Nascar Euro-Debriefing

NASCAR in Europa

©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

NASCAR Euro Serie vor dem Saisonfinale – Vorentscheidung in Italien gefallen?

Alon Day übernimmt Tabellenspitze und geht als Favorit ins Zolder-Finale

Die erste von zwei Playoff-Veranstaltungen der Euro NASCAR im italienischen Franciacorta brachte das Klassement ganz schön durcheinander, vor allem an der Spitze der ELITE1-Meisterschaft (->Rennberichte des Wochenendes).

Alon Day absolvierte ein nahezu perfektes Rennwochenende und war in beiden Läufen nicht zu schlagen. Einzig Frederic Gabillon blieb dem Israeli noch ein wenig auf den Fersen, wobei der deutliche Vorsprung von Day bei den kurzen Sprintrennen Bände sprach.

Parallel dazu erlebten Borja Garcia und Anthony Kumpen ein rabenschwarzes Wochenende. Garcia war überhaupt nicht bei der Musik an der Spitze und Anthony Kumpen rollte kurz vor Ende des zweiten Laufes nach einer Kollision in die Box. Der Belgier und amtierende Champion hatte sicher mehr erwartet, doch das Setup passte bei PK Carsport vor allem bei nassen Bedingungen nicht und unter diesen lief die Qualifikation ab. Von der schlechten Ausgangslage konnte sich Kumpen nicht mehr wirklich erholen.

Alon Day

©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Alon Day geht somit als Tabellenführer ins Finale ins belgische Zolder im Oktober. Zwar ist der Circuit Zolder fest in den Händen von PK Carsport, was die Favoritenstellung angeht, doch Day weiß, er muss praktisch nur ankommen, dann hat er schon die halbe Miete. Noch im Vorjahr sah die Situation ganz anders aus, damals musste Day aufholen. Das ging beim Zweikampf mit Frederic Gabillon gehörig daneben und der Weg von Anthony Kumpen zu seinem zweiten Titel war frei.

Anno 2017 wird Alon Day sicher kein unnötiges Risiko eingehen, aktuell hat er 37 Punkte Vorsprung auf Garcia und 41 Zähler auf Kumpen. Zwar gibt es bei doppelter Punktzahl für einen einzigen Laufsieg schon über 80 Zähler, doch Alon Day war in Zolder schon immer gut unterwegs, so dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn der CAAL Racing-Pilot nicht die Meisterschaft einfährt.

Vierkampf um die Junioren-Wertung

Im Gesamtklassement etwas hinter der Spitze zurück geht es aber bei vier Piloten noch darum, die begehrte Trophäe für den besten Junior zu erhalten. Und hier ist noch alles offen. Der Spanier Tineo Arroyo liegt gerade einmal mit 4 Zählern vor Stienes Longin, auch nicht weit dahinter liegen der Italiener Gianmarco Ercoli und der Franzose Thomaas Ferrando. Auf heimischen Terrain und mit aufsteigender Form hat derzeit wohl Stienes Longin hier die größte Chance, diese Trophywertung für sich zu entscheiden, der junge Blgier meldete sich in Franciacorta mit einem Podiumsbesuch zurück an der Spitze.

In der sogenannten Challenger-Wertung sieht es am besten für den Brasilianer Marconi Abreu aus, der die Trophy vor Dario Caso und Jerry de Weerdt anführt.

NASCAR Euro ELITE1

©NASCAR Whelen Euro Series – Stand Meisterschaft ELITE1

ELITE 2 – Ferrando vor Titelgewinn in der Nachwuchsmeisterschaft

In der ELITE2-Wertung sieht die Sache noch klarer aus, hier führt Thomas Ferrando mit ganzen 72 Zählern Vorsprung, doch aus dem Vorjahr weiß man, was alles passieren kann. 2016 kam Stienes Longin als überlegen Führender nach Zolder, als sein Bolide von der Pole aus nicht in Gang kommen wollte, und schon schmolz der Vorsprung extrem dahin. Doch auch ein Ferrando ist lange genug im Feld der EuroNASCAR, um zu wissen, dass er kein Risiko im Zweikampf eingehen sollte.

Seine Gegner hatten alle in Franciacorta nicht viel zu melden. Einzig Ulysse Delsaux konnte noch etwas Schadensbegrenzung betreiben, doch aufgrund einer Zeitstrafe ließ auch er wichtige Zähler liegen. Daher wird der Kampf um den Vizerang wohl eher interessant. Delsaux, den Brasilianer Rabello, den Polen Dreszer und den Belgier Dumarey trennen gerade einmal 19 Zähler. Die letzten Drei werden auch die Rookie-Wertung unter sich ausmachen.

Maciej Dreszer war hier sicherlich bisher die Überraschung, der junge Pole war 2017 überall schnell. Nur in Franciacorta lief es alles andere als rund und während man sonst bei DF1 Racing sich schon an Pokale gewöhnt hatte, blieben auch die News des Teams aus Italien in den sozialen Netzwerken diesmal etwas dürftig.

