World RX – Weltmeister Johan Kristoffersson

Johan Kristoffersson
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Kristoffersson feiert vorzeitig Rallycross-WM Titel 2017

Johan Kristoffersson war auch in Lettland nicht zu stoppen. Mit dem überlegenen Gewinn des Finales in Riga gelang dem Schweden nicht nur der fünfte Sieg und das neunte Podiumsergebnis in Folge, sondern er krönte sich auch vorzeitig zum Weltmeister des Jahres 2017.

Mit dem Sieg schraubte er seinen Vorsprung auf 62 Zähler bei noch 60 zu vergebenen Punkten. Allerdings wurde die Freude beim Team von PSRX Volkswagen Schweden doch ordentlich getrübt, denn Petter Solberg erwischte es im Halbfinale böse.

Petter Solberg mit Schlüsselbeinbruch

Der Norweger wurde beim Start des zweiten Halbfinales in einen üblen Crash verwickelt, im Durcheinander der ersten Kurve drehte sich der Polo des Ex-Champions und wurde von einem Kontrahenten erwischt. Solberg blieb danach zunächst im Auto sitzen, das Rennen wurde daraufhin abgebrochen. Der 42-jährige wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert und später stellte sich heraus, dass er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. So konnte der Norweger auch nicht vor Ort sein, als sich seine Truppe von PSRX über den Teamtitel freuen konnte.

PSRX Volkswagen Schweden hat nach dem Auftritt in Riga einen ausreichenden Vorsprung vor der Truppe von Peugeot Hansen, so dass sich das dominierende Team frühzeitig alle Titel sichern konnte. Petter Solberg ist nach dem bösen Halbfinal-Aus aktuell sogar immer noch WM-Zweiter, wird aber wohl kaum in dieser Saison ins Cockpit zurückkehren können.

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Johan Kristoffersson – Rallycross in Perfektion

Viel besser als Kristoffersson konnte man es in diesem Jahr nicht machen. Der Schwede fuhr in der WM, in der man gewohnt war, dass es um minimale Abstände geht, oft in einer eigenen Liga. Zudem haben die VW Polos einfach die Messlatte derartig hochgelegt, dass man nach Anlaufschwierigkeiten eine noch nie gesehen Dominanz an den Tag legte. Man darf nicht vergessen, das Rallycross-Jahr hatte mit drei Siegen in Folge von Mattias Ekström begonnen, doch dann musste der Schwede das Feld seinem Landsmann überlassen.

Auch Petter Solberg musste sich schon lange vor Lettland eingestehen, dass 2017 kein Kraut gegen seinen 28-jährigen Teamkollegen gewachsen war. “Es fühlt sich fantastisch an und fünf Rennen hintereinander zu gewinnen ist einfach großartig”, so Kristoffersson, der damit erst der dritte Rallycross-Weltmeister ist (nach Solberg 2014 & 2015, Ekström 2016). “Das ist etwas, auf das ich seit 2013 hinarbeite und ich denke, dass es noch einige Zeit brauchen wird, um das alles sacken zu lassen”, so der Schwede weiter.

Rallycross WM 2017
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“Ich war nicht darauf vorbereitet, an diesem Wochenende Weltmeister zu werden und ich habe bis zu dem Zeitpunkt, als Petter nicht ins Finale kam, nicht daran gedacht. Nur dann kam mir der Gedanke, dass es möglich sein könnte. Ich wollte immer Weltmeister werden, ein Traum ist wahr geworden”. Erster Gratulant war Mattias Ekström, der an diesem Wochenende mit Rang Zwei das Maximum aus seinem Audi S1 EKS quattro herausgeholt hat.

Wetterkapriolen und starke Audis

Zwischenzeitlich wurden die Rallycross-Fahrer auch mal wieder ordentlich im Nassen getestet und immerhin gingen auch zwei Qualifikationsdurchgänge nicht an den neuen Weltmeister. Toomas Heikkinen und Sebastien Loeb konnten einen Durchgang für sich verbuchen und der Franzose konnte nach der Qualifikation einen guten zweiten Rang belegen. Die Chance auf den zweiten Rang im Finale versemmelte er aber mit einem schlechteren Start gegenüber Ekström, so musste er sich in der Best of the Rest-Wertung dem 2016er Champion geschlagen geben. Mit Rang Drei aber erneut eine starke Vorstellung des Rallye-Rekordchampions.

Die Überraschung kam aber sicherlich von EKS, die alle vier Audi in die Halbfinal-Läufe brachten. “Trotz der wechselnden Bedingungen war es ein richtig gutes Wochenende für uns“, sagte Ekström. „Zum ersten Mal hatten wir vier Autos im Halbfinale, dazu mein zweiter Platz. Ich freue mich besonders für Nico, der bei seinem zweiten Einsatz gleich ins Finale gekommen ist.”

