Rallye Monte Carlo – Ogier meisterlich

RAMC2016 Ogier Polo R #1
©Volkswagen 2016 – Ogier/Ingrassia – Meister der Monte

Schaut man auf den Endstand der diesjährigen Rallye Monte Carlo sieht man, fast schon wie gewohnt, den amtierenden Weltmeister Sébastien Ogier weit in Front. Der Franzose konnte am Sonntag seinen dritten Erfolg in Serie bei der Monte feiern – der Vorsprung auf Teamkollege Andreas Mikkelsen, der zusammen mit seinem neuen Beifahrer  Anders Jaeger unterwegs war, betrug am Ende fast zwei Minuten. Doch ganz so einfach, wie es zum Schluss des Rallye-Klassikers aussah, war es nicht für Ogier und seinen VW Polo R.

Monte Carlo Atmosphäre
©Volkswagen 2016 – Atmosphäre bei der Monte

Ogier gegen Meeke – spannender Auftakt

Vom Start weg überraschte Kris Meeke mit seinem Co Paul Nagle und dem Citroën DS3 WRC, der auf dem Stand von Ende 2015 ist. Meeke wird nicht alle Rallyes in diesem Jahr absolvieren und ist in das Entwicklungsprogramm für 2017 eingebunden, wenn die Franzosen werksseitig in die Rallye-WM zurückkehren werden. So konnte der Nordire frei von Gedanken an eine WM-Wertung auffahren und Favorit Ogier gehörig ins Schwitzen bringen.

Auf der ersten Wertungsprüfung musste er sich nur aufgrund eines Drehers geschlagen geben, danach holte er sich mit einem Erfolg in der Wertungsprüfung die Führung. Ogier seinerseits ließ natürlich nicht locker, so erlebten wir einen spannenden Zweikampf an der Spitze, es ging teils um wenige Sekunden, oft war der Abstand unter einer Sekunde. Ogier konnte sich am zweiten Rallyetag zwar leicht absetzen, doch Meeke hielt mit einem Abstand von unter 10 Sekunden den Druck aufrecht.

Monte Carlo 2016 - Kris Meeke
©Citroën Racing Media – Pech für Kris Meeke

Zu Beginn des Samstages konnte Ogier entscheidende Sekunden gutmachen. Wertungsprüfungen dort, wo der Champion aufgewachsen ist – hier schien er einfach jede Ecke persönlich zu kennen. Dazu war diesmal seine erste Startposition von Vorteil, hatten doch die nach ihm startenden Fahrzeuge auf der Route deutlich mehr mit Schnee und Dreck zu kämpfen. So fiel Kris Meeke nach und nach zurück, aussichtlos war seine Position aber noch lange nicht.

Das jähe Ende eines herzerfrischend auffahrenden Meeke kam leider dann auf Etappe Numero 12 , als er sich beim Überfahren eines Steins den Kühler und auch das Getriebe demolierte, so dass er aufgeben musste. Besonders bitter: Vor ihm waren einige Piloten an der gleichen Stelle just über diesen Stein in gleicher Weise gefahren, leider hat nur der DS3 das nicht wirklich gut verkraftet. In der Folge war der Weg jetzt frei für Sébastien Ogier.

Ogier/Ingrassia Monte Carlo 2016
©Volkswagen 2016 – dritter Sieg in Folge für Ogier und Ingrassia

Entspannter Schlusstag für Ogier

Die letzten Etappen des Saisonauftaktes konnte Sébastien Ogier ganz entspannt angehen, lag die restliche Konkurrenz nach dem Ausscheiden von Meeke doch deutlich zurück. Teamkollege Jari-Matti Latvala erlebte eine Rallye zum Vergessen, der Finne ist jetzt schon in Sachen WM mehr als deutlich im Hintertreffen. Zunächst musste er sich hinter Andreas Mikkelsen anstellen, der bei der diesjährigen Monte einen starken Eindruck hinterließ und auch die ein oder andere mutige Reifenentscheidung traf, die sich immerhin mit dem Sieg einer Wertungsprüfung auszahlte.

