WEC – Die 6 Stunden von Spa

Audi R18 e-tron Spa 2015
©Audi Motorsport – Sieg für die #7

Das Wochenende in den Ardennen begrüßte die Teilnehmer der Langstreckenweltmeisterschaft nicht gerade freundlich – will heißen mit schwierigen und nassen äußeren Bedingungen für die ersten Runden. Besonders für die Truppe von Toyota – man tritt übrigens ab sofort unter dem Namen Toyota Gazoo Racing an – begann bereits früh ein Wochenende, das man schnelll wieder vergessen möchte.

Kazuki Nakajima krachte am Steuer des TS040 mit der #1 am Ende der langen Kemmel-Geraden nach Eau Rouge in das Heck des Audi R18 von Oliver Jarvis. Zu allem Übel brach sich der Japaner dabei einen Wirbel und aus dem Trio wurde im Weltmeister-Wagen ein Duo. Doch auch Anthony Davidson und Sébastien Buemi hatten nicht viel Freude mit ihrem reparierten LMP1. In Sachen Speed der Konkurrenz unterlegen, kamen noch zahlreiche Defekte und Elektrikprobleme hinzu. Ein 8. Rang am Ende war nicht das, was man erhofft hatte.

Platz 5 für den Toyota TS040 Hybrid in der Besetzung Alex Wurz, Stéphane Sarrazin und Mike Conway war am Ende der 6h nur Schadensbegrenzung für die Truppe – immerhin erfreute uns Sarrazin mit einem klasse Überholmanöver gegen den Audi R18 von Marco Bonanomi vor der Eau Rouge – mehr als sehenswert. Das war die Generalprobe für die 24h von LeMans am vergangenen Samstag insgesamt auf jeden Fall. Schauen wir aber auf die Spitze des Feldes. Die übernahm mit den freien Trainings und dem Qualifying Porsche mit allen drei 919Hybrid-Fahrzeugen.

Porsche 919 Hybrid Spa 2015
©Nick Dungan-AdrenalMedia.com/via FIA WEC – Porsche 919 Hybrid – am Start noch zu dritt vorne

In der FIA WEC wird für das Qualifying-Ergebnis die Durchschnittszeit der jeweils schnellsten Runde zweier Fahrer herangezogen. Timo Bernhard und Brendon Hartley erreichten eine Zeit von 1:54.767 Minuten  – das ist mehr als sechs Sekunden schneller als im Vorjahr – und damit die Pole Position. Auf Rang 2 reihte sich der erstmals eingesetzte dritte Wagen von Porsche  ein. Der 919 Hybrid mit der Startnummer #19 erreichte 1:55.025 – am Steuer Nick Tandy und Nico Hülkenberg. Da sind wir ja schon bei meinem Thema, das mich auch selber nach Spa verschlug. Der Emmericher Formel 1 Pilot fühlte sich am Wochenende sichtlich wohl bei Porsche – seine Leistungsfähigkeit steht ebenfalls außer Frage. Auf “Hülki” werde ich aber separat nochmal eingehen, sonst finde ich hier kein Ende.  Das Duo Lieb und Neel Jani reihte sich auf Rang 3 ein. Erst dahinter folgte Audi mit der #7 (Fässler/Lotterer/Tréluyer) und der #8 (Di Grassi/Duval/Jarvis).

Die Porsche-Phalanx an der Spitze hielt aber nicht wirklich lange. Der neue Porsche im Bunde, die #19, wurde zu Beginn von Nick Tandy um die Ardennenachterbahn bewegt. Tandy verlor am Start einen Rang an seine Teamkollegen und musste sich den Attacken des ersten Audi erwehren. Dann kam es zu dem, was man gerade nicht brauchen kann. Porsche-Internes Missverständnis, aber zwischen LMP1 und GT. Nick Tandy kollidierte mit dem kleinen Bruder aus der GT-Klasse beim Versuch, innen vorbeizugehen – somit war die #19 in Sachen Podium früh aus dem Rennen. Falls jemand vor Ort das laute “Neeeeiiiiiin” gehört hat, das war ich… – Tandy brachte den Wagen immerhin zu einem längeren Stopp an die Box zurück.

