24h-Qualifikationsrennen – Audi-Doppel an der Spitze

N24h Quali-Rennen
©Jan Brucke – Phoenix-Audi R8

N24h – ADAC Zurich Qualifikationsrennen – Überraschungen und Taktik

Das am letzten Samstag auf der Nürburgring Nordschleife ausgetragene Qualifikationsrennen zu den 24 Stunden Ende Mai ist aus sportlicher Sicht betrachtet schwierig zu beurteilen. Noch zeigt nicht jeder bzw. jede Marke, was sie kann. 15 Startplätze werden hier für das Top 30-Zeittraining bei der Hatz rund um die Uhr vergeben, das war es dann aber auch.

Das Event hat damit eher ausgiebigen Testcharakter, da würde es ja auch wieder ein VLN-Lauf mehr tun. Aber nun gut, pünktlich um 12 Uhr ging es auf die Renndistanz von 6 Stunden Dauer. Den Zuschauern bot sich ein ungewöhnliches Bild, denn der Bolide der Scuderia Cameron Glickenhaus mit dem Fahrertrio Mutsch/Simonsen/Laser übernahm früh die Führung und baute sie im Laufe des Rennens weiter aus. Eine knappe halbe Stunde vor Schluss lag man mit fast 2 Minuten in Front, dann ereilte jedoch die Startnummer #702 das Pech und die gelbe Flunder erwischte vor der Aremberg-Kurve ein Bremsversagen. Der Glickenhaus schlug hart ein, Felipe Laser am Steuer verletze sich dabei sogar leicht, ist aber sonst wohlauf.

SCG003 Glickenhaus
©Jan Brucke – Glickenhaus

Der Sieg war jedoch damit verloren, so nah war man noch bei keinem Rennen durch die Grüne Hölle am Siegerpokal. Daneben konnte ein weiter Neuling überraschen – das Team von Octane 126 aus der Schweiz brachte einen Ferrari F488 GT3 mit, der zwischenzeitlich bis auf den zweiten Rang nach vorne fuhr. Ein Reifenschaden führte dann aber zum Aus für die Neulinge in Sachen Nordschleife. Ein weiteres deutliches Zeichen dafür, das an diesem Samstag längst noch nicht alle Karten auf dem Tisch lagen.

Nachdem der Glickenhaus von der Bildfläche verschwunden war, konnte das Team von Phoenix Racing den Sieg bei diesem 6-Stunden-Rennen einfahren. Mike Rockenfeller, Nicolay Moeller Madsen und Dennis Busch kamen vor ihren Audi-Markenkollegen Nico Müller und Frederic Vervisch (Audi Team WRT) sowie dem Falken-Porsche mit Jörg Bergmeister, Dirk Werner und Laurens Vanthoor ins Ziel.

Mit Audi, Bentley, Ferrari, Mercedes-AMG, Porsche und dem Glickenhaus lagen im Rennverlauf insgesamt sechs Fabrikate während des Rennens in Führung. Ausgeglichen könnte man meinen, doch davon ist nicht auszugehen. Ganz vorne fehlte diesmal am Ende allerdings ein Mercedes AMG GT3 oder vor allem auch ein BMW M6 GT3. Black Falcon stellte mit Rang 5 den besten Benz vor dem bestplatzierten BMW von Rowe Racing.

Start Quali-Rennen N24h 2017
©Gruppe C GmbH

Das Leid mit der Balance of Performance

Der Erfolg beim 24-Stunden Rennen auf dem Nürburgring steht für die großen Marken an erster Stelle. Vor dem N24h-Qualifikationsrennen bekamen die Mercedes AMG größere Restriktoren zugestanden, offizieller Hintergrund ist eine neue lärmmindernde Auspuffanlage, die Leistung kostet. Bei den meisten Herstellern wurde zudem das Tankvolumen verkleinert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

Die BMW büßten lediglich 3 Liter ein und haben damit neben den Bentley das größte Tankvolumen. Bei Porsche war man ja bereits in der VLN mit Siegen gut unterwegs und wird so durch die neue BoP um ca. 10 PS gebracht und hat mittlerweile den kleinsten Tank. Auch bei Audi ist dieser geschrumpft, auch wenn man an Gewicht 10 kg ausladen durfte.

