WorldRX SPA – Timerzyanov triumphiert

Timur claims the first win for GRX

Rallycross-WM in Spa-Francorchamps – Das Debüt der WorldRX auf der Traditionsrennstrecke in Belgien war ein absolutes Rallycross-Spektakel. Neben vielen Überraschungen am gesamten Wochenende war am Ende auch der Sieger eine.

Timur Timerzyanov holte für sich, die Mannschaft von Grönholm RX und den Hyundai i20 den ersten Sieg in der Weltmeisterschaft. Ein Rückblick auf den gelungenen Einstand von Spa Francorchamps im Rallycross-Kalender.

Timur Timerzyanov - SpaWorldRX 2019
© FIAWorldRallycross.com

Timur Timerzyanov – Verdienter Sieger

Insgesamt drei Piloten im Feld sind seit Start der WorldRX Rallycross-WM immer mit dabei. Timmy Hansen, Andreas Bakkerud und Timur Timerzyanov.

Der 32-jährige Russe feierte in der Vergangenheit vor allem in der Europameisterschaft Erfolge, wo er neben Rennsiegen auch Titel einfahren konnte. Doch in der WorldRX war er der einzige Pilot aus dem eben erwähnten Trio, der sich in bisher 64 Veranstaltungen nicht in die Siegerliste eintragen konnte.

Das hat sich nun geändert, denn Timerzyanov zeigte auf der neuen Rallycross-Piste in Spa Francorchamps einen kämpferischen Auftritt, der am Ende des Tages mit dem Sieg belohnt wurde, Der Russe zeigte mehr als einmal glänzende Überholmanöver und hatte dieses Mal auch das nötige Rennglück, das man auf der Strecke in Belgien nun halt auch einmal braucht.

Die Strecke in Spa, die auch die legendäre Eau Rouge-Kurve beinhaltet, sorgte dabei für ein WorldRX-Event, das sicherlich zu den spannendsten und besten seit einiger Zeit gehörte. Doch erstmal zurück zu Timerzyanov.

Der ließ schon in den Qualifikationsdurchgängen aufhorchen, auch wenn Platz 4 hier zweimal sein bestes Ergebnis darstellte.  Doch im Semifinale drehte er dann richtig auf und musste sich nur ganz knapp hinter Andreas Bakkerud mit dem zweiten Rang begnügen. Durch einen perfekten Start im Finale aus der zweiten Reihe übernahm er in der ersten Kurve die Führung und konnte sich sukzessive von Verfolger Bakkerud absetzen und so seinen ersten Sieg feiern.

Timerzyanov Spa 2019
©racing14.de

Timerzyanov überglücklich

Selten waren Siegesfeiern so emotional wie die von Timur Timerzyanov nach der Zieldurchfahrt, jeder im Fahrerlager hat dem GRX-Piloten diesen Sieg mehr als gegönnt. Der Russe war natürlich überglücklich auf dem Podium endlich wieder ganz oben zu stehen, seinen letzten Podestplatz vorher erreichte er in Barcelona 2016 als Dritter:

„In der ersten Kurve sah ich, dass beide Fahrer vor mir weit rausgetragen wurden. Ich nahm meine Chance wahr und führte ab da das Finale. Mein Team hat mich laufend beruhigt, aber ich habe ihnen mit einem kleinen Fehler in der Jokerlap einen kleinen Schreck eingejagt…Über die Ziellinie zu fahren hat sich unglaublich angefühlt, ich hatte den Nervenkitzel des Gewinnens schon vergessen, aber Rallycross ist meine Passion und darum habe ich all die Jahre weitergekämpft. Das war immer unser Hauptziel – zu gewinnen und jeder von uns hat einen tollen Job an diesem Wochenende gemacht“

Timur Timerzyanov Rallycross WM Spa 2019 Podium
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Der Sieger passte zu einem rundherum gelungen Spa-Auftritt der WorldRX, den man in dieser Form wohl nicht hätte vermuten können.

Rallycross Spa – Neuer Kurs begeistert

Im Vorfeld stand vor allem die Eau Rouge als eine der Kurven schlechthin im Motorsport im Mittelpunkt. Doch für die Rallycross-Supercars war es vor allem die überhöhte Schotterkurve und die Joker Lap, die für richtige Action sorgten.

Dazu die erste Linkskurve, die mit dem Wechsel von Schotter auf Asphalt eine eigene Herausforderung darstellte. Der Start spielte in Spa eine entscheidende Rolle, denn hing man erstmal im Getümmel fest, war der Zug ganz vorne schnell abgefahren. Das musste nicht nur Mattias Ekström bei seiner Kurzrückkehr erfahren, auch Favorit Timmy Hansen kam selten dazu, frei zu fahren und den echten Speed seines Peugeot 208 Supercars zu zeigen.

Am Samstag kam erschwerend noch der Regen dazu, so dass schon die Ergebnisse in der Qualifikation überraschten. Aber auch am Finaltag bei trockenen Bedingungen lieferte der neue Kurs im Kalender alles ab, was man sich als Rallycross-Fan wünschen kann.