Porsche 919 Hybrid #19 Hülkenberg Spa
©racing14.de – die #19 mit Nico Hülkenberg

Als Nächster am Steuer des dritten 919Hybrid war dann Nico Hülkenberg an der Reihe, der mehr als ordentliche Zeiten in den Asphalt brannte und einen Doppelstint absolvierte. Hülki nahm es am Ende gelassen, dass es nur Rang 6 wurde – in der F1 wäre ja solche eine Platzierung aktuell Grund für Luftsprünge:”Ich habe mich auch im Rennen sehr wohl gefühlt in unserem Auto. Ich bin mit einem Reifensatz zwei Stints gefahren, was die Reifen natürlich strapaziert hat. Im Verkehr klarzukommen, war definitiv ein Erlebnis, das ich sehr genossen habe – wobei es aber auch ein paar spezielle Momente gab. Manchmal ist das Timing beim Überholen einfach klasse, und manchmal passt es weniger gut.”

Zu Beginn gab der Porsche mit der #17 (Hartley/Bernhard/Webber) den Ton an, doch Hartley verpasste die letzte Schikane und bezog den Notausgang in seine Ideallinie etwas zu schnell ein – Durchfahrtsstrafe war der logische Schluss. Trotzdem war man vorne dabei, bis Timo Bernhard mit einem Aufhängungsschaden die Box ansteuerte. Dennoch gab es noch den letzten Podiumsplatz für die Polesitter. Davor spielte sich das Duell des Porsche mit der #18 von Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas gegen den Auftaktsieger aus Silverstone, den #7er Audi, ab. Und zwar mehr als sehenswert. Vor allem Tréluyer zeigte zu Rennende hin eine bärenstarke Leistung, er musste sich erst auf der langen Geraden der Porsche-Power von Marc Lieb geschlagen geben, am Ende konnte er sich in diesem klasse Duell aber eindrucksvoll durchsetzten.

TS040 Alex Wurz Spa 2015
©racing14.de – Chancenlos in Spa: Toyotas TS040 hier mit Alex Wurz am Steuer

Der Audi hatte das LeMans-Aeropaket an Bord – auf der Geraden war man zwar noch nicht so schnell wie Porsche, hat aber deutlich zugelegt. Dazu hat das Paket dem Abtrieb in den schnellen Kurven keinen Abriß getan – und was sich schon zum Auftakt zeigte: Der Audi geht mir den Reifen deutlich besser um. Den vorgeschriebenen Doppelstint mit den Pneus erledigte Audi schneller – Tréluyer schaffte am Ende sogar 2 1/2 Stints mit einem Reifensatz. Der #7 Audi in den Händen von Fässler/Tréluyer/Lotterer ist derzeit das Maß der Dinge – zweimal fast ein perfektes Rennen abgeliefert – die Generalprobe für LeMans geht nach Ingolstadt.

Gute Nachrichten dann heute noch aus Spa Francorchamps. Der Vetrag in Sachen WEC wurde bis 2018 verlängert – und wer es nicht nach LeMans schafft, dem sei ein Besuch in den Ardennen in Zukunft  ans Herz gelegt. 54.000 Zuschauer fanden in diesem Jahr den Weg nach Belgien – die LMP1 Boliden durch Eau Rouge zu sehen, das hat was, keine Frage. Ich sortiere dann mal weiter die Fotos des Wochenendes – in Sachen #WEC6hSpa kommt also noch das ein oder andere. In diesem Sinne, Keep Racing!

PS: Impressionen aus Spa gibt es auch – hier zu finden.

Podium Audi Spa 2015
©Audi Motorsport – erneut Sieger: Tréluyer/Fässler/Lotterer
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