Nicht nur geriet Latvala seinerseits früh in Rückstand, am Samstag war seine Rallye schon beendet. Zu viel wollte der Finne, geriet in einen Straßengraben und ramponierte den Polo R nachhaltig. Dazu traf er danach noch ganz leicht einen Zuschauer und wurde zu einer Strafe von 5.000 Euro verdonnert, da er weiterfuhr. Da am finalen Tag die Möglichkeit nicht mehr gegeben ist, nach Rally2-Reglement an den Start zu gehen, geriet die Monte zur Nullnummer.

 

Rallye Monte Carlo 2016
©Hyundai Motorsport – Rallye Monte Carlo Flair

Über die Strafe kann man sicherlich geteilter Meinung sein, allerdings muss die Frage erlaubt sein, warum an der betreffenden Stelle überhaupt Zuschauer standen – hinzu kommt, dass der Betroffene dem Polo sicher entkommen wäre, hätte er nicht noch etwas von seinem Fotoequipment aufheben wollen – das ist halt Rallye und nicht Rundstrecke, da muss man schon ein wenig mehr auf sich aufpassen. Das entsprechende Video geistert inzwischen ja durch alle Kanäle, ich verzichte lieber darauf. Kopf hoch, Jari-Matti und beim nächsten Mal wieder angreifen.

Ein überraschend starker Mikkelsen war aber auf Dauer für Ogier auch keine Gefahr, so konnte der Franzose seinen Sieg ruhig nach Hause fahren. Ruhig mit der Ausnahme, dass er auf der abschließenden Powerstage mehr als Lust auf die extra WM-Zähler hatte und nochmal alles gab, um auch die letzte Prüfung für sich entscheiden zu können. Dies gelang ihm schlussendlich knapp gegen Dani Sordo im neuen Hyundai, der aber in der Gesamtwertung keine große Rolle mehr spielte. Was uns zu der Mannschaft aus Alzenau bringt.

NGI20WRC - Thierry Neuville
©Hyundai Motorsport – Thierry Neuville – zurück aufs Podium mit dem neuen i20 WRC

Der neue Hyundai i20 WRC – früher Frust, dann Hoffnung und ein versöhnliches Ende

Groß war die Spannung um die neue Generation des i20, die Hyundai aus Alzenau zur Monte mitbrachte. Während Thierry Neuville und Dani Sordo im neuen Modell unterwegs waren, musste Hayden Paddon bei seinem Monte Carlo-Debüt noch auf den Vorjahreswagen vertrauen. Die ersten Wertungsprüfungen brachten Ernüchterung ins Lager der Truppe, weder Neuville noch Sordo kamen sonderlich zurecht. Die VW Polo blieben zunächst unerreicht, auch gegen den Rest tat man sich zum Rallyestart schwer.

Während Thierry Neuville gemeinsam mit Co Nicolas Gilsoul noch am ehesten Kontakt zu den Top-Platzierungen halten konnte, ging bei Dani Sordo so gar nichts zusammen. Beide kamen mit dem neuen Boliden zu Rallyebeginn gar nicht klar. Die Aussagen der Piloten zum Fahrverhalten machten auch nicht wirklich Hoffnung, dass man VW hier schon gefährlich werden konnte.

Erfrischend war unterdessen Hayden Paddon unterwegs, der in den ersten beiden Prüfungen die Ränge 4 und 7 belegen konnte, dann den „alten“ i20 aber an Tag 2 an einer langsam Stelle leicht verlor und mit dem linken Hinterrad einen Baum erwischte, das frühe Aus in Sachen vordere Platzierungen. Immerhin konnte der Kiwi unter Rallye2-Reglement wieder an den Start gehen und weiter Erfahrung sammeln.

