Rallycross-WM in Belgien – Gut gebrüllt, Löwe

World RX Final | World RX of Belgium

Sébastien Loeb siegt für Peugeot in Mettet

Der Auftritt der Rallycross-Elite im belgischen Mettet am vergangenen Wochenende hatte es in sich und angesichts der Spannung in der WorldRX-Weltmeisterschaft konnte man sich wirklich nicht über den Sieger beschweren.

Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb krönte ein bärenstarkes Peugeot-Rennwochenende mit dem zweiten Sieg in seiner WRX-Karriere und konnte damit die Siegesserie vom amtierenden Champion Johan Kristoffersson durchbrechen.

Wie so oft an diesem Wochenende auf der Rallycrosspiste des Circuit Jules Tacheney war der Start von Loeb entscheidend. Der Franzose setzte sich in der ersten engen Ecke im Finale gegen die versammelte Werks-Power durch, zwar hatte Petter Solberg die schnellste Reaktion, doch die erste Kurve in Mettet ist trickreich und kann rennentscheidend sein, so war es auch beim 2018er Auftritt der World RX.

Rallycross-WM MettetRX 2018

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Finale MettetRX – Kristoffersson nur auf Rang 5 – Loeb fehlerfrei

Für den VW Polo von Johann Kristoffersson wurde es bei der Anfahrt zu ersten Kurve immer enger, so kam es zur Berührung mit Teamkollege Petter Solberg und der Schwede war kurzzeitig nur auf zwei Rädern unterwegs.

Kristoffersson konnte den hier eingefangenen Rückstand nicht mehr aufholen und musste sich am Ende knapp hinter Mattias Ekström einreihen, der in der letzten Runde in die Joker Lap einbog und hauchdünn vor dem VW Polo-Piloten ins Ziel kam.

Rallycross-WM Belgien

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Ein wirklicher Rückschlag war das Wochenende aber auch für Kristoffersson keineswegs. Der Schwede konnte die Qualifikation als Dritter beenden und führt weiterhin die Weltmeisterschaft an, allerdings hat die Truppe von Peugeot deutlich Boden gutgemacht, das zeigte sich am gesamten Wochenende.

Die VWs von Solberg und Kristoffersson nahmen die Joker Lap früher in Angriff als die Peugeot-Piloten, die in Runde 4 in die Extra-Schleife abbogen. Loeb konnte die Führung behalten, Timmy Hansen musste sich hinter Solberg einreihen, damit war die leise Chance, doch noch das Podium zu erreichen, für Kristoffersson hinüber, der am Ende auch noch hinter Ekström hängenblieb.

Peugeot – Starke Werks-Löwen

Timmy Hansen unterlief bei der Verfolgung von Teamkollege Loeb noch ein Fehler Eingangs Start-Ziel, der ohne Folgen blieb, jedoch kostetet ihn das am Ende die Chance auf einen Angriff auf den Sieg. Während sich der an diesem Wochenende sonst sehr kampfeslustige Hansen somit mit dem dritten Rang hinter Petter Solberg begnügen musste, leistete sich Sébastien Loeb an der Spitze keinen Fehler und feierte einen famosen Sieg, der der WorldRX neue Spannung einhaucht.

MettetRX 2018

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„Mein erster Saisonsieg, der zweite in meiner Rallycross-Karriere, ist ein schöner Erfolg und eine verdiente Belohnung für das ganze Team. Ich habe im Finale gedacht, ich würde Zweiter werden, aber als ich sah, dass der vor mir fahrende Mattias (Ekström) seine Joker-Runde antrat, wurde mir bewusst, dass ich gewinnen würde – ein unglaubliches Gefühl. Die Strecke in Belgien ist eine echte Herausforderung. Man muss extrem präzise fahren und darf sich keinen Fehler erlauben. Umso erfreulicher ist es, dass wir selbst unter solch erschwerten Bedingungen gewinnen konnten. Das zeigt, dass sich die stetigen Verbesserungen an unserem Peugeot auszahlen“, so Loeb nach dem Rennen.

EKS Audi – Starker Auftritt, kein Glück im Finale

Hoffnungen auf den ersten Sieg des Jahres hatte man sich auch durchaus bei EKS Audi gemacht, schließlich war es Mattias Ekström, der nach der Qualifikation in Front lag. Doch auch Ekström bekam die erste Kurve im Finaldurchgang nicht besonders, so dass mehr als Rang 4 am Ende nicht drin war.

Schon der Start in sein Halbfinale war alles andere als optimal, hier blieb er ebenfalls im Getümmel hängen und erreichte nur als Dritter den Finaldurchgang. Nach dem aberkannten Sieg in Barcelona zum Saisonauftakt war dies aber dennoch die beste Saisonplatzierung von Ekström nach drei Rennen, man meint es kaum.

„Mettet war nicht wunderbar, aber ganz gut. Ich habe 23 wichtige Punkte mitgenommen, nur Sebastien Loeb hat hier mehr Zähler geholt. Wir sind mit unserer Pace auf der Strecke zufrieden, müssen jedoch bis zum nächsten Rennen in Silverstone unsere Starts verbessern“, fasste Ekström den Belgien-Auftritt zusammen.

EKS Audi WorldRX Belgien 2018

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Teamkollege Andreas Bakkerud eroberte nach schwierigen Qualifying-Sessions ebenfalls einen Platz im Halbfinale. Wegen eines Frühstarts musste der Norweger zweimal die Joker-Runde absolvieren, profitierte aber von den Duellen der Konkurrenz und sicherte sich mit einer starken kämpferischen Leistung als Zweiter doch noch einen Platz im Finale der sechs besten Fahrer, das er allerdings nur als Letzter beenden konnte.

„Dies war eines der härtesten Rennwochenenden meiner Karriere. Ich konnte nicht die Leistungen abrufen, die ich mir vorgenommen hatte. Aber ich bin stolz auf meinen Kampfgeist und Durchhaltewillen“, so Bakkerud. „Zum Schluss habe ich alles noch mal auf eine Karte gesetzt, bekam aber im Getümmel der ersten Kurve einen Schubser und touchierte daraufhin einen Reifenstapel. Jetzt freue ich mich auf die kommenden Rennen in Großbritannien, Norwegen und Schweden, die zu meinen Lieblingsevents zählen.“

Timmy Hansen – Volle Attacke in Mettet

Peugeot-Werkspilot Timmy Hansen war für mich unterdessen der Pilot, der in Belgien zumindest beim Zuschauen den meisten Spaß machte, sicher waren seine Konkurrenten da anderer Meinung.

Doch Hansen lag lange in der Qualifikation vorne, nur in den Final- und Semifinaldurchgängen war ihm das Glück nicht hold. Seine Angriffslust war aber unnachahmlich, vor allem beim ersten Sprung und in der folgenden Kurve ließ Hansen es ordentlich fliegen.

Rallycross-WM Belgien Timmy Hansen

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„Nachdem ich im Halbfinale durch meinen Dreher auf den letzten Platz zurückgefallen war, dachte ich einen Augenblick lang: Das war’s. Aber ich wusste auch, dass wir ein sehr schnelles Auto haben, und fand immer wieder Stellen zum Überholen. Dass ich es überhaupt bis ins Finale geschafft habe, war daher eigentlich schon Erfolg genug. Aber auch dort konnte ich mich beim Start vom sechsten Platz bis ans Heck von Sébastien vorkämpfen. Wir sind auch zusammen in die Joker-Lap gefahren, als wir aber rauskamen, drängte sich Petter zwischen uns. Platz eins und drei in unserem dritten Wochenende als Werksteam erzielt zu haben, ist einfach großartig“, so Hansen, den man aber zumindest nach dem Peugeot-Auftritt in Belgien wieder mit zu den Favoriten bei den kommenden Rennen zählen muss.

Die Starts in Mettet sind extrem wichtig und hier haben die 208 WRX ihre Hausaufgaben von allen definitiv am besten erledigt, so dass wir uns jetzt weiterhin auf enge Duelle zwischen den VW Polos, den Peugeot 208 WRX und den Audi S1 quattro freuen dürfen.

Eine Frage der Reifen – Pokern in den Qualifikationsrennen

Am ersten Renntag herrschte in Mettet noch Sonnenschein, so dass es die WorldRX-Piloten bei besten äußeren Bedingungen ordentlich fliegen lassen konnten, was dazu führte, dass einige Zuschauer doch reichlich Staub abbekamen.

Timmy Hansen sah lange Zeit wie der sichere Sieger in der Qualifikation aus, doch der zweite Renntag sorgte sowohl für einen Wetterumschwung, als auch für Bewegung im Feld der Top 12.

Der Sonntag begrüßte die Piloten und Zuschauer mit Nieselregen, der bis zu den Semifinal-Läufen kaum aufhörte. Daher war die Reifenfrage alles andere als einfach, denn so richtig nass war die Strecke nun auch wieder nicht. Timmy Hansen setzte als einziger in seinem letzten Quali-Durchgang auf Slicks und konnte die Zeit nicht auf den belgischen Asphalt bzw. Schotter bringen – somit verlor er den Top-Rang um einen einzigen Zähler an Mattias Ekström, der auf Regenreifen die Bestzeit erreichte.

Zum Vergleich: Petter Solberg wechselte im ersten Rennen der vierten Qualifikation kurz vor dem Start noch auf Slicks und war damit am Ende rund 10 Sekunden langsamer als der EKS-Audi von Ekström.

