Rallycross-WM in Hell – Kristoffersson unschlagbar

Rallycross Johan Kristoffersson Hell 2018
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Johan Kristoffersson auch in Hell nicht zu schlagen

Der amtierende Weltmeister war im norwegischen Hell einfach immer diesen einen Hauch vorne, und zwar sowohl in jedem Qualifikationsdurchgang, als auch in den entscheidenden Läufen.

Damit gelang Johan Kristoffersson der zweite “Clean Sweep“ der WorldRX-Geschichte – er gewann jeden Qualifikationsdurchgang, sein Semifinale und den Finaldurchgang. Zuvor war dies Andreas Bakkerud an gleicher Stelle vor zwei Jahren geglückt.

Kristoffersson legte den Grundstein zu seinen Erfolgen mit guten Starts, so dass er nie wirklich in Bedrängnis kam und seine Rennläufe von vorneweg bestimmen konnte. Lediglich im Finale brauchte er dazu ein wenig Glück, denn um ein Haar wäre er noch ein Opfer der Kollision von Timmy Hansen und Andreas Bakkerud geworden, die sich in die Quere kamen und fast noch den amtierenden Weltmeister in der ersten Kurve abgeräumt hätten.

Rallycross-WM Hell
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Danach galt es für den 29-jährigen Schweden hauptsächlich darum, seinen Vorsprung zu verwalten. Teamkollege Solberg folgte mit Respektabstand und wurde später noch von Mattias Ekström auf den dritten Rang verdrängt. Der EKS Audi-Pilot gab alles, hatte aber keine reelle Chance auf den Sieg.

Johan Kristoffersson bleibt auch 2018 das Maß der Dinge, nach Hell schraubte er seinen Vorsprung auf mittlerweile 31 Zähler, während der Rest dahinter eng um die Verfolgerrolle buhlt. Zwischen Sébastien Loeb auf Rang 2 und Timmy Hansen auf Rang 6 liegen lediglich 10 Punkte, doch niemand kommt beständig an den amtierenden Weltmeister heran, so scheint es auch in dieser Saison.

Kevin Hansen krönte derweil ein starkes Wochenende mit der Finalteilnahme und am Ende dem vierten Rang, während sich dahinter Timmy Hansen und Andreas Bakkerud das Finale sicher anders vorgestellt hatten.

Rallycross HellRX 2018
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Peugeot ohne Rennglück

Timmy Hansen wurde mit seinem fünften Platz sicher unter Wert geschlagen. Die Vorläufe beendete der Schwede als Zweiter der Punktewertung, mit seinem Sieg im Halbfinale unterstrich er dabei durchaus seine Siegambitionen.

Der ältere der beiden Hansen-Brüder war in Sachen Rundenzeiten der einzige, der Kristoffersson wohl hätte gefährlich werden können, doch das hatte sich nach dem Start ins Finale schnell erledigt.

„Ich hatte im Finale einen fast perfekten Start. Doch dann bin ich ins Stocken geraten und musste noch einmal kuppeln. Dadurch habe ich Zeit verloren. Es gab danach Berührungen: Als ich hinter Johan (Kristoffersson) eingelenkt habe, wurde ich von hinten getroffen. Dabei ist der Motor ausgegangen. Ich konnte wieder losfahren, aber das Rennen war gelaufen. Das Wochenende hatte Höhen und Tiefen. Positiv war der Sieg im Halbfinale, negativ dagegen, dass wir es nicht geschafft haben, auf dem Podest zu stehen. Dafür müssen wir einfach alle Phasen des Rennens ohne Probleme bewältigen. Wir werden uns fokussieren und versuchen, einen ähnlich guten Job in Schweden zu machen – im Idealfall noch besser, damit wir als Erste die Zielflagge sehen“, so Timmy Hansen nach dem Finale.

HellRX
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Die Finalkollision nahm dem Rennen leider etwas die Spannung, denn nach dem zu harten Techtelmechtel hatten Hansen und auch der Audi von Bakkerud schon einen erheblichen Rückstand auf die ersten vier Piloten, der nicht mehr aufzuholen war.

Enttäuschend verlief das Hell-Gastspiel der WorldRX dagegen für Sébastien Loeb. Der verabschiedete sich im ersten Semifinale als Vierter, nachdem er lange wie ein sicherer Finalkandidat aussah. Doch das „Vergessen“ der Joker-Runde in der Qualifikation brachte ihm für da Halbfinale nicht gerade die beste Ausganssituation.

„Wir haben nur 13 Punkte gesammelt, was nicht besonders viel ist. Viele Punkte haben wir verloren, weil wir die Joker Lap im dritten Qualifying verpasst haben. Das hat uns wehgetan. Mein Spotter hat einfach vergessen mir zu sagen, dass ich reinfahren soll. So etwas passiert ihm wahrscheinlich nur einmal in seinem Leben. Unser Auto funktionierte an diesem Wochenende gut – von dem her wäre mehr drin gewesen“, so Loeb

Auf und Ab bei EKS Audi

Vor rund 24.000 begeisterten Zuschauern erlebten unterdessen die beiden Audi-Piloten aus dem Team EKS Audi Sport ein wechselhaftes Wochenende. Nach den ersten beiden Qualifyings am Samstag belegten Ekström und Bakkerud die Plätze vier und sieben in der Zwischenwertung. Im dritten Qualifying am Sonntag bekam Ekström wegen einer Kollision mit Petter Solberg eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt. In Q4 blieb sein Auto wegen eines Defekts auf der Startlinie stehen. Als Gesamtzehnter zog Ekström dennoch zusammen mit Andreas Bakkerud ins Halbfinale ein.