Dani Sordo - Hyundai - Monte Carlo
©Hyundai Motorsport – Dani Sordo – #ngi20wrc

Unterdessen machte Neuville die beste Figur im Hyundai-Lager bei der diesjährigen Monte. Trotz zunächst fehlenden Vertrauens lieferte er ordentliche Zeiten ab, während Dani Sordo nach einem heftigen Einschlag enorm Zeit im Klassement verlor. In Sachen Fahrzeugabstimmung war man aber bei Hyundai Motorsport nicht untätig und schaffte es über Nacht, den neuen i20 für Neuville und Sordo deutlich fahrbarer zu machen.

So keimte bei beiden Piloten Hoffnung auf, die sich schließlich auf Wertungsprüfung Nummer 12 mehr als auszahlte. Es folgte der erste Sieg auf einer WP für den neuen i20 durch Thierry Neuville, dahinter reihte sich Hayden Paddon knapp vor Dani Sordo ein. Dreifach-Triumph von Hyundai – so schnell kann es gehen und der Belgier in Hyundai-Diensten sprach vom enormen Potenzial des Autos. Das klang schon ganz anders als an Tag 1 der Rallye.

Die 13. Etappe folgte und Neuville ließ den i20 weiter fliegen, ein erneuter Sieg knapp vor Dani Sordo ließ die Mannschaft aus Alzenau jubeln. Vor allem Sordo kam auch immer besser in Fahrt und musste danach nur zweimal knapp Sébastien Ogier den Vortritt geben lassen. Neuville hatte noch Chancen auf Rang 2, doch er wollte kein Risiko gehen. Seine Zeit auf der abschließenden Powerstage wäre sicher mehr als interessant geworden, doch ein Problem am Getriebe ließ ihn plötzlich nur noch herumrollen – dennoch: das erste Podium für Hyundai 2016 konnte er nach Hause bringen. Und vor allem auch die Erkenntnis, dass der neue i20 durchaus das Potential hat, die Weltmeister mehr als nur zu ärgern. Der i20 bleibt Polo-Jäger, vorerst – da geht noch mehr, würde ich sagen. Die nächsten Rallyes werden für reichlich Spannung sorgen.

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Bilder ©Volkswagen 2016, Hyundai Motorsport, Citroën Racing Media

Dann war da noch…

Robert Kubica war mit seinem privat eingesetzten Fiesta wieder mit dabei. Nach einem für ihn ruhigen Start in die Rallye, auf der er nicht sehr positiv in Sachen WRC-Zukunft klang, verabschiedete er sich – leider muss man das so sagen – standesgemäß. Der Baum, den Monte-Debütant Paddon erwischte, wurde auch für den Polen zum Verhängnis, als er diesen frontal traf und die Rallye beenden musste. Vielleicht war es das letzte Mal, dass wir den schnellen, aber oft zu ungestümen Kubica in der WRC gesehen haben.

Mads Östberg mit seinem neuen Co Ola Floehne brachte bei seiner Rückkehr zu M-Sport den Fiesta auf Rang 4 ins Ziel, während Citroën-Youngster Stéphane Lefebvre einen sehr guten Rang 5 erreichte. Zu Beginn hatte der 23-jährige Franzose sichtlich seine Probleme, kam aber immer besser in Fahrt. Dani Sordo erreichte letztlich als 6. der Gesamtwertung das Ziel vor Ott Tänak, der in seinem neuen Team mit dem DMACK-Reifen nicht sonderlich zurechtkam. Dass der Este das Ziel gesehen hat, kann man schon als Erfolg gewertet werten.

FIA WORLD RALLY CHAMPIONSHIP 2016 - WRC MONTE CARLO
©Citroën Racing Media

In der WRC2-Wertung lieferte vor allem einer eine Show allererster Güte ab. Elfyn Evans – sozusagen aus der WRC in die WRC2 degradiert – war in seinem Fiesta R5 unschlagbar und lieferte eine famose Rallye ab. Und auch aus deutscher Sicht durfte man sich hier freuen. Rang 2 in der WRC2 und damit aufs Podium fuhr Armin Kremer mit Co-Pilot Primin Winklhofer.

Die 84. Ausgabe der Rallye Monte Carlo hatte es in sich und wir dürfen gespannt sein, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen Hyundai und VW beim nächsten Lauf in Schweden vom 11.-14.Februar entwickeln wird. In Sachen Hersteller-WM-Wertung ist man aufgrund des Ausfalls von Latvala schon mal gleichauf. In diesem Sinne, Keep Rallying!

[su_tabs] [su_tab title=“Ergebnis“] Endklassement WRC – Rallye Monte Carlo 2016

1.Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Volkswagen3:49.53,1 Std.
2.Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (N/N), Volkswagen+ 1.54,5 Min.
3.Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B), Hyundai+ 3.17,9 Min.
4.Mads Östberg/Ola Fløene (N/N), Ford+ 4.47,7 Min.
5.Stéphane Lefebvre/Gabin Moreau (F/F), Citroën+ 7.35,6 Min.
6.Dani Sordo/Marc Martí (E/E), Hyundai+ 10.35,5 Min.
7.Ott Tänak/Raigo Mõlder (EST/EST), Ford+ 11.39,9 Min.
8.Elfyn Evans/Craig Parry (GB/GB), Ford+ 18.30,8 Min.
9.Esapekka Lappi/Janne Ferm (FIN/FIN), Škoda+ 20.41,0 Min.
10.Armin Kremer/Pirmin Winklhofer (D/D), Škoda+ 20.43,9 Min.
[/su_tab] [su_tab title=“Siege Wertungsprüfungen“] Ogier/Ingrassia 8 (inklusive Powerstage)
Meeke/Nagle 4
Mikkelsen/Jaeger 2
Neuville/Gilsoul 2
[/su_tab] [su_tab title=“Stimmen“] Sébastien Ogier: „Hier in Monte Carlo zu gewinnen ist ein sehr emotionaler Moment für mich. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, diese Kultrallye zum dritten Mal zu gewinnen. Die Bedingungen waren nicht einfach. Es war eisig und rutschig. Ich bin sehr glücklich über diesen Erfolg.“

Andreas Mikkelsen: „Ein fantastischer Start in die WRC Saison. Zweiter bei der Monte – das wird immer etwas spezielles ein. Es war auch die erste Rallye mit meinem neuen Copiloten Anders Jaeger und direkt zusammen auf dem Podim zu stehen ist fantastisch“

Thierry Neuvielle: „Wir können mit unserem Wochenende sehr zufrieden sein Die neue Generation des i20 WRC hat Potential gezeigt und es ist gut, zurück auf dem Podium zu sein, insbesondere nach den Schwierigkeiten, die wir zum Ende der letzten Saison hatten. Die ersten Wertungsprüfungen zu gewinnen und das erste Podium mit dem neuen Auto herauszufahren ist ein großartiges Gefühl – das Resultat ist für das ganze Team.“
[/su_tab] [su_tab title=“Stand Fahrer-WM“] 1. Sébastien Ogier 28 Punkte
2. Andreas Mikkelsen 19 Punkte
3. Thierry Neuville 15 Punkte
4. Mads Östberg 12 Punkte
5. Stéphane Lefebvre 10 Punkte
[/su_tab] [su_tab title=“Stand Hersteller-WM“] 1. Volkswagen Motorsport 25 Punkte
2. Hyundai Motorsport 25 Punkte
3. M-Sport 20 Punkte
4. Volkswagen Motorsport II 18 Punkte
5. Hyundai Motorsport N 6 Punkte
[/su_tab] [/su_tabs]

RAMC 2016 - VW
©Volkswagen 2016
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