WorldRX – Rallycross-WM – Auf in die Hölle

#HellRX - WorldRX - Rallycross-WM
©FIAWorldRallycross.com

Preview Rallycross in der Hölle – HellRX

Viel heißer kann es in Sachen Rallycross-WM nicht werden – am kommenden Wochenende macht der WorldRX-Tross Halt im norwegischen Hell. Erneut sind 22 Piloten am Start, davon 18 fixe Starter. In der Nähe von Trondheim ist Hell das Mekka für alle norwegischen Fans – die heimischen Piloten werden sicher alles daran setzen hier einen Sieg einzufahren.

Es ist die nördlichste Strecke im Rennkalender – sie liegt auf einem Plateau direkt neben einem Steinbruch. Kein anderer Kurs im aktuellen WM-Kalender wartet mit solchen Höhenunterschieden auf. Direkt nach dem Start geht es auf dem Weg zur Kurve eins zunächst in eine Senke und weiter zur ersten Bergauf-Passage. Der Mittelteil der Strecke führt die Fahrer in ein tiefes Tal. Wer die engen Kurvenpassagen nicht optimal erwischt, verliert Schwung und Zeit beim folgenden Anstieg bis zur Ziellinie. Bei einer Streckenlänge von 1,019 km (Joker-Runde: 1,110 km) teilt sich der Untergrund in 63 % Asphalt und 37 % Schotter auf. Zeit, sich am besten das Ganze mal aus der Onboard-Perspektive anzuschauen – unterwegs mit Petter Solberg in Hell im Vorjahr:

Petter Solberg iON Camera Onboard - Hell RX Semi Final 1: FIA World Rallycross Championship

Chancen auf den Heimsieg? – Solberg und Bakkerud

Von den beiden Lokalmatadoren im Feld hat sicherlich Solberg die größten Chancen auf den Heimsieg. Der Altmeister feierte zuletzt beim Abschied von Lydden Hill seinen ersten Sieg seit langem und spielt wieder ganz vorne mit. Dazu sind die VW Polo Supercars aktuell die Boliden, die es zu schlagen gilt.

Ob Andreas Bakkerud 2017 im Ford Focus das Zeug dazu hat, muss man in Frage stellen. Zwar gab er mit Rang 3 beim letzten Lauf in England auch endlich wieder ein Lebenszeichen von sich, aber für ganz vorne scheint der Speed der Hoonigan Racing-Fahrzeuge noch nicht zu reichen. Bakkerud geht immerhin als Titelverteidiger in Hell an den Start, 2016 sicherte er sich hier einen überragenden Sieg. Finaltauglich ist das Gespann Bakkerud und Focus aber in jedem Fall.

VV Polo GTI RX Supercar
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Skadinavien-Phalanx – Kristoffersson mit Rückenwind

Man muss kein großer Prophet sein, sein Geld auf den Sieg eines Skandinaviers zu setzen – einzig Sébastien Loeb mit seinem Peugeot 208 könnte hier wohl störend eingreifen, allerdings war Hell bislang noch nicht sein Pflaster. WM-Spitzenreiter Johan Kristoffersson ist 2017 immer ein Siegkandidat und das wird auch in Hell nicht anders sein.

Nach dem fulminanten Start in das Rallycross-Jahr markierte der England-Auftritt die Trendwende in der Weltmeisterschaft. Mattias Ekström musste seinem Landsmann in VW-Diensten die Gesamtführung überlassen, zudem fehlt ihm im norwegischen Hexenkessel von Hell bislang noch ein Triumph. Rang 3 gab es im Vorjahr für den amtierenden Champion zu verzeichnen, aber dafür markiert der Norwegen-Auftritt die Rückkehr des EKS-Teams an das Debüt im Rallycross-Zirkus.

Am 14. Juni 2014 begann das Abenteuer WorldRX für die Mannschaft. „Es war eine sehr, sehr stressige Zeit“, erinnert sich Eki. „Vor dem ersten Rennwochenende legte das gesamte Team eine Nachtschicht nach der anderen ein.“ Weil sich die Vorbereitungen lange hinzogen, musste ein Hubschrauber den Motor für den zweiten Audi S1 EKS RX quattro liefern. Die Strapazen haben sich für Ekström gelohnt: „Beim Start des ersten Rennens hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper.“ Was danach folgte ist bekannt und Ekström darf man nie abschreiben, auch wenn es gegen die Polos schwer wird.

