Franzose ist dabei schon lange Teil der Serie und bereits seit 2010 hier aktiv, im Jahr 2014 gewann er seine letzten Rennen, auch in der ELITE2. Das mit der Nachwuchswertung scheint den Verantwortlichen nicht so entscheidend. Man muss sich dann letztlich die Frage stellen, welchen sportlichen Wert so eine Nachwuchsmeisterschaft haben soll oder ob man eher auf ein volles Feld setzten will.

Hinter Boucenna lief sein Landsmann Ulysse Delsaux ein, dahinter folgte mit Florian Venturi im Team von Go Fas Racing ein weiterer Franzose. Der Serienneuling zeigte sich bestens aufgelegt und kam mit seinem V8 direkt blendend zurecht, der Lohn dafür war ein weiterer dritter Rang am Sonntag. Boucenna war auch hier schnell wieder an der Spitze, am Ende lag er rund drei Sekunden vor einem weiteren Neuling, dem Italiener Nicholas Risitano. Aber auch in der ELITE2 konnten sich nicht wirklich spannende Rennen entwickeln.

Justin Kunz und Racing Total – Erst kein Glück und dann noch Pech

Unterdessen hatte auch das deutsche Team von Racing Total mit Justin Kunz am Steuer alles andere als ein problemfreies Wochenende. Der war diesmal in beiden Meisterschaften unterwegs, die vielen Punkte wollte der Youngster aus dem badischen Appenweier aber weiter in der ELITE2 sammeln.

In der ELITE1 verhinderte eine defekte Zündkerze ein besseres Abschneiden, so dass er hier mit dem 22. Platz vorliebnehmen musste. In das erste Rennen der ELITE2 ging Kunz von Startplatz 8 und konnte zwischenzeitlich auf einen Podestplatz hoffen, musste sich dann letztlich aber mit dem fünften Rang abfinden.

Nach dem Ziel dann noch eine schlechte Nachricht. Ein Zweikampf mit dem Belgier Deflandre bescherte ihm eine Zeitstrafe, so dass nur noch der 13. Rang zu Buche stand. Die Wege der Rennleitung sind halt in der EuroNASCAR besonders unergründlich…

NASCAR Whelen Euro 2018

Doch es sollte noch schlimmer kommen, beim fliegenden Start ins zweite Rennen wurden Kunz und sein Ford Mustang mit der Nummer #46 ins Abseits gedrängt und er fand sich nach dem folgenden Dreher dann stehend auf der Ideallinie wieder. Der V8 ließ sich nicht mehr zum Leben erwecken und mangels eines direkt eingesetzten Safety Cars kam, was kommen musste. Ein Konkurrent demolierte den Kunz-Boliden in der nächsten Runde, als er ihn auf der linken Seite traf.

Gelbe Flaggen werden oft ja überbewertet, diesen Eindruck hat man jedenfalls insbesondere bei den Rennen der sogenannten Nachwuchswertung ELITE2. Für Justin Kunz am Ende jedenfalls ein rabenschwarzes Wochenende, denn der Wagen konnte nicht mehr im letzten Rennen der ELITE 1 an den Start gebracht werden.

Die nächste Chance für Kunz und der Rest der EuroNASCAR-Meute auf gute Ergebnisse gibt es am 19. und 20. Mai 2018 im italienischen Autodromo di Franciacorta, allerdings ist auch diese Strecke alles andere als prädestiniert für Überholmanöver.

Saisonauftakt NASCAR-Euroserie 18

Fotos © NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard