Rallycross WM – Wildcard-Sieg durch Sebastian Eriksson

Sebastian Eriksson
©2019 MPA Creative

WorldRX im schwedischen Höljes – Sensationssieg von Gaststarter Sebastian Eriksson – Triumph für Olsbergs MSE – Kevin Hansen übernimmt mit Rang 2 die WM-Spitze von Bruder Timmy – Enttäuschung für Bakkerud – Das Magic Weekend in Höljes mit vollem Feld und bester Rallycross-Action

Sebastian Eriksson – WorldRX Sieger Höljes 2019

In der Welt des Rallycross-Sports ist Sebastian Eriksson kein Unbekannter. Der mittlerweile 26-jährige Schwede gewann 2012 noch die Junioren-Meisterschaft der schwedischen Rallye-Meisterschaft, danach konnte er in der amerikanischen Global Rallycross-Meisterschaft Podiumsplätze und Vizetitel feiern.

Eriksson gab bislang zudem wenig Gastspiele in der Rallycross WM. Doch vor fünf Jahren konnte er ebenfalls in Höljes schon einmal beweisen, war er kann, als er bei seinem Debüt fast den WM-Lauf gewonnen hätte. Aber eben nur fast – das hat er nun am vergangenen Wochenende nachgeholt.

Im überarbeiteten Ford Fiesta Supercar der Olsbergs MSE Mannschaft zeigte er schon im freien Training wie schnell er ist, doch in den Qualifikationsdurchgängen konnte er zunächst diesen Speed nicht umsetzen.

Höljes 2019 Eriksson
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Ging er in der ersten Qualifikation noch etwas zu rabiat zu Werke, fehlte ihm danach ein wenig das Rennglück. Doch mit einem gelungenen Start war es dann der vierte und letzte Qualidurchgang, der ihn nach vorne brachte.

Bei wechselnden äußeren Bedingungen hatte er zudem das Glück einer abtrocknenden Strecke und markierte die Bestzeit und das deutlich vor der versammelten Konkurrenz. Somit schob er sich hinter Andreas Bakkerud auf den zweiten Rang nach der Qualifikation und durfte sich über die Pole Position für das Semifinale freuen.

WorldRX Finale in Höljes – Eriksson behält die Nerven

Auch im Halbfinale gelang dem Schweden ein fulminanter Start, jedoch musste er kurzzeitig Niclas Grönholm passieren lassen. Dem Finnen unterlief dann aber ein Fehler und Eriksson zog wieder vorbei – mit dem Sieg im Semifinale war auch der Startplatz ganz vorne im Finaldurchgang seiner.

Im Finale machte der weiße Olsberg-Fiesta dann da weiter, wo er am Ende der Qualifikation aufgehört hatte. Er ließ sich die Führung nicht nehmen, musste aber gegen Rennende mit sinkender Leistung kämpfen und geriet immer mehr unter Druck von Kevin Hansen.

Sebastian Eriksson Olsbergs MSE
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In der letzten Runde hing der Hansen-Peugeot im Getriebe seines Vordermanns, in der allerletzten Kurve gab der jüngere der beiden Hansen-Brüder dem Fiesta noch einen kleinen Schubser, doch Sebastian Eriksson blieb auf seiner Linie und brachte einen sensationellen Sieg nach Hause.

Stimme des Siegers – Sebastian Eriksson – Olsbergs MSE Ford Fiesta

„Es ist so besonders, hier zu gewinnen. Das ist das Rennen, was jeder Rallycross-Fahrer gewinnen will, also hierher zu kommen und es gewonnen zu haben ist einfach fantastisch. Es ist über eineinhalb Jahre her, dass ich in einem Supercar gesessen habe, also eine lange Zeit. Die Atmosphäre rund um diese Strecke ist wie an keinem anderen Ort und die Strecke selber ist die beste Rallycross-Piste, die es gibt“.

„Ich führte das Finale an, als ich Leistung verlor und den Druck gespürt habe, aber ich habe versucht, meine Linie zu halten und die Tür für Kevin (Hansen) nicht aufzumachen. Das Team hat eine fantastische Arbeit mit dem Auto gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass wir derart wettbewerbsfähig sein würden, aber von Q1 an war die Pace sehr gut. Nach diesem Sieg sieht es gut aus für die Zukunft. Was andere Rennen dieses Jahr angeht, werden wir in der kommenden Woche ein Meeting haben, um zu planen, was wir machen“.

Rallycross WM Höljes 2019
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Olsbergs MSE – Gelungenes Update

Im Vorjahr waren die Fiestas von Olsbergs MSE gegen geballte Werks-Power in der Rallycross WM noch zum Hinterherfahren verdammt. In der Folge verabschiedete man sich zunächst für dieses Jahr aus der WorldRX.

Doch als eines der Rallycross-Teams schlechthin ist man natürlich nicht nur in Skandinavien und beispielsweise in der RX2 weiter aktiv, man hat auch den Ford Fiesta einem ordentlichen Upgrade unterzogen. Erst eine Woche vor dem Event in Höljes hat man sich final entschieden, an den Start zu gehen, obwohl man noch nicht alle Probleme aussortiert hat.

Die beiden Supercars der Mannschaft haben noch Temperaturprobleme, am Ende der sechs Runden im Semi- und Finale hatte Sebastian Eriksson jeweils mit fallender Leistung zu kämpfen. Für Namensvetter und Teamkollege Kevin Eriksson lief es unterdessen nicht ganz so rund, auch wenn er es ebenfalls in das Halbfinale schaffte, wo dann aber Endstation war.

Eriksson Fiesta Supercar Höjes
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Man kann im Sinne der Spannung in der WM nur hoffen, dass Höljes nicht das einzige Event der Mannschaft in diesem Jahr war und man die Ford Fiestas bald wieder zu sehen bekommt. Vor allem dann auch mit Sebastian Eriksson, der im WM-Umfeld immer mal wieder als Spotter oder Mechaniker aktiv war, dem aber ein permanenter Platz im Feld der WorldRX zu gönnen ist.

Kevin Hansen mit starker Vorstellung – Dämpfer für Bruder Timmy

Mit Rang 2 im Finale hat Kevin Hansen überraschend die WM-Führung übernommen, während es bei Bruder Timmy am gesamten Wochenende nicht richtig rund lief.

Schon im ersten Qualidurchgang ging es nach dem Start für diesen in den tiefen Kies der ersten Kurve, danach war nur Schadensbegrenzung angesagt. Nach Rang 16 musste sich Timmy also wieder nach vorne kämpfen, was er auch tat, so dass er locker ins Semifinale einzog.

Kevin Hansen Höljes
©FIAWorldRallycross.com

Hier musste er sich aber hinter seinem jüngeren Bruder anstellen und nach einem Plattfuß im Finale kam er nur am Ende des Feldes ins Ziel. Kevin Hansen hat nun sechs Zähler Vorsprung in der WM, nachdem er in Höljes ein ziemlich sauberes und vor allem auch schnelles Wochenende abgeliefert hat.

Überraschungen im Finale – Reinis Nitiss und Kevin Abbring

Höljes bot nicht nur ein volles Feld von 25 Supercars, auch reichlich Überraschungen waren dabei. Reinis Nitiss kehrte in einem dritten Hyundai i20 Supercar von GRX ins Feld zurück und wie.

Sein erstes Qualifikationsrennen ging nämlich schon mal ordentlich daneben, als er sich nach einer Berührung in der ersten Kurve vehement überschlug und der i20 auf dem Dach liegen blieb.

Crash Reinis Nitiss Q1 Hyundai i20 GRK
©GRX Tanceo/by Jan Kåre Rafoss

Doch danach kehrte das Glück zurück. Er gewann das zweite Qualifying, auch wenn er von der nach Regenfällen abtrocknenden Strecke profitierte, in seinem Halbfinale erreicht er den dritten Rang und konnte im Finale ebenfalls den letzten Podiumsplatz für die Grönholm-Truppe einfahren und war damit am Ende des Tages bester Fahrer für die Mannschaft.

