WorldRX Lohéac – Timmy Hansen triumphiert

Timmy Hansen WRX Loheac 2019
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Der Titelkampf in der Rallycross WM 2019 spitzt sich weiter zu – Timmy Hansen mit Saisonsieg Nr. 3 im französischen Lohéac – Andreas Bakkerud übernimmt WM-Spitze – Abwechslungsreiches WorldRX Wochenende sorgte für reichlich Spannung und einige Überraschungen –

Timmy Hansen – Zurück in der Spur

Noch in Kanada erlebte Timmy Hansen ein Wochenende zum Vergessen in der Rallycross-WM, doch im Motorsport kann sich die Lage oftmals sehr schnell ändern. Das unterstrich dann auch der 8. von 10 WM-Läufen am letzten Wochenende in Loheác.

Der ältere der beiden Hansen-Brüder startete dabei besser als zuletzt in das Rallycross-Wochenende. Mit dem zweiten Rang im ersten Qualifikationsdurchgang konnte er direkt den Speed seines Peugeot 208 WRX Supercar umsetzen, danach kam er aber leicht ins Straucheln und musste die Top-Zeiten der Konkurrenz überlassen, es schien ihm wieder mal ein wenig das nötige Rennglück zu fehlen.

Das stellte sich aber rechtzeitig zur letzten Qualifikation wieder ein, in der er erstmals am Wochenende die Gesamtbestzeit setzten konnte. Damit schob er sich sogar noch auf den Platz 1 nach der Qualifikation in einem sonst sehr ausgeglichenen Feld.

WorldRX FInale Loheac
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In seinem Semifinale musste er sich dann hinter Andreas Bakkerud anstellen, der mit dem dritten Rang in der Qualifikation erstmals 2019 die WM-Führung übernehmen konnte. Doch der norwegische Titelkonkurrenz verabschiedete sich im Finale kurz nach dem Start von allen Siegchancen, als er im Zweikampf mit dem anderen Semi-Final-Sieger, Niclas Grönholm, die innere Linie freigab und zu weit nach außen getragen wurde.

Timmy Hansen ließ sich nicht zweimal bitten und übernahm direkt die Führung, während Bakkerud und Grönholm ans Ende des Feldes zurückfielen. In der Folge konnte Hansen seinen Speed fehlerfrei umsetzen, schnell wurde klar, dass an diesem Sonntag niemand den Schweden von seinem dritten Saisonsieg abhalten konnte und so brachte er knapp 1,5 Sekunden am Ende recht locker ins Ziel.

Überraschungszweiter wurde Anton Marklund im Renault Megane RS von GCK vor Kevin Hansen, von dem bis zum Semifinale wenig zu sehen war. Nach einem starken Wochenende durfte sich Rokas Baciuska im dritten Renault Megane über den vierten Rang vor Andreas Bakkerud und Niclas Grönholm freuen. Die beiden letzteren hatten nach der missglückten ersten Kurve im Finale nicht mehr die Chance, in den Kampf um die Podestplätze eingreifen zu können.

Rallycross WM 2019 Loheac THansen
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Stimme des Siegers – Timmy Hansen – Loheac-Sieger 2019

Timmy Hansen war übrigens einer der wenigen Piloten, der Eingangs der kurzen Start-Ziel Geraden in den Rennen ein Überholmanöver erfolgreich ansetzen konnte. Der Peugeot 208 WRX zeigte sich hier mit einer besonders guten Traktion.