Unterdessen liegt Mirco Schultis in der Legend-Trophy vorne, um hier am Ende aber siegreich zu sein, wird sich der Teamchef vom deutschen Mishumotors-Team aber ganz schön strecken müssen. Der Belgier Jerry de Weerdt und Simone Laureti gehen fast punktgleich ins Finale. Auch im Lady Cup ist noch keine Entscheidung gefallen, doch die Spanierin Carmen Boix hat hier sicher die besten Karten.

Für Justin Kunz geht es unterdessen darum, die Saison mit einem guten Resultat abzuschließen. In Franciacorta war der junge Deutsche bei den Schnellsten, blieb aber vom Pech verfolgt. Dennoch konnte er sich auf den 7. Gesamtrang nach vorne schieben, in Zolder kann da noch was nach vorne gehen.

NASCAR Euro ELITE2

©NASCAR Whelen Euro Series – Stand Meisterschaft ELITE2

Und sonst noch – Blick ins Feld

Vor allem Mishumotors konnte in Franciacorta überraschen. Das Steuer des blauen Chevys mit der Startnummer #33 übernahm der Franzose Lucas Lasserre. Der 39-jährige Franzose war in den Anfangsjahren der Serie, als man noch nicht unter dem Banner der NASCAR antrat, hier bereits Meister. Lasserre kennt sich also gut mit den Boliden aus und konnte im ersten Rennen der ELITE1 mit Rang 4 das bisher beste Ergebnis für die Mannschaft rund um Teamchef und Fahrer Mirco Schultis einfahren.

Noch besser lief der Wagen in der ELITE2. Hier konnte Nicki Petersen mit den Rängen 5 und 2 eine starke Leistung zeigen, nachdem er bereits in Hockenheim auf das Podium für das Team von racing total klettern konnte. Die fehlten zwar in Italien, werden aber hoffentlich wieder auf dem Circuit Zolder beim Saisonfinale mit von der Partie sein.

Marc Goosens Braxx Racing

©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

Eine starke Rückkehr in die Serie feierte auch Marc Goosens in der Startnummer #90 von Braxx Racing, der mit den Rängen 3 und 2 zweimal auf das Podest steigen durfte. Getopt wurde das Ganze nur vom Einstand des Italieners Denny Zardo. Der italienische Bergspezialist und GT-Fahrer gewann das zweite ELITE2-Rennen des Wochenendes am Steuer der Nr. #2 von Alex Caffi Motorsport gleich bei seinem Seriendebüt.

Bei der erneut ausgetragenen Gleichmäßigkeitsprüfung der ELITE Club-Wertung vor den Rennläufen war es der Deutsche Robert Schönau, der diese Disziplin am Steuer der Nr. #70 von Mishumotors vor Yann Schar und Franco Ercoli für sich entscheiden konnte.

Ob ein Kurs wie Franciacorta allerdings für die wuchtigen EuroNASCAR-Boliden geeignet ist, muss man schon in Frage stellen. Überholen ist hier äußerst schwer und geht nur mit rabiater Vorgehensweise. Das sah man vor allem im ersten Rennen der ELITE2, als zahlreiche Strafen folgten und das Ergebnis erst am Sonntag offiziell verkündet wurde. Im Sinne aller gilt es das auf jeden Fall für Zolder zu vermeiden.

NASCAR Whelen Euro

©NASCAR Whelen Euro Series/Stephane Azemard

In Zolder wird es auf den Rängen dann wieder voller, auch wenn das im Vergleich zu Franciacorta kein schwieriges Unterfangen ist. Im Gegensatz zu allen anderen Events 2017 war, ähnlich wie im Vorjahr auf dem Adria Raceway, wenig los in Sachen Zuschauerzuspruch. Von daher muss man sich abermals Gedanken über den Austragungsort machen.

In der Teamwertung, in der die Resultate beider Fahrer aus der ELITE1 und ELITE2 als Grundlage dienen, liegt die französische Mannschaft von Knauf Racing ganz vorne, hier punktet die Startnummer #37 mit Thomas Ferrando am Steuer in beiden Wertungen. Dahinter folgt RDV Competition (#3 Fahrer Gabillon und Delsaux) vor CAAL Racing (#56 Tineo Arroyo und Rabello).

Im Rahmen des Saisonfinales der EuroNASCAR im belgischen Zolder vom 13.-15.Oktober 2017 kann man dann hoffentlich auch schon mehr zum EuroNASCAR-Kalender für die Saison 2018 sagen, wobei es wenig Verschiebungen geben wird.

Valencia, Brands Hatch, Hockenheim und Zolder sind gesetzt, dazu zeichnet sich immer mehr eine Rückkehr auf das flache Oval des Tours Speedway ab. In diesem Sinne, bis bald wieder in Sachen NASCAR Euro Serie und Keep Racing!

Videohighlights EuroNASCAR Franciacorta/Italien

ELITE1 – Rennen 1

ELITE1 – Rennen 2

ELITE2 – Rennen 1

ELITE2 – Rennen 2