Land-Gewinn – Die 24 Stunden 2017

24 Stunden 2017 – Triumph nach Drama für Land Motorsport

Das 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2917 ist mittlerweile Geschichte. Mit der Truppe von Land Motorsport hat die 45. Ausgabe sicherlich einen mehr als verdienten Sieger gefunden. Überraschend schnell übernahm der Audi R8 LMS GT3 mit Christopher Mies, Connor De Phillippi, Markus Winkelhock und Kelvin van der Linde das Kommando in der Eifel.

Bei einem Feld von gefühlt über 20 Boliden, die für den Gesamtsieg in Frage kamen, war die frühe Dominanz sicher nicht zu erwaten. Früh drückte man dem Rennen seinen Stempel auf und konnte sich von den Verfolgern absetzen. Vor allem die ruhige Eifel-Nacht konnte man in dieser Form nicht erwarten, die 24h-Hatz lief weitestgehend ungestört. Auch am frühen Sonntagmorgen verlief bei Land alles planmäßig, bis es gegen 14 Uhr im Endspurt noch zu einem Drama mit Kehrtwende kam.

24 Stunden 2017
©Gruppe C Photography – Sieg für Land Motorsport

125 Runden lag die Startnummer #29 in Front, dann das Drama. Der grün-weiße Audi rollt in langsamer Fahrt herum und kommt außerplanmäßig an die Box. Es stellt sich heraus, dass es Probleme mit dem Getriebesensor gibt, der Land-Audi muss danach nochmal zur Kontrolle. Plötzlich ist die Führung weg, die Gesichter sind entsetzt und traurig. Nachvollziehbar, zeigte man doch eine enorm starke Leistung, wie man sie zuletzt vor einigen Jahren vom Manthey-Porsche beim 24h-Rennen gewohnt war.

Die Führung erbt der WRT-Audi mit dem Quartett Müller/Fässler/Frijns/Rast vor dem ersten BMW M6 von Rowe mit Markus Palttala, Nicky Catsburg, Alex Sims und Richard Westbrook am Steuer. Der Frust im Land-Lager sitzt in diesem Moment tief. Doch dann ist auch die Grüne Hölle der Meinung, dass das diesjährige Rennen in Sachen Spannung wohl bisher ein wenig enttäuscht hatte.

Regen in der Eifel – die Grüne Hölle schlägt zu

Eine gute halbe Stunde vor dem Rennende wird es hier und da dunkel. Im Pflanzgarten werden dann erste Regentropfen gemeldet. Der WRT-Audi kommt rein und nimmt Slicks mit, alles andere wäre zu diesem Zeitpunkt wohl Spekulation gewesen – dachte man in diesem Moment. Als Kelvin van der Linde den Land-Boliden zur Box steuert, kommt es noch dicker für die überlegene Mannschaft in diesem Jahr. Der Tankstopp geht schief, man verliert erneut wichtige Zeit, als der Wagen zu früh losfahren wollte. Die einzige Chance bestand nun im Risiko.

24h bei Nacht
©Gruppe C Photography

Nach diesem Rennverlauf konnte man nur über eine andere Herangehensweise Boden gut machen und zog daher Regenreifen auf. Die Full Wets, die zum Einsatz beim Fahrzeug mit den vier Ringen kommen, sind von Reifenhersteller Dunlop. In diesem Jahr ein mehr als entscheidender Faktor. Mittlerweile hat der Regen dann an manchen Streckenabschnitten richtig Einzug gehalten. Der WRT-Audi und der Rowe-BMW fahren nicht mehr wirklich schnell, sondern rutschen herum und versuchen, irgendwie auf der Strecke zu bleiben.

In der Fuchsröhre und am Schwedenkreuz hat der Himmel seine Schleusen schon richtig geöffnet, hier geht es nicht mehr zügig vorwärts. van der Linde schnappt sich den BMW und übernimmt mit der goldrichtigen Reifenwahl in der nächsten Runde die Führung, als die Mannschaft von WRT merkt, dass es so keinen Sinn hat und den Wagen zu einem weiteren Stopp und zum Wechsel auf Regenreifen reinholt.

