VLN1 2017 – Eifelfrühling mit Manthey-Triumph

VLN1 2017
©Jan Brucke/VLN

VLN Saisonauftakt 2017 – VLN1

Weder Schnee noch Regen gab es dieses Jahr zum Saisonauftakt der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring zu verzeichnen. Sonnenschein und beste äußere Bedingungen fanden die insgesamt 188 Fahrzeuge vor, die hier das Rennjahr auf der Nordschleife einläuteten. Der Himmel erstrahlte in einem klaren Blau, während die Leistungsverhältnisse in Sachen GT3-Feld nach dem ersten Rennen alles andere als klar sind.

Zeitenjagd – Porsche 911 GT3 R in Front

Im Zeittraining bestimmte zunächst das Fabrikat aus Zuffenhausen das Geschehen. Manthey Racing mit dem Trio Romain Dumas, Frédéric Makowiecki und Patrick Pilet sicherte sich die Pole Position für den gelb-grünen Porsche 911 GT3 R vor den Markenkollegen Martin Ragginger, Jörg Bergmeister und Laurens Vanthoor von Falken Motorsport.

Manthey-Porsche VLN 2017
©racing14.de

Mit Otto Klohs, Sven Müller, Matteo Cairoli und Robert Renauer folgte ein weiterer Porsche aus dem Hause Manthey auf Rang 3, erst dahinter folgte die versammelte Konkurrenz, angeführt von Marcel Fässler, Robin Frijns und René Rast im WRT-Audi R8 LMS. Mit einer Zeit von 8:01.661 Minuten merkt man aber früh im Jahr wenig von Aerodynamik-Änderungen in Sachen GT3-Boliden.  Der 911er mit der Startnummer #911 lag mit der Bestzeit etwa eine Sekunde vor dem Rest des Feldes, interessant ist hier schon der Blick auf die beste Trainingszeit nach Marken:

  • Porsche 911 GT3 R – Manthey Racing –  8:01.661 Minuten
  • Audi R8 LMS – WRT – 8:03.325 Minuten
  • Bentley Continental  GT3  – Team ABT – 8:03.607 Minuten
  • Mercedes AMG GT3 – HTP Motorsport – 8:05.644 Minuten
  • Nissan GT-R Nismo GT3 – Zakspeed – 8:05.760 Minuten
  • BMW M6 GT3 – Falken Motorsports – 8:06.965 Minuten

Dass hier trotz bester äußerer Bedingungen noch nicht alles gezeigt wurde, konnte das Rennen bestätigen. In Sachen BoP – Balance of Performance – hat hier noch nicht jeder die Karten auf den Tisch gelegt, das ist allen Beteiligten klar. Der Ferrari vom Wochenspiegel Team Monschau nahm den Saisonauftakt im Übrigen von Rang 23 aus in Angriff, einen Rang vor dem Frikadelli-Porsche, während der Glickenhaus-Bolide von Startplatz 20 mit einer Zeit von 8:08.748 Minuten ins Rennen ging.

1. VLN Lauf 2017
©Gruppe C GmbH via Falken Motorsports

Porsche bestimmt Rennverlauf an der Spitze

Vom Start weg waren es dann auch die Porsche, die das Renngeschehen an der Spitze prägten. Manthey konnte die Pole Position früh in eine deutliche Führung ummünzen, dahinter sorgten neben dem Falken-Porsche zumindest der Land-Audi und der ABT-Bentley vorne für mehr Markenvielfalt. Die Truppe von Land Motorsport lag lange aussichtsreich im Kampf um Rang 2, als beim Boxenstopp ein folgenschwerer Fehler unterlief.

Die Mindeststandzeit in der Box wurde unterschritten, so dass man in der Folgerunde für eine Stop-and-Go-Strafe extra anhalten musste. Dennoch war Rang 3 am Ende ein starker Auftritt, wie man ihn von der Mannschaft aus dem Vorjahr gewohnt ist. Rang 2 im Gesamtklassement konnte somit der Bentley Continental GT3 von ABT mit Christer Jöns, Chris Brück und Jordan Pepper am Steuer einfahren vor dem Land-Trio von Christopher Mies, Connor De Phillippi und Markus Winkelhock.

VLN1 2017 Bentley GT3
©racing14.de

Drama für Falken – Das Aus kurz vor Ende – Manthey siegt

Eine Stunde vor Rennende übernahm Laurens Vanthoor die Führung im Falken-Porsche, doch durch unterschiedliche Boxenstrategien nahte von hinten der am Anfang führende Manthey-Porsche. Die Startnummer #911 rückte dem Spitzenreiter immer mehr auf die Pelle. Mit nur noch wenigen Minuten Fahrzeit übertrieb es dann Vanthoor in der Hohenrain-Schikane.

Bei einem Überrundungsvorgang ging er etwas zu rabiat zu Werke, so dass er unter Druck des Manthey-Porsche leicht neben die Strecke geriet und Ausgangs der Schikane so stark einschlug, dass die Radaufhängung beschädigt wurde. Statt Sieg oder – wahrscheinlicher – Rang 2 am Ende, war dies gleichbedeutend mit dem bitteren Aus.

