WorldRX – Goodbye Lydden Hill

Goodbye Lydden Hill
©McKlein via FIAWorldRallycross.com

Letzter Rallycross-WM-Auftritt in Lydden Hill

Es war das letzte Gastspiel der WorldRX-Rallycross-Weltmeisterschaft auf der Traditionspiste im englischen Lydden Hill. Zum 50. Geburtstag an der Geburtsstätte des Rallycross zeichnete sich früh ein klares Bild ab. Gewohnt stark übernahmen die VW Polo-Piloten das Zepter, dieses Mal war es aber Petter Solberg, der die Nase vorne hatte.

Schon in den Qualifikationsdurchgängen war der Norweger kaum zu bremsen. Solberg entschied die ersten drei Qualifikationen für sich, jeweils gefolgt von Teamkollege Johan Kristoffersson. Lediglich Timmy Hasen konnte mit dem Sieg im vierten Durchgang die Polos von der Spitze verdrängen, wenn auch nur für den Moment.

In der Saison 2017 tat sich Petter Solberg bislang schwer gegen den neuen Teamkollegen, meist hatte der Norweger im skandinavischen Duell das Nachsehen. Doch beim Rallycross-Event mit der längsten Tradition zeigte Solberg, dass er den Kampf um die WM-Krone noch lange nicht aufgegeben hat.

Petter Solberg
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Er gewann sein Halbfinale und sorgte auch für einen fast schon unspektakulären Finaldurchgang, als er sich deutlich gegen Kristoffersson durchsetzen konnte. Letzter entschied sich früh für die Joker-Lap, die er aber nicht ganz optimal erwischte. Petter Solberg reagierte prompt und zog nach. Durch einen guten Start legte er zudem das Fundament für seinen ersten Erfolg in diesem Jahr.

Nichts und niemand konnte Solberg vom Erfolg abhalten, er drückte der gesamten Veranstaltung seinen Stempel auf, gute 1,6 Sekunden betrug sein Vorsprung im Ziel, anno 2017 in der Rallycross-WM ist das schon recht deutlich. Mit Petter Solberg hat Lydden Hill einen würdigen Abschiedssieger bekommen, bevor der WorldRX-Tross im nächsten Jahr in Silverstone an den Start gehen wird. „Mr. Rallycross“ macht damit auch in Sachen WM-Wertung kräftig Boden gut und liegt nur noch 7 Zähler hinter der Spitze.

„Das ist der Sieg, den ich gebraucht habe. Das Team hat in den letzten Monaten Vollgas gegeben – das Auto ist gut, aber es sind die kleinen Details, an denen das Team gearbeitet hat und die uns die Konstanz gebracht haben, die wir brauchen“, so Solberg nach seinem Sieg. „Auf Lydden Hill bezogen, muss ich Danke sagen – die Atmosphäre hier ist immer fantastisch und die freiwilligen Helfer waren großartig“, so der Norweger, der seinen ersten Sieg seit Portugal 2016 einfahren konnte.

Rallycross WorldRX VW Polos
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Wachablösung an der WM-Spitze – Kristoffersson übernimmt

Was vor einige Wochen noch kaum im Bereich des Machbaren lag, ist nun passiert. Mattias Ekström musste die WM-Spitze an Johan Kristoffersson abgeben. Eki erreichte zwar spielend das Halbfinale, mit Rang 3 ging es aber so gerade noch in das Finale. Hier war der Schwede chancenlos und musste sich mit Rang 5 begnügen. Timmy Hansen zog sich hier an seinem Peugeot 208 WRX einen Plattfuß zu, sonst hätte man auch ihn vor Ekström im Ergebnis gesehen. Zwar schleppte sich am Ende auch Ekström mit einem Reifenschaden herum, doch der Speed war an diesem Wochenende einfach nicht da.

Die anderen EKS-Audi hatten in Lydden Hill nicht viel zu melden, für Reinis Nitiss war schon nach der Qualifikation Schluss. Der Klasse von Ekström ist es zu verdanken, dass der amtierende Weltmeister an diesem Wochenende nicht noch mehr Boden verlor. „Wir müssen ehrlich sein. Der Sieg war hier nie im Bereich des Möglichen, aber ein Podestplatz. Dafür hätte aber alles perfekt laufen müssen. Ich habe lediglich vier Punkte Rückstand auf Johan Kristoffersson. Im Rallycross kann es ganz schnell gehen. 30 Punkte sind an einem Wochenende möglich. Wir werden zurückkommen und beim nächsten Lauf in Norwegen voll angreifen“, so Ekström nach dem Finale.