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Audi-DTM-Pilot Müller strahlte nach dem Finale: „Ich bin superhappy“, bilanzierte der Schweizer. „Mit Mattias im Finale zu stehen war toll. Ein großes Dankeschön für die Unterstützung an das gesamte Team.“ Lokalmatador Reinis Nitišs verpasste vor heimischer Kulisse den Einzug ins Finale. Dennoch zog auch der Lette ein positives Fazit: „Insgesamt war es ein gutes Wochenende. Leider habe ich im Halbfinale nach dem Start ein wenig Boden verloren, aber es ist immer etwas Besonderes, vor den eigenen Fans zu fahren. Ich denke, wir haben zusammen gute Werbung für die Rallycross-WM gemacht.“

Für Toomas Heikkinen endete das Wochenende nicht nach Wunsch. Nach dem ersten Tag hatte der Finne noch an der Spitze des Klassements gelegen und sich berechtigte Hoffnungen auf eine Topplatzierung gemacht. Doch im Halbfinale brach ihm eine Antriebswelle. „Das kann man leider nicht rückgängig machen. Nun muss ich nach vorne schauen“, sagte Heikkinen.

Hinter den Top 3 des Finales (Kristoffersson, Ekström und Loeb) liefen Andreas Bakkerud und Janis Baumanis ein. Baumanis hatte man sicher nicht auf der Rechnung fürs Finale, daher konnte der STARD-Pilot auf jeden Fall zufrieden sein. Bakkerud hatte mit seinem Ford Focus allerdings nicht die Chance auf ganz vorne, Rang Vier war auch hier das Maximum. Nico Müller wurde schließlich als 6. gewertet.

Rallycross 2017
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Blick ins Rallycross-Feld

Timmy Hansen konnte an diesem Wochenende seinem Teamkollegen nicht ins Finale folgen, im Duell mit Bakkerud verlor er im Semifinale entscheidend an Boden. Vor ihm kam zwar Niclas Grönholm ebenfalls nicht ins Finale, doch Rang 4 im ersten Halbfinale war aller Ehren wert.

Erneut gut aufgelegt zeigte sich Kevin Hansen, der im 2016er Peugeot 208 WRX ebenfalls Rang 4 in seinem Halbfinale erreichte – auch hier wäre mehr drin gewesen, man entschied sich aber zu früh für die Joker Lap.

Enttäuschend verlief das Wochenende für die Mannschaft vom MJP Racing Team. An Timo Scheiders Fiesta gab der Turbo den Geist auf, auslaufendes Öl setzte den Wagen in Brand. Am 2. Qualifying konnte er so nicht teilnehmen, danach zeigte er starke Leistungen, hatte aber natürlich keine Chance mehr, ins Halbfinale einzuziehen. Ähnlich erging es Kevin Eriksson, der aufgrund von Elektrikproblemen auch nicht an Q2 teilnehmen kann. Ken Block musste seinen Sachen ebenfalls früh packen, doch an diesem Wochenende stand alles im Zeichen des neuen Weltmeisters.

Mit Johann Kristoffersson hat die WorldRX einen würdigen Champion gefunden, das steht außer Frage. Zwei Stationen stehen für die WM noch auf dem Programm, am 30.09. und 01.10.2017 steht jetzt erstmal der Estering im Fokus der Rallycross-Elite. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Rallycross Riga
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FIA-Rallycross-WM 2017 – 10. Lauf, Riga – Resultat Finale

  • 1. Johan Kristoffersson (S) 5.06,673 Min.
  • 2. Mattias Ekström (S) +2,365 Sek.
  • 3. Sébastien Loeb (F) +3,919 Sek.
  • 4. Andreas Bakkerud (N) +4,534 Sek.
  • 5. Janis Baumanis (LV) +10,053 Sek.
  • 6. Nico Müller (CH) +20,976 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 10 von 12 Läufen)

  • 1. Johan Kristoffersson (S) 271 Pkt. (Weltmeister 2017)
  • 2. Petter Solberg (N) 209 Pkt.
  • 3. Mattias Ekström (S) 204 Pkt.
  • 4. Sébastien Loeb (F) 194 Pkt.
  • 5. Andreas Bakkerud (N) 165 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 10 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 480 Pkt. (Weltmeister 2017)
  • 2. Team Peugeot Hansen 346 Pkt.
  • 3. EKS 303 Pkt.
  • 4. Hoonigan Racing Division 263 Pkt.
Johan Kristoffersson Rallycross
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