WorldRX – Weltmeister Mattias Ekström

Rallycross-Weltmeister 2016 -- Mattias Ekström

Mattias Ekström hat es nicht bereut, seinen Audi A5 in der DTM am letzten Wochenende stehen zu lassen und sich lieber im eigenen Team von EKS ans Steuer des Audi S1 RX quattro zu setzen -- der Rallycross-Kalender wollte es dieses Jahr nicht anders. So musste Ekström Prioritäten setzen und schaffte beim deutschen WM-Lauf auf dem Estering in Buxtehude seinen absoluten Durchbruch in Sachen Rallycross.

Mit dem fünften Platz im Finale entthronte er Petter Solberg und ist vor dem abschließenden Lauf im argentinischen Rosario Ende November bereits Rallycross-Weltmeister 2016.

Nach einem verhaltenen Start ging Ekström keinerlei Risiko ein und brachte unscheinbar Rang 5 nach Hause, der aber für den großen Triumph ausreichend war. Nachdem er in der Zwischenwertung nach den Qualifikationsdurchgängen noch auf Rang 2 lag und auch sein Halbfinale gewann, war das Finale am Ende fast mehr ein Schaulaufen des neuen Champions, der natürlich überglücklich war.

Ekström Red Bull Audi S1 RX quattro
©Oliver Kilimann/racing14.de

Mattias Ekström und die Rallycross-Wurzeln

„Das ist vielleicht der beste Tag in meiner Motorsport-Karriere“, gab der Schwede nach dem finalen Durchgang von sich. „Es gab so viele schöne Momente mit Audi Sport in der DTM, aber das hier ist etwas ganz, ganz Besonderes. Wir haben vor drei Jahren bei null angefangen. Im Oktober 2013 gab es gar nichts. Was mein Team und ich in dieser Zeit aufgebaut haben, können sich nur die Wenigsten vorstellen. Ein großer Dank gebührt natürlich auch meinem Arbeitgeber Audi Sport. Meine Chefs haben mir erlaubt, auf dem Estering an den Start zu gehen, um die Chancen auf den Titelgewinn so groß wie möglich zu halten. Das war nicht selbstverständlich und ich bin sehr, sehr dankbar dafür. Hoffentlich kann ich ihnen mit dem WM-Titel auch ein Lächeln auf die Lippen zaubern.“

Champion Ekström
©Colin McMaster/EKS/McKlein via FIAWorldRallycross.com

Der Vater von Ekström war in der 80er-und 90er Jahren selbst in der Rallycross-Europameisterschaft aktiv, der Funken auf den Sohnemann sprang aber erst viel später über. „Ich war als kleiner Junge immer dabei, aber ich konnte mich nicht für den Sport begeistern. Rallycross war mir immer zu dreckig, ich mag es sauber und aufgeräumt“, so Ekström, der nach einem Gaststart 2013 im schwedischen Höljes dann doch auf den Geschmack kam, mit einem Rallycross-Boliden im Dreck zu wühlen.

Den Lohn der Arbeit gab es in Form des WM-Titels letztes Wochenende, jetzt fehlt nur noch die Teamwertung zum kompletten Erfolg in der Saison 2016. Derzeit hat EKS einen Vorsprung von 17 Punkten auf die zweitplatzierte Truppe von Peugeot Hansen.

Petter Solberg
©FIAWorldRallycross.com

Petter Solberg -- starker Auftritt und doch entthronter Champion

Der Norweger musste seinen Titel herschenken, gab jedoch bis zuletzt alles und drehte am Estering nochmal mächtig auf. Nach den Qualifikationsdurchgängen lag Solberg in Front, nachdem er den 3. und 4. Durchgang gewinnen konnte.

Nach seinem Sieg im Halbfinale sah auch alles nach einer Rückkehr auf die oberste Stufe des Podiums aus, doch da machte ihm Kevin Eriksson einen Strich durch die Rechnung, so dass er sich mit Platz 2 begnügen musste. Damit liegt er immerhin wieder auf Vizetitel-Kurs, nachdem Johan Kristoffersson in seinem VW Polo nach einem Reifenschaden nicht über Rang 6 im Finale hinauskam.

