Rallycross – Ekström Estering-Sieger

Rallycross Mattias Ekström

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Rallycross-WM Estering – Mattias Ekström obenauf

Der Estering war und ist immer für einige Überraschungen gut. Auch der Auftritt der WorldRX-Elite am letzten Wochenende bestätigte dies wieder einmal.

Von Beginn des Wochenendes an zeigte sich Mattias Ekström enorm gestärkt. Der Vorjahresweltmeister war von den ersten Qualifikationsdurchgängen an ganz vorne mit dabei, musste sich nur im vierten Durchgang nach einem Frühstart mit einem Rang am Ende der Top 10 begnügen. Da der Schwede aufgrund seines Fehlers aber zweimal die Joker-Lap absolvieren musste, war dies trotzdem ein deutlicher Fingerzeig dafür, dass man mit ihm auch beim Finale würde rechnen müssen.

Rallycross WM Estering

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Nachdem Ekström sich beim Semifinale zunächst in Geduld üben musste, da sich das Startprozedere etwas hinzog, zog er hier schon früh von dannen und gewann den Lauf mit über zwei Sekunden Vorsprung. Im Finale war es zunächst Petter Solberg, der die Verfolgung des DTM-Titelfavoriten aufnahm, doch nach einem kleinen Fehler war Eki auch schon wieder klar an der Spitze.

Am Ende der sechs Runden lag Ekström deutlich mit seinem Audi S1 EKS RX-Supercar in Front und durchbrach damit die Siegesserie von VW-Pilot Johan Kristoffersson, der zu Überraschung aller im Finale gar nicht vertreten war.

Rallycross WorldRX Estering Buxtehude Podium

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Überraschungen in Buxtehude – Favoritensterben im Halbfinale

Es war das erste Mal in der Saison 2017, dass der neue Weltmeister bereits im Halbfinale die Segel streichen musste. Erneut zeigte sich, wie entscheidend auf dem Estering der Start und die erste Kurve ist. Kristoffersson verlor im Semifinale in Kurve 1 hinter Kevin Eriksson enorm viel Zeit und war nach der ersten Runde nur auf Rang 6.

Kevin Eriksson war unterdessen etwas zu angriffslustig unterwegs. Der Vorjahressieger versuchte an Kevin Hansen im Peugeot 208 WRX von 2016 vorbeizugehen, drehte sich aber dabei und wurde dann sowohl von Sébastien Loeb, als auch von Johan Kristoffersson erwischt. Der VW Polo-Pilot verlor erneut viel Zeit und schleppte sich mit herunterhängender Front, die er auf seiner Joker-Lap dann noch verlor, nur auf Rang 5 ins Ziel.

Johan Kristoffersson Estering

©racing14.de – Aus im Halbfinale: Johan Kristoffersson

Auch für Rallye-Rekordchampion Loeb bedeute der vierte Rang Endstation, es war das erste Mal seit dem WorldRX-Auftritt in Belgien im Mai, dass er es nicht unter die letzten 6 schaffte. Für „Mr. Round the Outside“ Kevin Eriksson war im Halbfinale nach seinem Dreher der Traum von einer Wiederholung des Vorjahres-Triumph auch ausgeträumt.

Nie richtig in Schwung kamen am Wochenende die Ford Focus vom Team von Hoonigan Racing. Während Ken Block sich nach der Qualifikation als Gesamt-14. verabschieden musste, war für Andreas Bakkerud nicht mehr drin als der fünfte Rang im Halbfinale.

Skandinavische Überraschungsmomente

Das Teilnehmerfeld für das Finale auf dem Estering war beim Blick auf das bisherige Rallycross-Jahr ungewöhnlich. Neben Mattias Ekström und Petter Solberg – zu ihm gleich noch mehr – schaffte es Toomas „Topi“ Heikkinen unter die besten sechs Piloten. Der Finne gewann mit seinen Raketenstarts zudem den „Supercharge“ Award und schoss auch im Finale weit nach vorne.

Fast hätte Heikkinen es analog zu Kevin Eriksson im Vorjahr mit einem Supermanöver außen herum geschafft, ganz nach vorne zu kommen, doch er geriet etwas zu weit nach außen und verlor hier entscheidende Meter. Am Ende wurde es dennoch ein mehr als respektabler dritter Rang. Mit Respektabstand hinter Ekström lief Timmy Hansen im Peugeot ein, der das beste rausholte, was für die Mannschaft an diesem Wochenende drin war, so richtig rund lief es bei den 208er-Löwen halt auch nicht, zumindest nicht bei den 2017er-Boliden.

