Nico Hülkenberg – Le Mans-Sieger

Porsche Doppelsieg - LeMans 2015
©Nick Dungan – AdrenalMedia.com / via FIA WEC

Es gibt Rennen, die lassen einen einfach nicht los. Die 83. Ausgabe der 24 Stunden von LeMans war so eins. Es war ein 24h Sprint auf höchstem Niveau – selten habe ich selber derat viel vom Langstreckenklassiker auf dem Circuit de la Sarthe gesehen.

Wie ihr ja wisst, ist Nico Hülkenberg einer meiner wenigen absoluten Lieblingspiloten, verfolge ich seine Karriere doch schon seit Formel BMW-Zeiten. Sein erster Auftritt in LeMans fand nach ausgiebigen Tests und einem ersten Renneinsatz in Spa Francorchamps Anfang Mai statt. Im Porsche mit der Nummer #19 nahmen zudem Earl Bambar und Nick Tandy Platz, hauseigene Porsche-Piloten, die sich nach und nach den Weg in dieses Cockpit verdient haben. Gut, beim Neusseländer Bamber war dieses nach und nach ziemlich schnell – warum? Die Antwort hat auch er allerspätestens mit dem Auftritt bei den 24h gegeben.

Start LM24 2015
©Porsche – der Start der 83. Ausgabe der 24 heures du Mans

Die #19 war im Prinzip ja nur das Backup-Auto von Porsche, wenn bei den anderen beiden 919 Hybrid was schief läuft. Die Stammbesetzungen hier wurden deutlich stärker eingeschätzt. Im Qualifying wurde das zunächst auch bestätigt, setzte Neel Jani in der #18 doch eine Bestmarke von 3:16.887 Minuten – das war fünf Sekunden schneller als die Toyota-Polezeit im Vorjahr. Dahinter folgte Porsche Nr. #17 und dann erst die #19.

Es war an Hülkenberg, den Start zu fahren. Wie er nachher selber zugab, kam er anfangs so gar nicht in den richtigen Rhythmus. So wurde er erstmal etwas nach hinten durchgereicht, verzettelte sich aber auch nicht in unnötigen Zweikämpfen, insbesondere mit den Piloten der Audi R18. Doch nach und nach kam er in den „919Hbyrid-Flow“, was mit einem Blick auf die Rundenzeiten deutlich wurde. Deren Niveau war absolut an der Spitze. So konnte er verlorene Positionen wieder zurückerobern.

Porsche919Hybrid LM24
©Porsche – die #19 in der Nacht

„Es war ganz schön viel los auf meinen ersten 36 Le-Mans-Runden. Der Start, Tempolimit-Zone, Safety-Car-Phase – es war alles drin. Jetzt bin ich hier entjungfert, und ich habe es sehr genossen!“ – Zitat des Emmerichers nach dem Start.

Unterdessen war der Zweikampf Porsche gegen Audi voll im Gange. So richtig zur Ruhe kam dieser erst im Laufe der Nacht.  Als es Mitternacht wurde, tauchte die #19 dann an der Spitze des Feldes auf. Der 919Hybrid lief auch in den Händen von Earl Bamber und Nick Tandy wie ein Uhrwerk. Hülkis Zeiten vor Übernahme der Führung sprachen für sich – er hatte sich eingeschossen. So ging er am roten Porsche mit der #17  in den Händen von Mark Webber vorbei und lag da, wo er meiner Meinung nach auch hingehört – auf Rang1.

Die Nacht in LeMans kam Porsche zugute – die kühleren Temperaturen sorgten dafür, dass Audi mit der Abstimmung des R18 nicht mehr an die Porschezeiten herankam. Aber auch die Truppe aus Zuffenhausen hatte Probleme. Mark Webber überholte unter Gelb, Strafstopp war die Folge. Noch schwerer tat sich der Polesitter. Romain Dumas hatte mit dem Bremsverhalten sichtlich zu kämpfen und rutschte einmal in die Streckenbegrenzung, was gegen Rennende auch Neel Jani nochmal widerfuhr.

