WorldRX Germany – Kristoffersson Estering-Sieger

Estering 2018 Podium WorldRX Germany
©Marian Chytka/PSRX Volkswagen Team Sweden

Johan Kristoffersson gewinnt auch deutschen Rallycross-WM-Lauf

Die Serie ist gebrochen und der alte und neue Weltmeister einfach nicht zu stoppen – das sind die Erkenntnisse vom Wochenende der Rallycross-Weltmeisterschaft auf dem Estering.

Bislang fehlte Johan Kristoffersson sogar ein Podiumsbesuch auf der Traditionspiste in Buxtehude, doch das holte er in erneut bestechender Form jetzt nach. Als Top Qualifier holte er sich im Norden Deutschlands seinen neunten Sieg in Folge und den insgesamt zehnten Saisonsieg, den er sich aber im Gegensatz zu anderen WM-Läufen deutlich härter erarbeiten musste.

Standesgemäß gewann der Schwede sein Halbfinale, musste sich aber beim Start ins Finale zunächst geschlagen geben. Doch Kristoffersson behielt die Ruhe, was an diesem Wochenende vielen Piloten in der ersten Kurve nicht gelang und holte sich genau in der berühmten Ecke von Andreas Bakkerud die Führung zurück. Kurz danach musste allerdings das Finale mit der roten Flagge abgebrochen werden, da Kevin Hansen seinen Peugeot 208 WRX vehement in der Streckenbegrenzung des Esterings parkte.

Der 20-jährige musste danach sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht werden, kam aber glimpflich ohne Verletzungen davon. So versammelten sich zum Neustart des Final-Laufes nur noch fünf Piloten an der Startlinie und diesmal erwischte der Champion einen perfekten Start und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Estering 2018 WorldRX Germany RX
©Oliver Kilimann/racing14.de

Rennabbruch im Finale – EKS Audi zweite Kraft

Einzig Mattias Ekström konnte noch einigermaßen folgen, war aber nicht schneller unterwegs, so dass es der EKS Audi-Pilot dabei beließ, dem VW Polo seines Landsmannes zu folgen und auch keine Alternative Strategie in Sachen Joker Lap zu wählen. Damit landete er vor Teamkollege Andreas Bakkerud, wichtige Punkte in Sachen Teamwertung also für die Audi-Fahrer, denn die Peugeot-Truppe blieb weit hinter den Erwartungen an diesem Wochenende zurück, doch dazu gleich mehr.

Auf Rang vier kam ein erneut bärenstarker Niclas Grönholm ins Ziel, der mit seinem Hyundai i20 Supercar wieder mal einen mehr als starken Auftritt feierte und seinen Teamkollegen Timur Timerzyanov erneut klar in den Schatten stellte. Der Russe schaffte es nicht in die Semifinals, Pech und eigene Fehler summierten sich hier auf.

WorldRX Germany
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Petter Solberg musste im neugestarteten Finale seinen VW Polo qualmend vorzeitig abstellen, hatte aber eh keinen guten Start gehabt und musste sich zuvor schon beim ersten Versuch des Finales früh hinter dem Hyundai von Grönholm einreihen. Dabei startete der Altmeister sehr stark ins Wochenende und lag zu Beginn des Wochenendes auf Augenhöhe mit dem Teamkollegen. Doch auch für ihn war die erste Kurve am Estering eine Schlüsselstelle, die ihm nicht immer wohlgesonnen war. So hatte er im Finale schon nach dem Start den Kürzeren gezogen, während Johan Kristoffersson mal wieder alles richtig machte.

Der Estering-Auftritt de WorldRX brachte auch die Vorentscheidung in der Teamwertung, bei PSRX Volkswagen Schweden durfte man jetzt also den zweiten Titelgewinn 2018 feiern.

World RX Final | 2018 World Rallycross of Germany

Frust bei Peugeot

Dabei sah es in der Qualifikation gar nicht nach einem klaren Durchmarsch des Weltmeisters aus, der sich mit dem Gewinn eines Qualifikationsdurchgangs begnügen musste. Im dritten Qualifying waren es zudem die EKS Audi, die bessere Zeiten auf den Buxtehuder Schotter brachten und Timmy Hansen gelang der Sieg im letzten Durchgang.

Hansen ließ für Peugeot Hoffnung aufkommen, ein frühes Duell mit Anton Marklund in der ersten Kurve und der folgenden Geraden im Semifnale bedeute jedoch das bittere Aus, Timmy Hansen beendete seinen Esteringauftritt mit kaputter Front somit abgeschlagen und frustriert – da wäre mehr drin gewesen.

Der Estering war auch für Teamkollege Sébastien Loeb keine Reise wert, nach einem zu harten Duell auf der langen Geraden mit Kevin Eriksson musste er seinen 208 WRX abstellen, damit ist der Rallye-Rekordchampion praktisch raus aus dem Kampf um den Vizetitel. Den werden nun Ekström, Bakkerud und Solberg beim Saisonfinale in Kapstadt unter sich ausmachen.