Norwegen Rallycross World RX Hell
©Colin McMaster/ EKS/McKlein

Peugeot in Lauerstellung

Noch nicht ganz auf dem Niveau der VW Polo waren die Peugeot 208 WRX bisher unterwegs, die Mannschaft vom Team Peugeot Hansen hat aber bereits enorme Fortschritte gemacht. Man rückt der Spitze immer näher, direkt nach Lydden Hill ging es mit Testfahrten weiter. Die Erinnerungen an Norwegen sind gut, 2015 konnte man den ersten Doppelsieg eines Teams in der WorldRX einfahren.

Timmy Hansen und der Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb gehören zweifelsfrei ins Finale – wenn denn alles glatt läuft und das ist im Rallycross ja nun nicht immer der Fall. Ob sie allerdings den Volkswagen-Piloten ernsthaft gefährlich werden könne, muss sich erst zeigen.

Der schwierige Weg ins Finale

Sechs Supercars stehen im Finale am Start – mit beiden VW Polos und Peugeot 208, dem Audi von Champion Ekström stehen die Favoriten für diese Plätze bereits fest. Andreas Bakkerud gehört zu den ersten, die es ins Finale schaffen können, auch wenn man sich wünschen würde, dass die Teams ohne Werksunterstützung auch endlich wieder dabei sind.

STARD Team Ford Fiesta
©FIAWorldRallycross.com/Tom Banks

Einfach wird das nicht, wenn, dann sind hier in erster Linie die Ford Fiesta vom MJP Racing Team Austria und dem österreichischen STARD-Team zu nennen. Janis Baumanis, Timur Timerzyanov für STARD und Kevin Eriksson und Timo Scheider für MJP haben fahrerisch auf jeden Fall das Potential dazu. Scheider kehrt nach seiner England-Pause, bedingt durch die Teilnahme an den 24 Stunden vom Nürburgring, wieder ins Feld zurück. Der Ex-DTM-Champion liegt in der Gesamtwertung noch vor seinem Teamkollegen und das soll nach Norwegen auch noch so sein.

Farbtupfer, die sich zu den fixen Startern gesellen, gibt es auch in Norwegen. Laurent Bouliou im Peugeot 208, Hervé “Knapick” Lemonnier im Citröen DS3 und Guerlain Chicherit im Renault Clio wird man aber wohl nur in den Vorläufen sehen. Das gilt auch für den Finnen Joni-Pekka Rajala, der aber auf jeden Fall für Markenvielfalt sorgen wird, er geht mit einem Mitsubishi Mirage an den Start.

Gespannt darf man sein, wie sich die anderen beiden EKS-Piloten schlagen –  Reinis Nitiss und Toomas Heikkonen können Mattias Ekström nicht folgen und sind bisher in diesem Jahr einiges schuldig geblieben. Am nächsten Sonntag wissen wir dann, wer sich bei der Höllenfahrt in Norwegen 2017 am besten geschlagen hat. In diesem Sinne, Keep Rallying!

Rallycross Hell Norwegen
©FIAWorldRallycross.com

Infos HellRX

  • Strecke Lånkebanen Hell, 30 km östlich von Trondheim
  • Streckenlänge 1,019 km (Joker-Runde: 1,110 km)
  • Untergrund 63 % Asphalt, 37 % Schotter
  • Kurven 3 links, 6 rechts
  • Topspeed ca. 156 km/h
  • Nennungen 22 Supercars
  • Rundenrekord Timur Timerzyanov (RUS), 37,731 Sek. (2016)
  • Sieger 2016 Andreas Bakkerud (N), 3.58,641 Min.
  • Rennlänge 4 Runden (Qualifying), 6 Runden (Halbfinale und Finale)

Rallycross Hell/Norwegen – Zeitplan, Ortszeit (MESZ)

  • Freitag, 9. Juni
  • 18.00–19.00 Uhr Freies Training 1
  • Samstag, 10. Juni
  • 09.30–11.00 Uhr Freies Training 2
  • 11.00–12.30 Uhr Qualifying 1 (Q1)
  • 14.00–15.30 Uhr Qualifying 2 (Q2)
  • Sonntag, 11. Juni
  • 10.00–11.15 Uhr Qualifying 3 (Q3)
  • 12.00–13.15 Uhr Qualifying 4 (Q4)
  • 15.00–15.50 Uhr Halbfinale und Finale
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