Rallycross-WM Kapstadt – Finale Furioso

WorldRX

©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Johan Kristoffersson weltmeisterlich – 7.Saisonsieg in Kapstadt

Am Ende war alles wie (fast) immer. Beim Saisonfinale der Rallycross-WM war es Weltmeister Johan Kristoffersson, der sich in seinem VW Polo GTI Supercar im Finaldurchgang durchsetzen konnte.

Für den Schweden war es der siebte Sieg in diesem Jahr, wie so oft hatte er auch beim Debüt auf der neuen Rallycrosspiste bei Kapstadt die Nase vorn. Auch wenn die Entscheidung ganz vorne im Finaldurchgang auf dem Killarney International Raceway recht eindeutig war, war das erste Gastspiel der WorldRX in Südafrika doch ein durchaus furioses.

Bevor ich auf die teils wilden Halbfinal-Durchgänge blicke, lasse ich aber den Rallycross-Weltmeister 2017 zu Wort kommen.

„Es ist fantastisch, sowohl den Fahrer-, als auch den Titel in der Teamwertung unter Dach und Fach gebracht zu haben und natürlich auch den Sieg im letzten Event der Saison errungen zu haben. Das Team hat in diesem Jahr sehr hart gearbeitet und 10 Podiumsergebnisse sind das Ergebnis davon. Natürlich ist es ein unglaubliches Gefühl, Rekorde in der WorldRX zu brechen, aber die WM zu gewinnen, ist einfach unbeschreiblich. Es war ein gutes Wochenende, ich hatte im Halbfinale einen schleichenden Plattfuß, dann aber im Finale einen sehr guten Start und danach konnte ich den Abstand zu Timmy (Hansen) und Mattias (Ekström) kontrollieren und meine Reifen managen. Danke an alle für eine unvergessliche Saison, ich freue mich darauf, 2018 mit VW wieder angreifen zu können“, so Kristoffersson.

Rallycross-WM 2017

©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks – Johann Kristoffersson

Der neue Rallycross-Champion ließ sich im Finale nicht die Butter vom Brot nehmen. Grundstein war ein starker Start. Der VW Polo entkam der ihm jagenden Meute einen Hauch und kam problemlos durch die erste Kurve, nach Kurve 2 lag der Schwede schon rund eine Sekunde vorne. Diesen Vorsprung ließ er sich natürlich nicht mehr nehmen, auch wenn dahinter Timmy Hansen alles gab, sich am Ende aber knapp unter einer Sekunde mit seinem Peugeot 208 WRX geschlagen geben musste.

Auf Rang 3 lief Mattias Ekström ein, der sich damit endgültig den Vizetitel sicherte. Vorausgegangen waren jedoch beinharte Duelle in den Semifinals.

Ekström vs VW – Duelle im Halbfinale

Im 1. Halbfinale ging es am Ende drunter und drüber. Während vorne zunächst alles nach einem klaren Sieg von Kristoffersson aussah, mühte sich dahinter Petter Solberg ab, am Audi S1 von Eki dranzubleiben. Auch Andreas Bakkerud mischte noch mit und machte sich minimale Hoffnungen auf den Finaleinzug.

Doch da es zwischen Ekström und Solberg um jeden Punkt ging, gab auch Kristoffersson vorne nicht alles, so dass Eki hinter seinem Landsmann aufgehalten wurde und Solberg aufschließen konnte. Als es in die letzte Runde ging, nahmen Ekström und Kristoffersson, der zudem auch noch mit einem schleichenden Plattfuß unterwegs war, die Joker Lap.

Ekström Audi Rallycross

©Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH via Audi

Am Ausgang vor Start-Ziel versuchte Eki am neuen Champion vorbeizugehen, es kam zum Kontakt zwischen allen dreien, der Audi-Pilot musste die Schikane auslassen und wurde am Ende hinter Solberg gewertet, obwohl er vor ihm das Ziel gesehen hatte. Eine ziemlich wilde Rauferei, dahinter konnte Andreas Bakkerud aus den Duellen aber kein Kapital schlagen und musste sich beim letzten Auftritt im Hoonigan-Ford Focus hier dann schon verabschieden.

Abschied von Hoonigan Racing im Halbfinale

Südafrika war das vorerst letzte Gastspiel der Truppe von Hoonigan Racing in der WorldRX. Dabei mischten beide überraschend gut im Vorderfeld mit. Während Andreas Bakkerud als 5. nach den Qualifikationsdurchgängen im 1. Halbfinale dann ausschied, wusste Ken Block umso mehr zu überraschen. Der US-Amerikaner führte nach dem ersten Tag der Qualifikation sogar das Tableau an, am Ende erreichte als er als Gesamt-6. locker das Halbfinale.

Das hatte es dann auch mehr als in sich, als sich das komplette Feld bereits in der ersten Kurve mehr als nur ineinander schob. Beim Kontakt mit dem Peugeot von Timmy Hansen verlor Block die Frontschürze seines Ford Focus und kämpfte sich dennoch mit dem ordentlich zerrupften Supercar als 2. ins Ziel. Eine abschließende Finalteilnahme war ihm dennoch nicht vergönnt, da sein Wagen nun untergewichtig war. So musste sich die Truppe von Hoonigan in Südafrika frühzeitig aus der Rallycross-WM-Szene verabschieden.