Rallycross Estering

©racing14.de – Supercharger Heikkinen

Wer aber erneut beeindrucken konnte war Kevin Hansen. Der jüngere Bruder von Timmy beendete sein Halbfinale als Zweiter und lag aussichtsreich im Finale, als er durch ein Problem an seinem 2016er Peugeot bis auf den letzten Platz zurückfiel. Ordentlich Auftrieb vom Estering-Auftritt kann ebenfalls Niclas Grönholm mitnehmen, der Rang 5 erreichte.

Grönholm beförderte sich mit einem zweiten Rang im vierten Qualifikationsdurchgang in das Halbfinale, wurde hier Dritter und zeigte insgesamt einen deutlichen Aufwärtstrend.

Einer jedoch hielt zumindest die VW-Fahnen hoch. Dass das am Ende Petter Solberg war, konnte man wenige Tage zuvor noch nicht ahnen.

Petter Solberg – vom OP-Tisch ins Estering-Finale

Zwei gebrochen Rippen, ein gebrochenes Schlüsselbein und Lungenquetschung – das war das Resultat des Unfalls in Riga für Petter Solberg. Der wurde erst Anfang letzter Woche operiert, wollte aber unbedingt teilnehmen. Das tat er auch und wie. Nachdem man ihm die Startfreigabe erteilte, war es Solberg, der der schnellste VW Polo-Pilot war.

Der Norweger scheint der Fahrer für die Traditionskurse im Kalender zu sein. Nachdem er bereits in diesem Jahr in Lydden Hill erfolgreich war, gewann er auf dem Estering auch die beiden letzten Qualifikationsdurchgänge und war der beste Mann der GermanyRX-Qualifikation.

Petter Solberg

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Im Halbfinale schlug er erneut gnadenlos zu und hing im Finale zunächst am Heck vom späteren Sieger Ekström. Dann unterlief ihm allerdings ein kleiner Fehler, der die Entscheidung zu seinen Ungunsten brachte. In Kurve 1 verlor er, etwas zu weit außen unterwegs, ein paar Meter und musste sich daher am Ende mit dem 4. Rang zufriedengeben. Dennoch, Hut ab vor seiner Leistung, denn sein Gesicht beim Ein-und Aussteigen in den VW Polo GTI sprach wirklich Bände, getreu dem Motto „Schmerz lass nach“.

Stimmen nach dem Rennen

Für Mattias Ekström hat sich die Reise zum Estering auf jeden Fall gelohnt, denn der Schwede erzielte hier seinen insgesamt zehnten Sieg in der Rallycross-WM und schloss damit zu Rekordsieger Petter Solberg auf. „Das war ein fantastisches Wochenende für uns“, so Ekström. „Im vergangenen Jahr haben wir nach dem Titelgewinn eine richtig große Party gefeiert, aber auch dieses Mal haben wir allen Grund, zufrieden zu sein. Ich freue mich vor allen Dingen für Topi, der in dieser Saison so oft Pech hatte und mit Platz drei endlich belohnt wurde.“

Toomas „Topi“ Heikkinen durfte 309 Tage nach seiner letzten Podestplatzierung in Argentinien endlich wieder einen Pokal in die Luft stemmen. „Das war eine verdammt lange Zeit, aber Gott sei Dank hat es hier auf dem Estering geklappt“, sagte der Finne erleichtert. „Ein großer Dank an das Team. Ich habe einfach die besten Jungs um mich herum und freue mich, dass ich nach all dem Pech der vergangenen Monate endlich wieder etwas zurückgeben konnte.“

Rallycross WM Estering

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Die Aufmerksamkeit an diesem Wochenende galt aber vor allem auch Petter Solberg, der auch schon vor dem Halbfinale Johan Kristoffersson an diesem Wochenende in den Schatten stellte: „Ich musste für dieses Wochenende einiges vorbereiten – wir haben eine spezielle Vorrichtung angefertigt, um das Schlüsselbein zu fixieren – ich hatte aber die ganze Zeit ein wenig Angst, dass mich eventuell jemand von hinten trifft. Es gab ein paar Berührungen, aber nichts Großes. Um das Finale war es echt schade, ich wollte unbedingt den Sieg, aber was wir erreicht haben, ist wie ein großer Sieg für mich und meine Familie und das ganze Team“, so der Norweger.

Auch der Zweitplatzierte Timmy Hansen war zufrieden: „Ich hatte ein gutes Wochenende, das mit einem Sieg in Q2 eingeläutet wurde. Ich denke, wir müssen nur noch unsere Starts ein wenig verbessern, um den Abstand aufzuholen, der uns noch vom Sieg trennt“.

