Rallycross-WM – Ekström bleibt auf Siegerstraße

Rallycross 2017 – Ekström ungeschlagen – Sieg in Portugal

Mattias Ekström bleibt der Mann der Stunde in der Rallycross-WM. Der amtierende Weltmeister sicherte sich nach dem Auftaktsieg in Barcelona auch den Triumph im portugiesischen Montalegre. War der Schwede hier bislang noch nie im Finaldurchgang, ließ er sich auf den letzten Metern in diesem Jahr nicht mehr die Butter vom Brot nehmen und baute mit dem zweiten Saisonsieg in Folge seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft auf 14 Punkte gegenüber VW-Pilot Johan Kristoffersson aus.

Dabei war Ekström an diesem Wochenende sicher nicht der schnellste Pilot und musste sich seinen Weg ins Finale hart erkämpfen. In den Qualifikationsdurchgängen hinkte der Audi S1 EKS RX noch etwas hinterher, erst mit dem Sieg seines Halbfinales war Eki plötzlich wieder da. Im Finale musste er sich auf den letzten Metern gegen einen enorm starken und von hinten drückenden Peugeot 208 WRX zur Wehr setzten – Sébastien Loeb klebte förmlich an der Stoßstange des Champions.

Mattias Ekström
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Doch auf der Strecke von Montalegre kommt man nur schwer vorbei und Ekström bewies Nerven aus Stahl und setzte mit dem zweiten Sieg beim zweiten Event des Jahres ein Ausrufezeichen. Der amtierende Champion wird seine WM-Krone so schnell nicht hergeben. Dabei profitierte er im Finale allerdings von Problemen bei den VW Polos.

“Wir waren an diesem Wochenende lange Zeit nicht die Schnellsten“, so Eki nach dem Finale. “Aber wir geben nie auf. Am Ende war es einer der am härtesten erkämpften Siege in meiner Rallycross-Karriere.“

Kristoffersson
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Johan Kristoffersson – Der schnellste Mann in Montalegre

Der schnellste Mann des Wochenendes war aber Johan Kristoffersson. Der Landsmann von Ekström und Teamkollege von Petter Solberg dominierte zunächst die Qualifikationsdurchgänge nach Belieben, gewann die ersten beiden und war der haushohe Favorit auf den Sieg. Dann begann jedoch das Pech des 2016er Vizeweltmeisters.

Im dritten Qualifying gab es ein Missverständnis mit seinem Spotter und er verpasste es, eine Joker-Runde zu drehen – trotz der 30-Sekunden-Strafe zog er ins Halbfinale ein. Und das obwohl er im letzten Quali-Durchgang Zeit einbüßte, da die Strecke noch feucht war. Im Finale folgte er Petter Solberg, während Ekström und die Peugeots die Fahrt durch die Extra-Joker-Runde direkt nach dem Start wählten.

MontalegreRX Rallycross 2017
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Der Plan ging aber nicht auf, Solberg hatte einen schleichenden Plattfuß, was Kristoffersson Zeit dahinter kostete. Als Solberg bei Start-Ziel die Segel streichen musste, kam es zudem noch zu einer Berührung zwischen den beiden. Der Zug nach ganz vorne war aber abgefahren und der VW Polo landete somit am Ende auf Rang 3.

Dennoch zeigte sich der Schwede nach dem Finale optimistisch: “Wir habe einige gute Fortschritte seit Barcelona gemacht, insbesondere beim Start und es fühlt sich großartig an, Volkswagen das erste Podium des Jahres zu geben”.

Kristoffersson hat nach zwei Events die Nase teamintern vor Petter Solberg, hier geht es wie erwartet eng zur Sache. Beide Polos sind aber derzeit am ehesten die, welche die Siegesserie von Mattias Ekström beenden können.

Sebastien Loeb Peugeot 208 WRX
©Paulo Maria/DPPI via Peugeot Media

Peugeot-Comeback – Finale und Podium

Ganz stark zeigten sich auch – nicht ganz erwartet – die beiden Peugeot 208 WRX vom Team Hansen. Sébastien Loeb und Timmy Hansen schafften es ins Finale. Loeb schnupperte sogar am Sieg und war nur Millimeter davon entfernt, während Timmy Hansen auf dem vierten Rang ins Ziel kam. Auch Kevin Hansen zeigte mit dem 2016er Wagen eine starke Leistung und schaffte es immerhin bis ins Halbfinale.

Der Rallye-Rekordchampion war unterdessen so nah am Sieg wie schon lange nicht mehr: “Es ist großartig, das erste Mal in diesem Jahr auf dem Podium zu stehen. Meine Saison hatte einen schlechten Start, also war es enorm wichtig, zurückzuschlagen”. Die Peugeots hatte man nicht wirklich ganz oben auf der Rechnung, dagegen erlebten die Ford-Piloten einen Portugal-Ausflug zum Vergessen.

