Rallycross-WM Auftakt – Kevin Hansen Sieger in Abu Dhabi

Rallycross-WM Abu Dhabi Finale
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Die Entscheidung um den Auftaktsieg in der Rallycross-WM 2019 fiel erst einige Zeit nach dem Fallen der Zielflagge.

Niclas Grönholm im Hyundai i20 Supercar hatte diese zwar als erster Fahrer gesehen, doch er kam nur aufgrund eines Schubsers am Hansen-Peugeot 208 WRX vom jüngeren der beiden Hansen-Brüder vorbei und bekam nachträglich eine 3-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt, so dass Kevin Hansen seinen Debütsieg in der World RX feiern konnte.

Kevin Hansen gewinnt AbuDhabiRX

Doch zunächst wollen wir mal einen Blick auf den Beginn des Saisonauftaktes der Rallycross-WM im fernen Abu Dhabi werfen.

Von Anfang an zeigte sich, dass die Mannschaft von Hansen Motorsport mit ihren Peugeot 208 WRX am besten aufgestellt war. Timmy Hansen gewann dann auch die ersten beiden Qualifikationsdurchgänge, Bruder Kevin seinerseits die letzten beiden.

Brüderlich geteilt also, aber für die Mannschaft hatte das Ganze auch einen mehr als faden Beigeschmack, denn nach dem dritten Qualifying-Segment musste man das Supercar von Timmy Hansen zurückziehen, nach einem mehr als heftigen Unfall mit Andreas Bakkerud im Audi S1 quattro war der Überrollkäfig des 208 beschädigt und eine weitere Teilnahme unmöglich. Doch auf diesen üblen Crash komme ich gleich noch.

Kevin Hansen AbuDhabiRX
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Zunächst einmal zurück zu Kevin Hansen, der sowohl in den letzten Qualifikationsdurchgängen, als auch im Semifinale, eine schnelle und saubere Fahrt ablieferte und somit als klarer Favorit in das Finale ging.

Kevin Hansen Peugeot 208 WRX Abui Dhabi 2019
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Hier übernahm er ebenfalls nach dem Start die Spitze, diesmal saß ihm aber Niclas Grönholm im Nacken, der zeigte, dass man auch mit dem Grönholm-Hyundai i20 in diesem Jahr rechnen muss.

Kevin Hansen konnte den Hyundai nicht wirklich abschütteln und in der fünften Runden rückte Grönholm gefährlich nah, nachdem der Schwede zuvor auch nicht ganz sauber durch die ein oder andere Ecke kam. Kurz vor der Einfahrt in die Joker Lap verpasste Grönholm dem Peugeot von Kevin Hansen dann einen leichten Schubser, der kurz die Kontrolle verlor und den Hyundai ziehen lassen musste.

Grönholm bekam für das Manöver dann im Nachgang eine Zeitstrafe und musste sich nach der ersten Freude dann mit dem zweiten Rang begnügen. Kevin Hansen durfte sich dagegen im Nachgang über seinen ersten WorldRX-Triumph freuen:

Es fühlt sich komplett verrückt an. Ich hatte einen guten Start in das Finale und führte fast fünf Runden und dann, nach Kurve 10, gab mir Niclas einen Schubser und ich hätte mich fast gedreht und verlor dabei die Führung.

Ein Sieg durch die Entscheidung der Stewards ist sicher nicht der perfekte Weg. Es war ein großartiger Job von jedem im Team, die Autos hier gut vorbereitet an den Start zu bringen. Dieser Sieg ist aber für Timmy, der auf dem Podium hätte stehen sollen.

World RX Final | FIA World RX | 2019 World Rallycross of Abu Dhabi

Podium für das Monster Energy RX Cartel – Liam Doran überrascht

Während Niclas Grönholm seine Zurückversetzung auf den zweiten Platz skandinavisch kühl aufnahm und schon auf den nächsten Lauf in Barcelona blickt, überraschte hinter den beiden Protagonisten Liam Doran.

Der Brite tat sich zunächst schwer mit seinem neuen fahrbaren Untersatz und musste sich erst an den Audi S1 gewöhnen. Als 11. nach der Qualifikation rutschte er gerade so eben in die Halbfinaldurchgänge.

Monster Energy RX Cartel Audi S1 quattro Supercar - Liam Doran
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Hier dreht er dann aber auf und schnappte dem Hyundai von Timur Timerzyanov noch als Dritter die Finalteilnahme vor der Nase weg.

Mit einer beherzten und taktisch klugen Fahrt im Finale brachte er sein bestes WRX-Ergebnis nach Hause, sehr zu Freude für die neue Truppe vom RX Cartel, die sich an diesem Wochenende nicht über mangelnde Arbeit beklagen konnten.

Rang Vier ging unterdessen an den Ungarn Krisztián Szabó im EKS-Audi, der in seinem fast weißen Supercar ebenfalls einen sehr positiven Eindruck am Wochenende auf dem Yas Marina Circuit hinterlassen konnte. Szabó wird sicher noch für die ein oder andere Überraschung sorgen im Laufe der Saison.