LyddenRX
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Johnan Kristoffersson ist nun der neue Gejagte in der Gesamtwertung, mit Ekström und Solberg nur knapp dahinter. Dahinter folgen die Peugeot vom Team Hansen – Timmy Hansen und Sébastien Loeb hatten erneut beide einen starken Auftritt in England, ohne allerdings die Polos ernsthaft gefährden zu können. Doch beide sind noch lange nicht aus dem Rennen. Zudem konnte man hinter der Mannschaft von PSRX Volkswagen Schweden den zweiten Rang in der Teamwertung erobern.

„Es war irgendwie ein seltsames Wochenende. Wir konnten den Speed nicht zeigen, auf den wir gehofft hatten, zumindest bis zum vierten Qualidurchgang und keiner unserer Fahrer war im Finale in der Lage, das Potential voll abzurufen. Sébastien hatte Probleme mit einem überhitzten Motor und bei Timmy gab es in Runde 2 einen Plattfuß. Trotzdem haben wir aus Lydden Hill gute Punkte mitgenommen, die uns auf den zweiten Rang in der Teamwertung gebracht haben“, so Teamchef Kenneth Hansen.

Ford Focus Bakkerud
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Aufwärtstrend bei Hoonigan – Andreas Bakkerud im Finale

Beide Ford Focus RX RX von Hoonigan Racing zeigten in England einen deutlichen Aufwärtstrend. Und auch die Nerven von Andres Bakkerud hielten, der Norweger schaffte es im Finale auf Rang 3. Zwar konnte er die VW Polos nicht aufhalten, doch es war mal an der Zeit, dass der Norweger ein gutes Resultat nach Hause brachte. Dafür gab es gute WM-Zähler – Bakkerud liegt jetzt auf WM-Rang 6. Ken Block erwischte auch ein gutes Wochenende und scheiterte nur knapp am Finaleinzug.

Zwei Polos, ein Ford Focus, beide Hansen-Peugeot und der Audi S1 von Mattias Ekström –  für Privatiers war im Finale von Lydden Hill wieder kein Platz.

Lydden Hill Rallycross
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Blick ins Feld – MJP Racing Team Austria stark unterwegs

Es waren erneut die Ford Fiesta von MJP, die es am ehesten hätten schaffen können. Kevin Eriksson lief im 2. Halbfinale eine gute Sekunde hinter Mattias Ekström auf Rang vier ein, während Andrew Jordan direkt dahinter das Ziel erreichte. Jordan ersetzte Timo Scheider, der bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring unterwegs war und schlug sich mehr als beachtlich.

Doch es fehlt noch ein wenig Speed auf die Werksteams, das aufzuholen wird allerdings fast unmöglich. Dennoch liefert die Mannschaft aus Österreich beständig Top-Leistungen ab. Timo Scheider rutschte in der WM-Wertung durch sein Fehlen auf Rang 8 ab, Teamkollege Eriksson liegt auf Platz 10.

Die beiden Fiestas des STARD-Teams gingen im anderen Halbfinale an den Start, aber auch für Timur Timerzyanov und Janis Baumanis war hier das Ende des Weges erreicht.

Solberg VW Polo RX
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In der Phalanx der Top-Teams mitzufahren wird augenscheinlich für alle immer schwerer. Das wird sich auch beim nächsten Lauf nicht ändern – dann geht es ab in die Hölle, genauer gesagt in das Epizentrum der norwegischen Rallycross-Szene. In Hell brennt auf der Strecke sicher wieder die Luft am zweiten Juni-Wochenende. In diesem Sinne, bis bald wieder in Sachen WorldRX und Keep Rallying!

FIA-Rallycross-WM 2017 – 5. Lauf, Lydden Hill – Resultat Finale

  • 1. Petter Solberg (N) 4.09,602 Min.
  • 2. Johan Kristoffersson (S) +1,690 Sek.
  • 3. Andreas Bakkerud (N) +3,317 Sek.
  • 4. Sébastien Loeb (F) +6,730 Sek.
  • 5. Mattias Ekström (S) +14,156 Sek.
  • 6. Timmy Hansen (S) +58,020 Sek.

Fahrerwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 5 von 12 Läufen)

  • 1. Johan Kristoffersson (S) 124 Pkt.
  • 2. Mattias Ekström (S) 120 Pkt.
  • 3. Petter Solberg (N) 117 Pkt.
  • 4. Timmy Hansen (S) 91 Pkt.
  • 5. Sébastien Loeb (F) 81 Pkt.

Teamwertung FIA-Rallycross-WM 2017 (nach 5 von 12 Läufen)

  • 1. PSRX Volkswagen Sweden 241 Pkt.
  • 2. Team Peugeot Hansen 172 Pkt.
  • 3. EKS 166 Pkt.
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