Rallycross WM 2019 – Halbzeitbilanz

Timmy Hansen
©racing14.de

5 von 10 Läufen der Rallycross WM 2019 sind Geschichte – Blick auf alle Teams der WorldRX – Enger Titelkampf in der zweiten Saisonhälfte erwartet – Timmy Hansen weiter in Front

WorldRX 2019 – Aufwärtstrend

Noch im Vorjahr musste man sich um die Rallycross Weltmeisterschaft Sorgen machen. Nach dem Rückzug einiger Hersteller sah es zunächst ziemlich mau aus, was das Teilnehmerfeld anging, doch bis zum Saisonstart konnte man mit 16 fixen Startern in der WM sogar einen mehr vorweisen als noch im Vorjahr.

Mittlerweile kann man mit diesem Feld mehr als zufrieden sein, denn die Weltmeisterschaft ist alles andere als eine klare Sache. Zwar liegt aktuell Timmy Hansen als einer der Titelfavoriten in der WM noch an der Spitze, doch ein Durchmarsch war es bislang keineswegs und wird es auch nicht geben.

Hell Rallycross
©FIAWorldRallycross.com

Die bisherigen 5 WM-Events hatten zwei absolute Highlights, die Rennen auf der neuen Rallycrosspiste in Spa Francorchamps in Belgien und der Lauf im norwegischen Hell. Beide Strecken boten spektakuläre und spannende Rennen, während die anderen drei Pisten, der Yas Marina Circuit in Abu Dhabi, Barcelona und Silverstone bei Fans des klassischen Rallycross-Sports doch eher durchfallen.

Insgesamt ist der Kampf um den Einzug in den Finaldurchgang aber deutlich enger geworden und auch wenn Hansen Motorsport mit drei Saisonsiegen bisher am erfolgreichsten war, ist die Konkurrenz deutlich näher gerückt, so dass es in der zweiten Saisonhälfte spannend bleiben sollte.

Hansen Motorsport – Schnelle Brüder

Timmy Hansen und sein jüngerer Bruder Kevin führen die WM derzeit an, der ältere hat einen Zähler Vorsprung. Somit wurden die beiden in ihren Peugeot 208 ihrer Favoritenrolle bislang gerecht. Der Peugeot mag winklige Kurse und enge Ecken, hier scheint man immer noch einen Vorteil zu haben.

Rallycross WM 2019
©racing14.de

In Abu Dhabi musste Timmy Hansen nach einer heftigen Quali-Kollision mit Andreas Bakkerud aufgeben, hier war er mit Abstand der schnellste Mann. Doch die Konkurrenz hat aufgeholt und der Abstand auf die Verfolger ist nicht sonderlich groß. Timmy Hansen bleibt dennoch einer der Favoriten auf den Titel, vor allem beim Blick auf die Strecken, die in diesem Jahr noch anstehen.

Monster Energy RX Cartel – Auf und ab

Erst kurz vor dem Saisonstart gab das RX Cartel seine Teilnahme bekannt. Mit Andreas Bakkerud und dem Audi S1 hat man einen Kandidaten für ganz oben mit an Bord. Doch den Audis, die von EKS eingesetzt werden, fehlt es insgesamt ein wenig an Beständigkeit.

Andreas Bakkerud schnupperte am ersten Saisonsieg, musste zuletzt in Hell aber das Semifinal-Aus hinnehmen. Ausgerechnet beim heimischen Auftritt war man mit dem Setup des Audi nicht sonderlich zufrieden. Ein Sieg sollte aber auf jeden Fall 2019 noch drin sein, beim Kampf um den WM-Titel zudem ein Muss, denn Bakkerud ist erster Verfolger der Hansen-Brüder.

Andreas Bakkerud
©racing14.de

Auf und ab geht es auch bei Liam Doran, der immer für Überraschungen sorgte und auch in Zukunft ein Kandidat fürs Podium ist, für den WM-Titel dann aber eher nicht.

GrönholmRX – GRX Taneco – Im Angriffsmodus

Die Hyundai i20 Supercars von GRX gehen 2019 in ihr zweites Einsatzjahr in der Rallycross WM. Und dabei hat man einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht.

In Abu Dhabi verhinderte eine Strafe den Sieg von Niclas Grönholm, diesen holte er sich jetzt in Hell. Für den Finnen galt es zudem eine Pause von zwei Events hinzunehmen aufgrund einer Blinddarm-OP. Dennoch bleibt Grönholm in Schlagdistanz zur Spitze und scheint über kurz oder lang Andreas Bakkerud den ersten Platz des Verfolgers abnehmen zu können.