Ford Fiesta WorldRX
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Fehlanzeige – Kein Ford im Finale

Hoonigan Racing mit den beiden Ford Focus RS sah zunächst wieder gut aus, zwar nicht ganz auf Niveau der VW Polos unterwegs, aber doch vorne mit dabei. Andreas Bakkerud hatte eine spannende Qualifikation, in der er sich auf den letzten Drücker für das Halbfinale qualifizieren konnte. Das tat er mit dem Sieg von Quali-Durchang 4. Im Halbfinale demolierte er sich jedoch seine Aufhängung und musste früh seinen Boliden parken. Ein bitteres Aus für Bakkerud – in der WM anno 2017 werden solche Ausfälle nur schwer zu kompensieren sein.

Für Ken Block lief es derweil ganz ordentlich, im Halbfinale war aber mit Rang 5 auch für ihn das Ende der Veranstaltung erreicht. Das erste Mal erreichten beide Fiestas des neuen STARD-Teams das Halbfinale. Das lief allerdings nicht besonders. Timur Timerzyanov verlor schon beim Start die entscheidenden Meter und Janis Baumanis kam aufgrund eines Schadens auch nicht weit.

Timo Scheider
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Timo Scheider – Ernüchterung in Portugal

Nach dem fulminanten Debüt in Barcelona musste das MJP Racing Team Austria dieses Mal kleinere Brötchen backen. Man scheiterte mit beiden Fiestas am Einzug in die Halbfinal-Läufe, kann aber dennoch zufrieden sein. Kevin Eriksson und Timo Scheider landeten nach der Qualifikation auf den Rängen 14 und 15. Bei Eriksson hatte man noch Hoffnung auf den Sprung unter die letzten 12, doch ein technisches Problem am Fiesta hinderte ihn an einem besseren Ergebnis.

Für Timo Scheider galt es auf einer klassischen Rallycross-Piste in erster Linie darum, das richtige Setup zu finden, zum Ende der Qualifikationsdurchgänge zeigte er aber erneut starke Rundenzeiten. Und der Deutsche liegt immer noch auf Rang 5 in der WM-Wertung – man kann also dennoch mit dem Start in das Rallycross-Jahr  zufrieden sein.

Ekström EKS Audi S1 RX
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Fazit – Die Luft bleibt dünn

Die Luft für die Motoren der WorldRX-Supercars war in der Höhe von Montalegre dünner als sonst, aber auch an der Spitze geht es weiter eng zur Sache. Mattias Ekström konnte den Sieg mit einer weltmeisterlichen Leistung erringen, der Weg dahin war in Portugal aber alles andere als einfach. Die VW Polos wirken aktuell am stärksten. Wenn hier einmal alles aussortiert ist und beide, Solberg und Kristoffersson, ein reibungsloses Wochenende hinbekommen, sind beide die nächsten Siegkandidaten.

In der Schikane vor Start-Ziel konnte man in den Slowmotions erkennen, wie gut die VW Polos hier lagen – in Sachen Motor und Aufhängung darf die Konkurrenz also nicht schlafen. Im Finale standen neben beiden VW Polos und den zwei Peugeot 208 WRX vom Team Hansen die Audi S1 von EKS, diesmal allerdings schaffte es Reinis Nitiss in die letzte Runde – der Lette überquerte als 5. die Ziellinie. Mit dem Ford Focus von Andreas Bakkerud wird wieder zu rechnen sein, so dass es für viele andere ganz schön eng wird, künftig in das jeweilige Finale vorzustoßen.

Nächster Halt der Rallycross-WM ist jetzt erst einmal der Hockenheimring. Die Asse der WorldRX-Szene geben ihr Stelldichein im badischen Motodrom vom 5.-7. Mai 2017. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Montalegre Rallycross
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MontalegreRX – 2. Lauf Rallycross-WM 2017 – Ergebnisse

Resultat Finale

  • 1. Mattias Ekström (S) 3.59,345 Min.
  • 2. Sébastien Loeb (F) +0,567 Sek.
  • 3. Johan Kristoffersson (S) +0,909 Sek.
  • 4. Timmy Hansen (S) +1,729 Sek.
  • 5. Reinis Nitišs (LV) +2,590 Sek.
  • 6. Petter Solberg (N) +31,143 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 2 von 12 Läufen)

  • 1. Mattias Ekström (S) 58 Pkt.
  • 2. Johan Kristoffersson (S) 44 Pkt.
  • 3. Petter Solberg (N) 42 Pkt
  • 4. Andreas Bakkerud (N) 30 Pkt.
  • 5. Timo Scheider (D) 28 Pkt.
  • 6. Sébastien Loeb (F) 26 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 2 von 12 Läufen)

  • 1.PSRX Volkswagen Sweden 86 Pkt.
  • 2. EKS 77 Pkt.
  • 3. Hoonigan Racing 49 Pkt.
  • 3. Team Peugeot Hansen 49 Pkt.
Rallycross 2017
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