Dahinter musste sich Janis Baumanis im STARD-Fiesta am Ende als 5. einreihen, der neue Bolide hat sicher noch einiges an Potential nach oben, die Balance war sichtlich nicht immer optimal. Dennoch ist Baumanis nach einer soliden Vorstellung aktuell WM-Dritter.

Timo Scheider - Seat Ibiza Supercar - Münnich Motorsport - WorldRX Abu Dhabi
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Starker Auftritt von Timo Scheider im Seat Ibiza Supercar

Punktgleich auf dem dritten WM-Rang liegt nach Abu Dhabi Timo Scheider. Der Deutsche zeigte in Diensten von Münnich Motorsport einen mehr als starken Auftritt und zog locker in das Finale ein.

Hier musste sich Scheider allerdings früh von Hoffnungen auf einen vorderen Platz verabschieden, denn mit Getriebeproblemen war nicht mehr als der sechste Rang drin.

Dennoch, Rang 3 nach der Qualifikation und ein zweiter Platz im Semifinale waren schon mal ein Ausrufezeichen, hier ist sicher auch mal ein Podium in Reichweite.

AbuDhabiRX - Yas Marina Circuit
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Böser Crash – Andreas Bakkerud und Timmy Hansen

Im Finale längst nicht mehr dabei waren unterdessen Andreas Bakkerud und Timmy Hansen. Letzterer dominierte den ersten Tag und die ersten beiden Qualifikationsdurchgänge, während der Norweger im zweiten Qualidurchgang auf Augenhöhe mit dem älteren der beiden Hansen-Bürder unterwegs war.

Beide sind mit ihren aus dem Vorjahr vertrauten Supercars unterwegs und gelten als Favoriten auf den Titel in der Rallycross-WM 2019.

Doch im dritten Qualifying kam es zu einem Crash der üblen Sorte. Andreas Bakkerud nahm an, es sei die letzte Runde, als Timmy Hansen aus der Joker Lap zurücknahm. Während Hansen also die erste Kurve anvisierte, kam Bakkerud mit deutlichem Überschuss an und peilte die Ziellinie an, dabei traf er mit seinem Audi S1 den Peugeot 208 WRX von Hansen mit voller Wucht auf der Fahrerseite.

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Nach ersten Angaben wirkten bei der Kollision Kräfte von 11g. Andreas Bakkerud konnte direkt aussteigen, während Timmy Hansen das Rennen sogar noch beendete und danach vom Team von der Beifahrerseite her aus dem Cockpit geholt wurde. Außer Prellungen ist ihm nichts passiert, das hätte durchaus übler ausgehen können.

Die bittere Enttäuschung war ihm mehr als deutlich anzusehen. Andreas Bakkerud nahm den Unfall unterdessen klar auf seine Kappe und entschuldigte sich beim Team Hansen. Während der Bolide von Timmy Hansen für eine weitere Teilnahme zu stark beschädigt war, wurde Bakkerud vom dritten Qualifying disqualifiziert und konnte so ebenfalls nicht mehr am Event teilnehmen. Es war ein heftiger Schreckmoment bei einem sonst interessanten WM-Auftakt.

AbuDhabiRX - Niclas Grönholm
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WorldRX-Teams – Formkurve – Von GRX Taneco bis ESmotorsport

Der erste Schlagabtausch der Rallycross-WM lässt auf ein spannendes Jahr hoffen. Ganz vorne sind da zunächst einmal die Peugeot 208 WRX vom Team Hansen.

Was den reinen Speed angeht, hat aber auch Andreas Bakkerud für das Monster Energy RX Cartel im Audi S1 mehr als gute Karten. Liam Doran überraschte in Abu Dhabi, wird aber sicher nicht von Dauer ganz vorne mitspielen.

Bei GRX hätte man fast den ersten Sieg für den Hyundai i20 feiern können, dennoch kann man insgesamt mit der Ausbeute nicht zufrieden sein. Niclas Grönholm war am Ende mal wieder der Pacesetter im Team, selbst als der Start in sein Semifinale aufgrund von Kupplungsproblemen gründlich daneben ging, holte er sich noch den Laufsieg.

Timur Timerzyanov und Reinis Nitiss kämpften unterdessen immer wieder mit unglücklich verlaufenden Rennen. Vor allem Nitiss hatte viel Pech, am reinen Speed lag es nicht, das bewies der Lette immer wieder. Im Warm-Up am Samstag bei freier Fahrt waren alle drei Hyundai i20 Supercars unter den Top 4 – vor allem Grönholm wird dieses Jahr noch eine gewichtige Rolle spielen.

EKS Audi S1 quattro Supercar Szabó
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Sehr unterschiedlich lief der Rallycross-WM Saisonauftakt für den Nachwuchs ab. Während Szabó im EKS-Audi mit Platz 4 ein mehr als ordentliches WM-Debüt ablieferte, hatten andere mit mehr Problemen zu kämpfen.

