VLN 1 2016 – Der zweite Blick

Audi R8 LMS Sieger VLN1
©Jan Brucke/VLN – Sieg für Phoenix Racing

Auf den ersten Blick – Volles (GT3)-Feld – Auftaktsieg für Phoenix Racing

Vor etwas mehr als einem Jahr erschütterte der tragische Unfall im Rahmen der VLN nicht nur die Nordschleife. Motorsport bleibt immer gefährlich, trotz aller Fortschritte in der Sicherheit – das wird immer so bleiben. Nicht nur für die Aktiven, sondern auch für all jene jenseits der Leitplanke – Streckenposten, Fotografen und Zuschauer. Gerade hier muss man sich die Gefahr immer wieder in Erinnerung rufen – sie gehört einfach dazu. Im Gegensatz zum Alltag ist sie hier nur viel greifbarer. Dennoch war der Unfall im Vorjahr, bei dem ein Fan sein Leben ließ, ein Schock für Alle.

In der Folge haben wir uns die ganze Saison 2015 über mit dem Thema Sicherheit an der Nordschleife beschäftigt. Ende vom Lied waren vollkommen abstruse Tempolimits – das hat mit Motorsport wenig zu tun gehabt. Viel zu wenig wurde im Rahmen dessen an jenen gedacht, dessen Leben viel zu früh endete. Slow Zones und Code 60 waren in der Folge des Unfalls die beherrschenden Themen, ein wenig Schade für die Motorsportgemeinschaft – daher erinnere ich nochmal an dieser Stelle an ein entsprechendes Spendenkonto für die Hinterbliebenen .

Kommen wir zum Saisonauftakt der Saison 2016. Die Zuschauer machten sich zahlreich auf den Weg zum Nürburgring – die unsäglichen Tempolimits sind nun Geschichte, an der Strecke wurden Änderungen vorgenommen, die allerdings mehr als nur kosmetischen Charakter haben. Die meisten Fans vor Ort waren beim Anblick des ersten Starterfeldes des neuen Jahres mehr als froh, bekamen sie doch das Neueste in Sachen GT3-Welt zu sehen.

Audi R8 Land Motorsport
©Jan Brucke/VLN – Pole bei Rückkehr – Land Motorsport

Land in Sicht hieß es dann nach dem Zeittraining. Die VLN-Rückkehrer von Land Motorsport stellten ihren Audi R8 LMS mit einer Zeit von 8:06.097 Minuten auf die Pole Position. Das Fahrerquartett aus Marc Basseng, Mike Rockenfeller, Timo Schneider und Conor De Phillippi übernahm dann auch zunächst die Führung, gefolgt vom stark aufgelegten Ford GT von Alzen Racing mit Philipp Wlazik am Steuer. Letzterer musste sich in der Folge aus der Spitze verabschieden, die derweil die Audi Mannschaften von Phoenix Racing übernahm und auch bis ins Ziel nicht mehr abgaben.

Am Ende setzten sich Frank Stippler und Anders Fjordbach aus Dänemark gegen die teaminterne Konkurrenz von Christopher Haase und Laurens Vanthor durch. Die schmissen den schon sicher geglaubten Sieg durch ein Überholvorgang unter Gelb weg – die Zeitstrafe im Nachgang in Höhe von 35 Sekunden bedeutete somit nur Rang 2 mit guten 20 Sekunden Rückstand.

Mit aufs Podium schaffte es noch einer der neuen Mercedes AMG GT3. Das Team von Black Falcon in der Besetzung Bernd Schneider, Maro Engel, Adam Christodoulou und Manuel Metzger musste sich beim Kampf um Rang 2 nur knapp geschlagen geben, auch nur knapp dahinter folgte der Haribo-AMG GT3, während sich Land Motorsport beim Comeback am Ende mit Rang 5 begnügen musste.

#VLN1
©Jan Brucke/VLN – GT3-Welt anno 2016

Bester der neuen BMW M6 GT3 war die Truppe von Walkenhorst Motorsport, die als Siebter einen Rang hinter dem Bentley Continental GT3 von Abt Racing ins Ziel kamen. Der M6 scheint aktuell noch nicht das Siegpotential abrufen zu können, was mich sich von ihm erhofft. Auch für die neuen Porsche 911 GT3 lief es alles andere als reibungslos – Platz 23 für die Frikadelle, nachdem der hintere Unterboden des neuen 911er durch einen Auffahrunfall beschädigt wurde. Der 911 GT3 von Manthey Racing mit Le Mans Sieger Earl Bamber und Patrick Pilet am Steuer war hoffnungsvoll unterwegs und konnte das Rennen zwischenzeitlich sogar anführen, bis sie ein Reifenschaden aber zurückwarf – mehr als Rang 10 war am Ende war nicht drin.

