WEC – 6 Stunden in Shanghai

#6hShanghai
©Paola Depalmas – AdrenalMedia.com / via FIA WEC – 6hShanghai 2015

LMP1 – Porsche gewinnt WEC-Herstellerwertung

Die Strecke von Shanghai sollte dem Porsche 919 Hybrid LMP1 deutlich mehr entgegenkommen als noch der Kurs beim vorherigen Lauf in Fuji. In Sachen Beschleunigung war der Bolide aus Zuffenhausen hier dann auch deutlich überlegen. Die Startnummer #17 war es, die mit der Pole Position in der Qualifikation ihren Vorsprung in der Fahrerwertung um einen weiteren Zähler ausbauen konnte.

Dass die 6 Stunden in Shanghai auch für die Favoriten nicht einfach wurden – dafür sorgte erneut, wie in Fuji, das Wetter. Nach starkem Regen ging die Meute hinter dem Safety Car an den Start. Nachdem das Rennen freigegeben wurde, bekam man wieder beste Sportprototypen-Unterhaltung geboten. Andre Lotterer nutzte die Gunst der – nassen – Stunde und rückte den beiden führenden 919 Hybrid ordentlich auf den Leib, genauer gesagt zwischen beide Porsche-Boliden.

#17 Bernhard/Hartley/Webber - Porsche LMP1
©John Rourke – AdrenalMedia.com / via FIA WEC – Siegerbolide – #17 919 Hybrid

Es kam zu einer Berührung, die dazu führte, dass sich Marc Lieb am Steuer der #18 drehte und dem Feld hinterherhetzen musste. Der 919 Hybrid machte sich danach zügig wieder auf den Weg und rollte das Teilnehmerfeld von hinten auf. Auch der Himmel war noch nicht fertig mit der Strecke und wartete mit einem weiteren Regenguss auf. Während man bei Porsche auf Sicherheit setzte, riskierte man bei Audi den Wechsel auf Intermediate-Bereifung, als die Strecke langsam abzutrocknen begann. Noch früher wagte Toyota den Reifenwechsel, was sich für die Startnummer #1 als viel zu früh erwies.

Audi schaffte es durch eine aggressive Strategie die schnelleren Porsche mehr als nur zu ärgern. Kurzzeitig konnte man sogar die Führung übernehmen, wechselte im letzten Drittel des Rennens früh auf Slicks und zwang so die Konkurrenz zu einem vorgezogenen und letzten Endes auch zusätzlichen Stopp. Der war aber bitter nötig, um die Führung zu behalten. Die #17 behielt die Nerven und leistete sich keinen Fehler, am Ende überquerten Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber die Ziellinie mit guten 26 Sekunden Vorsprung und konnten ihren vierten Saisonsieg feiern.

#17 Porsche leading
©Porsche – der Titelkampf – die #17 gegen die #7

Für Roman Dumas, Marc Lieb und Neel Jani war die Aufgabe nach der Startkollision natürlich um einiges schwieriger – sie konnten sich ganz knapp gegen den #7er-Audi R18 von Andre Lotterer, Marcel Fässler und Benit Tréluyer durchsetzen, die vor ihren Teamkollegen Di Grassi, Duval und Jarvis den letzten Podiumsrang belegten. Toyota musste sich erneut mit den Rängen 5 und 6 begnügen, Rebellion Racing stellte mit Nicolas Prost und Mathias Beche das beste LMP1-Privatteam.

Mit dem Doppelsieg setzte sich Porsche bereits die Krone in der Herstellerwertung auf, der erste WM-Titel seit fast 30 Jahren ist somit bereits vor dem Saisonfinale sicher. Und auch in Sachen Fahrerwertung liegt es nun an dem Trio der Startnummer #17, die Weltmeisterschaft hier einzufahren. Nach den 6 Stunden von Shanghai führen Bernhard/Hartley/Webber hier mit 155 Punkten vor den Audi-Verfolgern mit 143 Punkten. Aber auch das muss man erstmal ins Ziel bringen. Vieles steht dem allerdings nicht mehr im Wege und beim Saisonfinale am 21. November in Bahrain sollte der Regen dann auch mal kein Thema mehr sein.

