World RX Silverstone – Kristoffersson obenauf

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Johan Kristoffersson siegt beim Debüt der Rallycross-WM in Silverstone

Ein Sieg des amtierenden Weltmeisters kommt in der Rallycross-Weltmeisterschaft sicher nicht überraschend, doch zunächst sah es ganz und gar nicht nach einem Erfolg von Johan Kristoffersson in Silverstone aus.

Der Schwede spielte in den ersten Qualifikationsdurchgängen nicht die erste Geige, meldete sich dann aber im dritten und vierten Durchgang stärker zurück und zählte dann schon wieder zu den Favoriten, als es in das erste Semifinale ging.

Beim Start kam es dann allerdings zum Team-Albtraum, als es bei der Anfahrt zur ersten Kurve zur Kollision zwischen Kristoffersson und Solberg kam. Mit den Plätzen 1 und 3 nach der Qualifikation traten die beiden VW Polos nebeneinander für das erste Halbfinale an, Solberg zog nach dem Start nach innen, der Kollege gab nicht nach und der VW Polo des Weltmeisters stieg am hinteren Radkasten von Solberg auf und krachte vehement in die Reifenstapel. Die Folgen waren ein Rennabbruch und notwendige Reparaturen.

Die waren bei Petter Solberg leider nicht von Erfolg gekrönt, der Norweger musste nach zwei Runden des neu gestarteten Semifinals aufgeben, während Teamkollege Kristoffersson mit dem Sieg ins Finale eilte. Schon in Mettet in Belgien kamen sich die beiden Polos in die Quere, das bessere Ende hatte aber erneut der amtierende Weltmeister.

World RX Silverstone
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Silverstone-Finale – Kristoffersson fehlerfrei

Dem Finaldurchgang drückte dann Johan Kristoffersson erneut seinen Stempel auf. Begünstigt wurde sein Vorhaben aber vor allem vom schwachen Start von Belgien-Sieger Sébastien Loeb, der mit dem zweiten Rang nach der Qualifikation und seinem gewonnenen Halbfinale erneut das Siegpotential des Peugeot 208 WRXC aufzeigen konnte.

Aber auf der neuen Rallycross-Piste in Silverstone ist Überholen äußerst schwer, dennoch konnte Loeb Boden gutmachen und seinerseits Mattias Ekström noch vom Podium stoßen, der Franzose schnappte sich Ekström und damit den dritten Platz kurz vor dem Ende.

An der Spitze war aber niemand in der Lage, einen erneuten Sieg von Johan Kristoffersson zu verhindern, auch wenn Andreas Bakkerud als Zweitplatzierter in Schlagdistanz bleiben konnte. Für den schnellen Norweger war es das erste „echte“ Podiumsergebnis im Team von EKS Audi, nachdem er in Barcelona diesen durch den Wertungsausschluss von Teamkollege Ekström geerbt hatte.

World RX Kristoffersson
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Bakkerud schnappte sich Ekström in der ersten Kurve, die am Wochenende reichlich Action bot, denn nicht nur eine Linie führte hier zum Erfolg.  Die beiden Audi S1 EKS RX quattro waren am Silverstone-Wochenende auf einem Niveau unterwegs, Bakkerud und Ekström gaben sich nicht viel, doch die VW Polos sind immer noch einen Tick voraus.

Hinter Ekström erreichte Niclas Grönholm im Finale den fünften Platz, das war aus GRX-Hyundai-Sicht sicher das Maximum. Der Hyundai i20-Pilot profitierte zwar vom Solberg-Aus im Semifinale, zeigte aber dennoch eine starke Vorstellung als „Best oft he Rest“. Kevin Hansen landete bei seiner ersten Finalteilnahme in dieser Saison nach einem Reifenschaden auf dem letzten Rang.

Für Peugeot wäre unterdessen sicher mehr drin gewesen, denn Timmy Hansen, im Übrigen der einzige Fahrer, der 2018 bei jedem WM-Lauf einen Qualifikationsdurchgang für sich entscheiden konnte, schied im Halbfinale nach einem Reifenschaden aus. Der ältere der beiden Hansen-Brüder scheint derzeit das Pech gepachtet zu haben.

Blick ins Feld – GRX-Hyundais stark, Rustad überrascht

Hinter den Werkswagen waren es erneut die Hyundai i20 Supercars, die eine starke Vorstellung boten. Timur Timerzyanov war nicht ganz auf dem Niveau von Teamkollege Grönholm unterwegs, erreichte als 12. der Qualifikation gerade noch so das Semifinale, wo er sich aber mit Rang 5 verabschieden musste.

Jérôme Grosset-Janin erreichte im Renault Megane ebenfalls das Semifinale, mehr als Rang 4 war hier dann aber nicht drin. Teamkollege Guerlain Chicherit erreichte das Halbfinale nicht, der Franzose musste hier ständigen Problemen bei den Starts Tribut zollen, bei denen er regelmäßig entscheidende Meter verlor.

