Rallye Portugal – Einer kam durch

Rallye Portugal
©Hyundai Motorsport GmbH/Austral

Thierry Neuville übernimmt mit Sieg an WM-Spitze

Der Schotterauftritt der WRC in Portugal brachte in diesem Jahr einige Favoriten ganz schön ins Straucheln.

Allerdings galt dies nicht für Thierry Neuville. Der Belgier in Hyundai-Diensten lieferte eine saubere Rallye ab, während sich die schärfsten Konkurrenten selbst eliminierten.

Da war zum einen Ott Tänak, der nach seinem famosen Argentinien-Aufritt als Favorit Nummer eins auf den Portugal-Sieg galt und am Donnerstag gleich mal mit einer Bestzeit startete. Doch der Freitag sollte die Toyota-Sperrspitze schnell wieder auf den Boden der in diesem Fall steinigen Tatsachen zurückholen.

Tänas Yaris WRC erwischte zwei großen Steinbrocken, die auf der Ideallinie auftauchten. Das ramponierte den Ölkühler, in der Folge bedeute es das frühe Aus für den Esten bereits nach der zweiten Prüfung.

WRC Portugal
©Hyundai Motorsport GmbH/Austral

Toyota im Pech

Überhaupt lief es bei der Mannschaft von Tommi Mäkinen nicht rund an diesem Wochenende. Jari-Matti Latvala verabschiedete sich nach einem Schnitzer auf der dritten Wertungsprüfung und nach einer guten Saison 2017 stehen hinter dem Finnen mittlerweile wieder einige Fragezeichen. Seit Ott Tänak klar die Nummer 1 im Team ist, scheint sich die Spirale bei Latvala weiter abseits zu drehen.

Nach einem gebrochenen Stoßdämpfer war für Esapekka Lappi mehr als der fünfte Rang nicht drin, damit nimmt die Toyota-Truppe aus Portugal nur wenige WM-Zähler mit nach Hause. Aber auch andere mussten diese früh abschreiben.

Toyota WRC Portugal
©Toyota Gazoo Racing WRC

Seltener Ausritt des Champions

An sich gelang Sébastien Ogier ein guter Start in die Rallye. Trotz seiner Funktion als schneller Straßenkehrer verlor der Franzose nur recht wenig Zeit, doch dann gab es einen der seltenen Unfälle der M-Sport Nummer 1 zu sehen. Ogier beschädigte sich an einer Baumwurzel einen Dreieckslenker und flog in der folgenden Kurve in die Bäume, der Einschlag lief allerdings glimpflich ab, nur war damit die portugiesische Nullnummer früh klar.

So mussten für M-Sport andere die Kohlen bzw. die WM-Zähler aus dem Feuer holen. Elfyn Evans lieferte eine mehr als respektable Leistung ab und lief hinter Thierry Neuville als Zweiter ein. Zwischenzeitlich machte der Waliser zwar Druck nach vorne, doch gegen den Hyundai i20 WRC war kein Kraut gewachsen.

Teemu Suninen durfte sich unterdessen über einen Besuch auf dem Podium freuen. Mit dem dritten Rang, am Ende nur gute sieben Sekunden hinter Evans, konnte der Finne wieder mal eine Kostprobe seines Talentes geben.

M-Sport Elfyn Evans
©Geraldo Dias via M-Sport

Hyundai – Zwischen Freude und Crash

An der Spitze konnte es Thierry Neuville also früh recht entspannt angehen, sicherte sich zudem in der Powerstage auch nochmal Punkte und übernimmt nun die WM-Führung mit 119 zu 100 vor Ogier. Ott Tänak steht aktuell bei 72 Zählern, es läuft also alles wieder auf ein Duell beim Kampf um die Weltmeisterschaft hinaus.

Ansonsten freue man sich bei Hyundai über einen ermutigenden Auftritt von Dani Sordo mit Gesamtrang 4, der Spanier war halt nur leider in Portugal nicht für die Marken-WM nominiert.

Die Ehe Andreas Mikkelsen und Hyundai trägt unterdessen noch nicht wirklich Früchte, der Norweger hatte mit Motorenprobleme und Leistungsverlust zu kämpfen, zudem verabschiedete sich die Servolenkung. Mikkelsen ging somit am Ende leer aus, genau wie Hayden Paddon, der hier seinen zweiten Einsatz der Saison absolvierte.

Paddon konnte dabei seine späte Startposition nutzen und zwischenzeitlich die Gesamtführung übernehmen, jedoch crashte der Neuseeländer dann bald ziemlich übel, so dass er die Nacht im Krankenhaus zur Beobachtung verbringen musste. Sein demolierter Hyundai i20 WRC blockierte danach zwischenzeitlich die Wertungsprüfung. Noch schlimmer sah es allerdings bei Citroën aus.

Citroën C3 Rallye Portugal
©Geraldo Dias via Citroën Racing Media

Citroën setzt Kris Meeke vor die Tür

Die Franzosen waren in Portugal neben Kris Meeke auch wieder mit Craig Breen und Mads Östberg an Start. Breen mit frühem Reifenschaden und Östberg mit fehlender Erfahrung im C3 WRC landeten am Ende nur auf den Rängen 6 und 7.

Kris Meeke war sicher wieder ein Podiumskandidat zu Beginn der Rallye, musste dann aber zwei Zuschauerprüfungen hinten links auf der Felge bestreiten, beim Reifen im Kofferraum hatte sich die Lauffläche abgelöst. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.

In einer schnellen Linkskurve verlor Meeke den C3 WRC am Samstag und flog vehement in den Wald, die Bilder des zerstörten Rallye-Boliden sprachen für sich. Ein Wunder, dass sich Meeke und Co-Pilot Nagle bis auf Quetschungen durch die Gurte nicht schwerer verletzt haben.

Der Abflug sollte jedoch noch ein Nachspiel haben, denn bei Citroën zog man die Reißleine und trennte sich jetzt von Meeke. Die Pressemitteilung war kurz und knapp und kam doch sehr überraschend. Man sprach hier davon, die Sicherheit des eigentlichen Nummer 1-Piloten und seines Beifahrers nicht mehr gewährleisten zu können. Der Abflug in Portugal war einer zuviel… Es bleibt abzuwarten, wie es jetzt mit der Karriere des Nordiren weitergehen wird. Die einst dominierende Marke in der WRC hat derzeit jedenfalls weiterhin erstmal wenig zu melden.

Der nächste Schlagabtausch in der WRC findet vom 7.-10. Juni 2018 bei der Rallye Italien auf Sardinien statt, bleibt zu hoffen, dass hier am Ende deutlich weniger Ausrutscher zu Buche stehen. In diesem Sinne, Keep Rallying!

WRC 2018: Top 5 moments at Rally Portugal 2018.