WorldRX – Johan Kristoffersson zum zweiten Mal Rallycross-Weltmeister

Johan Kristoffersson Rallycross-Weltmeister
©McKlein/Volkswagen AG

Johan Kristoffersson – WorldRX Champion 2018

Es hätte schon viel schief gehen müssen, damit sich Johan Kristoffersson nicht seinen zweiten WM-Titel am vergangenen Wochenende auf dem Circuit of the Americas, kurz COTA, beim ersten Amerika-Auftritt der Rallycross-WM, hätte holen können.

Doch das Wörtchen hätte konnte man frühzeitig streichen, denn schon nach dem Semifinale hatte der alte und neue Weltmeister genügend Zähler gesammelt, um in der Meisterschaft uneinholbar vorne zu sein. Der vorzeitige Titelgewinn war daher eher Formsache für den Schweden, der zu Beginn der Qualifikation noch in ungewohnten Niederungen außerhalb der Top 10 unterwegs war. Dafür sorgte vor allem ein 13. Rang im ersten Quali-Durchgang, als es ausnahmsweise mal für den Dauersieger nicht so rund lief.

Das lag auch an der ersten Kurve des COTA-Rallycross-Kurses, auf dem auch Kristoffersson zu Beginn der Qualifikation mal das Nachsehen hatte. Doch dass man den Schweden dann noch lange nicht abschreiben darf, ist allen Beteiligten klar. So arbeitete er sich zügig wieder nach vorne und gewann dann auch noch den vierten Qualidurchgang, immerhin war der Champion gnädig und begnügte sich dieses Mal nur mit einem Qualifikations-Sieg.

WorldRX Johan Kristoffersson
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Petter Solberg mit starkem Auftritt

Dabei war es PSRX-Teamkollege Petter Solberg, der an diesem Wochenende eine Art Comeback feierte. Denn der Altmeister blühte auf dem COTA zu alter Form auf.

Rückblick: Beim WRX-Event in Riga im Vorjahr gab es einen üblen Crash von Solberg mit Janis Baumanis. Der endete mit gebrochenen Rippen und Schlüsselbein für den Ex-Champion. Bei der Untersuchung stellte sich damals heraus, dass er schwer lungenkrank war. Die Erkrankung blieb vorher unentdeckt. Durch die rechtzeitige Diagnose konnte man eine Therapie einleiten, die aber ihre Zeit brauchte. Solberg hielt damit lange hinterm Berg und kämpfte weiter im Rallycross-Supercar.  Erst seit diesem Sommer fühlt sich der Norweger deutlich besser, sogar mit Sehstörungen hatte er zu kämpfen.

Der Solberg, der sich nun auf dem COTA zeigte, sah nicht nur rein äußerlich deutlich besser aus, auch die Formkurve im VW Polo R-Supercar ging wieder deutlich nach oben. Mit zwei Qualifikationserfolgen setzte er sich als Top-Qualifier durch und gewann dann auch gleich sein Semifinale vor Johan Kristoffersson.

World RX Final | 2018 World Rallycross of USA

Auch im Finale machte Solberg zunächst alles richtig, ging rechtzeitig in die Joker Lap, um sich vor Kristoffersson einzufädeln und steuerte Richtung Sieg, denn die Überholmöglichkeiten auf der neuen Strecke im Kalender sind kaum vorhanden. Dann unterlief dem Norweger aber der entscheidende Fehler, als er zu weit in den Dreck rutschte. Kristoffersson nutzte die Chance eiskalt aus und sicherte sich so den 9. Saisonerfolg im 10 WM-Lauf und konnte seine zweite Weltmeisterschaft und die Titelverteidigung standesgemäß feiern.

Rallycross-WM
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Kristoffersson nicht zu bremsen

Bevor die Rallycross-WM jetzt in Buxtehude Halt machen wird, hat Johan Kristoffersson einen uneinholbaren Vorsprung von 77 Punkten und ist ohne Zweifel seit guten zwei Jahren Mr. Rallycross schlechthin. Der Schwede feierte damit sogar den zweiten Titelgewinn innerhalb von acht Tagen, denn eine Woche vorher sicherte er sich den Tourenwagentitel in der TCR Scandinavia.