„Um ehrlich zu sein, bin ich traurig, dass die Chance auf den Titel jetzt vorbei ist. Ich habe das ganze Jahr für meinen dritten WM-Titel gekämpft und ich hatte gehofft, dass es sich erst beim letzten Lauf entscheiden würde, das Team war wirklich sehr motiviert. Es ist mit sehr wichtig, meinem unglaublichen Team zu danken -- Ich mag der sein, der im Wagen sitzt, aber das Auto war an diesem Wochenende extrem schnell, eines der schnellsten auf der Strecke. Ich kann nur Danke sagen für die ganzen Stunden, die mein Team in den letzten Wochen geopfert hat, um immer wieder kleine Änderungen vorzunehmen, die den Unterschied für uns ausmachten. Der zweite Platz hier ist ein großer Sieg für die ganze Mannschaft von PSRX. Abschließend möchte ich natürlich Mattias gratulieren und ihm und EKS Glückwünsche aussprechen. Er ist ein verdienter Champion, er hat viele Rennen in diesem Jahr gewonnen und war sehr konstant“, so Petter Solberg, der sicher alles daran setzen wird, Titel Nr. 3 im kommenden Jahr einzufahren.

Estering RX
©FIAWorldRallycross.com

Das Manöver des Wochenendes -- die Kurve 1 von Kevin Eriksson

Überraschungsmann des Wochenendes wurde aber Kevin Eriksson. Der erst 20-Jährige Schwede flog im Finallauf mit seinem Ford Fiesta ST außen in der Kurve 1 an der Weltelite vorbei und ließ sich auch mit Petter Solberg im Nacken nicht beirren und fuhr seinen ersten Sieg in der Rallycross-WM heraus.

Podium Estering
©FIAWorldRallycross.com

Als 8. der Vorläufe war damit nicht unbedingt zu rechnen. Der WorldRX-Sieg folgte nur eine Woche nachdem sich der Youngster den Gesamtsieg in der schwedischen Rallycrossmeisterschaft sichern konnte. „Ich bin sprachlos. Ich hab gesehen, dass Petter in Führung ging und hatte geplant, hinter ihm zu bleiben, aber dann habe ich die Gelegenheit erkannt, auf die Außenseite zu gehen und natürlich das Beste gehofft“, so Eriksson, der sich damit bereits als 7. Fahrer in die Siegesliste 2016 eintragen konnte. Hier das Manöver nochmal aus „Fan-Sicht“ vor Ort:

KEVIN ERIKSSON first corner move Estering final world RX 2016

Viele lange Gesichter

Kevin Hansen war überraschend stärkster Peugeot-Fahrer. Der 208 WRX lief im Finale auf Rang 4 hinter Andreas Bakkerud ein, der einen turbulenten Sonntag auf dem Estering erlebte. Erst schleppte er mit beschädigter Aufhängung in wilden Drifts seinen Hoonigan Ford Focus durch einen Qualifikationsdurchgang, dann fackelte im Finallauf durch eine Beschädigung am Auspuff ein Teil des Unterbodens ab, was im Cockpit für Rauchentwicklung sorgte -- nachvollziehbar, dass Bakkerud nach dem Finale schnell das Weite suchte.

Für Timmy Hansen und Sébastien Loeb kam das Aus bereits im Halbfinale, auch Toomas Heikkinen und Ken Block scheiterten am Einzug ins Finale.

Letzte Station für die Rallyross-WM ist nun Argentinien, wo es am 26. und 27. November um den letzten Sieg 2016 gehen wird.

Kevin Eriksson
©FIAWorldRallycross.com -- Kevin Eriksson

Rallycross Kalender 2017

Der vorläufige Rennkalender für die kommende Saison steht nun ebenfalls, dieser muss lediglich noch durch die FIA abgesegnet werden. Zweimal geht es weiterhin in Deutschland quer um die Kurve mit den Veranstaltungen auf dem Hockenheimring und dem Estering, neu dazu wird erstmals in Südafrika gefahren:

 Barcelona/Spanien1. -- 2. April
 Montalegre/Portugal22. -- 23. April
 Hockenheim/Deutchland4. -- 6. Mai
 Mettet/Belgien13. -- 24. Mai
 Lydden Hill/Großbritannien27. -- 28. Mai
 Hell/Norwegen10. -- 11. Juni
 Höljes/Schweden1. -- 2. Juli
 Trois-Rivieres/Kanada5.- 6. August
 Loheac/Frankreich2. -- 3. September
 Riga/Lettland16. -- 17. September
 Estering/Deutschland30. September -- 1. Oktober
 Kapstadt/Südafrika11. -- 12. November
Ready to Race - Rallycross Kalender
©Oliver Kilimann/racing14.de
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