Ken Block Hoonigan Racing

©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Peugeot mit Timmy Hansen stark aufgelegt

Timmy Hansen war einer der wenigen, der die Favoriten hätte herausfordern können. Der Peugeot-Pilot gewann sein Halbfinale, nachdem er schon in der Qualifikation stark war, hier gewann er zwei Durchgänge.

Eine gehörige Portion Glück war aber für die Finalteilnahme von Nöten, dafür durfte er sich bei Sébastien Loeb bedanken, als sein Bolide schon komplett quer stand. Durch den Kontakt mit dem Teamkollegen bekam er den 208 WRX wieder in die richtige Richtung und konnte sich auf den Weg zum Semifinal-Sieg machen.

Mit einem besseren Start wäre vielleicht im Finale noch mehr möglich gewesen, doch der Abstand auf Kristoffersson war schon nach der ersten Kurve zu groß.

„Ich denke, Südafrika war eine unserer besten Leistungen in dieser Saison. Der Peugeot 208 WRX ist der beste Wagen, den ich je gefahren habe und die Saison ohne einen Finalsieg zu beenden ist so frustrierend. Trotzdem bin ich zufrieden mit meiner Saison, ich denke, ich bin deutlich konstanter geworden“, so Hansen.

Derweil erlebte Sébastien Loeb keinen versöhnlichen Saisonabschluss. Nach Problemen im Qualifying sorgte ein Plattfuß im Halbfinale dafür, dass der Rallye-Rekordchampion nicht ins Finale einzog. In das rutschte Kevin Hansen im 2016er Peugeot nach, als Ken Block ausgeschlossen wurde. Die Freude währte nur kurz, denn mit Getriebeproblemen kam der 208 erst gar nicht in die Gänge bzw. vom Start weg.

Scheider überrascht im MJP Racing-Ford Fiesta

Timo Scheider erlebte unterdessen sein bestes Wochenende seit Barcelona. Rang 2 in seinem Semi-Finale reichte erfreulicherweise für die Finalteilnahme, wo dann mit Rang 5 sicher das Maximum erreicht war. Der Ex-DTM-Champion lieferte eine famose Qualifikation ab, als 4. zog er ins das Halbfinale ein.

Teamkollege Kevin Eriksson musste seinen Fiesta im Semi-Finale abstellen, dennoch eine insgesamt starke Leistung von MJP Racing.

Blick ins Feld

Janis Baumanis wirkte zu Beginn des Wochenendes enorm stark, verlor dann aber etwas an Boden. Der Pilot vom STARD-Team erreichte als 9. der Qualifikation das Halbfinale, wo dann aber Endstation war. Teamkollege Timur Timerzyanov musste die Koffer als 13. bereits nach den Qualifikationsdurchgängen packen, ebenso wie Niclas Grönholm, Reinis Nitiss, René Münnich und andere. Der Ungar „CSUCSU“ ging krankheitsbedingt mit seinem Kia erst gar nicht an den Start.

Im Rahmenprogramm war auch die RX2 unterwegs. Hier siegte erneut der vor dem Event bereits als Titelträger feststehende Franzose Cyril Raymond.

Rallycross Kapstadt

©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Kapstadt-Fazit

Der erste Auftritt der Rallycross-WM im Schatten des Tafelberges in Kapstadt war ein mehr als gelungenes Saisonfinale. Obwohl wir in diesem Jahr nur drei Fahrer hatten, die die Finalsiege unter sich aufteilten, bot die WorldRX dennoch beste Unterhaltung.

Sieben Siege gingen an Johann Kristoffersson, viermal konnte sich Mattias Ekström durchsetzen und einmal Petter Solberg. Peugeot war das ein oder andere Mal nah dran, mit den 208 WRX kann man aber sicher im nächsten Jahr wieder stärker rechnen.

Mattias Ekström sammelte übrigens mit seinen 255 Zählern für den Vizetitel in diesem Jahr mehr Punkte als in seinem Weltmeisterjahr 2016. An dieser Stelle nochmal der letzte Finallauf des Jahres in bewegten Bildern zum Genießen, die nächste Rennaction der WorldRX gibt es dann erst wieder Mitte April 2018 in Barcelona zu sehen, in diesem Sinne, Keep Rallying!

FIA-Rallycross-WM 2017 – 12. Lauf, Kapstadt – Resultat Finale

  1. Johan Kristoffersson (S) 4.23,751 Min.
  2. Timmy Hansen (S) +0,918 Sek.
  3. Mattias Ekström (S) +2,951 Sek.
  4. Petter Solberg (N) +3,417 Sek.
  5. Timo Scheider (D) +5,438 Sek.
  6. Kevin Hansen (S) +6 Runden

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (Endstand nach 12 Läufen)

  1. Johan Kristoffersson (S) 316 Pkt. (Weltmeister 2017)
  2. Mattias Ekström (S) 256 Pkt.
  3. Petter Solberg (N) 251 Pkt.
  4. Sébastien Loeb (F) 214 Pkt.
  5. Andreas Bakkerud (N) 194 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (Endstand nach 12 Läufen)

  1. PSRX Volkswagen Sweden 543 Pkt. (Weltmeister 2017)
  2. Team Peugeot Hansen 415 Pkt.
  3. EKS 381 Pkt.
  4. Hoonigan Racing Division 306 Pkt.