Zudem ist er der erste Schwede, dem es gelungen ist, zwei Motorsport-WM-Titel zu erringen. Neben der aktuellen Quote mit 9 von 10 möglichen WorldRX-Siegen 2018 ging er dann auch noch sechsmal als Top-Qualifier in die Semi-Finals. Keine Frage, die Rallycoss-WM-Läufe 2018 sind die Kristoffersson-Festspiele.

„Das ist absolut unglaublich“, jubelte Kristoffersson nach dem Finale. „Im Moment läuft es absolut perfekt für mich. Ein großer Dank geht an Petter, Pernilla und an das gesamte Team PSRX Volkswagen Schweden, die mich immer fantastisch unterstützen. Und natürlich an die Mannschaft von Volkswagen Motorsport, die Petter und mir mit dem Polo R Supercar das beste Auto im Feld stellen.“

Lob gab es auch von Volkswagen Motorsport-Direktor Sven Smeets: „Gratulation an Johan für eine fantastische Saison. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass er seine beeindruckende Leistung aus dem Vorjahr sogar noch einmal übertreffen kann. Er ist ein wirklich würdiger Champion“, so Smeets.

Petter Solberg WorldRX USA
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Volkswagen-Dominanz in Austin

Die beiden VW Polo R Supercars beherrschten das Geschehen auf der Rallycrosspiste des COTA. Einzig Mattias Ekström konnte für sich den Sieg im dritten Qualifikationsdurchgang verbuchen, aber im Finale war auch er chancenlos gegen die Polos.

Statt bester Nicht-Polo musste sich der EKS Audi-Pilot dann auch noch mit Rang 5 begnügen. Nach seinem Sieg im Halbfinale war der Schwede aus der ersten Startreihe ins Finale gegangen, verlor nach einer Berührung mit dem Peugeot von Timmy Hansen aber wichtige Sekunden und fuhr nur als Sechster über die Ziellinie.

Nachdem Hansen eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam, rückte Ekström auf Platz fünf vor. „Ich bin schon enttäuscht, dass ich nicht aufs Podium fahren konnte, wir landeten in einem hart umkämpften Finale in der Wand und sammelten nicht viele Punkte“, so Ekström, der damit weiterhin immerhin den eng umkämpften zweiten Rang in der Weltmeisterschaft verteidigt.

So schnappte sich dann Andreas Bakkerud den letzten Platz auf dem Podest vor Rallye-Rekordchampion Sébastien Loeb. „Ich freue mich über das Podium, denn das Wochenende war wirklich hart. Ich bin in allen Qualifyings auf der schwierigen Außenbahn gestartet, und wir haben zusammen mit EKS Audi Sport unser Bestes gegeben“, so der Norweger. „Es ist uns hier leider nicht gelungen, Volkswagen zu schlagen. Aber es ist toll, gegen die weltbesten Fahrer anzutreten. Glückwunsch an Johan Kristoffersson, der hier vorzeitig den WM-Titel holte. Ich freue mich auf das nächste Rennen in Buxtehude, um dort mit Mattias (Ekström), Petter Solberg und Sébastien Loeb weiter um den Vize-WM-Titel zu kämpfen.“

WorldRX
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Schwieriges Wochenende für Peugeot

Für die Truppe von Peugeot lief es alles anderes als optimal, mit den Rängen 4 und 6 darf man sicher am Ende nicht zufrieden sein. Aktuell sieht es nicht danach aus, als würde man an den einzigen Nicht-VW-Polo Sieg des Jahres im belgischen Mettet nochmal anschließen können.

„Ein weiteres hartes Wochenende“, so Sébastien Loeb. „Die Zeitstrafe in Q2 war ein herber Schlag, und in Q4 hing ich im Verkehr fest. Das Halbfinale war gut, aber wenn man auf einer so engen Strecke von hinten starten muss, ist es nicht leicht. Trotzdem bin ich Zweiter geworden. Das Finale war hart. Ich wurde in der ersten Kurve in die Joker Lap gedrückt und musste einen weiten Bogen fahren. Da sind einige Gegner vorbeigeschlüpft. Meine Strategie war ohnehin im Eimer. Das war’s dann schon. Aber ich habe erneut gepunktet und werde weiterkämpfen.“

WorldRXUSA Austin
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Keine Chance gegen Werkspower

Das Finale war ein klares Spiegelbild der WorldRX-Verhältnisse. Die Polos in Front, dann Audi vor den Peugeots von Timmy Hansen und Sébastien Loeb.