Estering WorldRX of Germany Johan Kristoffersson
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Das muss Johan Kristoffersson allerdings nicht weiter beschäftigen, denn als es darauf ankam, war der Schwede unnachahmlich wieder zu Stelle. Nach dem vorzeitigen Titelgewinn auf dem COTA in den USA hat er sich sehr akribisch auf den Estering vorbereitet, um seine sieglose Zeit hier zu beenden. Und anno 2018 gelingt ihm anscheinend alles, so dass er seinen Estering-Debütsieg feiern durfte.

Trotz des abermaligen Erfolges von Kristoffersson bot das gesamte Wochenende am Estering packende Duelle und beste Rallycross-Action, was viele moderne Strecken doch vermissen lassen. Die erste Kurve der Traditionsstrecke konnte in vielen Rennen den Erwartungen der Zuschauer standhalten und bot viel Kontakt, gelungene Manöver auf der äußeren Linie, aber auch oftmals gescheiterte Versuche. Rundherum war der Auftritt der WorldRX beste Werbung für einen Verbleib des Esterings im Kalender der Rallycross-Weltmeisterschaft, soviel bleibt festzuhalten.

WorldRX of Germany
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Blick ins Feld – Spannende Positionskämpfe

Die VW Polos von PSRX und die Audi S1 von EKS bestimmten erwartungsgemäß das Geschehen, Timmy Hansen hätte im Peugeot vorne ein Wörtchen mitreden können, war aber zu ungestüm unterwegs.

Dahinter überzeugte, wie schon erwähnt, Niclas Grönholm, aber auch Kevin Hansen zeigte bis zu seinem Unfall einen bärenstarken Auftritt, der mit dem Finaleinzug gekrönt wurde.

Die beiden Ford Fiesta von Olsbergs MSE von Kevin Eriksson und Robin Larsson erreichten beide das Halbfinale, hier war dann aber Endstation. Während Eriksson eine starke Leistung ablieferte, hatte sein Teamkollege Glück, dass er eben noch so in das Semifnale rutschte, da andere sich im Qualifying selbst im Weg standen.

WorldRX Rallycross-WM Estering 2018
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GCK Renault Megane-Pilot Guerlian Chicherit war auf sicherem Halbfinalkurs, doch eine Kollision in der Qualifikation warf ihn am Ende aus den Top 12. Liam Doran übte fleißig die Außenbahn der ersten Kurve und zeigte mit Gesamtrang 7 in der letzten Qualifikation das Potential des Megane, wurde aber aufgrund eines Regelverstoßes nachträglich für das erste Qualisegment disqualifiziert

Anton Marklund im dritten Renault Megane schaffte es in Semifinale, nach der frühen Kollision mit Timmy Hansen endete sein Auftritt aber ohne Zielankunft. Auch Janis Baumanis kam als Vierter seines Halbfinales nicht ohne Blessuren davon, so dass er keine Chance auf einen Finaleinzug hatte.

Die Chancen auf ein Weiterkommen waren auch für René Münnich im Seat Ibiza Supercar gering, der Deutsche wurde in der Qualifikation am Ende 16. Ein rabenschwarzes Wochenende erlebte unterdessen der Franzose Cyril Raymond, von dem ich mir deutlich mehr erhofft hatte.Doch irgendwas passte an diesem Wochenende nicht beim Rallycross-Nachwuchs, Raymond kam nach einigen Fehlern nur auf den vorletzten Platz in der Qualifikation Das war sicher nicht das, was der Youngster kann, das Estering-Wochenende sollte er schnell abhaken.

Start Rallycross-WM Estering Buxtehude
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Johan Kristoffersson kann derweil seinen 10. Saisonsieg jetzt erstmal ausgiebig feiern, denn vor dem Saisonfinale bleibt noch etwas Zeit, das geht erst Ende November über die Bühne. Neben Kristoffersson kann sich aber auch der Estering als Gewinner des Wochenendes fühlen, spannenden Rallycross-Sport bekamen die Zuschauer auf jeden Fall geboten. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Estering 2018 – Stimmen nach dem Rennen

Johan Kristoffersson: „Es war ein schwieriges Finale, aber erstmal bin ich sehr glücklich, dass wir die Team-Meisterschaft gewonnen haben. Natürlich bin ich sehr, sehr glücklich über den Sieg, aber auch darüber, dass sich die Hausaufgaben, die ich gemacht habe, ausgezahlt haben. Diese Strecke ist sehr anspruchsvoll und es gibt immer harte Kämpfe. Die erste Kurve ist immer entscheidend, wie auch der Start, also bin ich sehr glücklich in der Lage zu sein, auf diesem Kurs zu gewinnen.“