Hülkenberg/Bamber/Tandy - Porsche919
©Porsche -historischer Sieg – Hülkenberg/Bamber/Tandy

Der #17er Porsche konnte zwar insbesondere durch Timo Bernhard gute Rundenzeiten hinlegen – Problem dieser Mannschaft: das Fahrertrio der #19. Neben Hülki stampften auch Nick Tandy und Earl Bamber super Zeiten in den Asphalt. Dazu Vierfachstints aller Porsche – Audi konnte in dieser Phase in keinster Weise kontern.

„Irgendwie mag ich die Dunkelheit extrem. Das war schon bei den Tests immer so und jetzt im Rennen noch mehr. Nachts gibt es eine ganz besondere, spezielle Atmosphäre, die mir sehr gefällt. Da fühle ich mich immer sehr wohl. Das Auto liegt jetzt richtig gut, das hat sich deutlich verbessert von der Tag- zur Nacht-Performance. Ich bin jetzt auch zum ersten Mal einen Vierfachstint gefahren. Das ist wichtig für den weiteren Verlauf. Ich fühle mich immer noch frisch und motiviert“  – Nico Hülkenberg zu seiner Nachtfahrt.

Im Zuge einer SafetyCar-Phase konnte man sich beim Porsche mit der #19 Sonntag Morgen auch einen extra Sicherheitsstopp erlauben. Tausch der Motorabdeckung, des Heckflügels, Reifen-und Fahrerwechsel und wieder zurück an der Spitze des Feldes. „Am Morgen bin ich nur zwei Tankfüllungen mit einem Satz Reifen gefahren. Wie die Dinge hier so fallen, war es plötzlich unter gelber Flagge sinnvoll, einen kompletten Service inklusive Fahrerwechsel vorzuziehen. Das Auto lief problemlos, ich habe mich sehr wohl gefühlt“, so Hülki.

#19 919Hybrid LM24
©Porsche – unterwegs zum Debütsieg – die #19

Danach hieß es nur noch Daumen drücken – die Zeiten stimmten, am frühen Sonntag wurde schnell klar, dass das eigentliche Backup-Fahrzeug nur noch durch Fehler der Piloten oder einen technischen Defekt um den Sieg gebracht werden konnte. Nico Hülkenberg übernahm dann auch den Schlussspurt, auch leicht einsetzender Regen brachte ihn nicht aus dem Konzept. Debüt bei den 24h von LeMans – 1. Sieg, das sagt wohl alles.

Hülki genoß die Rückkehr auf ein Podium sichtlich – das war ja auch nicht irgendeins. „Ich habe jeden Moment genossen, diese Autos bereiten großen Spaß – insbesondere auf einer so grandiosen Strecke wie hier in Le Mans und bei den kühleren Temperaturen in der Nacht. Das Tempo war enorm hoch, das hatte ich von einem Langstreckenrennen so nicht erwartet. Und ich hätte nie damit gerechnet, diesen Klassiker sofort beim ersten Mal zu rocken – angesichts der vielen Herausforderungen wäre das auch dumm gewesen. Trotzdem ist es uns gelungen, und zwar gemeinsam.“

Victory Lane LeMans 2015
©Porsche – Sieg bei den 24h LeMans 2015 – Tandy/Bamber/Hülkenberg

Auf eine Podiumsplatzierung hatte ich gehofft, insgeheim auch auf mehr. Nico Hülkenberg war in seiner Karriere überall siegreich – bis er in die Formel 1 kam, wo man das Glück haben muss, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – was irgendwie noch nie der Fall war. Es war der September 2009 – als er das letzte Mal einen Sieg, damals in der GP2 in Portugal, feiern durfte. Das war damals in der Saison gang und gebe. Nun saß er erstmals wieder in einem siegfähigen Boliden – der Rest ist Geschichte.

Victory Lane
©Porsche – Victory!

Sein Sieg wird in die Motorsporthistorie eingehen. Er ist der erste aktive Formel1-Pilot, der gleich bei seinem Debüt in LeMans siegreich ist. Ein Rekord, den so schnell keiner schaffen wird. Danke Nico für ein atemberaubendes Rennen. Die Truppe um ihn, Nick Tandy und Earl Bamber hat einen absoluten Null-Fehler-Job abgeliefert. Nico Hülkenberg – LeMans-Sieger. Klingt verdammt gut!

The Hulk on Top!
©Porsche