WorldRX Spa 2019
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Dazu eine Stadionatmosphäre und somit auch einen guten Blick für die Zuschauer auf einen Großteil des Geschehens. Die Eau Rouge selbst wurde zudem ja nicht komplett befahren, kurz vor dem letzten Stück ging es in eine 180 Grad-Kehre und dann Richtung Schotter und Kies. Und hier bot die WorldRX Duelle, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte.

Der Kurs in Spa Francorchamps hat jedenfalls seine Feuertaufe mehr als bestanden und ist der Beweis dafür, dass man auch neue Strecken nach gutem alten Rallycross-Stil bauen kann. Da möchte man gar nicht zurückdenken an den Saisonauftakt in Abu Dhabi.

Neben Debütsieger Timerzyanov brachte das Wochenende aber noch mehr Überraschungen.

Timerzyanov und Wiman
©irafoss.no via Set Promotion

Joni Wiman – Gaststart mit Ausrufzeichen

Die Hyundai i20 Supercars von Grönhom RX und die Strecke in Spa, das passte von Anfang an mehr als gut zusammen.

Während sich Niclas Grönholm einer Blinddarmoperation unterziehen musste und somit das Geschehen nur aus der Ferne verfolgen konnte, brachte die Mannschaft mit ihrem Gaststarter Joni Wiman aber mal ein richtiges heißes Eisen ins Rallycross WM-Feuer mit.

Der 25-jährige Finne konnte in der Vergangenheit bei den Supercars in den USA Erfolge feiern, 2014 gewann er für Olsbergs MSE hier sogar die Meisterschaft. Doch seit Ende 2016 ist es in Sachen Rallycross ruhig um ihn geworden, nach langer Pause kehrte er nun in den Sport zurück, und wie…

Joni Wiman GRX Hyundai i20 Supercar
©irafoss.no via Set Promotion

Wiman war in Spa auf Anhieb schnell, schloss die Qualifikation sogar auf dem zweiten Gesamtrang ab und gewann dann auch gleich einmal sein Semifinale, bei dem er einige Größen hinter sich lassen konnte. So ging der Finne neben Andreas Bakkerud aus der ersten Reihe ins Finale, hier wollte er allerdings in der ersten Kurve zu viel, als er sich die Führungsposition auf der Außenseite holen wollte. Das ging schief und so musste er sich hinter den beiden Führenden einreihen. Doch auch der am Ende dritte Platz war erstaunlich, hier wäre sogar noch mehr drin gewesen.

Es bleibt zu hoffen, dass ihm diese Leistung die Tür Richtung Rallycross-WM geöffnet hat und wir ihn bald wiedersehen. Während Wiman seinen dritten Platz finnisch kühl zelebrierte, durfte man sich bei GrönholmRX über den Debütsieg in der WRX freuen.

Nach dem aberkannten Sieg von Niclas Grönholm in Abu Dhabi wird der erste Erfolg von GRX und vom Hyundai i20 Supercar sicher nicht der letzte in der WM gewesen sein.

RX Cartel – Starker Auftritt von Bakkerud und Doran

Ein heißer Kandidat für den Sieg in Spa war lange Zeit Andreas Bakkerud. Die Audi S1 Supercars vom RX Cartel kamen in Spa richtig in Schwung und der Norweger durfte sich über die Position des Top Qualifiers freuen.

Nach dem Halbfinalsieg musste er sich dann aber dem furios fahrenden Timerzyanov im Finale beugen, dennoch kann er mit dem Wochenende zufrieden sein, hat er doch in der WM ordentlich aufgeholt.

RX Cartel Andreas Bakkerud vor Kevn Hansen
©FIAWorldRallycross.com

Teamkollege Doran war die Überraschung vom ersten Tag, sein Name tauchte nach den ersten beiden Qualifikationsdurchgängen ganz vorne auf. Sicher spielte auch bei feuchten Bedingungen die Reifenwahl an diesem Tag eine große Rolle, der Brite setzte am Ende als einer der wenigen auf Trockenreifen und brannte die schnellste Zeit in Q2 in den Asphalt bzw. in den Schotter.

Zwar konnte er am Sonntag ganz vorne nicht mehr mithalten, doch ins Finale schaffte er es, wenn auch nur um einen Hauch in einer Art Zielsprung-Duell mit Kevin Hansen. Im Finale ramponierte er sich aber in der Startphase seinen Audi S1 nachhaltig, so dass mehr als Rang 6 nicht drin war.

Vor ihm und hinter den ersten Drei liefen Timmy Hansen auf Rang 4 und ein starker Janis Baumanis für die Mannschaft von STARD auf Rang 5 ein. Für das favorisierte Hansen-Team war Rang 4 von Timmy Schadensbegrenzung.

Hansen Motorsport mit wenig Rennglück

Nach dem Rennen in Barcelona kamen Timmy und Kevin Hansen als Favoriten nach Spa. Doch obwohl der reine Speed vorhanden war, fehlte der Truppe das nötige Quäntchen Glück.