Niclas Grönholm bleibt daher auch ein WM-Kandidat, wogegen Timur Timerzyanov zu unbeständig unterwegs ist. Zwar zeigt auch er in diesem Jahr einen deutlichen Aufwärtstrend, der sympathische Russe feierte in Spa seinen Premierensieg in der Rallycross WM, dennoch kann er diese Leistung nicht bei allen Events abrufen. Von daher wird es für Timerzyanov schwierig, in der WM mit Grönholm mitzuhalten.

Rallycross WM Hell Grönholm
©GRX Tanceo/by Jan Kåre Rafoss

Wie gut der Hyundai i20 mittlerweile funktioniert, das zeigten auch die Gastauftritte des Finnen Joni Wiman in Spa und Silverstone, der hier oft mit die besten Rundenzeiten ablieferte. GRX hat aufgeholt und wird in der zweiten Saisonhälfte weiter ganz vorne mitspielen.

GCK – GC Kompetition – Für Überraschungen gut

Auch die Truppe von GCK mit ihren Renault Megane Supercars hat mächtig Boden aufgeholt. Der Franzose Guerlain Chicherit hat sich deutlich verbessert, auch wenn es noch nicht für ganz vorne reicht. Die Speerspitze der Truppe ist unterdessen Anton Marklund.

Der lieferte immer wieder gute Zeiten ab, einzig das Rennglück schien ihm zu fehlen. Auf der Strecke in Hell konnte er nun einen Überraschungssieg landen, der ihm dann aber leider aufgrund eines technischen Verstoßes an seinem Megane wieder aberkannt wurde. Der aktuell 10. WM-Rang zeigt sicher nicht seine Leistungsfähigkeit an.

Rallycross WM 2019
©racing14.de

Der Schwede hat sich mittlerweile gut an den Megane gewöhnt, auch dieses Supercar hat 2019 einen Sprung nach vorne gemacht, Marklund wird sicher noch das ein oder andere Mal für eine Überraschung sorgen können, ein Finalkandidat ist er sicher immer.

GCK Academy – Lernjahr

Wie es der Teamname schon sagt, die zweite Mannschaft von GCK befindet sich in einem Lernjahr. Mit den Rallycross-Nachwuchstalenten Cyril Raymond aus Frankreich und Guillaume Der Ridder versucht man sich in der WorldRX mit Renault Clio Supercars.

Die sind sicher noch nicht auf dem Niveau der Megane unterwegs, aber beide Fahrer mischen schon ganz gut mit im Feld. Im direkten Duell hat hier bislang Raymond die Nase vorne, der zumindest regelmäßig ein Kandidat für ein Semifinal-Einzug ist.

Rallycross-WM 2019
©racing14.de

Seit Hell hat man mit dem Litauer Rocas Baciuska nun einen dritten Youngster an Bord, der vorher bei ESmotorsport unterwegs war und am Steuer eines dritten Megane im Feld sitzt. Dieser ist allerdings nicht auf dem Stand der GCK-Supercars. Zwar werden alle drei nicht weit nach vorne fahren könne, doch das Nachwuchsduell bei der GCK Academy bleibt auch spannend.

STARD – Janis Baumanis mit guter Saison

Für das österreichische Team von STARD hält Janis Baumanis die Fahnen hoch. Während der zweite Ford Fiesta abwechselnd besetzt ist und meist wenig Chancen auf vordere Platzierungen hat, ist Baumanis einer der konstantesten Fahrer der WorldRX 2019.

Mit dem aktuell vierten WM-Rang ist der Lette gut aufgestellt und auch seine Blickrichtung geht ganz klar nach vorne, ein Kandidat für die Top 3 am Ende des Jahres ist er auf jeden Fall.

Janis Baumanis
©racing14.de

ESmotorsport- Starker Einstand

Unterm Strich hat die Truppe von ESmotorsport mit dem grünen Skoda Fabia Supercar einen mehr als ordentlichen WorldRX-Einstieg hingelegt.

Zwar trennte man sich vor dem Event in Spa von Pilot Baciuska, der ja mittlerweile bei GCK untergekommen ist, doch seine Leistungen vorher waren durchaus stark.

Kevin Abbring im Skoda Fabia Supercar
©FIAWorldRallycross.com

Nun hat der Niederländer Kevin Abbring erstmal übernommen und in Hell ein grandioses Debüt in der Rallycross WM abgeliefert. Finalteilnahme mit Siegchance, das hatte man dem Skoda Fabia sicher nicht zugetraut. Zwar spielten die nassen Bedingungen in Norwegen hier eine große Rolle, dennoch kann man mit Abbring weiter auf gute Resultate hoffen.

Münnich Motorsport – Timo Scheider überzeugt

Timo Scheider und das Seat Ibiza Supercar sind unterdessen ein ernstzunehmender Faktor in der WorldRX geworden.