Die Überraschung der Qualifikation war sicherlich Tommy Rustad. Der norwegische Routinier erreichte im VW Polo nach guten Leistungen das Halbfinale und ließ viele Namen hinter sich. In seinem letzten aktiven Jahr erreichte er nochmals den vierten Rang in seinem Semifinale.

Wenig lief bei den Ford Fiestas von Olsbergs MSE zusammen, Kevin Eriksson erreichte zwar das Semifinale, hatte hier aber kleine Chance auf ein Weiterkommen. Robin Larsson verpasste in der Qualifikation den Einzug in die Top 12 knapp.

WorldRX SilverstoneRX 2018
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Silverstone sah auch den ersten Auftritt des Ford Fiesta LionRX3 Supercar von MJP Racing. Allerdings wurde der Bolide für Toomas Heikkinen nicht rechtzeitig fertig, so dass lediglich Andrew Jordan im “Löwen“ ausrückte. Nach durchaus vielversprechenden Qualifikationsrennen musste sich Jordan allerdings nach einigen Problemen mit dem 20. Rang begnügen. Auch für das österreichische Team von STARD gab es diesmal nichts zu holen. Der bislang so stark fahrende Janis Baumanis musste sich mit dem 14. Rang begnügen, während Ma Quinghua den letzten Platz in der Qualifikation einnahm.

Der Auftritt der World RX in Silverstone war insgesamt sicher ein gelungener, auch wenn die Strecke selbst in vielen Belangen nicht überzeugen konnte. Nächster Halt ist jetzt die norwegische “Rallycross-Hölle“, am Wochenende des 09. und 10. Juni macht die WM dann Halt in Hell. In diesem Sinne, Keep Rallying!

PS: Hier noch die Stimmen der Top 3

Johan Kristoffersson: „Verrückt. Heute Morgen bin ich als Sechster in den Tag gestartet und habe nach zwei Siegen in den Heats noch Platz eins im Qualifying geholt. Das Halbfinale war hart und alles ging rasend schnell – ein Riesenkompliment an meine Jungs, die es geschafft haben, das Auto wieder im Top-Zustand an den Start zu bekommen. Im Finale musste ich meine besten Runden des Wochenendes abliefern, um vorn zu bleiben. Und das ist mir gerade so gelungen.“

Andreas Bakkerud: „Es fühlt sich großartig an, mit meinem neuen Team und Audi erstmals auf dem Siegerpodest zu stehen. Es fällt viel Druck von mir ab. Ich musste mich erst an das neue Auto gewöhnen, aber das ist mir dank der tollen Unterstützung des ganzen Teams inzwischen gut gelungen. Ich blicke dem weiteren Saisonverlauf zuversichtlich entgegen, denn jetzt kommen meine Lieblingsstrecken und mein Heimrennen in Hell. Speedmachine in Silverstone war ein ganz toller Premierenevent – Glückwunsch an die Organisatoren!“

Sébastien Loeb: „Das Finale war ein toller Kampf. Ich hatte einen schlechten Start und hätte beinahe den Motor abgewürgt. Ich musste mich von Platz sechs wieder nach vorn kämpfen. Zum Glück bin ich genau zum richtigen Zeitpunkt die Joker-Runde gefahren und konnte so einige Plätze gut machen. Alles in allem glaube ich, dass ich trotz des schlechten Starts ein gutes Finale gefahren bin. Bei nur sechs Runden gibt es ja nicht gerade viele Möglichkeiten zu überholen. Und ich freue mich, zum vierten Mal in Folge auf dem Podium zu stehen. Viel besser geht es nicht. Ich habe diese Saison viel Spaß: Denn es gibt viele harte, aber sehr faire Zweikämpfe. Und das, obwohl drei Hersteller so eng miteinander kämpfen.“

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FIA-Rallycross-WM 2018 – 4. Lauf, Silverstone – Resultat Finale

  1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 4.00,899 Min.
  2. Andreas Bakkerud (N) Audi + 0,859 Sek.
  3. Sébastien Loeb (F) Peugeot + 1,346 Sek.
  4. Mattias Ekström (S) Audi + 1,949 Sek.
  5. Niclas Grönholm (FIN) Hyundai + 3,832 Sek.
  6. Kevin Hansen (S) Peugeot + 29,983 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 4 von 12 Läufen)

  1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 105 Pkt.
  2. Sébastien Loeb (F) Peugeot 91 Pkt.
  3. Andreas Bakkerud (N) Audi 83 Pkt.
  4. Petter Solberg (N) Volkswagen 80 Pkt.
  5. Mattias Ekström (S) Audi 80 Pkt.
  6. Timmy Hansen (S) Peugeot 71 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 4 von 12 Läufen)

  1. PSRX Volkswagen Sweden 185 Pkt.
  2. EKS Audi Sport 163 Pkt.
  3. Team Peugeot Total 162 Pkt.
Rallycross Podium Silverstone
©Jakob Ebrey via FIAWorldRallycross.com
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