EuroNASCAR – Wie gewonnen, so zerronnen

Euro NASCAR Italy
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Rückblick auf den Auftritt der NASCAR Euro – Serie in Italien

Bald steht für den europäischen NASCAR-Ableger, der Nascar Whelen Euro Series, mit dem Rennwochenende in Brands Hatch das Highlight des Jahres ins Haus, denn in England hat die Serie immer ein mehr als volles Haus.

Das war beim letzten Aufritt im Mai in Italien noch ganz anders, vor allem am ersten Tag verliefen sich nur wenige Zuschauer ins Autodromo di Franciacorta, wo das zweite Event der Saison 2018 stattfand. Immerhin stieg das Interesse vor Ort am Sonntag ein wenig, doch die EuroNASCAR tut sich in Italien halt immer noch schwer, doch blicken wir zunächst mal auf das Teilnehmerfeld, denn hier fehlte der ein oder andere, der noch beim Auftakt in Valencia mit an Bord war.

Renauer Motorsport vorerst nicht mehr dabei und spanische Abschiede

Nach dem Saisonstart in Spanien gab die Mannschaft von Renauer bekannt, dass man das Engagement in der NWES (Nascar Whelen Euro Series) aus verschiedenen Gründen vorerst unterbricht.

Die sympathische Truppe rund um Teamchef Sepp Renauer wird sicher fehlen, die beiden Piloten kamen unterdessen für die Rennen in Franciacorta beim neuen Team der Belgium Driver Academy-Team unter.  Martin Doubek und der Belgier Maxime Pampel werden hier auch im weiteren Lauf des Jahres in der Startnummer 7 antreten.

Chevy Camaro EuroNASCAR
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – kein Abschied, dafür ein Neuzugang: Ein Bolide schon mal mit Camaro-Optik

Borja Garcia fehlte ebenfalls unter den Startern in Franciacorta, der Spanier trat in Valencia noch im Team von Alex Caffi Motorsport an. Der ehemalige Formel 1-Fahrer übernahm das Cockpit in Italien selber, als beste Platzierung sprang für den Routinier ein 12. Rang heraus. Garcia gehört unterdessen schon lange zu den Top-Piloten der Serie, hat aber immer wieder Schwierigkeiten, ein Budget für die ganze Saison zu finden, während es beim heimischen Auftakt in Valencia meist noch funktioniert. Es bleibt abzuwarten, ob wir ihn in diesem Jahr nochmal sehen werden.

Ein anderer Spanier hat vor dem zweiten Event des Jahres allerdings wohl endgültig Adiós gesagt. Salvador Tineo Arroyo hat sein Engagement in der Euro NASCAR beendet und wird sich auf eine Karriere im heimischen Rallyesport bzw. Bergrennsport konzentrieren. Auch hier gaben Budgetgründe den Ausschlag, auf jeden Fall ein herber Verlust für die Serie, denn nach Erfolgen in der ELITE2-Meisterschaft war der junge Spanier auch in der ELITE1 gut mit dabei. In Brands Hatch wird der Italiener Nicolo Rocca den Boliden mit der Startnummer #56 dann übernehmen.

Nascar Whelen Euro Series Italy 2018
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Alon Day – Zuerst dominierend, dann disqualifiziert

In der ELITE1-Meisterschaft drückte Alon Day im gelben Euro NASCAR-Chevrolet mit der Startnummer #54 dem gesamten Wochenende in Italien seinen Stempel auf und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance.

Dabei ließ sich der Israeli auch nicht von der ein oder anderen Safety Car-Phase aus der Ruhe bringen und dominierte auch bei den Restarts, nachdem er vor den Rennläufen souverän die Pole Position erobern konnte. So standen am Ende des Italien-Ausflugs der Nascar Whelen Euro Series zwei weitere recht überlegene Day-Siege zu Buche, doch dabei sollte es nicht bleiben.

Die überlegene Vorstellung von Day bekam in der Folgewoche einen herben Dämpfer. Der #54er-Chevy wurde am Sitz der NWES-Zentrale in Frankreich genau unter die Lupe genommen. Dabei stellte man fest, dass Teile der vorderen Radaufhängung und der Stabilisatoren nicht den Regeln entsprechen. Hier dürfen nur festgelegte Teile der NWES eingesetzt werden, dies war beim V8-Boliden von CAAL Racing nicht der Fall.

Gridgirls Nascar
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Die Folge: Day verliert den Sieg im zweiten Rennen der ELITE1 am Sonntag, ebenso wie die entsprechenden Punkte, auch in der Teamwertung gibt es keine Zähler. Das Ergebnis des zweiten Rennens von Franciacorta, also die Disqualifikation, darf nicht für das Streichresultat in Anspruch genommen werden.

Es bleibt die Frage offen, was war am ersten Renntag? Alon Day gewann das Samstagsrennen vor dem Franzosen Frederic Gabillon und dem Italiener Gianmarco Ercoli. Doch bis nach dem Rennen waren die untersuchten Teile am #54er Chevy meines Wissens nach gar nicht Teil einer technischen Überprüfung, daher mutet diese Entscheidung schon komisch an. Warum der Wagen also am Samstag in Ordnung gewesen sein soll, diese Frage bleibt im Raum stehen…daher zurück auf das Geschehen an der Rennstrecke.