Der aktuell achte WM-Rang spiegelt nicht ganz das Potential der Mannschaft wider, vor allem in Norwegen hatte Scheider im Semfinale Pech, sonst wäre das Punktekonto voller. Der ehemalige DTM-Champion wird aber in der zweiten Saisonhälfte sicher wieder im Finale auftauchen und ab und an die Favoriten ärgern können.

Rallycross 2019
©racing14.de

EKS – Luft nach oben

EKS Sport mischt in der Rallycross WM immer noch ordentlich mit. Das RX Cartel vertraut auf die Audis der Truppe und der Ungar Krisztian Szabo absolviert sein Debütjahr in der WM. Auch hier gilt: Speed vorhanden, allein an der Umsetzung hapert es noch.

Szabo hat bewiesen, dass er sich seinen Platz in der WM verdient hat. Zuletzt in Norwegen blieb er in der Qualifikation immer wieder im Verkehr hängen und brachte so die notwenigen Zeiten nicht zusammen. Mit ein wenig mehr Erfahrung ausgestattet ist aber auch er ein regelmäßiger Semifinal-Kandidat.

EKS Audi
©racing14.de

Und sonst?

Das Feld ist deutlich enger geworden als noch in den letzten Jahren. Das macht es dann auch für den Briten Oliver Bennett im Mini Cooper Supercar schwer, der bislang nur in Silverstone das Semfinale erreichen konnte. Dazu muss er sich dann eher mit den Gaststartern duellieren, die das Feld immer wieder noch erweitern.

Der Wettbewerb in der Rallycross WM 2019 hat deutlich an Intensität zugenommen, als Zuschauer kann man sich darüber nur freuen. Mit Höljes in Schweden und Loheac in Frankreich stehen noch zwei klassische Rallycross-Kurse auf dem Programm, zusätzlich geht es noch nach Kanada, nach Lettland und zum Saisonfinale nach Südafrika.

An der WM-Spitze dürfen wir uns auf jeden Fall darüber freuen, dass es 2019 keinen Durchmarsch geben wird, so viel kann man nach der ersten Saisonhälfte festhalten. In der Zwischenzeit hat aber auch das Thema Elektro-Rallycross wieder an Fahrt aufgenommen.

©FIAWorldRallycross.com

Elektro-Rallycross ab 2021

Die Pläne zur Einführung eines Elektro Rallycross-WM wurden ja mehrfach verschoben, nun liegen die neuen Pläne auf dem Tisch.

2021 ist es soweit, dann sollen neue Elektro-Rallycross-Boliden gemeinsam und gegen die aktuellen WorldRX-Supercars antreten, danach sollen die Elektro-Renner übernehmen.

Manfred Stohl und seine STARD-Mannschaft werden dann den Antrieb und die Batterien liefern. Der Elektro-Kit soll übrigens auch eine Umrüstung der jetzt verwendeten Supercars ermöglichen. Zudem soll es zur Saison 2021 eine Junior eRX-Meisterschaft geben, die dann mit einheitlichen Elektro-Allrad-Fahrzeugen absolviert ist.

Eine erste Studie namens projekt e soll zeigen, wie der neue Renner der Rallycross WM dann in Zunkunft aussehen wird. Zwei Motoren an Front-und Hinterachse sollen über 600 PS liefern bei einem Topspeed von 240 km/h.

Aktuell werden Fans des Rallycross-Sports solche Renner aber sicher nicht herbeisehnen, denn 2019 liefert die Rallycross WM eine richtig spannende Saison ab und das wird auch in den fünf restlichen Events so sein. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Hansen Motorsport
©racing14.de

Rallycross WM 2019 Stand nach 5 von 10 Läufen

  1. Timmy Hansen 107 Punkte
  2. Kevin Hansen 106
  3. Andreas Bakkerud 92
  4. Janis Baumanis 79
  5. Niclas Grönholm 78
  6. Timur Timerzyanov 78
  7. Liam Doran 74
  8. Timo Scheider 64
  9. Krisztian Szabo 55
  10. Anton Marklund 52

Rallycross WM 2019-Stand Teams

  1. Team Hansen MJP 213 Punkte
  2. GRX Taneco 195
  3. Monster Energy RX Cartel 166
  4. GC Kompetition 98
  5. GCK Academy 58

Videos Rallycross-WM 2019

World RX Final | 2019 Team Verksted FIA World Rallycross of Norway
World RX Final | 2019 Dayinsure World RX of Great Britain
World RX Final | 2019 Spa FIA World Rallycross of Benelux
World RX Final | 2019 Cooper Tires FIA World Rallycross of Catalunya
World RX Final | 2019 FIA World Rallycross of Abu Dhabi
Share: Beitrag teilen