Sieger VLN1 2017
©Jan Brucke/VLN – Siegertrio VLN1 2017

“Ich wollte Falken den ersten Sieg bescheren. Ich habe in einigen Code 60-Phasen Zeit verloren und musste deshalb volles Risiko gehen, um die wieder aufzuholen. Das war ein Fehler”, so Vanthoor zum Ausfall. Patrick Pilet hatte unterdessen allen Grund zur Freude und brachte den 911er von Manthey als Sieger ins Ziel, wobei sich der Franzose nicht so sicher war, ob es beim Duell um Platz 1 zum Triumph gereicht hätte. Am Ende waren es so aber 1:08,751 Minuten Vorsprung auf den Bentley. Für die britische Marke war dieses Ergebnis gleichbedeutend mit dem ersten VLN-Podiumsbesuch.

Fernab des Podiums – BMW und Mercedes

Hinter den ersten Drei liefen die beiden Audi R8 LMS vom belgischen WRT Team auf den Rängen 4 und 5 vor dem Phoenix-Audi ein, während dahinter die Mercedes AMG GT3 die Top 10 vervollständigten. Black Falcon stellte an diesem Tag den schnellsten Stern vor Haribo Racing, einem weiteren Black Falcon-Boliden und dem ersten HTP-Benz. Während es für den Glickenhaus einen beachtlichen 11. Gesamtrang zu verzeichnen gab, verlief der Saisonauftakt für BMW und den ein oder anderen Zuschauerliebling nicht besonders gut. Schubert Motorsport stellte den besten M6 im Feld mit Gesamtrang 15 vor dem Falken-BMW.

VLN 1 2017
©Jan Brucke/VLN

Die schnellste Frikadelle der Welt hatte es unterdessen auch schwer, mehr als Rang 21 war nicht drin. Nach 28 Runden, die dieses Mal das Trio aus Klaus Abbelen, Andreas Ziegler und Norbert Siedler absolvierten (Sabine Schmitz verzichtete auf einen Start), konnte Abbelen nur berichten: “Keine Besonderheiten. Viele Autos und viel Verkehr auf der Strecke, aber mit dem Problem kämpfen natürlich alle. Leider haben wir uns mit dem Setup zum Rennen hin verschlechtert. Wir wurden heute mit Platz 21 etwas unter Wert geschlagen. Beim nächsten VLN-Rennen schlagen wir zurück, dann vermutlich mit geballter Porsche-Power.“

Frikadelli will dann einen zweiten Porsche 911 GT3 R einsetzen, ausschließlich mit Profi-Rennfahrern, angeführt von Norbert Siedler. Der war dieses Mal ebenfalls nicht ganz zufrieden mit seinem fahrbaren Untersatz: “Das Handling war schwierig. Die Abstimmung passt noch nicht perfekt zu den neuen Reifen von Michelin. Trotzdem konnte ich ein paar gute Rundenzeiten setzen und das Potenzial unseres 911 GT3 R aufzeigen”, so der Österreicher nach dem Rennen.

Frikadelli Porsche VLN 2017
©Frikadelli/ BRfoto

Nach Problemen mit dem Getriebe kam es leider nicht zu einem Einsatz des neuen Renault R.S. 01 GT3 vom Team mcchip-dkr, während das WTM-Team mit dem Ferrari 488 GT3 einen Ausfall zu verzeichnen hatte. Der neue Renner wurde beim Anbremsen einer Gefahrenstelle abgeschossen, nach 8 Runden war somit bereits Schluss. Das BMW-Team von Schnitzer kam unterdessen über den 20. Rang nicht hinaus, nachdem ein Bolide schon nach 4 Runden das Rennen beenden musste. Ebenfalls einen schlechten Saisonstart erlebte die Mannschaft von Walkenhorst Motorsport – sowohl der Z4, als auch der M6, wurden nach Rennende durch die Sportkommissare disqualifiziert.

Scuderia Cameron Glickenhaus scg003c
©racing14.de – Glickenhaus

Das Ziel 24-Stunden Rennen ist auch bereits beim VLN-Saisonstart immer im Hinterkopf. So kommt es nicht von ungefähr, dass mit dem Sieg Romain Dumas, Frédéric Makowiecki und Patrick Pilet aktuell die Gesamtwertung anführen. In der Klasse waren 33 Starter gemeldet – nur der BMW M23i Racing Cup (Cup 5) kam dem mit 22 Teilnehmern noch einigermaßen nahe. Das wird sich aber sicher nach der Hatz rund um die Uhr wieder ändern. Aber auch die anderen Klassen boten zum VLN-Saisonauftakt so einiges – der Blick in Richtung Klassenwertungen folgt aber ausnahmsweise noch separat und fernab der GT3-Kämpfe in einem weiteren Beitrag.

Die Klasse der schnellen GT3-Boliden, die SP9, wurde aber am Ende des Tages noch ausgesetzt, d.h. die Wertung ist aktuell noch provisorisch. Es wurden einige Reifen seitens des DMSB eingezogen, hier geht es wohl im Detail um die Umsetzung des neuen Reglements, nachdem sogenannte Entwicklungsreifen 2017 verboten sind. Die VLN hat das de facto provisorische Ergebnis leider bislang nicht weiter kommentiert. Es bleibt also hinter den Kulissen spannend…ein fader Beigeschmack für einen sonst gelungenen Auftakt.

Die schnellste Rennrunde lieferte übrigens auch der Sieger – die 911 von Manthey umrundete die Variante aus Kurzanbindung GP-Strecke und Nordschleife in 8:04.555 Minuten – mal sehen, welche Zeiten hier beim 24 Stunden-Rennen auf dem Zeitenmonitor auftauchen werden. In diesem Sinne, Keep Racing!

Porsche 911 GT3 R 2017
©Jan Brucke/VLN
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