Mit dem Final-Triumph stoppte Hansen auch ein wenig den Vorwärtsdrang von Andreas Bakkerud, der drauf und dran war, einen leichten Vorsprung von der Pole Position aus in Sachen WM herauszufahren. Nun stehen wir fast bei 0 beim Blick auf das WM-Tableau. Neuer Führender ist zwar Bakkerud, doch lediglich zwei Zähler dahinter lauern punktgleich Kevin und Timmy Hansen. Letzterer war natürlich überglücklich über seinen Sieg, dachte aber auch, wie die ganze Welt des Motorsports an diesem Wochenende, an den beim Formel 2-Rennn in Spa tödlich verunglückten Anthoine Hubert:

“Ich kann die Unterstützung, die ich an diesem Wochenende hier im Fahrerlager bekomme, kaum beschreiben. Es wärmt mein Herz, es ist einfach ein Vergnügen, hier Rennen zu fahren. Ich möchte dies in Erinnerung an Anthoine Hubert sagen, der gestern verstorben ist. Als Rennfahrer fühlt man das und es ist ein großer Verlust für den ganzen Sport.“

Rallycross WM Finale Loheac Kurve1
©FIAWorldRallycross.com – Kurve 1 im Final nach dem Start

Dreikampf um den WM-Titel

Nach Loheac ist der Titelkampf weit offen. Andreas Bakkerud konnte mit einer guten Qualifikation nach seinem Sieg in Kanada weiter Boden auf Kevin Hansen gutmachen und Timmy Hansen hat natürlich noch mehr auf seinen jüngeren Bruder aufgeholt.

Dabei sah es zunächst noch besser für den Norweger vom Team RX Cartel aus. Nach dem dritten Rang im zweiten Qualidurchgang gewann er das dritte Segment und sah schon wie der Top-Qualifier aus. Q4 brachte dann allerdings die Wende, Bakkerud ließ es etwas vorsichtiger angehen und musste sich nicht nur in seinem Quali-Rennen hinten anstellen, auf dem Zeitentableau rutschte er in diesem Durchgang auf Rang 11 – damit war der Platz ganz vorne verloren.

Doch ein fehlerfreies Semfinale ließ ihn wieder zum Sieganwärter werden, doch, wie schon erwähnt, war die Chance auf einen weiteren Sieg schon kurz nach dem Start hinfällig.

Deutlich schwieriger war unterdessen das Wochenende für Kevin Hansen. Der hatte zunächst bei den Starts zu kämpfen, in seinen ersten beiden Qualirennen musste er sich jeweils als Letzter in die erste Kurve einsortieren – so war natürlich keine gute Zeit möglich. Zudem konnte er dieses Mal auch einfach nicht den nötigen Speed an den Tag legen. Mit Rang 4 im dritten Qualifikationsdurchgang rettete er sich noch als Gesamt-10. ins Semifinale und betrieb Schadenbegrenzung.

WRX Loheac
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Dann bewies der Schwede aber, dass er in diesem Jahr deutlich an Erfahrung gewonnen hat, auch wenn er nicht ganz vorne bei der Musik ist. In einem engen Kampf um den letzten Finalplatz konnte er im Semifinale Timo Scheider und Timur Timerzyanov niederringen und zog gerade so noch in den Endlauf ein. Mit einer richtig guten Taktik und einem guten Start konnte er hier dann tatsächlich noch den letzten Podestrang ergattern, darauf hatte vorher niemand mehr gesetzt.

Wer von diesen drei Piloten nun die besten Karten beim Kampf um den Titel hat, ist schwer zu beantworten – da müssen wir wohl auf das nächste Rennen in zwei Wochen in Riga warten…

WorldRX Loheac- Überraschungen

Das Tableau wurde im Qualifying mehrfach ordentlich durcheinandergewirbelt. Das hatte man besonders einigen Fahrern zu verdanken, die man nicht unbedingt ganz vorne erwarten konnte.

Toomas “Topi“Heikkinen gewann bei seiner kurzzeitigen Rückkehr in die WorldRX im dritten Hyundai i20 Supercar von GRX direkt mal das erste Qualisegment und belegte am Ende nach der Qualifikation den fünften Rang. Durchaus ein Finalkandidat musste er sich in seinem Semifinale dann aber Anton Marklund geschlagen geben, der seinen Megane hinter Bakkerud und Hansen ins Ziel brachte und damit die Finalteilnahme sicherte.

