Macau – Formel 3-Weltcup – Drama der letzten Kurve

MacauGP 2017 – Drama und Reifenlotterie

Besondere Rennen sind schon einmal ein paar extra Worte wert. Daher blicke ich heute einmal auf den Formel 3 Weltcup in Macau, der mit einem dramatischen Zieleinlauf für Furore sorgte.

In der allerletzten Runde versuchte der Österreicher Ferdinand Habsburg mit aller Macht noch am Führenden Sérgio Sette Câmara vorbeizugehen. Auf dem Weg zur letzten Kurve ging er dann tatsächlich außen herum vorbei, jedoch waren sowohl der Brasilianer, als auch Habsburg, zu schnell unterwegs, verloren die Kontrolle und schlugen in die Leitplanke ein. Habsburg rettete sich mit seinem deformierten Boliden noch auf Rang vier ins Ziel.

So war es der Brite Daniel Ticktum vom Team Motopark, der sich den Sieg in einem außergewöhnlichen Formel 3-Weltcup sichern konnte. Der Red-Bull Junior seinerseits zog in einem sehenswerten Manöver an McLaren-Protegé und F3-Überflieger Lando Norris vorbei, am Ende war es das Manöver, welches Ticktum zum Sieg verhalf. Die letzten Runden des MacauGP 2017 an dieser Stelle noch einmal zum Genießen:

Incredible finish - 2017 Macau Grand Prix - F3 Race

Für den 18-jährigen Piloten aus London war der Gewinn in Macau natürlich ein besonderer. Seine Saison lief bisher eher durchwachsen, ein Rennsieg im Formel Renault Eurocup stand bisher für ihn zu Buche. Da kommt dieser Sieg zur rechten Zeit, denn man weiß ja, wie schnell man als Junior bei Red Bull auch wieder von der Bildfläche verschwinden kann.

Ferdinand Habsburg war am Ende ein unbelohnter Held, doch sein Manöver ist sicher eines der gewagtesten, welches man in Sachen Formel 3 in Macau je gesehen hat. Der 20-jährige ließ nichts unversucht und auch wenn am Ende nur das Resultat zählt, wird man sich eher an sein Manöver als an den Gewinner 2017 erinnern, so viel steht fest.

Lando Norris musste sich am Ende mit dem zweiten Rang im Boliden von Carlin begnügen, während Ralf Aron (Van Ammersfoort Racing) als bester Rookie auf Platz 3 landete. Auf Podiumskurs lag auch lange Zeit Maximilian Günther, der Deutsche wurde aber, wie schon im Qualifikationsrennen, von stark abbauenden Reifen behindert.

Macau Formel 3
©Prema Powerteam – Maxi Günther

Reifenlotterie Macau – Maxi Günther bester Deutscher

Dabei sah es lange Zeit sehr gut für den 20-jährigen Mercedes-Junior aus. Nachdem sich Joel Eriksson und Callum Ilott so vehement um die Führung stritten, dass es zur Berührung kam, in dessen Folge Eriksson aufgeben musste und Ilott als Sieger des Qualifikationsrennens die Box aufsuchen musste, lag Maxi Günther im Windschatten des führenden Camara. Doch alle Hoffnungen auf einen deutschen Sieg in Macau machte dann das schwarze Gold zunichte.

Von einer Runde auf die andere ging beim Deutschen, der unter der Bewerbung von SJM Theodore Racing by Prema an den Start ging, plötzlich nichts mehr. Die Ursache waren immens abbauende Reifen, so dass Günther ordentlich ins Rutschen kam.

“Von einer auf die andere Runde hatte ich plötzlich gar keinen Grip mehr – auf einer dermaßen engen Strecke ist es dabei schon ein Kunststück, das Auto auf Kurs zu halten”, so der Prema-Pilot nach dem Rennen. Am Ende musste er sich dann mit dem 5. Platz zufriedengeben.

Seit jeher ist Macau vor allem eine Reifenfrage beim Auftritt der Formel 3-Elite. Das war in diesem Jahr nicht anders, so dass das Resultat nicht wirklich die komplette Leistung der Piloten widerspiegelt.

MacauGP 2017
©Prema Powerteam

Maxi Günther zur Reifenproblematik: “Der Reifenausrüster hat unterschiedliche Reifen zur Verfügung gestellt, dessen Qualitätsspanne gravierend war. Einige haben super funktioniert, andere wiederum gar nicht. Letztlich war es Zufall, ob du einen guten oder schlechten Reifensatz erwischt hast. Von den drei Sätzen hatten wir lediglich einen, der gut funktioniert hat. Bezeichnenderweise war es der erste, den wir für die ersten Freien Trainings und das erste Qualifying benutzt haben. Die Pace war klasse, ich hatte sofort Grip und die Reifen haben fast nicht abgebaut.

Als wir den zweiten Satz aufgezogen haben, hat sich die Situation schlagartig geändert. Ich hatte Runde für Runde mit Übersteuern zu kämpfen und hatte keinerlei Grip. Wir haben das Setup entsprechend angepasst. Dass ich Platz vier im Qualifying und im Quali-Rennen herausgefahren habe, grenzte angesichts der Reifensituation an ein Wunder.

Wir haben das Setup komplett auf Untersteuern ausgelegt und ich habe entsprechend meine Fahrweise danach ausgerichtet, die Hinterreifen zu schonen. In der Startphase lief alles super. Ich habe mich schnell bis auf Platz zwei nach vorne gekämpft und habe stetig Druck auf den Führenden ausgeübt. Die gesamte erste Rennhälfte war ich auf Siegkurs. Plötzlich brachen die Reifen komplett ein und das bereits bekannte Problem tauchte wieder auf. Mehr als Platz fünf war unter diesen Bedingungen nicht möglich. Ich kann mir persönlich nichts vorwerfen, denn ich habe alles versucht und alles gegeben.”

Der Blick auf die Historie kann dem Deutschen aber zumindest Hoffnung machen, denn es ist schon lange her, dass es ein MacauGP-Sieger in die Formel 1 geschafft hat. Lucas di Grassi gewann das Rennen 2005 und ging ab 2010 in der Königsklasse an den Start, ansonsten sieht das in den letzten Jahren eher mau aus. Mick Schumacher wurde bei seinem Debüt als 16. gewertet, konnte aber dennoch überzeugen. Von Startplatz 20 aus ging es bis auf Rang 11 nach vorne, dann aber musste er wegen technischen Problemen an die Box und hatte danach Rundenrückstand.

Dem jungen Schumacher bleibt aber die schnellste Rennrunde eines Macau Grand Prix, den man so schnell nicht vergessen wird. In diesem Sinne, Keep Racing!

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