Kevin Abbring machte im Skoda Fabia da weiter, wo er in Hell in Norwegen aufgehört hatte – ziemlich weit vorne. Nach einem guten 7. Rang in der Qualifikation lief er nur knapp auf Rang 3 im Semifinale hinter Timmy Hansen ein.

Lediglich sein Start im Finale war nicht optimal, dennoch fuhr er für die Mannschaft von ESmotorsport in seinem zweiten WorldRX-Lauf den zweiten 4. Rang nach Hause. Bei der Stärke der versammelten Konkurrenz eine mehr als ordentliche Leistung. Abbring ist sicher ein Gewinn für die WorldRX.

Bakkerud Höljes
©FIAWorldRallycross.com

Andreas Bakkerud von Technik ausgebremst

Lange Zeit sah es in Höljes unterdessen sehr gut für Andreas Bakkerud aus. Der Norweger schloss die Qualifikation auf dem ersten Rang ab und schien endlich Richtung Sieg unterwegs zu sein, als sein Audi S1 Supercar im Semifinale plötzlich langsam wurde. Eine gebrochene Antriebswelle in Führung liegend beendete jäh die Siegeshoffnungen von Bakkerud und seiner zahlreichen Anhänger vor Ort.

Bei Teamkollege Liam Doran lief derweil nicht viel zusammen. Der Brite war dieses Mal einfach nicht schnell genug unterwegs und leistete sich zudem einige Fehler. Beim engen Kampf um die Semifinalplätze ging er als 15. der Qualifikation dann auch leer aus.

WorldRX Schweden 2019
©FIAWorldRallycross.com

Wetterkapriolen in Höljes würfen das Feld durcheinander

Der Regen kam und ging in Höljes und sorgte für ein bis ans Ende spannendes Qualifying. Das Feld lag eng beieinander und während manche von der abtrocknenden Strecke profitierten, mussten andere ihre Runden bei nasser Fahrbahn absolvieren.

So wechselten dann auch die Gesamt- und Rundenbestzeiten beständig, so dass man das wahre Kräfteverhältnis kaum ausmachen konnte.

Nach dem Bakkerud-Aus im Halbfinale mischte wenigstens noch Niclas Grönholm neben den Hansen-Brüder im Finale mit. Doch der Finne hatte gleich zu Beginn in der Joker Lap im Finaldurchgang Pech, als ihm Timmy Hansen im Weg stand, dadurch verlor er viel Zeit und musste sogar abkürzen, was ihm nachträglich noch eine Zeitstrafe einbrachte, die ihn auf den fünften Rang zurückwarf. Doch viele andere scheiterten schon viel früher

WorldRX in Höljes 2019
©FIAWorldRallycross.com

Timur Timerzyanov und Timo Scheider – Aus nach der Qualifikation

Nach einem sehr guten ersten Qualidurchgang war Spa-Sieger Timerzyanov auf Spur, sollte man meinen. Doch nachdem es im zweiten Durchgang deutlich schlechter lief, kam es für den Russen noch dicker. Er gewann sein Rennen in Q3 und setzte auch mit Abstand die beste Zeit.

Doch an diesem Wochenende hagelte es erneut Strafen und zwar einige. Grund waren die sogenannten Trackmarker, die die Strecke begrenzen sollten und nicht überfahren werden durften. Das war zwar Teil des Briefings für die Fahrer, doch bei teils feuchten und rutschigen Bedingungen war dies oft nicht praktikabel und einige kassierten Zeitstrafen und bei wiederholtem Überfahren gab es dann sogar die Disqualifikation.

Das passierte Timerzyanov in Q3, somit lag er schon weit zurück und musste vor dem Semifinale die Segel streichen. Das Gleiche galt leider auch für Timo Scheider, der ebenfalls locker das Zeug für den Halbfinal-Einzug gehabt hätte, doch mit 0 Punkten aus dem letzten Durchgang war an diesem Wochenende in Höljes nichts mehr zu holen für den Deutschen.