Anton Marklund an sich kann man ja kaum noch als Überraschung bezeichnen, zu oft schon hat der Schwede ganz vorne mitgespielt. In Loheac war er zunächst etwas unter dem Radar unterwegs, konnte sich aber mit fortschreitender Dauer des Wochenendes immer weiter steigern und als sich im Finale Bakkerud und Grönholm zu Beginn im Weg standen, nutzte er die Chance und brachte den zweiten Platz für die GCK-Truppe bei deren Heimrennen nach Hause.

Rokas Baciuska
©FIAWorldRallycross.com – Roka Baciuska

Für mich war aber der Litauer Rokas Baciuska die größte Überraschung des Wochenendes. Der kam mit seinem Renault Megane Supercar, eingesetzt im Team der GCK Academy, so gut wie noch nie zurecht. Er konnte seinen ersten WorldRX-Qualifikationsdurchgang gewinnen (Q2) und nach dem zweiten Rang in der vierten Qualifikation reihte er sich direkt hinter Timmy Hansen ein.

Renault Megane Rokas Baciuska
©FIAWorldRallycross.com

Nach Rang 2 im Halbfinale wurde es dann der vierte Platz im Finale, nur rund sechs Zehntelsekunden hinter Kevin Hansen. Baciuska kam augenscheinlich vor allem mit der Joker Lap am besten zurecht, hier machte er ein ums andere Mal richtig Zeit auf die Konkurrenz gut. Seine Lernkurve ist 2019 stetig nach oben gegangen, ich bin gespannt, was er bei den beiden noch ausstehenden Rennen zeigen wird.

GRX – Niclas Grönholm hält die Hyundai-Fahnen hoch

Derweil lief es bei GRX nicht so rund wie gehofft. Lediglich Niclas Grönholm konnte den Erwartungen gerecht werden, doch WorldRX-Gaststarter Heikkinen und Teamkollege Timerzyanov konnten mit dem Finnen leider nicht mithalten und mussten sich beide bei der engen Konkurrenz schon im Semifinale verabschieden.

WorldRX Loheac GRX Hyundai i20
©GRX Taneco/by Jan Kåre Rafoss

Aber auch Niclas Grönholm hatte auf der Strecke von Lohéac mit seinem Hyundai i20 Supercar zu kämpfen, oft stand der Bolide ein wenig zu sehr quer, was man bei den anderen Sieganwärtern weniger sag.

Dennoch gewann er sein Semifinale überlegen und setzte auch deutlich die Bestzeit im Vergleich der beiden Halbfinal-Durchgänge. Doch nach der nicht wunschgemäß verlaufenen ersten Kurve im Finale wurde schnell deutlich, dass auch der Finne hier keine Bäume mehr ausreißen konnte.

Niclas Grönholm WorldRX Loheac 2019
©GRX Taneco/by Jan Kåre Rafoss

Timo Scheider – Finaleinzug knapp verpasst und Rekordstart

Aus deutscher Sicht konnte man nach dem ersten Tag in Loheac zufrieden sein, denn Timo Scheider belegte nach den ersten beiden Qualifyings den dritten Zwischenrang.

Scheider lieferte dabei in seinem zweiten Quali-Rennen den Start des Jahres ab, denn so schnell hat in dieser Saison sicherlich noch keiner reagiert, als die Ampeln auf grün gesprungen sind. Die versammelte WorldRX-Konkurrenz sah dabei jedenfalls ganz schön alt aus… (s. dazu das Video weiter unten mit den Highlights aus Q1 und Q2).

Timo Scheider Rallycross Loheac 2019
©FIAWorldRallycross.com

Nach den letzten zwei Quali-Durchgängen fiel der ehemalige DTM-Champion zwar noch auf den sechsten Rang zurück, zog aber locker ins Semifinale ein. Hier musste er sich erst in allerletzter Sekunde Kevin Hansen um einen Hauch geschlagen geben, der den Seat Ibiza am Weiterkommen ins Finale hinderte. Dennoch darf man bei der Mannschaft von Münnich Motorsport mit der Leistung an diesem Wochenende sehr zufrieden sein, das steht außer Frage.