ELITE1 – Erster Sieg für Mishumotors – Lucas Lasserre triumphiert

Während es am Samstag also beim Sieger Alon Day blieb, änderte sich durch die Disqualifikation im Nachgang das Bild des Sonntagsrennens.

Der Franzose Lucas Lasserre, seines Zeichens ehemaliger Meister aus den Anfangsjahren der Serie, holte sich mit einem späten Überholmanöver gegen Marc Goosens somit den eigentlichen Sieg. Gleichzeitig war dies der erste Triumph des deutschen Teams von Mishumotors, die in diesem Jahr nur einen Boliden in der Serie einsetzen.

NASCAR Mishumotors
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard – Sieg für Mishumotors

Hinter Marc Goosens landete ein starker Loris Hezemans, der letztendlich dann noch aufs Podium „rutschte“. Hezemans zeigte sich, wie schon in Valencia, im Ford Mustang von Hendriks Motorsport sehr stark, wenn auch im ersten Rennen des Wochenendes erneut zu übermütig. Das mündete in einem erneuten Unfall, der ein Abziehbild aus Spanien war. Erneut riss der Youngster Marc Goosens mit ins Verderben, der die Startnummer #50 wohl nicht mehr so schnell im Rückspiegel sehen möchte.

Unterdessen lief es beim belgischen Team von PK Carsport alles andere als rund, zumindest in der ELITE1. Anthony Kumpen kam nicht über die Ränge 4 und 5 hinaus, Teamkollege Stienes Longin musste sich mit einem 7. Rang als bestes Resultat abfinden, im zweiten Rennen musste er mit seiner Startnummer #11 einen Ausfall hinnehmen. Doch in der ELITE2 lief es für die Truppe deutlich besser.

ELITE2 – PK-Carsport Double

In den Rennen der ELITE2 waren es dann nämlich die belgischen Boliden, die das Geschehen bestimmten. Der Brasilianer Felipe Rabello gewann den ersten Lauf des Wochenendes vor seinem Teamkollegen Guillaume Dumarey, der sich am Sonntag revanchierte und im zweiten Rennen den Sieg holte und den Spieß herumdrehen konnte.

Den verbliebenen Podiumsplatz schnappte sich beide Mal Guillaume Deflandre in Diensten von Memphis Racing. Der Auftaktsieger Wilfried Boucenna blieb unterdessen blass und erreichte als bestes Ergebnis einen vierten Platz, das ist sicher zu wenig für jemanden, der schon jahrelang in beiden Wertungen unterwegs ist.

ELITE2 NASCAR Whelen Euro
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Hin und wieder gab es in beiden Meisterschaftswertungen einige Duelle im Mittelfeld, insgesamt rissen einen die Rennläufe in Franciacorta aber sicher nicht vom Hocker, da kann man nur auf Brands Hatch hoffen, dass einem hier besserer Rennsport geboten wird.

Auf den Auftritt in England hofft auch der deutsche EuroNASCAR-Pilot Justin Kunz und sein Team von Racing Total, für die am italienischen Nascar-Wochenende sicher mehr drin gewesen wäre.

Justin Kunz und Racing Total – Da war mehr drin

Die Ränge 8 und 7 standen in den beiden Rennen der ELITE2 in Franciacorta am Ende für den deutschen Youngster zu Buche, hier hatte man sich auf jeden Fall mehr erhofft.

Nach einer Bestzeit im freien Training konnte Kunz leider nur den 10. Startplatz für das erste Rennen erreichen, von hier aus war dann nicht mehr viel möglich. Nach einer Kollision am Start zum Sonntagslauf hieß es erstmal an die Box, um einen beschädigten Reifen zu wechseln. Zwar schaffte es die Startnummer #46 dann noch in einer Aufholjagd bis auf den siebten Platz nach vorne, der erhoffte Besuch auf dem Podest muss jetzt aber auf jeden Fall bis Brands Hatch warten.

Euro NASCAR Justin Kunz racing total
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Kunz ging, wie in Valencia, ebenfalls in der ELITE1-Meisterschaft an den Start. Hier gilt es für ihn vornehmlich darum, Erfahrung zu sammeln, von daher war zweimal der 13. Rang trotz einiger Probleme in beiden Rennen schon ganz ordentlich.

Am kommenden Wochenende stehen in Brands Hatch dann auch schon die nächsten Rennen der Nascar Whelen Euro Series auf dem Programm. Die Top 3 in der ELITE1 Meisterschaft liegen dabei jetzt ganz dicht beieinander, Frederic Gabillon, Anthony Kumpen und Lucas Lasserre trennen nur wenige Zähler, in der ELITE2 hat noch der Franzose Boucenna die Nase vorne. Aller Resultate der EuroNASCAR findet ihr direkt auf der offiziellen Website. In diesem Sinne, bis bald und Keep Racing!

Grid Girls EuroNASCAR
©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard