Rallye-WM Schweden – Neuville übernimmt

Hyundai-Werkspilot holt sich Sieg bei der Rallye Schweden und übernimmt WM-Führung

Endlich ist der Fluch des Vorjahres besiegt. Das wird sich Thierry Neuville gedacht haben, als er nach dem Patzer bei der 2017er Ausgabe nun endlich die Rallye auf Schnee und Eis gewinnen konnte.

Der Belgier nahm früh das Zepter in die Hand und lediglich Teamkollege Mikkelsen und Überraschungsmann Craig Breen im Citroën konnten zu Beginn noch folgen, hatten am Ende aber auch nichts mehr in der Hinterhand, was den Sieg der Hyundai-Speerspitze verhindern konnte.

Mit dem Sieg in Skandinavien übernahm Neuville nun auch die WM-Führung und liegt nach dem Schweden-Ritt zehn Zähler vor Sébastien Ogier. Dass selbiger schon früh so gar keine Rolle mehr spielte, damit konnte man zunächst nicht rechnen.

Schneepflug in Schweden – Ogier mit Frust

Es war das beherrschende Thema bei diesem WM-Lauf. Mehr noch als der Sieg von Neuville stand die Startreihenfolge im Fokus. Ogier und die beiden Toyota Yaris von Ott Tänak und Jari-Matti Latvala fielen durch ihre Rolle als Schneepflug bereits am Freitag aussichtlos zurück, wodurch für alle die Chance auf vordere Platzierungen früh im schwedischen Schnee dahinschmolz.

In diesem Jahr gab es nach einigen Jahren Abstinenz auch mal wieder kräftigen Neuschnee über Nacht, was das Ganze nicht besser machte. Zu allem Überfluss gab es dann auch noch die historische Rallye, die parallel stattfand. So mussten die Piloten, die in Monaco noch strahlten, neben dem Neuschnee auch noch durch die Fahrspuren der klassischen Rallyeboliden.

Diese sind gut 20 Zentimeter schmaler und mit ihren extrem schmalen Spikereifen zerpflügten diese die Wertungsprüfungen regelrecht für die aktuelle Generation der WRC-Boliden. Alle drei, die bei der Monte noch auf dem Podium standen, landeten so unter ferner liefen.

Latvala kam als bester als 7. ins Ziel, Tänak wurde 9. und Seb Ogier wurde 10. Der Franzose griff aber vor der abschließenden Powerstage nochmal tief in die Trickkiste, um noch ein paar WM-Zähler mehr mitnehmen zu können.

Seb Ogier Rally Sweden
©M-Sport

Das M-Sport Duo mit der Startnummer #1 stempelte 25 Minuten zu spät ein, womit man sich über 4 Minuten Strafzeit einfing. Dadurch konnte man aber nach Neuville auf die Piste gehen, mit deutlich besserer Ausgangslage. Der Plan ging mit Rang 2 in der Powerstage dann fast zu 100 Prozent auf.

Ogiers Verhalten oder Idee mag vielen als unsportlich erscheinen, doch am Ende können das genau die Zähler sein, die die WM ausmachen werden. Der Mann ist nicht ohne Grund fünffacher Champion und wenn dieser in Schweden nicht den Hauch einer Chance hat, ist dies eher dem Reglement als allem anderen geschuldet.

Am Ende war es ein taktisch geschickter Schachzug, den wir vielleicht nicht das letzte Mal gesehen haben. Hier gilt es vom Reglement her einzugreifen. Die Situation ist für alle gleich, jedoch muss man selbst bei einem Rallye-Sieg in Sichtweite heute schon taktisch an die nächste Rallye denken und das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

Bei der kommenden Rallye in Mexiko am zweiten März-Wochenende geht der schwarze Peter jetzt an Thierry Neuville über, der auf Schotter am ersten Tag erstmal die Spur legen darf. Doch ganz so tragisch, wie die Verhältnisse in Schweden waren, werden sie in Mexiko sicher nicht sein. Einer, der von der Startreihenfolge dann auch profitieren könnte, ist WRC-Rückkehrer Sébastien Loeb, der erstmal im Citroën C3 WRC ausrücken wird.

Citoen C3 WRC 2018 Schweden
©Citroën Racing Media

Citroën – Craig Breen überrascht

Dafür muss Craig Breen sein Cockpit räumen. Der Ire wird dies gerade nach seinem fulminanten Schweden-Auftritt nur widerwillig tun. Breen lieferte mit einer seiner besten Rallyes überhaupt ab und konnte zwischenzeitlich soagr den führenden Neuville unter Druck setzten. Er machte das beste aus seiner Startposition und lag am Ende knapp acht Sekunden vor Andreas Mikkelsen.

Der Norweger trug zu einem jetzt doch noch gelungenen Saisonstart für Hyundai bei, die nun plötzlich auch in der Marken-WM in Front liegen, während M-Sport sich nun am Ende der Tabelle findet.

Bei Elfyn Evans ging so gar nichts zusammen und man landete nach vielen Problemen nur auf dem 14. Rang. Bester Mann bei M-Sport war mit Rang 8 Youngster Teemu Suninen, der einen ordentliche Leistung bot.

Kris Meeke spielte unterdessen keine Rolle, am Freitag auch früh auf der Piste musste er sich nach einem leichten Ausrutscher am Samstag ganz verabschieden, zu allem Überfluss gab es noch eine Kollision mit Ott Tänak, als der Este, der dahinter gestartet war, am Nordiren vorbei wollte.

WRC Rally-WM Schweden 2018
©Toyota Gazoo Racing WRC

Tänak unterstrich erneut seinen Speed, spielte aber ebenso wie Ogier keine Rolle. Bester Toyota-Mann wurde am Ende Esapekka Lappi auf Rang 4. Für den Finnen wäre sicher mehr drin gewesen, schnupperte er doch früh an der Führung, ein Fehler riss ihn dann aber aus dem Kampf um die Podestplätze.

Mads Östberg kam auf einen richtig guten sechsten Platz bei seinem bis dato einzig geplanten Auftritt im Citroen und Hayden Paddon meldete sich mit einem starken 5. Rang zurück im WRC-Spitzenfeld.

Zwar schmiss der Kiwi durch einen Fehler in der Powerstage noch den vierten Rang weg, doch insgesamt zeigte er eine ansprechende Leistung. Im direkten Hyundai-Vergleich mit Dani Sordo steht es jedenfalls nach jeweils einem Einsatz 1:0 für den Mann aus Neuseeland.

Die Rallye Schweden hat das gesamte Klassement ordentlich durcheinander gewürfelt, es wird sicher nicht das letzte Mal in diesem Jahr gewesen sein. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Ergebnis Rallye Schweden WRC 2018

  1. Neuville/Gilsoul (Hyundai i20 WRC) 2:52:13.1 h
  2. Breen / Martin (Citroën C3 WRC) + 19.8
  3. Mikkelsen/Jaeger (Hyundai i20 WRC) + 28.3
  4. Lappi / Ferm (Toyota Yaris WRC) + 45.8
  5. Paddon/Marshall (Hyundai i20 WRC) + 54.4
  6. Ostberg/Eriksen (Citroën C3 WRC) + 1:15.3
  7. Latvala / Anttila (Toyota Yaris WRC) + 2 :04.9
  8. Suninen/Markkula (Ford Fiesta WRC) + 2:52.2
  9. Tänak/Jarveoja (Toyota Yaris WRC) + 3:44.4
  10.  Ogier/Ingrassia (Ford Fiesta WRC) + 8:45.4
Neuville Rallye Schweden 2018
©Hyundai Motorsport GmbH/Austral
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