Pernilla Solberg, Teamchefin bei PSRX zum Gewinn der Teamwertung: „Unfassbar, wir haben es schon wieder geschafft. Ich bin unglaublich stolz und dankbar, was wir gemeinsam als Team aufgebaut haben. Die Zusammenarbeit zwischen unserer Mannschaft, dem Team von Volkswagen Motorsport und nicht zuletzt Volkswagen Schweden könnte nicht besser und nicht erfolgreicher sein.“

Ekström EKS Audi S1 quattro Supercar
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Mattias Ekström: „Wir freuen uns, dass wir mit beiden Audi aufs Podium gefahren sind. Wir hatten zwar auf einen Sieg gehofft und wir waren sehr nah dran, aber nicht nah genug. Die Konkurrenz war wieder einmal sehr stark. Doch es liegt noch ein Rennen vor uns. Wir arbeiten weiterhin hart und kämpfen. Ich glaube an dieses Team und wir werden alles dafür tun, um in Südafrika die Saison mit einem Sieg zu beenden und den Vizetitel zu gewinnen.“

Niclas Grönholm: „Insgesamt war es ein gutes Wochenende. Die Qualifikation für das Finale und der vierte Platz sind ein gutes Resultat, aber ich muss zugeben, ich hatte auf mehr gehofft. Ich wollte dieses Mal wirklich aufs Podium, aber es sollte nicht sein. Wir haben noch ein Rennen und ich hoffe die Saison mit einem starken Resultat zu beenden.“

Niclas Grönholm GRX Hyundai i20 Supercar
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Kevin Hansen: „Natürlich möchte man das Wochenende nicht im Krankenhaus beenden. Aber Unfälle gehören zum Motorsport dazu. Man muss sie schnell vergessen und weitermachen. Bis zum Unfall verlief das Wochenende wirklich gut. Wir waren schnell und haben uns stetig verbessert, auch wenn wir immer wieder im Verkehr aufgehalten wurden – vor allem in der ersten Kurve. Ich bin stolz auf meine guten Starts. Im Finale bin ich von hinten losgefahren und hatte mich bereits auf Platz drei vorgekämpft. Schade, es wäre viel drin gewesen. Wir werden zurückkommen.“

Timmy Hansen: „Es war ein Wochenende mit Höhen und Tiefen – leider gab es jedoch mehr Tiefen. Aber dass ich im Halbfinale aus der ersten Reihe gestartet bin, zeigt, dass heute alles möglich gewesen wäre. Ich bin lange genug im Sport, um zu wissen, dass es immer wieder Rückschläge gibt. Aber ein solches Wochenende, an dem wir so nah am großen Ziel waren, macht uns noch entschlossener, erfolgreich zu werden. Ich bin sehr stolz auf meinen Bruder: Er hat eine unglaubliche Leistung gezeigt.“

Sébastien Loeb: „Bis zum letzten Vorlauf hatte ich immer Probleme mit dem Verkehr. Das fasst mein Wochenende ziemlich gut zusammen. Daher war ich von Anfang an in der Defensive. Das Überholen hier ist schwierig. Wir hatten das Potential, aber wenn man mitten im Feld hängenbleibt und es nicht nutzen kann, können Zwischenfälle passieren. Das Auto hat sich das ganze Wochenende gut angefühlt, aber die Umstände waren gegen uns. Ich bin weiterhin sehr motiviert, hart mit dem Team Peugeot Total zu arbeiten. Ich freue mich schon auf das, was in Zukunft kommen wird.“

Rallycross Buxtehude - Timmy Hansen Peugeot 208 WRX Estering
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FIA-Rallycross-WM 2018 – 11. Lauf, Estering Buxtehude – Resultat Finale

  • 1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 3.33,568 Min.
  • 2. Mattias Ekström (S) Audi +1,849 Sek.
  • 3. Andreas Bakkerud (N) Audi 3,082 Sek.
  • 4. Niclas Grönholm (FIN), Hyundai +5,030 Sek.
  • 5. Petter Solberg (N) Volkswagen –2 Rd.
  • 6. Kevin Hansen (S) Peugeot 6 Rd.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 11 von 12 Läufen)

  • 1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 311 Pkt. (Weltmeister)
  • 2. Mattias Ekström (S) Audi 228 Pkt.
  • 3. Andreas Bakkerud (N) Audi 224 Pkt.
  • 4. Petter Solberg (N) Volkswagen 221 Pkt.
  • 5. Sébastien Loeb (F) Peugeot  205 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 11 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 532 Pkt. (Weltmeister)
  • 2. EKS Audi Sport 452 Pkt.
  • 3. Team Peugeot Total 382 Pkt.
Estering Buxtehude GermanyRX Johan Kristoffersson VW Polo Supercar
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