Mettet Belgien 2018 Rallycross WorldRX

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Neben den beiden EKS-Audi, den Polos und allen drei Peugeot 208 schafften es noch beide Hyundai i20 von GRX in die Top 12, dazu gesellten sich in den Semifinals noch Janis Baumanis im STARD-Fiesta, Robin Larsson im Olsbergs MSE-Fiesta ST und Guerlain Chicherit im Renault Megane von GCK.

Knapp geschlagen geben musste sich Lokalmatador Francois Duval im Vorjahres-EKS-Audi, der jetzt von comtoyou-Racing eingesetzt wird. Der erfahrene Belgier wurde 13., zeigte aber teils tolle Manöver, so dass man hoffen kann, ihn bald wieder im Feld zu sehen.

GCK Renault Megane MettetRX

©racing14.de – ungewollter Ausstieg bei Grosset-Janin

Der zweite Renault Megane von Jéroem Grosset-Janin hatte noch Hoffnungen auf die Teilnahme im Halbfinale, geriet aber in seinem Rennen bei der Anfahrt zu ersten Kurve mit Mattias Ekström aneinander, das Ende vom Lied war ein Megane RS halb auf dem Dach liegend. Das war natürlich das Aus für den Franzosen, dem dabei aber nichts passiert ist.

Schon früher musste Kevin Eriksson die Segel streichen, nach technischen Problemen konnte sein Ford Fiesta ST Supercar von Olsbergs MSE am zweiten Tag schon gar nicht mehr an den Start gehen. Keine Chance auf ein Weiterkommen nach der Qualifikation hatte derweil Grégoire Demoustier im Peugeot von Sebastien Loeb Racing.

GRX TANECO – Team von Grönholm bringt beide Hyundai i20 ins Semifinale

Erneut stark unterwegs waren auch die Hyundai i20 Supercars von GRX. Sowohl Timur Timerzyanov, als auch Niclas Grönholm, erreichten die Halbfinal-Läufe. Und das, obwohl man sich in der Qualifikation zwischenzeitlich selbst im Wege stand und es auch eine leichte Kollision zwischen den beiden Hyundai-Piloten gab.

Während Timerzyanov in seinem Semifinale nicht über den sechsten und letzten Rang hinauskam, erreichte Teamkollege Grönhom Rang 4, damit ist er auch in der Gesamtwertung bester Nicht-Werkspilot.

GRX Hyundai i20 Rallycross Supercar

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Mettet hat aber gezeigt, dass es mit fortschreitender Saison nicht einfacher wird, gegen die geballte Werks-Power zu bestehen. So wird ein Platz unter den besten sechs Fahrern wohl die Ausnahme für die Hyundai bleiben, auch wenn das Auto sicher Potential hat, genau wie auch die Renault Megane von GCK. Hier schaffte es Guerlain Chicherit zu einem fünften Platz im Finale, während Janis Baumanis mit einem vierten Platz im zweiten Halbfinale seine starke Leistung im STARD-Fiesta an diesem Wochenende untermalte. Fürs Finale hat es aber auch leider für ihn nicht gereicht.

Die Luft an der Spitze der Rallycross-WM ist halt sehr dünn geworden, um den werksunterstützen Teams Paroli bieten zu können, braucht man schon einen fehlerfreien Lauf. Nächster Schlagabtausch in Sachen WorldRX ist jetzt die neue Strecke in Silverstone, wo der Tross der Rallycross-WM am 26. und 27. Mai 2018 Halt machen wird.

Bis dahin gilt es auch für mich noch einiges an Fotomaterial aus Mettet zu sichten, denn im Gepäck aus Belgien sind auf jeden Fall wieder einige Schnappschüsse aus der WorldRX-Welt. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Rallycross-WM Belgien Sebastien Loeb 2018

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FIA-Rallycross-WM 2018 – 3. Lauf, Mettet/Belgien – Resultat Finale

  1. Sébastien Loeb (F) Peugeot4.05,108 Min.
  2. Petter Solberg (N) Volkswagen+0,447 Sek.
  3. Timmy Hansen (S) Peugeot+1,802 Sek.
  4. Mattias Ekström (S) Audi+1,960 Sek.
  5. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen+2,095 Sek.
  6. Andreas Bakkerud (N) Audi+3,031 Sek.

WorldRX Fahrerwertung 2018 (nach 3 von 12 Läufen)

  1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 75 Pkt.
  2. Sébastien Loeb (F) Peugeot 66 Pkt.
  3. Petter Solberg (N) Volkswagen 65 Pkt.
  4. Andreas Bakkerud (N) Audi 61 Pkt.
  5. Timmy Hansen (S) Peugeot 59 Pkt.
  6. Mattias Ekström (S) Audi 59 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 3 von 12 Läufen)

  1. PSRX Volkswagen Sweden140 Pkt.
  2. Team Peugeot Total 125 Pkt.
  3. EKS Audi Sport 120 Pkt.