Vor allem Timmy wurde nach dem Start immer wieder eingeklemmt und konnte seinen echten Speed zu selten zeigen. Dass dieser vorhanden war bewies der Schwede im vierten Qualifikationsdurchgang. Außen in der ersten Kurve zog er an allen vorbei und setzte eine Zeit, die zwei Sekunden schneller war als der Rest des gesamten Feldes.

Damit schob er sich noch auf den vierten Rang nach der Qualifikation, schaffte es im Semifinale aber dann nur auf den dritten Rang. Somit musste er auf eine gute Startposition verzichten und hatte im Finale am Ende keine Chance mehr auf das Treppchen.

Bruder Kevin musste sich knapp im Semifinale verabschieden, führt aber weiter die WM-Wertung an, in der es nach Spa deutlich enger zugeht.

©racing14.de

Mattias Ekström – Kein Finale beim Kurz-Comeback

Unterdessen zeigte Mattias Ekström, dass er nichts von seinen Rallycross-Fähigkeiten eingebüßt hat. Doch auch der Ex-Weltmeister musste einem schlechten Start Tribut zollen.

Im Semifinale blieb er in der ersten Kurve außen im Tumult der Startphase leicht hängen und kam in der Folge nicht mehr nach vorne. Platz 3 im dritten Quali-Durchgang zeigte aber auch seinen vorhandenen Speed, der alleine reichte an diesem Wochenende jedoch nicht aus, denn die neue Strecke hat ihre eigenen Gesetze.

Im Semifinale war auch Endstation für Timo Scheider, der nach dem ersten Tag in Spa noch unter den Top 4 lag. Doch bei trockenen Bedingungen wurde die Konkurrenz immer stärker, so dass hier mehr als der 5. Platz im Hablfinale nicht drin war. Dennoch wieder mal eine gelungene Vorstellung von Münnich Motorsport.

Rallycross Spa Drift Schotter
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SpaWorldRX – Blick ins Feld

Für die Lokalmatadoren gab es in Spa nichts zu holen. Francois Duval im Skoda von ESmotorsport war zwar schnell unterwegs, lieferte seinen Mechanikern allerdings auch regelmäßig viel Arbeit ab, ob mit oder ohne Feindkontakt.

Guillaume De Ridder schaffte es im Clio der GCK Academy nicht ins Halbfinale, seinem französischen Teamkollegen Cyril Raymond gelang dies, mehr als Rang 5 war dann aber hier nicht mehr drin.

Einen Platz vor ihm lief im Semifinale Anton Marklund ein, doch für die ersten Drei war man dann doch nicht schnell genug. Das Halbfinale war auch leider Endstation für den Ungarn Krisztian Szabo im EKS-Audi, der vorher in der Qualifikation für einen Schreckmoment sorgte.

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Nach einer Kollision mit dem Renault Megane von Guerlain Chicherit stieg Szabo mal schnell aus seinem Supercar bei laufenden Rennbetrieb, während Chicherit wieder losfuhr, knapp am Ungarn vorbei…

Wenig Chancen auf einen Platz im Semifinale hatten von Anfang an Oliver Bennett im Mini, Pal Try im zweiten STARD-Fiesta, Enzo Ide im Audi S1, Herve Knapick im Citroen DS3 und Gregoire Demoustier.

Aber auch sie sorgten für besten Rallycross-Sport in der Weltmeisterschaft, für die der Spa-Auftritt die beste Werbung seit langem war.

Weitere Berichte zu den Rennen der RX2 Supercar Lites Series und der EuroRX Super1600 folgen in den nächsten Tagen, denn auch die beiden Serien lieferten reichlich Action. Dazu gibt es noch eine ausführliche Fotogalerie, um euch mehr Eindrücke vom neuen Kurs zu zeigen.

Jetzt aber nochmal ein wenig WRX-Action in bewegten Bildern zum Genießen. In diesem Sinne, bis bald und Keep Rallying!

WorldRX Spa Finale – Video

World RX Final | 2019 Spa FIA World Rallycross of Benelux

WorldRX Spa Videohighlights

Hansen and Timerzyanov's MEGA Battle! | 2019 Spa FIA World Rallycross of Benelux
Day 1 Highlights | 2019 Spa FIA World Rallycross of Benelux

Ergebnis WorldRX Spa 2019

1. Timur Timerzyanov3:21,352 Minuten
2. Andreas Bakkerud3:23,354
3. Joni Wiman3:24,054
4. Timmy Hansen3:26,772
5. Janis Baumanis3:28,960
6. Liam Doran3:37,725

Rallycross WM Stand nach 3 von 10 Läufen

  1. Kevin Hansen 69 Punkte
  2. Timmy Hansen 58
  3. Timur Timerzyanov 53
  4. Janis Baumanis 52
  5. Andreas Bakkerud 51
  6. Niclas Grönholm 48
  7. Liam Doran 43
  8. Timo Scheider 37
  9. Krisztian Szabo 35
  10. Anton Marklund 31

WM-Stand Teams

  1. Team Hansen MJP 127 Punkte
  2. GRX Taneco 126
  3. Monster Energy RX Cartel 94
  4. GC Kompetition 55
  5. GCK Academy 40
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