WRT Audi
©Gruppe C Photography

Ganz vorne ist jedoch nun nach dem ganzen Sensor-Drama wieder der Land-Audi. Am Ende überquert die Mannschaft mit fast 30 Sekunden Vorsprung vor dem ROWE-BMW die Ziellinie. Der WRT-Wagen wird noch zum Opfer vom Rowe-M6, der seinerseits bei den Reifen auf Michelin gesetzt hat. Die sind im Regen den Dunlop deutlich überlegen, hier sprachen die Sektorzeiten eine deutliche Sprache, viel länger hätte das Rennen nicht dauern dürfen, sonst wäre der Sieg von Land Motorsport erneut ernsthaft in Gefahr gewesen.

Rowe-BMW
©Gruppe C Photography

Doch die Zeit reicht nicht mehr aus, so dass der Land-Audi R8 nach einer dominanten Vorstellung beim Blick auf die gesamten 24 Stunden den Sieg verdient nach Hause bringt. 2016 kehrte die Mannschaft aus Niederdreisbach in die VLN zurück, das Duo Mies und De Phillippi konnte hier schon in der Vergangenheit sagenhafte Leistungen abrufen – die 24 Stunden haben jedenfalls einen mehr als würdigen Sieger.

Stimmen der Sieger

Zeit, die Sieger von Land Motorsport zu Wort kommen zu lassen: „Das war ein echter Hitchcock-Krimi. Ich bin erleichtert und riesig stolz auf meine Truppe, die nie aufgegeben und immer gesagt hat: Das Rennen ist erst bei der schwarz-weiß-karierten Flagge zu Ende. Jetzt wird nur noch gefeiert“, so Wolfgang Land.

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, für mich war das Rennen eigentlich schon verloren“, sagte ein fast sprachloser Markus Winkelhock nach seinem insgesamt dritten Nürburgring-Triumph nach 2012 und 2014.

„Jetzt habe ich endlich verstanden, warum der Nürburgring ‚Grüne Hölle‘ heißt“, ergänzte Conor De Phillippi. „ch habe nur noch über Funk das Kommando bekommen: Push, push, push“, so Schlussfahrer van der Line, der den aufholenden Rowe-BMW hinter sich hatte.

24 Stunden Nürburgring Sieger
©Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH via Audi

Blick auf das schwarze Gold – Der richtige Reifen für die 24 Stunden

Das Thema Reifen beherrschte die Hatz zweimal rund um die Uhr wie selten zuvor. Die Kundensport-Versionen, die man bei Dunlop und Michelin auflegen musste, tragen zudem nicht wirklich zur Sicherheit bei, das war der eigentliche Grund für das neue Reifenreglement. Zudem wurde es für diese Jahreszeit außergewöhnlich heiß auf dem heiligen Asphalt der Nürburgring Nordschleife. Und hier war der Pneu von Dunlop einfach besser – Audi entschied sich übrigens erst am Samstagmorgen für dieses Fabrikat.

Bei den Regenreifen sah die Lage ganz anderes aus, wie der Rowe-BMW im Schlussspurt zeigte, doch die kurze Regenphase reichte einfach nicht aus, um entscheidend aufzuholen. Auch bei Mercedes und Porsche hatte man mit den Reifen zu kämpfen, hier ging nichts vorwärts, kein Fabrikat konnte um den Sieg mitkämpfen.

Top 3 24 Stunden 2017
©Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH via Audi

Bei BMW hätte man am Ende irgendwie mehr zählbare Ergebnisse erwartet, doch da die Balance of Performance weit weniger wichtig als die Reifen an diesem Wochenende war, spielte man nur mit einem Boliden vorne mit. Lediglich Bentley hatte mit der neuen BoP zu kämpfen, besonders auf der Geraden hatten die wuchtigen Continental GT3 keine Chance gegen die Konkurrenz. Audi bekam kurz vor Rennstart noch 10 kg Zuladung verpasst, aber das hielt die Ingolstädter dann auch nicht von der Dominanz ab, ein weiteres Zeichen dafür, dass der Sieg an diesem Wochenende vor allem im Reifen lag.

Mercedes – Vorjahressieger auf Platz 5

Den besten Mercedes AMG GT3 stellten die Titelverteidiger von Black Falcon. Auch beim Stern kam man mit den Reifen nicht sonderlich gut zurecht, was sich in diesem Resultat wiederspiegelte. Mehr war 2017 einfach nicht drin für. Neben der Mannschaft von Black Falcon konnte nur noch Haribo Racing ein Top 10-Resultat einfahren.