Beide Audi-Piloten errangen in ihren Halbfinals jeweils den zweiten Platz, vor allem von Ekström an dieser Stelle eine starke Leistung. Damit qualifizierten sich bereits zum vierten Mal in diesem Jahr beide Fahrer von EKS Audi Sport für das Finale der besten Sechs, wo Eki abermals ein starkes Rennen zeigte.

EKS Audi Hell 2018
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Der Schwede, der neben Bakkerud aus der zweiten Reihe gestartet war, zog mit einem Traumstart davon und musste sich nach sechs Runden nur dem Sieger Johan Kristoffersson um 0,788 Sekunden geschlagen geben. „Der Sonntag startete nicht gut, und die Punkte, die wir im Qualifying verloren hatten, taten uns weh“, so Ekström. „Im Halbfinale und im Finale konnte ich jeweils mit zwei Raketenstarts auf Platz zwei vorfahren. Wir sind glücklich, dass wir jetzt den Pokal nach Hause bringen dürfen.“

„Mein Heimspiel in Hell war wirklich hart“, resümierte Andreas Bakkerud, der von zahlreichen einheimischen Fans angefeuert wurde. „Am ersten Tag war ich nicht bei der Pace. Am Sonntag wurde es besser. Im Finale hatte ich einfach Pech: Timmy Hansen hat sich vor mir gedreht, und ich musste warten, bis er seinen Motor wieder gestartet hatte, und wurde Sechster.“

GRX – Grönholm bester Verfolger

Hinter VW, Audi und Peugeot waren erneut die Hyundai i20 Supercars die stärksten Boliden. Im Team von GRX hatte man sogar Hoffnungen auf eine Finalteilnahme, an der Niclas Grönholm nur knapp scheiterte.

Ausschlaggebend war ein misslungener Start im Halbfinale, sonst hätte es Grönholm junior durchaus in die Top 6 schaffen können. Die Hyundais zeigten sich aber stärker als noch in Silverstone und lieferten gute Rundenzeiten ab.

Niclas Grönholm
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Auch Timur Timerzyanov hätte das Semifinale unter normalen Umständen locker geschafft, doch nach einer Kollision und einem Getriebeproblem endete das Hell-Wochenende für den Russen leider viel zu früh.

Die Renault Megane von GCK kamen nicht richtig in Schwung in Norwegen und mussten sich mit den Rängen 14 (Grosset-Janin) und 15 (Chicherit) nach der Qualifikation abfinden.

Ins Semifinale schaffte es unterdessen neben Anton Marklund noch Janis Baumanis, beide blieben hier dann aber chancenlos. Besser aufgelegt zeigten sich die Ford Fiestas von Olsbergs MSE, die beide ebenfalls in den Halbfinal-Läufen mitmischten. Kevin Eriksson und Robin Larsson waren das ganze Wochenende auf einem ähnlichen Niveau unterwegs, mit Platz 5 in den Semis war dann aber das Ende der Fahnenstange für beide erreicht.

Bei MJP Racing hatte Alex Wurz im Ford Fiesta RX3 Lion sichtlich Spaß bei seinem WorldRX-Gastspiel, war aber gegen die versammelte Rallycross-Elite chancenlos.

Für die Rallycross-WM geht es jetzt bald schon nach Schweden. Am Wochenende des 30. Juni / 01. Juli ist Höljes der nächste Halt im Kalender – hier stehen dann die Chancen auf einen Heimsieg für Johan Kristoffersson sicher alles andere als schlecht. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Hell Norwegen Rallycross
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FIA-Rallycross-WM 2018 – 5. Lauf, Hell – Resultat Finale

1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 3.54,906 Min.
2. Mattias Ekström (S) Audi + 0,788 Sek.
3. Petter Solberg (N) Volkswagen  + 2,516 Sek.
4. Kevin Hansen (S) Peugeot  + 3,665 Sek.
5. Timmy Hansen (S) Peugeot  + 9,302 Sek.
6. Andreas Bakkerud (N) Audi + 11,207 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 5 von 12 Läufen)

1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 135 Pkt.
2. Sébastien Loeb (F) Peugeot 104 Pkt.
3. Petter Solberg (N) Volkswagen 102 Pkt.
4. Andreas Bakkerud (N) Audi  101 Pkt.
5. Mattias Ekström (S) Audi  97 Pkt.
6. Timmy Hansen (S)  Peugeot  94 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 5 von 12 Läufen)

1. PSRX Volkswagen Sweden 237 Pkt.
2. Team Peugeot Total 198 Pkt.
3. EKS Audi Sport 198 Pkt.

Video-Highlights #HellRX 2018

World RX Final | World Rallycross Norway 2018