Im Fokus – Nico Hülkenberg

Nico Hulkenberg 2014
©Sahara Force India Formula One Team

Mein letzter Formel1-Live-Besuch liegt zugegeben schon sehr lange zurück. Doch bevor am 16. März in Melbourne die Motoren zur 65. FIA Formel 1-Weltmeisterschaft aufheulen, fand ich es an der Zeit, einmal auf einen meiner Meinung nach hochtalentierten Piloten einzugehen. Schauen wir aber nicht auf den Mann, der sich die Startnummer 14 für sich selbst auserkoren hat (könnte man bei racing14 ja durchaus vermuten, im übrigen: sehr gute Wahl, Fernando!), sondern auf den Fahrer, der mit der Nummer 27 an den Start gehen wird.

Rückblick: Es ist der 1. Oktober 2006. Die A1-GP Meisterschaft startet im niederländischen Zandvoort in ihre jahresübergreifende Saison 2006/2007. Nach dem Sprintrennen geht es in das längere Hauptrennen. Einsetzender Regen zuerst, im Laufe des Rennens abtrocknende Strecke. Schwierige Verhältnisse, doch ein bis dato recht unbekannter Name überrascht. Nicolas „Nico“ Hülkenberg am Steuer des Boliden vom Team Deutschland ringt alle nieder und gewinnt. Der Beginn einer grandiosen Saison für den jungen Deutschen. Mehrere Siege und die Meisterschaft folgen. Im April 2007 endet die Meisterschaft und Hülkenberg holt sich auch den letzten zu vergebenden Sieg der Saison in einem sensationellen Zweikamp gegen den Briten Robbie Kerr in Brands Hatch.

Doch schon vor seinen Leistungen in der A1-GP war Nico Hülkenberg kein unbeschriebenes Blatt. Als Neunjähriger begann er mit dem Kartsport, gewann später die Deutsche Juniorenmeisterschaft und konnte auch die Deutsche Kartmeiserschaft für sich entscheiden. 2005 erfolgte der Einstieg in den Formelsport. Prompt wurde er in diesem Jahr Meister der Formel BMW (ein Jahr nach einem gewissen Sebastian Vettel). Der logische Weg führte in die Formel 3 und zwar zunächst in den deutschen Formel 3 Cup. Hier gab es zwar „nur“ den fünften Gesamtrang in der Meisterschaft, doch auch hier konnte „Hülki“ bereits siegen. Ein Wechsel des Chassis-Herstellers im laufenden Jahr zeigte, dass der Ursprungsbolide seines damaligen Teams von Josef Kaufmann Racing nicht ganz vorne mitfahren konnte.

Formel 3 Masters

Während seiner darauf folgenden Zeit in der A1-GP-Serie wurde er mittlerweile vom ehemaligen Manager von Michael Schumacher, Willi Weber, betreut. Schnell stiegen nach seinen Vorstellungen auf den internationalen Rennstrecken die Erwartungen. Doch Nico Hülkenberg ging weiter den klassischen Weg im Formelsport, um nicht zu schnell und zu unerfahren in der Königsklasse zu landen. 2007 und 2008 folgten zwei Jahre in der Formel 3 Euroserie. Bester Rookie und Sieger des Formel 3-Masters 2007 und auch die Meisterschaft 2008 waren alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Der immens hohe Erwartungsdruck eines Überfliegers lastete auf dem jungen Deutschen, doch er ging konzentriert seinen Weg weiter.

Die hart umkämpfte GP2-Meisterschaft war seine nächste Station. Zur Vorbereitung fuhr er im Winter 2008/2009 einige Läufe der GP2-Asia Meisterschaft, auch hier konnte er siegen. In der Saison 2009 konnte er als Rookie in Diensten von ART Grand Prix die Meisterschaft gewinnen. Sein deutlich erfahrenener Teamkollege Pastor Maldonado hatte nur das Nachsehen – dies sollte sich im Lauf der nächsten Jahre ändern, aber nur finanziell, sportlich sicher nicht.

GP2 Nring 2009

Neben der GP2 war er schon 2009 für Williams als Testfahrer aktiv, die Beförderung zum Stammpiloten folgte 2010. Zu Beginn tat er sich schwer gegen seinen erfahrenen Teamkollegen Rubens Barrichello, kam aber im Laufe des Jahres immer besser in Schwung und bescherte Williams in Brasilien seit gefühlten Ewigkeiten wieder eine Pole-Position. Trotz seiner sportlichen Leistungen musste er das Williams-Cockpit für 2011 räumen und hatte diesmal das Nachsehen gegen Pastor Maldonado und dessen mitgebrachte Sponsormillionen, die Krux der modernen Formel 1.

Mangels Alternativen rückte Hülkenberg erstmal in die zweite Reihe zurück. Als Test-und Ersatzfahrer bei Force India kam er in der Saison 2011 wenig zum Fahren. Doch seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus, für 2012 wurde er ins Stammcockpit befördert und entzauberte den hochgelobten Paul di Resta. In Brasilien unter gemischten Bedingungen scheint der „Hulk“ sich anscheinend sehr wohl zu fühlen. Für Force India konnte er den Grand Prix einige Zeit anführen, am Ende reichte es noch zum fünften Rang.

The Hulk 2012
©Sahara Force India Formula One Team

Für die Saison 2013 ging der Weg von Nico Hülkenberg zum Team von Sauber. Grade in der zweiten Saisonhälfte brillierte er mehrfach, konnte mit Platz 4 in Südkorea seine beste Platzierung in der Formel 1 egalisieren. In der abgelaufenen Saison konnte er nicht nur erneut seinen Speed zeigen, sondern ebenfalls eine sehr intelligente Fahrweise, die er an den Tag legt. Aber auch bei Sauber war die finanzielle Situation lange im Unklaren. So ging der Weg von Nico Hülkenberg  für das Jahr 2014 wieder zurück zu Sahara Force India. Aufgrund der gravierenden technischen Änderungen in dieser Saison bestimmt keine schlechte Wahl. Bei den Testfahrten machte das Team rund um den Deutschen auf jeden Fall schon einen guten Eindruck.

In der Formel 1 war „Hülki“ bislang oft nicht zu richtigen Zeit im richtigen Auto; hoffentlich hat er dieses Jahr einen Boliden, mit dem er dauerhaft sein Talent beweisen kann und mit dem er sich dort bewegen kann, wo er hingehört: An die Spitze des Feldes! Und dann wäre es doch langsam auch einmal an der Zeit, dass eines der Topteams den Emmericher an Bord holt. Auch wenn Hülkenberg selber die Startnummer 27 aus den Daten seines Geburtstages (19.8.) zusammengefügt hat, irgendwie hat diese Nummer ja schon immer zu Ferrari gehört…

Close UP Hulkenberg
©Sahara Force India Formula One Team
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