Rallycross WM Schweden
©FIAWorldRallycross.com

Blick ins Feld

Es waren nicht die einzigen Überraschungen am “Magic Weekend“. Der Ungar Szabó schaffte es ebenso wenig in das Semfinale wie die Renault Clios der GCK Academy von Cyril Raymond und Guillaume De Ridder.

Guerlain Chicherit verpasste den Einzug ins Semifinale knapp, obwohl er den Speed dazu in seinem Renault Megane hatte. Doch auch er musste eine Zeitstrafe hinnehmen.

Anton Marklund konnte nicht ganz an seine Form in Norwegen anknüpfen und schied im Halbfinale aus, gleiches gilt für beide Piloten der STARD-Mannschaft. Neben Janis Baumanis konnte aber der Finne Jere Kalliokoski bei seinem ersten WorldRX-Einsatz überzeugen und den zweiten Boliden der Truppe soweit vorne platzieren, wie es bislang noch kein anderer geschafft hat.

Auch Rokas Baciuska zeigte wieder ein gutes Event; im Renault Megane, der nicht auf dem allerletzten Entwicklungsstand ist, schaffte er es immerhin bis ins Semifinale.

HöljesRX WorldRX
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WorldRX Sommerpause – Packen für Kanada

Für die Rallycross WM geht es jetzt erst am ersten August-Wochenende wieder weiter, wenn auf der Strecke von Trois-Riviers um den nächsten Sieg gekämpft wird.

Die Supercars gehen jetzt auf Reisen und die Fahrer können nach den Skandinavien-Festspielen erstmal verschnaufen. 5 Sieger aus 6 Events, das ist die WorldRX 2019, die ein grandioses Jahr erlebt.

Podium Höljes Rallycross WorldRX 2019
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Das hätte man vor einigen Monaten noch nicht gedacht – fehlender Werkseinsatz kann auch etwas Gutes haben, wie die Saison 2019 bislang zeigt.

Vor allem die Rennen in Spa, Hell und Höljes waren außergewöhnlich – und Sebastian Eriksson und die Mannschaft von Olsbergs MSE rund um Andreas Eriksson (Teamchef und Fahrer sind übrigens nicht verwandt) dürfen erstmal noch ein Weilchen ihren Überraschungssieg feiern. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

PS: Video-Highlights dürfen natürlich nicht fehlen, daher nochmal viel Spaß beim Anschauen…

Videos Rallycross WM 2019 Höljes

World RX Final | 2019 Swecon FIA World Rallycross of Sweden
Q3 and Q4 Highlights | 2019 Swecon FIA World Rallycross of Sweden
Q1 and Q2 Highlights | 2019 Swecon FIA World Rallycross of Sweden
Sunday Press Conference | 2019 Swecon FIA World Rallycross of Sweden

Ergebnis WorldRX Höljes 2019

1. Sebastian Eriksson4:26,658 Minuten
2. Kevin Hansen4:26,996
3. Reinis Nitiss4:30,989
4. Kevin Abbring4:46,768
5. Niclas Grönholm4:43,180 (+Zeitstrafe)
6. Timmy Hansen5:12,518

Rallycross WM Stand nach 6 von 10 Läufen

  1. Kevin Hansen 131 Punkte
  2. Timmy Hansen 125
  3. Andreas Bakkerud 109
  4. Niclas Grönholm 96
  5. Janis Baumanis 89
  6. Timur Timerzyanov 78
  7. Liam Doran 76
  8. Timo Scheider 64
  9. Anton Marklund 63
  10. Krisztian Szabo 55

WM-Stand Teams

  1. Team Hansen MJP 256 Punkte
  2. GRX Taneco 213
  3. Monster Energy RX Cartel 185
  4. GC Kompetition 112
  5. GCK Academy 58
  6. STARD 51
Rallycross WM Flying High WorldRX
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