Blick ins WorldRX – Feld – Einige Enttäuschungen

Bei anderen Piloten lief es dagegen weit weniger gut beim 8. WM-Lauf des Jahres. Die Renault Megane von GCK waren sehr gut unterwegs und eigentlich hätte man auch den Teamchef selber weit vorne erwarten können. Doch es war nicht das Wochenende des Guerlain Chicherit, der mehrfach am Start Probleme hatte und nicht ordentlich vom Fleck kam. Die Folge: Das unerwartete Aus schon nach der Qualifikation beim Heimevent.

Keine Rolle spielte unterdessen die Mannschaft von ESmotorsport, die wieder mit am Start war. Diesmal setzte man auf die Dienste des jungen Russen Matvey Furazhkin, der sich bei seinem WorldRX-Debüt sehr schwertat und nach einigen Fahrfehlern keine Chance auf ein Weiterkommen in die Semifinals hatte.

Auch von Janis Baumanis im Ford Fiesta von STARD hatte man nach dem starken Kanada-Auftritt mit Platz 2 mehr erwartet, doch in Loheac fand man einfach nicht den nötigen Speed. Nach dem 9. Rang in der Qualifikation war dann auch Endstation im Semifinale, das galt auch für Liam Doran. Der zweite RX Cartel-Pilot hatte schon weitaus bessere Rennwochenenden als dieses in Frankreich.

WorldRX Frankreich 2019
©FIAWorldRallycross.com

Einen Aufwärtstrend gab es unterdessen beim Ungar Krisztian Szabo zu verzeichnen, der es mal wieder ins Semifinale schaffte. Auch wenn für den EKS-Piloten hier das Ende der Fahnenstange erreicht war, gab er das gesamte Wochenende über doch ein deutlich besseres Bild ab als bei den Rennen zuvor.

Für die Mannschaft der GCK-Academy war in Loheac nichts zu holen. Cyril Raymond und Guillaume De Ridder hatten mit den Renault Clios nicht den Hauch einer Chance auf das Semifinale. Raymond hatte in den Vorjahren an gleicher Stelle schon in der EuroRX und in der RX2 gewonnen, mit dem Clio war aber einfach nicht mehr drin, während Teamkollege De Ridder abermals glücklos unterwegs war.

Ebenfalls nach der Qualifikation mussten sich die Lokalmatadoren Herve Knapick, Fabien und Jonathan Paille, sowie Oliver Bennett im Mini Cooper und der Finne Jani Paasonen im zweiten STARD-Fiesta verabschieden.

Die Verschnaufpause der WorldRX ist jetzt kurz, denn schon am Wochenende des 14./15.9 findet der 9. WM-Lauf des Jahres in Riga/Lettland statt. Dann wird vor allem dem WM-Dreikampf im Fokus des Geschehens stehen. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

Videos Rallycross WM 2019 Loheac

World RX Final | 2019 Bretagne FIA World Rallycross of France
Q1 & Q2 Highlights | 2019 Bretagne FIA World Rallycross of France
Q3 and Q4 Highlights | 2019 Bretagne FIA World Rallycross of France

Ergebnis WorldRX Loheac 2019

1. Timmy Hansen3:43,959 Minuten
2. Anton Marklund3:45,418
3. Kevin Hansen3:46,248
4. Rokas Baciuska3:46,848
5. Andreas Bakkerud3:47,498
6. Niclas Grönholm3:47,682

Rallycross WM Stand nach 8 von 10 Läufen

  1. Andreas Bakkerud 160 Punkte
  2. Kevin Hansen 158
  3. Timmy Hansen 158
  4. Niclas Grönholm 135
  5. Janis Baumanis 120
  6. Timur Timerzyanov 109
  7. Liam Doran 100
  8. Anton Marklund 97
  9. Timo Scheider 86
  10. Krisztián Szabo 70
Au Revoir Loheac
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