WorldRX – Quer im Motodrom

FIA World RX Hockenheim 2016
©FIAWorldRallycross.com

Begeisterung auf dem Hockenheimring

Lange schon hörte man nicht mehr solche Begeisterungsstürme bei den Zuschauern im badischen Motodrom wie letztes Wochenende. Dafür sorgte aber weniger die eigentliche Hauptattraktion, die DTM, sondern der zweite Auftritt der Rallycross-Weltmeisterschaft. Der Start fand auf der sonst für Dragster genutzen Asphalt-Zone statt, führte dann ins Motodrom hinein in die Sachskurve und durch ein Geschlängel wieder zurück.

Es sollte vor allem das Rennwochenende des Mattias Ekström werden, der schon beim Saisonauftakt in Portugal nur durch viel Pech an einer Finalteilnahme scheiterte. Der Schwede konnte das erste Qualifikationsrennen für sich entscheiden vor Peugeot-Pilot Timmy Hansen. Im der zweiten Qualifikationsrunde sicherte sich Johan Kristoffersson die Bestzeit, während Ekström erneut einen starken dritten Platz einfuhr und so das Klassement nach Tag 1 anführte. Reinis Nitiss konnte sich im Gegensatz zu Portugal im neuen Seat Ibiza RX deutlich steigern und erzielte die Ränge 7 (Qualifikation 1) respektive 8 (Qualifikation 2) für das Team von Münnich Motorsport. Noch etwas zurück hielt sich der amtierende Champion Petter Solberg, was aber noch nichts heißen sollte.

WorldRX 2016 Motodrom
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Der Weg ins Semifinale war auf dem Hockenheimring hart umkämpft, den dritten Qualifikationslauf entschied dann Weltmeister Solberg für sich, gefolgt von Ekström und Loeb. Für den zigfachen Rallyeweltmeister lief es aber im Badischen alles andere als rund. Peugeot zog am Ende sehr frustriert aus Deutschland ab, lieferte aber die Geschichte des Wochenendes.

Loeb 208 RX Hockenheim 2016
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Hansens brennender Peugeot

Im letzten Lauf zur dritten Qualifikationsrunde fängt der Peugeot 208 RX von Timmy Hansen plötzlich Feuer, Hansen zieht seinen Rallycross-Boliden in die Auslaufzone, der immer stärker brennt. Die Streckenposten kamen nicht wirklich klar und löschten nicht dort, wo sie sollten. Durch das Eingreifen von Stuntfahrer Terry Grant blieb der Peugeot noch am Leben. Grant, der in der Pause die ein oder andere Driftshow für das Publikum zelebriert, ist eher durch Zufall noch in der Nähe und öffnet die Motorhaube – die Rettung.

Was dann folgte, war ein kleines Wunder. Irgendwie brachte man den angekokelten 208 kurz danach wieder an den Start und Hansen gewann seinen Heat mit der insgesamt zweitbesten Zeit. Während der Wagen noch voll mit Löschschaum war, hatte er in Folge des Feuers aber zu viel Flüssigkeit verloren – also war er untergewichtig. Die bittere Folge: Disqualifikation und ein Nuller – dafür aber die Geschichte des Wochenendes – so ein Reglement kann halt schon manchmal wirklich bitter sein.

2nd round WorldRX 2016
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Sébastien Loeb schied unterdessen knapp im ersten Halbfinale aus, das die Audi-Kollegen vom Team Ekström – EKS unter sich ausmachten. Toomas Heikkinen gewann vor Ekström, der starke Robin Larsson folgte ins Finale, während Loeb, Davy Jeanney im Peugeot und Andreas Bakkerud im Ford Focus RX die Koffer packen konnten.

Mini RX Doran Hockenheim 2016
©FIAWorldRallycross.com – starker Auftritt von Liam Doran

Semifinale – Spannung Pur

Das zweite Halbfinale geriet zum Lauf schlechthin des ersten WorldRX-Auftrittes in Deutschland anno 2016. Johan Kristoffersson übernahm die Führung, wurde aber von Petter Solberg hinten links getroffen. Der Reifen am Polo qualmte ordentlich, irgendwann war der Schwede nur noch mit einem Platten unterwegs, behielt aber die Führung bis kurz vor Schluss, als das Feld nochmal gehörig durcheinander gewirbelt wurde.

Mini-Pilot Liam Doran fuhr sensationell und konnte seinen in Sachen Leistung unterlegenen Mini RX in der letzten Runde an die Spitze bringen und den Sieg erringen. Petter Solberg schob sich als Zweiter ebenfalls in Finale, gefolgt von einem deutlich verbesserten Ken Block, der ein viel besseres Wochenende als Teamkollege Bakkerud erlebte. Kristoffersson blieb der unbelohnte Held – Rang 4 war nicht genug für das Finale der Top6.

Podium RX Hockenheim 16
©FIAWorldRallycross.com – Topi und Eki

Finale – Audi unschlagbar

Liam Doran erwischte hinter beiden EKS-Audi-Piloten einen sehr guten Start im Finale, geriet dann aber auf die Außenbahn, wurde leicht touchiert und hatte sich früh schon zu viel Rückstand eingehandelt, als dass er auch hier um den Sieg hätte mitreden können. Petter Solbergs Citroen DS3 war technisch auch längst nicht mehr auf der Höhe, hektisch versuchte man vor dem finalen Auftritt noch zu reparieren, was ging. Die bekannten Startschwierigkeiten vom Auftakt in Portugal tauchten ebenfalls wieder auf. Am Ende war es Rang 4 für Solberg, der den letzten Podiumsplatz Ken Block überlassen musste, der damit im Focus und in der WM nun angekommen ist.

Eki Ekström Audi S1 RX
©FIAWorldRallycross.com

An der Spitze war aber klar, dass es ein EKS-Fahrer sein würde, der das Rennen für sich entscheiden würde. Als Ekström aus der Jokerlap zurück auf die Piste kam, konnte er von „Topi“ Heikkinen ohne Probleme unter dem Jubel der Zuschauer die Führung übernehmen und das Finale am Ende locker für sich entscheiden.

Der Auftritt der Rallycross-WM in Hockenheim war sehenswert, das steht außer Frage und er dürfte der wachsenden Popularität der Serie hier zu Lande gut getan haben. In Sachen WM-Wertung liegen nun Ekström und Solberg punktgleich mit 48 Punkten vorne, dicht gefolgt von Heikkinen mit derer 45. Dahinter belegen Kristoffersson mit 39  Zählern, Robin Larsson mit 34 und Sébastien Loeb mit 30 Punkten die nächsten Ränge. Viel Zeit für Reparaturen bleibt jetzt nicht, der nächste Halt der WM steht schon nächstes Wochenende auf dem Circuit Jules Tacheny in Belgien an. Eins ist sicher, es wird wieder verdammt eng auf der Strecke.

Solberg Hockenheim
©FIAWorldRallycross.com – Champion Solberg
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