Lost Place – Der Almaring

Almaring - Motodrom Gelsenkirchen
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Fast vergessen – Das Motodrom Gelsenkirchen

Ruhrgebiet – Mittendrin – kurz hinter Bochum im Süden von Gelsenkirchen – typische Ruhrpott-Vorort-Tristesse kann man sagen. Ein Schild weist mich daraufhin, dass ich mich in einem Naturschutzgebiet befinde – hier muss es irgendwo sein. Was viele nicht wissen, hier, auf dem Gelände der stillgelegten Kokerei Alma befindet sich ein echer Lost Place. Ein vergessener Ort, genauer gesagt, eine vergessene Rennstrecke.

Dann habe ich ihn gefunden – alten Asphalt, der vor einiger Zeit für Rennen genutzt wurde. Autospeedway-Rennen um genau zu sein. Es handelt sich um den Almaring, auch als Motodrom Gelsenkirchen bekannt. Ein kurzer Blick zurück in die Historie: 1969 wurde die Rennstrecke angelegt – das war 6 Jahre nach Stilllegung der Kokerei Alma. Zuerst ging es hier auf Schotter rund, auf vier Rädern, aber auch auf zwei. Ende der 70er Jahre wurde die Bahn asphaltiert, danach gab es die Motorsportliche Aktivität „nur“ noch auf vier Rädern.

Almaring - Motodrom Gelsenkirchen
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Damals muss hier so einiges losgewesen sein. Zahlreiche Klassen und Teilnehmer ohne Ende in einer Zeit, wo der Motorsport noch – wie sagt man so schön – hemdsärmelig betrieben wurde. Die Gesamtlänge des Kurses betrug 750m, Speedway-Sport ja, aber der Almaring ist kein klassisches Oval gewesen.

Heute ist nicht mehr viel übrig geblieben von der Rennaction vergangener Tage. Nach und nach holt sich die Natur die ehemalige Rennpiste zurück. Stürme hatten wir zuletzt viel, auf der Ideallinie – soweit man das heutzutage noch sagen kann – liegen viele entwurzelte Bäume. Doch die Strecke ist noch gut zu erkennen. Insbesondere die Nordkurve, wo sich auch die Einfahrt zum Alamring befindet.

Almaring - Motodrom Gelsenkirchen
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Markierungen auf dem Asphalt sind auch noch vorhanden, gelbe und blaue Linien erinnern noch daran, dass hier am Wochenende mal so einiges los war. Viele Relikte vergangener Rennsport-Tage sind nicht übrig geblieben, vor ein paar Jahren sollen noch Reste des ein oder anderen Reifenstapels zu sehen gewesen sein – doch auch die findet man im Jahr 2015 schon nicht mehr.

1984 war es dann auch vorbei in Sachen Motorsport auf dem Almaring – ausschlaggebende Gründe waren wohl vor allem die Beschwerden der Anwohner damals; auf den Anfahrtsstraßen muss so einiges losgewesen sein. Auch der belastete Kokereiboden musste dann als Argument her. So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Motorsportbegeisterte mit Autospeedway-Sport so gar nichts anfangen können.

Almaring - Motodrom Gelsenkirchen
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Der Sport hat überlebt, nicht bei uns in Sachen Rennstrecken, aber bei unseren niederländischen Nachbarn. Wer beispielsweise noch nicht auf dem Raceway in Venray unweit von Venlo war, der sollte mal dort vorbeischauen und sich die Rennen der HotRods anschauen – vielleicht kann man sich da ein wenig vorstellen, wie das damals war, mittendrin im „Pott“.

Etwas entfernt sind die Geräusche einer S-Bahn zu hören, dazu zwitschern Vögeln rund um die ehemalige Rennstrecke – mehr zu hören gibt es hier schon lange nicht mehr, wir sind halt in einer anderen Zeit – irgendwie wäre man ja doch mal gerne dabei gewesen…

PS: Beim Suchen nach Informationen rund um den Almaring bin ich auf das folgende Video gestoßen – eine damalige Reportage – auch wenn nicht in bester Qualität – die muss man sich einfach mal anschauen:

autospeedway gelsenkirchen

weitere Web-Fundstücke zum Almaring:

Spurensammeler – Motodrom Gelsenkrichen

Ruhrgebiet Industriekultur – Almaring

Adresse: bis zum Ende der Almastraße in 45879 Gelsenkirchen fahren, zu Fuß unter der Brücke ins heutige Naturschutzgebiet – schon ist man am alten Almaring.

Nachtrag 04.04.2015: Ich habe mich sehr über die Bilder von damals gefreut, die mir ein Leser zur Verfügung gestellt hat – vielen Dank an dieser Stelle an Markus! hier jetzt noch der ein oder andere Schnappschuss aus einer anderen Zeit….für alle Bilder gilt: Copyright Markus Kainz.