Yelmer Buurman, Adam Christodoulou, Maro Engel und Manuel Metzger waren somit die Top-Stern-Piloten, auf Rang 9 landete der schnellste Goldbär der Welt mit Lance David Arnold, Uwe Alzen, Maximilian Götz und Renger van der Zande am Steuer.

Haribo Mercedes AMG
©Gruppe C Photography

Frikadelli Racing stellt bestplazierte Porsche

Porsche hatte 2017 keinerlei Chance auf den Sieg oder auf ein Podium. Auffällig war, dass die Marke aus Zuffenhausen auf den schnellen Streckenabschnitten inbesondere gegen die Audi R8 nichts gegenzusetzen hatte.

Die vor dem Rennen noch als Mitfavoriten gehandelten Manthey -Porsche (Startnummer #911) und Falken-Porsche kamen früh in Probleme. Nach technischen Schwierigkeiten kam es in einer Code60-Phase zu einem Auffahrunfall des Manthey-Wagens, welcher das Ende des Lenkgetriebes bedeutete. Der Falken-Bolide verabschiedete sich danach im Bereich Kesselchen mit einem ordentlichen Abflug.

Es verblieben somit die beiden Porsche von Frikadelli Racing, die ein recht reibungsloses 24h-Rennen absolvierten. Norbert Siedlier, Michael Christensen, Klaus Bachler und Lucas Luhr erreichten in der „neuen“ Frikadelli Platz 6, für Sabine Schmitz, Klaus Abbelen, Andreas Ziegler und Alex Müller gab es am Ende den 16. Platz.

Frikadelli Porsche
©Gruppe C Photography

„Ich bin fünf Stints gefahren. Es war ganz schön warm und im Außenspiegel sehe ich dauernd das aufgeklebte Kölsch-Glas bei uns im Heck, da bekomme ich immer tierischen Durst… Aber im Ernst: Unsere zwei Porsche funktionierten wie die Uhrwerke, es lief wie am Schnürchen. Es ist kaum zu glauben, wie wir durchs Feld gepflügt sind. Na ja, gepflügt ist vielleicht etwas übertrieben, wir waren ja nicht die Schnellsten…“, so Sabine Schmitz nach den 24 Stunden.

Überraschungen – Glickenhaus und Ferrari

Der Glickenhaus überraschte schon mit der Pole-Postion und konnte die ersten Meter in der Eifel führen. Was für die Scuderia Cameron Glickenhaus mit der Startnummer #704 möglich gewesen wäre, wird man für die 2017er Ausgabe nicht mehr erfahren. Nachdem der AMG-Mercedes mit Startnummer #3 dem SCG003-Boliden ins Heck rauschte, verlor man schon zahlreiche Minuten.

N24h 2017
©Gruppe C Photography

Da war der Zug vorne natürlich lägst abgefahren. Am Ende konnte man mit der Startnummer #702 immerhin die Klassenwertung der SP-X für sich entscheiden, aber Platz 20 zeigt nicht das Potential des Wagens. Für den Polesitter blieb es beim Ruhm vom Freitag. Gegen Rennende verabschiedete sich der Bolide mit Felipe Laser am Steuer bei einem Abflug am Flugplatz leider endgültig aus dem Rennen.

Der Ferrari 488 GT3 wusste an diesem Wochenende auf ganzer Linie zu überzeugen. Bestens vorbereitet kam das Team von WTM in der Besetzung Weiss/Kainz/Keilwitz/Krumbach an den Ring und es lohnte sich für die Truppe. Im Zeittraining ließ man mehrmals schon aufhorchen, am Ende lieferte man zwischen den ganzen Werkseinsätzen einen sehr guten 7. Platz ab – zudem setzte der schnelle Italiener mit der Marke von 8:19.375 Minuten die schnellste Runde des gesamten Rennens. Da kann man nur den Hut ziehen.

WTM Ferrari 488 GT3
©Gruppe C Photography

WTM-Ferrari und Glickenhaus waren das Salz in der Werkssuppe, der Ferrari kam auf jeden Fall am besten mit den Michelin-Pneus zurecht. Manchmal macht sich die Nordschleifen-Erfahrung dann doch bezahlt.

Neben den zahlreichen GT3-Boliden gab es im Feld natürlich auch nach zahlreiche Klassenkämpfe – dazu dann an separater Steller wieder mehr. In diesem Sinne, Keep Racing!

Gesamt-Ergebnis 24 Stunden Nürburgring 2o17

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