Da hatte die Konkurrenz nichts zu melden, auch wenn sich diesmal nur wenige nach der Qualifikation verabschieden mussten. Da lediglich die 15 permanenten Starter antraten, traf das Aus diesmal nur Timur Timerzyanov, Robin Larsson und Grégoire Demoustier. Vor allem bitter für Timerzyanov, dem nicht viel gelang und der erneut deutlich im Schatten von GRX-Teamkollege Niclas Grönholm stand.

Letzterer verpasste den Einzug ins Finale nur knapp, als er im Semifinale drei Zehntel hinter dem Drittplatzierten Bakkerud ins Ziel kam. Viel mehr geht aus Sicht des Teams von Marcus Grönholm aber nicht, die Werks- oder werksunterstützten Mannschaften sind einfach zu stark aufgestellt.

Immerhin mal wieder mit im Halbfinale vertreten waren Kevin Eriksson im Olsbergs MSE-Fiesta und Janis Baumanis im Fiesta vom STARD-Team, hier gab es aber für die beiden ebenso wenig zu holen wie für die Renault Megane-Piloten Anton Marklund und Guerlain Chicherit.

Die PSRX-Truppe mit VW-Power im Rücken bleibt am Ende die dominierende Kraft, da macht sich selbst bei den anderen werksunterstützten Projekten Frust breit, so stellt mittlerweile auch Sébastien Loeb das künftige Peugeot-Engagement durchaus in Frage.

AustinRX 2018
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Keine Frage, mit Johan Kristoffersson haben wir einen mehr als verdienten Weltmeister, doch wenn die Rallycross-Experten à la Olsbergs MSE oder GRX maximal mit dem Einzug ins Semifinale rechnen dürfen, dann sind dies keine rosigen Aussichten für die Zukunft der WorldRX. Der Sport lebt vom engen Kampf an der Spitze und mit der VW-Power im Rücken sind die Polos schon seit langer Zeit immer diesen entscheidenden Schritt voraus.

Zudem war ein Kurs wie die Strecke des COTA nicht unbedingt würdig für eine Weltmeister-Krönung, denn neben den klaren Verhältnissen im begrenzten Teilnehmerfeld war auch der Zuschauerandrang nicht besonders übermäßig.

Das wird sicher beim kommenden Event anders werden, denn nun geht es auf einer der wenigen verbliebenen Traditions-Rallycrosspisten im Kalender, wenn der Estering am 13. und 14 Oktober Schauplatz des deutschen Rallycross-WM-Laufes sein wird und schon allein von der Streckencharakteristik weitaus mehr zu bieten hat als der Kurs im texanischen Austin. In diesem Sinne. Keep Rallying!

FIA-Rallycross-WM 2018 – 10. Lauf, Austin – Resultat Finale

  • 1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 3.31,118 Min.
  • 2. Petter Solberg (N) Volkswagen +0,600 Sek.
  • 3. Andreas Bakkerud (N) Audi +1,695 Sek.
  • 4. Sébastien Loeb (F) Peugeot +2,323 Sek.
  • 5. Mattias Ekström (S) Audi +8,069 Sek.
  • 6. Timmy Hansen (S) Peugeot +9,836 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 10 von 12 Läufen)

  • 1. Johan Kristoffersson (S) Volkswagen 281 Pkt.
  • 2. Mattias Ekström (S) Audi 204 Pkt.
  • 3. Petter Solberg (N) Volkswagen 202 Pkt.
  • 4. Andreas Bakkerud (N) Audi 200 Pkt.
  • 5. Sébastien Loeb (F) Peugeot  195 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2018 (nach 10 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 483 Pkt.
  • 2. EKS Audi Sport 404 Pkt.
  • 3. Team Peugeot Total 358 Pkt.
Rallycross 2018
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