Heimspiele – Timo Scheider, René Münnich, Andreas Steffen und Dieter Depping

Zwar schaffte es keiner der Lokalmatadoren unter die besten 12, doch alle unsere deutschen Piloten wussten dennoch mit guten Leistungen zu überzeugen.

Vor allem Timo Scheider hatte den Speed, um wie sein Teamkollege auch ins Halbfinale einziehen zu können. Doch vor allem die Wetterbedingungen in den ersten Quali-Durchgängen machten diese Chancen zunichte, so dass der ehemalige DTM-Pilot als Gesamt-15. die Koffer packen musste.

Dahinter klassifizierten sich Dieter Depping auf Rang 16 und René Münnich auf dem 19. Platz. Dennoch gaben beide alles und boten dem zahlreich erschienenen Publikum beste Unterhaltung. Münnich trat im Seat Ibiza an und konnte zumindest in der Qualifikation sein Rennen auch einmal gewinnen, als er u.a. den Kia Rio des Ungarn „CSUCSU“ hinter sich ließ.

Rallycross 2017

©racing14.de – Block vs Depping

Depping schoss sich mit zunehmender Dauer immer besser auf den Polo ein und sorgte für reichlich Action, als er gemeinsam mit Ken Block in die Joker-Lap in einem Quali-Rennen ging und hier einen Überholversuch startete. Der ging zwar knapp daneben, brachte die vollen Ränge aber abermals in Stimmung.

Und auch Andreas Steffen gab in seinem Ford Fiesta auf seiner Heimstrecke alles, auch wenn es nicht für ganz vorne reichte. Dennoch, sein Einsatz fand bei allen mehr als nur Anklang.

Und sonst noch…

Im letzten Auftritt der FIA Rallycross-Europameisterschaft der Super1600-Klasse in diesem Jahr verteidigte der Ungar Krisztian Szabo seinen Titel. Das Finale ging an Kasparas Navickas vor Jussi-Petteri Leppihalme und Artis Baumanis. Letzter ist damit Vizemeister vor dem Finnen Leppihalme. Das volle Feld der Super1600-Klasse bot zudem das ganze Wochenende über beste Unterhaltung.

In der Tourenwagenklasse krönte sich der Norweger Lars-Oivind Enerberg zum TouringCar Champion 2017, während Ben-Philip Gundersen den Finalsieg auf dem Estering einfuhr.

Rallycross Estering Buxtehude

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Allein am Sonntag fanden sich gut 15.000 Zuschauer bei Buxtehude zur großen Rallycross-Party ein. Nach dem Abschied von Lydden Hill ist der Estering der letzte Traditionskurs. Für die Rallycross-WM kann man nur hoffen, dass sie zumindest den Standort im Norden Deutschlands im Kalender behalten wird.

Die Tendenzen scheinen zwar dagegen zu sprechen, wer aber den WorldRX-Lauf hier einmal erlebt hat, der weiß, dass er diese Atmosphäre auf keiner modernen Rennstrecke der Welt in dieser Form finden wird. Von daher heißt es vor allem jetzt Daumen drücken, dass der Estering auch 2018 wieder im WM-Kalender auftauchen wird.

Für die Rallycross-Weltmeisteschaft steht jetzt erstmal noch die Reise nach Südafrika auf dem Programm, wo es am 11. und 12. November 2017 letztmalig in diesem Jahr auf die Piste geht. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Rallycross Estering 2017

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FIA-Rallycross-WM 2017 – 11. Lauf, Estering – Resultat Finale

  • 1. Mattias Ekström (S) 3.41,663 Min.
  • 2. Timmy Hansen (S) +2,629 Sek.
  • 3. Toomas Heikkinen (FIN) +3,717 Sek.
  • 4. Petter Solberg (N) +6,868 Sek.
  • 5. Niclas Grönholm (FIN) +8,089 Sek.
  • 6. Kevin Hansen (S) +48,239 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 11 von 12 Läufen)

  • 1. Johan Kristoffersson (S) 286 Pkt. (Weltmeister 2017)
  • 2. Petter Solberg (N) 234 Pkt.
  • 3. Mattias Ekström (S) 233 Pkt.
  • 4. Sébastien Loeb (F) 204 Pkt.
  • 5. Andreas Bakkerud (N) 179 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 11 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 496 Pkt. (Weltmeister 2017)
  • 2. Team Peugeot Hansen 379 Pkt.
  • 3. EKS 351 Pkt.
  • 4. Hoonigan Racing Division 280 Pkt.