Beim neuen Ableger-Team von GCK, der GCK Academy, ging für Cyril Raymond und Guillaume De Ridder nicht viel. Immer wieder wurden man von technischen Problemen gestoppt, auch wenn es Raymond immerhin ins Semifinale schaffte. Aber die Renault Clio Supercars sind aktuell noch nicht schnell genug.

ESMotorsport Skoda Fabia - Rokas Bacisuka
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Auch für die Mannschaft von ESMotorsport mit dem neuen Skoda Fabia Supercar war im Semifinale Schluss, doch Rokas Baciuska schnupperte immerhin schon an einer Finalteilnahme und wurde seinerseits nur von Problemen am Boliden gestoppt. Insgesamt ein vielversprechendes Debüt.

Für die Renault Megane war es Anton Marklund, der ab und an aufhorchen ließ, im Semifinale aber von Reinis Nitiss abgeräumt wurde und so dem Feld nur hinterherfahren konnte. Teamboss Guerlain Chicherit kam zwar ebenfalls ins Halbfinale, war aber lange nicht auf Höhe seines schwedischen Teamkollegen unterwegs.

WorldRX GCK Academy - Renault Clio RS Supercar
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Für Oliver Benett hat sich der Ausflug nach Abu Dhabi nicht gelohnt. Nach frühen Probleme traf er am Samstag in der Qualifikation eine Curb derart unglücklich, dass er sich überschlug und aufgeben musste. Der Norweger Pal Try im zweiten Ford Fiesta von STARD spielte unterdessen keine große Rolle.

Es lief für viele Teams in Abu Dhabi noch längst nicht alles rund, doch es ist schön zu sehen, dass die Dominanz der letzten Jahre in der Rallycross-WM nicht mehr vorhanden ist. Weniger gelungen habe ich aber den neuen Kurs in Abu Dhabi empfunden.

GCK Renault Megane Supercar - Anton Marklund
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Rallycross auf dem Yas Marina Circuit – „Flying High“

Die neue Rallycross-Strecke auf dem Yas Marina Circuit hat dem Papier nach einen Schotter-Anteil von ungefähr 37 %. Doch man hatte fast das Gefühl, dass der Asphalt-Anteil noch weitaus höher war als 63 %.

Yas Marina Circuit Rallycross - Curb
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Die Piste ist nun einfach kein klassisches Rallycross-Terrain, wenn man sich beispielsweise alternativ einen Saisonauftakt auf der Strecke von Montalegre in Portugal vorstellt, hätte man sicher ein ganz anderes Bild gehabt.

Zugegeben, Rallycross-Supercar-Boliden unter Flutlicht – das hatte schon etwas ganz Besonderes. Besonders waren auch die verwendeten Curbs – allerdings im negativen Sinne.

Nitiss - Amrklund Crash AbuDhabiRX
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Diese besonders hohen Curbs sollten dafür sorgen, dass die Fahrer nicht abkürzen – doch zweimal schlugen diese besonders hart zu. Oliver Bennett erwischte einen, es folgte ein Überschlag, das andere Mal flog Hyundai-Pilot Nitiss im Gerangel der ersten Kurve über den ersten Curb und landete auf der Heckpartie des Renault Megane von Anton Marklund. Das brauchen wir sicher nicht.

Zudem boten die engen Ecken sehr wenig Überholmöglichkeiten, besonders die erste Kurve nach dem Start war keine gute Lösung, fiel doch hier oft eine Vorentscheidung in den Rennen.

Sei es drum, die Rallycross-WM 2019 verspricht jedenfalls Spannung, weiter geht es jetzt am Wochenende des 27. und 28. April 2019 in Barcelona. In diesem Sinne, Keep Rallying!

RX Cartel Audi S1 Abu Dhabi Flutlicht
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AbuDhabiRX – Ergebnis 1. Lauf Rallycross-WM WorldRX 2019

  1. Kevin Hansen 04:39,467 Minuten
  2. Niclas Grönholm 04:36,946 Minuten (nachträgliche Zeitstrafe)
  3. Liam Doran 04:40,195 Minuten
  4. Krisztián Szabó 04:43,117 Minuten
  5. Janis Baumanis 04:41,694 Minuten(nachträgliche Zeitstrafe)
  6. Timo Scheider 05:09,084 Minuten
Rallycross-WM Auftakt 2019 - Teilnehmerfeld
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Rallycross-WM WorldRX WM-Stand nach 1 von 10 Läufen

Kevin Hansen 30 Punkte
Niclas Grönholm 26
Janis Baumanis 20
Timo Scheider 20
Krisztián Szabó 18
Liam Doran 14
Anton Marklund 14
Timur Timerzyanov 13
Rokas Baciuška 10
Guerlain Chicherit 10
Timmy Hansen 8
Cyril Raymond 7
Reinis Nitiss 5
Pal Try 3
Andreas Bakkerud 2
Guillaume De Ridder 1
Oliver Bennett 0
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