VLN1
©Jan Brucke/VLN – für die Kleinen wird es eng

Der zweite Blick – Jenseits der GT3

Groneck Motorsport ist in diesem Jahr nicht in der VLN dabei. Das ist bekannt. Warum ich das erwähne? Erstens ist es natürlich schade, wenn der amtierende Meister der Langstreckenmeisterschaft nicht mehr dabei ist. Zweitens muss man zugeben, dass die Meisterbrüder des Vorjahres beim Blick auf das Teilnehmerfeld ein langes Gesicht gezogen hätten. In der Klasse, in der auch der Groneck-Clio im Vorjahr unterwegs war, der SP3, tummelten sich sage und schreibe 4 Starter, 2 kamen davon in Wertung. Der Sieg ging an den Renault Clio Cup von Avia Racing, nicht ins Ziel kam der Neuzugang von Tim Schrick, der mit einem in Eigenregie aufgebauten Subaru BRZ hier an den Start ging.

Die GT3-Masse mag einem zunächst ein wenig den Blick verklären. Wir dürfen nur nicht vergessen, dass wir uns noch vor dem 24 Stunden Rennen befinden. Danach werden sich sicher nicht 30 Starter in der Klasse SP9 einfinden. So schön das zu Beginn des Jahres anzusehen ist, die GT3-Boliden wird man im Laufe des Jahres noch in zahlreichen anderen Rennserien weltweit finden. Einzigartigkeit sieht da anders aus, und das konnte man früher oft von der VLN behaupten.

Glickenhaus
©Jan Brucke/VLN – leider Ausfall für den Glickenhaus

Auch die Umbaumaßnahmen waren nicht gering, der Sprunghügel am Flugplatz ist de facto nicht mehr vorhanden, was die Charakteristik der Strecke deutlich ändert. Man hat alles getan, damit man das Produkt GT3 auch weiter auf der Nordschleife einsetzen kann – ob dies der richtige Weg ist, muss jeder für sich entscheiden. Wie die Klassen jenseits der GT3-Boliden in dieser Situation wachsen sollen, sei dahingestellt. Es sind aber diejenigen, die vor allem nach den 24h-Rennen die Basis der VLN ausmachen. Den Begriff Breitensport muss man wohl künftig definitv woanders nutzen.

Kremer Porsche
©Jan Brucke/VLN – Kremer Porsche 997 K3

Hoffnung machen da im Gegensatz solche Projekte wie der Kremer-Porsche 997 K3. Der modifizierte Porsche 911 GT3 Cup in der Karosserieform des Kremer-Porsche 935 K3 aus dem Jahr 1979 gab in der Klasse H4 lange Zeit den Ton an – leider musste man beim Renndebüt des neuen Boliden einen Ausfall aufgrund einer defekten Lichtmaschine hinnehmen – so ging der Klassensieg an Ralf Schall und Christopher Gerhard im Porsche 911 GT3 997.

Ein alter Bekannter ist uns auch geblieben – der Opel Manta von Kissling Motorsport gewann die Klasse H2. Dahinter folgten ein VW Jetta und ein Opel Calibra – alles sieht man heute doch eher selten auf den hiesigen Rennstrecken. Das macht die Langstreckenmeisterschaft an sich ja nun auch aus, aber die Zeiten ändern sich ja bekanntlich.

Ford Mustang
©Jan Brucke/VLN – Ford Mustang GT – SP8

Leider ging auch der Saisonauftakt nicht ohne Unfall ab – am Freitag flog der Porsche Cayman Clubsport von ProSport Performance ausgangs Fuchsröhre spektakulär über die Leitplanken ab. Zum Glück wurde hier niemand verletzt – beim Anblick des Unfallwagens ein kleines Wunder. Das braucht man im Motorsport hin und wieder – alle Gefahren sind halt nie auszuschließen. In diesem Sinne, Keep Racing!

Nürburgring Nordschleife
©Jan Brucke/VLN
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