Das ist nur ein erster grober Blick in die Veränderungen, weitere werden noch folgen. BMW ist bisher nicht auf Vorjahresniveau unterwegs, vielleicht kommen die M6 GT3 dank konsequenter 24h-Vorbereitung dann wie Phönix aus der Asche an die Front des Feldes…

24hQuali17
©Gruppe C GmbH

Für die meisten Zuschauer ist diese versuchte Gleichmacherei der Fahrzeuge mittels der BoP und das Taktieren vor dem 24h-Rennen kaum noch zu durchschauen. Das hat dann nun wirklich nichts mehr mit Breitensport zu tun, sondern ist 24-Stunden-Siegtaktik der Hersteller. Dafür ist das Event des Langstreckenmarathons rund um die Uhr durch die Grüne Hölle aber eigentlich viel zu schade. Da hilft dann auch kein neues Logo, welches man vor dem Rennen präsentierte und den meisten Fans auch nur sauer aufstößt.

Rang 9 gab es unterdessen für die neue Frikadelle, Rang 19 für die “klassische”. Die Balance of Performance (BoP) ist auch bei Teamchef Klaus Abbelen weiter Thema: “Platz 19 geht für uns als Pro-Am-Team in Ordnung. Unser Profi-Porsche hat es dank cleverer Strategie noch weit nach vorne gebracht. Fahrer und Team passen immer besser zusammen. Alles, was in unserer Macht liegt, hat super funktioniert. Unsere mutige Strategie wurde belohnt, obwohl wir uns von der ,Balance-of-Performance‘ gehandicapt fühlen Mit der aktuellen ,BoP‘-Einstufung können wir nicht zufrieden sein, da sehe ich noch großen Gesprächsbedarf.“ Da ist er sicher nicht der einzige…

Frikadelli Porsche 911
©Frikadelli/ BRfoto

Blick ins Feld

101 Starter nahmen in diesem Jahr das Quali-Rennen unter die Räder, die Boliden der SP9 (GT3) bestimmten natürlich das Bild. Ein gelungener Farbtupfer war der Renault R.S.01 aus der Klasse SPX, der mit den Piloten “Schmidtmann”, Hammel und Schwager den 16. Rang im Endklassement belegte.

Ein Lexus RC von Toyota Gazoo Racing gewann die Klasse SP3T, es folgten hier einige Opel Astra und der seriennahe Hyundai i30 N. Zwar sind hier die Zeitabstände untereinander schon deutlich aufgrund der unterschiedlichen Konzepte, doch dafür wenigstens ehrlich. Bester in der Wertung für TCR-Fahrzeuge war die Truppe von Bonk Motorsport mit dem Audi RS3 LMS von Bock/Partl.

Immer zahlreich vertreten sind die BMW M235i Racing – In der Cup5-Klasse lag am Ende das Team von Pixum Adrenalin Motorsport in Front mit Gesamtrang 29 und den Fahrern Ring/Brink/Leisen/Fübrich.

Hinter den sportlichen Wert des Quali-Rennens muss man auch in diesem Jahr wieder ein großes Fragezeichen setzen, das Gerangel hinter den Kulissen um die Balance of Performance macht der Nürburgring Nordschleife sicher keine Ehre. Nach dem 28.05.2017, wenn die Zielflagge der 45. Ausgabe der 24 Stunden fällt, wissen wir hoffentlich mehr in Sachen, wer denn in diesem Jahr am besten taktiert hat. In diesem Sinne, Keep Racing!

Podium 24h-Rennen Quali Rennen
©Jan Brucke -Audi-Doppelsieg
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