Porsche - WEC Champions 2015
©Porsche – die Herstellerwertung geht an Porsche

Fritz Enzinger, seines Zeichens Leiter des LMP1-Projektes bei Porsche, zum Erfolg in diesem Jahr: „Es dauert sicher einige Tage, bis wir vollständig realisieren, was wir heute geschafft haben. In unserer erst zweiten Saison nach Le Mans auch die Hersteller-Weltmeisterschaft zu gewinnen, ist unglaublich. Aufgrund der wechselnden Witterungsbedingungen haben wir sechs Stunden extreme Anspannung erlebt. Danke an alle, die an diesem Erfolg mitgearbeitet haben, in Weissach und ganz generell bei Porsche. Jetzt bemühen wir uns darum, auch den Fahrertitel nach Stuttgart zu holen.“

WEC - Mark Webber
©Porsche – kurz vor dem WM-Titel: Mark Webber

In der Formel 1 blieb ihm ein Titel verwehrt, doch für Mark Webber könnte in Bahrain die große Stunde endlich schlagen. „Was dieses Team in so kurzer Zeit geschaffen hat, ist unfassbar. Ich war ja schon in einige ziemlich professionelle Sportprojekte involviert und kann sagen: Es ist beeindruckend, auf diesem Level einzusteigen und im zweiten Jahr solche Ergebnisse zu erzielen. Es ist hoch komplex, diese Autos zu bauen und Wochenende für Wochenende so eine Vorstellung zu liefern. Das Fahrzeugkonzept ist mutig, und jeder hat hart gearbeitet. Der Hersteller-Titel ist großartig für Porsche. Es macht Spaß, für dieses Team Rennen zu fahren“, so der Australier.

6 Stunden von Shangai 2015
©John Rourke – AdrenalMedia.com / via FIA WEC

LMP2 – Signatech Alpine siegt mit Debütant Dillmann

Reichlich Action bot auch wieder die LMP2-Klasse, die dieses Mal das Team von Signatech Alpine für sich entscheiden konnte. Nelson Panciatici, Paul Loup Chatin und LMP2-Debütant Tom Dillmann konnten auf ganzer Linie überzeugen und ließen die Zweitplatzierten Roman Rusinov, Julien Canal und Sam Bird im G-Drive Ligier-Nissan deutlich hinter sich. Mit Rang 3 musste sich das KCMG Team mit Matthew Howson, Richard Bradley und Le Mans Sieger Nick Tandy am Steuer zufrieden geben, letzterer stellte den Oreca-Nissan zu Rennbeginn ins chinesische Kiesbett und verlor eine ganze Runde, insofern noch Schadensbegrenzung für die Truppe mit Rang 3.

Zwischenzeitlich konnten die Gaststarter von Pegasus Racing mit ihrem Morgan-Nissan dem Rennen den Stempel aufdrücken, insbesondere Alex Brundle konnte das einzige Michelin-bereifte Fahrzeug der LMP2 im Regen an der Spitze halten, gegen Rennende und einem Sicherheitsstopp musste sich das Trio aus Brundle und seinen Fahrerkollegen David Cheng und Ho-Pin Tung mit Rang 5 begnügen.

In Sachen Fahrerwertung hat das G-Drive Trio Rusinov, Canal und Bird nun die besten Karten für das Saisonfinale inne.

6hShanghai GTE-Pro
©Nick Dungan – AdrenalMedia.com / via FIA WEC – Lietz/Christensen – Sieger GTE-Pro

LMGTE – Pro und Am

Richard Lietz und Michael Christensen hießen die Sieger der GTE-Pro Klasse in Shanghai. Am Ende lag das Duo komfortabel mit guten 45 Sekunden vor dem Ferrari-Duo Gianmaria Bruni und Toni Vilander. Für Manthey wäre ein Doppelsieg locker drin gewesen, doch ein Reparaturstopp nach einer Berührung mit einem Audi R18 machte dies zunichte, so dass sich Frédéric Makowiecki und Patrick Pilet mit Rang 3 zufrieden geben mussten.

Lietz konnte mit dem Sieg seinen alleinigen Vorsprung in Sachen Fahrerwertung ausbauen und dürfte schwierig zu schlagen sein.

In Sachen GTE-Am Wertung gab es für Porsche dann aber mal nicht viel zu feiern an diesem Tag. Der Sieg hier ging an das Trio Francois Perrodo, Emmanuel Collard und Rui Aguas im F458 vor dem Aston Martin von Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Mathias Lauda vor einem weiteren Ferrari.

Ferrari F458 GTE-Am
©John Rourke – AdrenalMedia.com / via FIA WEC -F458 GTE-Am

Beim Finale in Bahrain sind noch einige Titel in der WEC zu vergeben, interessant, oder muss man eher sagen besorgniserregend, ist leider auch hier das Thema Abgasaffäre des VW-Konzerns. Welche Auswirkungen hat dies auf die motorsportlichen Aktivitäten des Konzerns für die kommenden Jahre? Das sieht derzeit sicher nicht allzu gut aus – es scheint wohl, dass Porsche das GTE-Team aus der WEC zurückziehen wird.

Für eine weitergehende Betrachtung empfehle ich euch mal beim Racingblog vorbeizuschauen – hier wird das Thema ausführlicher beleuchtet. Erstmal konzentrieren wir uns jetzt aber auf das WEC-Saisonfinale 2015 in Bahrain – ein hoffentlich guter Abschluss eines gelungenen Langstrecken-Jahres. In diesem Sinne, Keep Racing!

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