Was Boxenmannschaften schlaucht

Boxenstopp
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Profi-Rennfahrer sind mit den Gedanken immer ganz auf der Rennstrecke. Bei technischen Schwierigkeiten heißt es aber auch schon mal unerwartet: Boxenstopp! Alles muss schnell gehen, jeder Handgriff muss sitzen. Eine bis zur Perfektion einstudierte Choreographie ermöglichte vor kurzem der Aston Martin Red Bull-Boxencrew den aktuellen offiziellen Weltrekord für den schnellsten Boxenstopp in der Formel 1. In 1.91 Sekunden wechselten sie während des Großen Preis von Großbritannien 2019 die Reifen bei Pierre Gasly.

In der 73. Rallye Polen im Jahr 2016 ersetzte die Citroën-Crew ein komplettes Heck in 30 Minuten. Wenn jede hundertstel Sekunde zählt, müssen auch die Mechaniker hochkonzentriert arbeiten. Nur wenn die Technik stimmt, können Auto und Fahrer in Einklang funktionieren. Dieser Beitrag legt den Fokus nicht nur auf die Heldentaten hinter den Kulissen, sondern auch auf das “Lebensblut“ des Fahrzeuges selber.

Die Lebensadern des Autos

Motoren brauchen Energie aus Kraftstoff, wie auch Muskeln Sauerstoff aus dem Blut benötigen. Aber auch Kühlwasser, Motoröl, Servoöl, Brems- und Kupplungsflüssigkeit (bei manueller Schaltung mit hydraulischer Kupplung) versorgen die Systeme des Fahrzeuges.

Jeder Fahranfänger lernt oft schon in der ersten Fahrstunde, die Flüssigkeitsstände zu überprüfen. Im Motorsport sind jedoch häufig nicht die Stände das Problem, sondern der Verschleiß der Leitungen. Diese sind die Adern des Fahrzeuges; Schläuche und Leitungen aus Metall, Gummi, PVC oder Silikon.

Verschiedene Materialien haben hier jeweils Vor- und Nachteile. Metallleitungen gelten als überholt, denn sie sind anfällig für Rost und schwierig zu reparieren. PVC ist günstig, aber starr und kann leicht brechen. Gummi eignet sich gut für Öle und Benzin, da es beständig gegen die enthaltenen Chemikalien ist. Für alle jedoch gilt: Hitze ist der Hauptgrund für einen Schaden. Im Hochleistungsbereich des Motorsports kann es schnell passieren, dass zum Beispiel ein Kraftstoffschlauch bricht oder sogar platzt. Das kann besonders im Motorraum gefährlich werden, wenn der entzündliche Kraftstoff auf den heißen Motor tropft. Nicht ohne Grund gibt es für die Zulässigkeit von Kraftstoffleitungen gesetzliche Vorgaben.

Tipp für Zuhause

Auch der „normale“ Fahrer sollte deshalb Acht auf den guten Zustand der Leitungen geben. Bei auffälligem Benzin- oder Dieselgeruch auf jeden Fall die Kraftstoffleitung prüfen, genau wie bei Pfützen unter dem Fahrzeug (ob Kraftstoff oder Öl). Einfache Schäden im Motorraum können oftmals auch selbst repariert werden – hierfür muss lediglich das defekte Schlauchstück entfernt werden.

An Werkzeug braucht es hier nur ein Cuttermesser zum Zuschneiden des neuen Schlauches (die es auch im Baumarkt gibt), und eine Zange oder ein Schraubenzieher je nach Art der Schlauchschelle. Übrigens enthalten Bio-Kraftstoffe aggressivere Alkohole, die erhöhten Verschleiß von Leitungen zur Folge haben!

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wie auch im Motorsport lohnt es sich, bei der Instandhaltung des eigenen Fahrzeuges größte Sorgfalt anzuwenden. Denn mangelhafte Arbeit kostet nicht nur Zeit, sondern im Ernstfall auch Leben. Bei Zweifeln natürlich immer den Fachmann befragen!

Boxengasse
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